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Damiano Cunego


Name:  
Damiano Cunego 
Geburtsdatum:  
19.09.1981 
Geburtsort:  
Verona 
Wohnort:  
Cerro 
Nationalität:  
italienisch 
Größe:  
1,69 m 
Gewicht:  
ca. 60 kg 
Familienstand:  
Freundin Margherita, Tochter Ludovica 
Teams:  
2002 - 2004 Saeco 
 
2005 Lampre-Caffita 
 
2006 Lampre-Fondital 
Internet:  





Portrait



Giro d'Italia 2005

Mit 16 Jahren erst kam Damiano Cunego zum Radsport. Das ist spät, aber in seinem Fall kein Problem, denn der junge Italiener ist im wahrsten Sinne des Wortes zum Ausdauersport geboren. Wie sein Bruder hat er einen natürlich hohen Hämatokritwert (53 %; normal sind ca. 45 %) von seinem Vater geerbt. Und diesen legalen Vorteil, den er dadurch gegenüber seiner Konkurrenz hat, konnte man schon sehen, als ein gewisser Teenager namens Cunego im Crosslauf zahlreiche Erfolge einheimste. So landete er immerhin mal auf dem Podium der italienischen Jugendmeisterschaften im Selbigen.

Aber schon immer hat der Mann aus Verona den Giro und andere Rennen gebannt im Fernsehen verfolgt und deswegen wollte er selbst mit dem Radsport anfangen. Er kommt zwar aus einer Familie, in der Radsport keine Rolle spielt, aber das war ihm egal. Also versuchte er es bei seinem Heimatverein G.S. Goretex. Natürlich schüttelten vermeintliche Experten den Kopf und sagten ihm, dass er schon zu alt sei, um mit diesem Sport zu beginnen. Doch in seinem ersten Jahr fuhr Cunego nicht weniger als 14 Siege ein und alle kritischen Stimmen waren verstummt. Er besuchte weiter die Schule, machte später eine Ausbildung zum Industriemechaniker und fuhr nebenher weiter äußerst erfolgreich Rennen. Schon früh war klar, dass der Italiener für Anstiege prädestiniert ist. Sein Fahrstil, sein Körperbau und auch die Tatsache, dass er in den Bergen wohnt, enttarnen ihn schnell als Kletterer. Doch auch bei Sprints ist Cunego nicht zu unterschätzen, da er für einen Bergfahrer relativ muskulös ist. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 1999 - ausgerechnet in seiner Heimatstadt Verona - sollte dann endgültig die Geburt des "Kleinen Prinzen", wie er heute genannt wird, stattfinden. Der große Favorit bei der WM war ein gewisser Filippo Pozzato. Doch dieser wurde während des ganzen Rennens über von allen Mitfavoriten beäugt, und so fassten sich Cunego und der Russe Kajumov ein Herz. Am letzten Anstieg des Tages konnte Cunego seinen Mitausreißer dann schließlich distanzieren und ein Traum wurde wahr, als er alleine auf die Zielgerade einbog und vor heimischem Publikum seinen ersten großen Erfolg einfahren konnte. Schon länger hatte Guiseppe Martinelli, der Mentor von Marco Pantani, einen neuen Schützling gesucht, denn das Karriereende von "Il Pirata" rückte spürbar näher. Immer wieder gab es Gerüchte über einen Wechsel Cunegos zu Mercatone Uno, dem Team von Pantani. Doch zunächst fuhr der Juniorenweltmeister noch zwei Jahre beim Team Zalf-Euromobili, das die U23-Szene seinerzeit beherrschte. Gelegentlich kursierten wieder Gerüchte, die Cunego mit Martinelli in Verbindung brachten. Schließlich wechselte er dann Ende 2001 zu Martinellis Team Saeco ins Profigeschäft, just zu dem Zeitpunkt als sich Pantani und Martinelli trennten.

Dies war natürlich ein gefundenes Fressen für die italienische Presse, die schon 1999, nach seinem Junioren-WM-Titel damit begonnen hatte, ihn mit Pantani zu vergleichen; ihn gar als den "Neuen Pantani" gepriesen hatte. Sein Fahrstil war bis dato aber das Einzige, in dem er dem Giro- und Toursieger ähnelte. Begegnet sind sich die beiden einmal. Kein besonderes Ereignis, aber es diente sicherlich der Motivation des jungen Cunego, dass er bei einer Trainingsausfahrt auf eine Legende traf.

