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Doping im Radsport



die PDM-Affaire

 

1991 mußten alle Fahrer des Teams PDM die Tour de France wegen unklarer Krankheitsymptome aufgeben. Gerüchte sprachen schnell von Doping. 1995/1996 kam dann die ganze Wahrheit an den Tag.



 

 

Vorwort von Werner:

 

Ende des letzten Jahrtausends gingen drei ehemalige niederländische Radprofis Steven Rooks, Peter Winnen und Maerten Ducrot, an die Öffentlichkeit und gestehen systematisches Doping in ihren Teams. Eigentlich nichts besonderes, das Geheule der Verantwortlichen nichts gewußt zu haben, ist wie immer groß. Als Fan registriere ich alles nur so nebenbei, die Erinnerungen an die Tour 98 sind noch all zu gut im Gedächtnis und es überrascht einen keineswegs. Und über PDM gab es schon bei der Tour 1991 nach dem Ausstieg des ganzen Teams die wildesten Gerüchte und Spekulationen. Vor ein paar Wochen bat mich maki, sie bei einem Projekt für C4F über die Geschichte des Dopings im Radsport zu unterstützen. Geschmeichelt stimmte ich ihr und wir stießen bei unseren Recherchen u. a. auf „die Affäre PDM“. Es war frustrierend. Der Fall zeigt alles auf und das vor der berühmten Doping-Tour 98. Sie stecken alle unter einer Decke, die Industrie, die Fahrer, die Teams, die sportlichen Leiter, die Ärzte, die Apotheker, die Dopingfahnder und die organisierte Kriminalität. Im folgenden Beitrag fasse ich alle zusammengetragenen Informationen über die PDM Affäre kurz zusammen.

 



Plein de Manipulations de Dopage (Jede Menge Dopingmanipulationen)




 

Die PDM Affäre

Der Radsport und seine mafiösen Strukturen am Beispiel des PDM-Teams

 

Als wir mit PDM begannen, haben wir untereinander abgesprochen, nicht das größte ethische Team des Pelotons werden zu wollen.“ (Manfred Krikke, der frühere Manager, gegenüber „De Limburger“)

 

27 Februar 1990, PDM Profi Johannes Draaijer stirbt an einer Herzattacke. Danach geht seine Witwe an die Öffentlichkeit und sagt aus, dass ihr Ehemann Erythropoietin genommen hat. Ein tragischer Fall, der irgend etwas veränderte? Der die Verantwortlichen im Radsport oder zumindest bei PDM zu einem Umdenken bewog? Nein, der Tod eines Kollegen wurde wohl verdrängt oder ignoriert. Das zeigt ganz deutlich die Saison 1990, die erfolgreichste von PDM. 1990 gab es vier positive Doping-Fälle im Team und im Laufe des Jahres mußten 2 Fahrer, darunter der Weltmeister Rudy Dhaenens, ihre Karriere auf Grund von Herzproblemen beenden.

 

1997 zeigte E. Vrijman, Direktor des Niederländischen Zentrums für Dopingfragen (NeCeDo), am Beispiel Rudy Dhaenens und dessen WM Sieg die Verbindungen der Chemieindustrie und des Radsports auf. Während der Veranstaltung hatte er ein Gespräch mit einem Doktor des amerikanischen EPO Produzenten Amgen. Dieser Doktor flüsterte Vrijman, dass die Belgier mit EPO seiner Firma fuhren. Ein belgischer Kollege im Unternehmen, auch Arzt, hat es ihm kurz vorher erzählt. Unter tropischen Bedingungen dominieren 2 Belgier das Rennen und machen den Sieg unter sich aus: Rudy Dhaenens (PDM) gewinnt, Dirk De Wolf (PDM), sein Landsmann wird 2..

 

Der nächste Skandal für den FC Bayern im Radsport folgte im darauf folgendem Jahr bei der Tour 1991. Alle Fahrer des Teams mußten das Rennen am selben Tag aufgeben. Die Stars Erik Breuking, Sean Kelly und Raul Alcala belegten in der Gesamtwertung zu dem Zeitpunkt die Plätze 3, 6 und 9. Dopinggerüchte waren sofort in aller Munde, ebenso schnell gab es irgendwelche Ausreden und die verschiedensten Erklärungsversuche: Viruserkrankungen, eine Lebensmittelvergiftung, Salmonellen ......

 

1996 gesteht der damalige PDM Profi Uwe Raab angeblich, dass an dem Ausscheiden der Mannschaft unsachgemäß gelagerte Dopingprodukte schuld waren. Ein kleines Detail am Rande, Jean Marie Leblanc bezeichnete den damaligen sportlichen Leiter Jan Gisbers, während des Skandals als Kleinkriminellen. Nach der Auflösung des Teams PDM wechselte eine Teil des Teams (Fahrer, Betreuer) zu Festina, 98 folgte der nächste Skandal, Leblanc zeigte sich auf Grund der Enthüllungen und des Dopingsausmaß in der Öffentlichkeit überrascht.....

 

Das ganze Ausmaß der Dopingpraktiken bei PDM kam Ende 1995 Anfang 1996 an das Licht der Öffentlichkeit. Die niederländische Steuerfahndung entdeckte in Folge einer Überprüfung bei dem Sportmediziner und ehemaligen Arzt des PDM Rennstalls Wim Sanders, ein System von schwarzen Kassen. Die nachfolgenden Untersuchungen der Staatsanwaltschaft von Maastricht legten das ganze Dopingsystem von Sanders offen, auch Verbindungen zur belgischen Drogenmafia konnten hergestellt werden. Zwischen den Jahren 1990 und 1995 erwarb Sanders in verschiedenen Apotheken in der Provinz Limburg, auch in einer Apotheke in Deutschland und beim belgischen Apotheker Willy Jeandarme, unter anderem Eprex, die Handelsbezeichnung für EPO, und versorgte damit, laut Aussagen seiner Mitarbeiterinnen, die Rennfahrer des PDM Stalls, lokale Eishockey Spieler und Body-Builder. Pech für Sanders, dass er die Medikamente auf Rechnung kaufte und sie in der Buchhaltung auftauchten. Und unter seinen Patienten befand sich keiner mit einem Nierenleiden....

 

Interessant ist die Verbindung von Wim