 





Giro d'Italia 2005

Sein erstes Profijahr verlief relativ unspektakulär. Er war vor allem Helfer, und diese Sache machte er auch ganz gut. Aber insgesamt war dieses erste Jahr bei den "Großen" doch enttäuschend. Hatte man den Italiener schon zu früh in den Himmel gelobt? Ein Jahr später sollte er zeigen, dass dem zumindest ansatzweise nicht so ist. Er kreuzte zum ersten Mal beim Giro d'Italia auf. Dort muss man hin als italienischer Radfahrer, um ein Großer zu werden und von den Tifosi vollends akzeptiert zu sein. Und sein Einstand bei diesem prestigeträchtigen Rennen war durchaus erfolgreich. Als einer der wichtigsten Helfer an der Seite von Gilberto Simoni assistierte er diesem bei dessen Girosieg. Selbst wurde er dabei noch 34., was seine Leistung sicherlich nicht schmälert. Den Rest des Jahres war es relativ ruhig um Cunego, doch Ende des Jahres tauchte er plötzlich im entfernten China auf, um dort eine Etappe und die Gesamtwertung der Qinghai Lake Tour zu gewinnen. Dieses Rennen hat zwar in Europa keinen besonders hohen Stellenwert, aber in China wurde Cunego auf einen Schlag der bekannteste Radfahrer. Seine Mannschaft und insbesondere sein Entdecker Martinelli hatten sich die ersten beiden Jahre der Karriere von Damiano Cunego jedoch ein bisschen anders vorgestellt. Seine Leistungen waren durchaus in Ordnung, aber hatte man sich von einem als Nachfolger Pantanis gehandelten Jungen sicher mehr erwartet, als ein in Europa völlig unbedeutender Sieg in Asien. Deshalb schraubte Martinelli die Erwartungen vor der neuen Saison 2004 deutlich zurück: "Cunego wird in der Zukunft eine gute Rolle spielen können; nicht mehr und nicht weniger!"

 





Tour de Romandie 2005

Natürlich sollte es 2004 ganz anders kommen. Im Februar verstarb Marco Pantani und ganz Italien lag in Trauer und lechzte nach einem neuen Helden, der ihre Herzen erwärmen würde. Keiner dachte dabei an Damiano Cunego, der sich anschickte bei der Trentino-Rundfahrt die komplette Konkurrenz und seinen eigenen Kapitän Gilberto Simoni in Grund und Boden zu fahren. Simoni nahm das noch recht gelassen und machte nochmals deutlich, dass beim Giro sicher er der Kapitän sein würde. Cunego dagegen gewann noch schnell den Giro dell'Appennino und man musste ihn zumindest als Geheimfavoriten für den Giro auf dem Zettel haben. Noch vor dem Giro verlängerte Martinelli fast schon demonstrativ den Vertrag seines Schützlings. Ob er da bereits etwas geahnt hat? Schon auf der zweiten Etappe setzte Cunego ein erstes dickes Ausrufezeichen, als er die Etappe im Sprint einer 40 Mann starken Spitzengruppe gewann. Danach hatten sowohl Simoni, als auch Cunego alle Mühe, den Journalisten zu erklären, dass sich an der Hierarchie im Team nichts verändert habe. Zunächst schienen die beiden im Recht zu sein, als bei der ersten Bergankunft Cunego eine Attacke von Simoni mustergültig vorbereitete und dieser schließlich neben dem Etappensieg auch das Rosa Trikot übernahm. Auf der siebten Etappe jedoch übernahm Cunego die Führung nach einem weiteren Etappensieg. Sein Antritt auf den letzten hundert Metern der Bergankunft war einfach stark, was sogar die versammelte Konkurrenz eingestand. Cunego dagegen sagte weiter, dass er den Giro nie in diesem Jahr gewinnen könne. Beim Zeitfahren, der Disziplin die Cunego am wenigsten beherrscht, musste er dann sein Führungstrikot erwartungsgemäß abgeben. Zwei Tage später holte er es sich zurück. Er attackierte bereits 60 Kilometer vor dem Ziel aus der Favoritengruppe heraus und diese sollte ihn nie mehr zu Gesicht bekommen. Sein Glück war sicherlich, dass die anderen Teams vor allem auf Simoni schauten. Aber der Vorsprung des Youngsters wurde immer größer und schließlich ließ er auch noch die Gruppe stehen, zu der er aufgeschlossen hatte, und fuhr souverän seinem dritten Etappensieg entgegen. Jetzt war die Situation in der Mannschaft schon komplizierter, aber es wollte sich noch niemand zu Cunego bekennen. Es deutete sich dennoch ein Streit an bei Saeco, denn die Aussagen von Simoni in Richtung Cunego wurden vor den drei entscheidenden Dolomiten-Etappen immer giftiger. Nach einer kleineren Krise mit Materialproblemen auf dem Abschnitt nach Fondo Sarnonico ging es am nächsten Tag zur "Schicksalsetappe" nach Bormio. Simoni probierte es noch mal im Schlussanstieg, aber er kam nicht richtig weg. Cunego machte sogar noch Tempo für Simoni und half ihm, Popovych abzuhängen, aber der zweifache Girosieger war einfach nur stocksauer. Angeblich nannte er Cunego einen Bastard und beschimpfte ihn aufs schlimmste. Doch das alles änderte nichts daran, dass der junge Mann aus Verona den Giro letztendlich gewinnen sollte. Jetzt war er endgültig der "Neue Pantani". Die Tifosi vergötterten ihn und im Fernsehen sahen so viele zu, wie schon lange nicht mehr. "A star is born!" - aber man nahm ihn nur in Italien richtig zur Kenntnis. Und leider kursierten sofort erste Dopinggerüchte und jeder wollte genau wissen, was es mit dem hohen Hämatokritwert auf sich hat. Dabei hat jeder dritte Italiener einen solchen "naturgedopten" Zustand.

 

Der Rest der Saison sollte noch einige Highlights für den frischgebackenen Champion bereithalten. Bei der Vuelta im Spätsommer fuhr er ganz ansprechend und landete auf einem guten 16. Rang. Aber die Vuelta diente ihm nur als Vorbereitungsrennen auf die WM. Diese fand ausgerechnet in Verona statt, dort wo Cunego 1999 Juniorenweltmeister wurde, wo alles begann. Er war zusammen mit Bettini Kapitän der Italiener auf dem hügeligen Kurs, der Cunego sehr wohl lag. In jeder Runde ging es einen ganz beachtlichen Anstieg hinauf, doch Bettini musste verletzt aufgeben und für Cunegos Attacken war der Berg zu kurz und zu flach. So kam es zum Sprint einer Gruppe, bei dem der Mitfavorit keine Chance mehr hatte und schließlich "nur" Neunter wurde. Ein wenig enttäuscht reiste er dann zum Ende der Saison zur Lombardei-Rundfahrt. Er wollte scheinbar unbedingt noch einmal gewinnen und attackierte mehrmals ungeduldig und taktisch fraglich. Schließlich kam er trotzdem mit einer Spitzengruppe um Ivan Basso auf die Zielgerade und gewann. Jetzt war er sogar die Nummer 1 der Weltrangliste. Wie schon im Vorjahr schloss er seine Saison in Asien ab und wurde Zweiter beim Japan-Cup. Doch dieses Jahr hatte Martinelli keinen Grund zur Kritik. Cunego war der unangefochtene Fahrer des Jahres und es galt wohl, ihn im nächsten Jahr zu schlagen. Er war gerade einmal 23 Jahre alt und mit ihm gab und gibt es eine neue Generation von Emporkömmlingen, zu der auch Valverde und Wegmann gehören.

 

Damiano Cunegos Start in die Saison 2005 war alles andere als optimal: Preisverleihungen, Fernsehsendungen und Tausende Interviewwünsche hinderten den Italiener an einer vernünftigen Vorbereitung. Als Saisonhöhepunkt suchte er sich natürlich wieder den Giro d'Italia aus. Bei den Rennen, die er im Vorfeld bestritt, fuhr Cunego längst nicht so dominant wie in vorherigen Saison, aber immerhin holte er noch einen Etappensieg bei der Tour de Romandie und - nach einem für Cunegos Maßstäbe sehr guten - Zeitfahren den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Bei den Ardennenklassikern fuhr der Girosieger sehr unauffällig, seine Freundin war schwanger und es bestanden leichte Zweifel, ob er rechtzeitig in Form kommen würde. Und auch er selbst zweifelte an seiner Form. "Irgendwas stimmte nicht", sollte er später zugeben. Trotzdem ging er als der Topfavorit ins Rennen. In der ersten Woche der dreiwöchigen Rundfahrt zeigte Cunego für Beobachter noch keine erkennbare Schwäche. Er wurde sogar zweimal Zweiter, und wieder wurde eifrig über die Kapitänsfrage diskutiert. Cunego oder Simoni? Man wollte die ersten großen Bergetappen abwarten. Auf dem elften Tagesabschnitt war es dann um die Hoffnungen der Tifosi und Cunegos selbst geschehen, als er nach einer Tempoverschärfung von (ausgerechnet) Simoni am Passo Duran einen Einbruch erlitt. Von nun an war klar, dass er sich voll in den Dienst seines Teamkollegen stellen musste. Auf der Etappe nach St. Ullrich fuhren die beiden aus der Favoritengruppe, doch sie wurden wieder gestellt. Das war auch schon so ziemlich alles, was man von Cunego während einer der spannendsten Italienrundfahrten der letzten Jahre gesehen hat. Die Fans unterstützten ihren Liebling dennoch mit unglaublich vielen Fanbussen und Plakaten. Der 18. Platz war allerdings eine herbe Niederlage. Die Ursache dafür sahen die Teamleitung und Damiano selbst vor allem im hohen Druck. Später jedoch stellte sich heraus, dass der Jungstar schon während des Giro d'Italia an einer Form des Pfeifferschen Drüsenfiebers litt. Viele fürchteten schon um die Karriere von Cunego, und als er seinen fest geplanten ersten Tourstart absagen musste, wurde diese Befürchtung sogar noch erhärtet. Im Nachhinein bedauert Damiano vor allem nie mit bzw. gegen Lance Armstrong gefahren zu sein. Aber Cunego kehrte zurück, und anscheinend steckte er die Krankheit sehr gut weg, denn er fuhr sogar noch einige Siege ein, darunter den Japan-Cup zum Ende der Saison. Trotzdem muss man das Jahr 2005 als ein verlorenes Jahr für den Mann aus Cerro bezeichnen.

 

2006 möchte der Italiener seine Fehler aus dem Vorjahr nicht wiederholen. In Ruhe hat er sich in Cerro auf die neue Saison vorbereitet, und seine Tochter Ludovica könnte bei ihm zu einen ähnlichen Ruhepol werden, wie bei vielen anderen Radprofis die Geburt des Nachwuchses. Zu Beginn der Saison scheint der Lampre-Kapitän auf jeden Fall in Topform zu sein. Der Abgang von Simoni stärkt ihm noch mal den Rücken und bei der Settimana Ciclista Internazionale hat er schon gezeigt, dass mit ihm in diesem Jahr wieder zu rechnen sein wird. Außerdem will er die versäumte Tour vom letzten Jahr nachholen, auch wenn er nicht an eine Podiumschance glaubt.

Weiterhin bleibt Damiano Cunego der Held der Italiener. Dieses Jahr wird die Spaltung der Fanlager beim Giro noch größer sein, da Simoni das Team wechselte. Auch mit Mazzoleni gibt es momentan einen kleinen Streit, da dieser von Cunego Unterstützung in Vertragsverhandlungen erwartete. Im Winter absolvierte "Der kleine Prinz" ein intensives Zeitfahrtraining, welches für ihn natürlich unabdingbar ist. Den Giro kann er in den Bergen gewinnen, aber nicht die Tour. Damiano Cunego hat für sein Alter schon sehr viel erreicht und hinter sich, aber so wie es momentan aussieht, hat er auch noch viel vor sich…

 

von Perry, April 2006

Fotos capture-the-peloton, velo-photos.com, cyclingimages



Ergebnisse:

Amateur

Sieger bei der Juniorenweltmeisterschaft 1999

Zweiter der Italienischen Straßenmeisterschaft

Vier bedeutende Amateursiege und zahlreich zweite Plätze

2002

Sieger Giro d'Oro

Sieger Giro del Medio Brenta

2003

Gesamtsieger Tour de Qinghai Lake & ein Etappensieg

Sieger Memorial Gastone Nencini

2004

Gesamtsieger Giro d'Italia & 4 Etappensiege

Sieger Lombardei-Rundfahrt

Sieger Trentino-Rundfahrt

Sieger Appennin-Rundfahrt

Sieger Giro de Larciano

Sieger GP Nobili

Sieger GP Fred Mengoni

Führender der Weltrangliste zum Saisonabschluss

2005

Etappensieger Tour de Romandie

Sieger GP Nobili

Sieger Trofeo Melinda

Sieger Japan-Cup

2006

Sieger Settimana Ciclista Internazionale



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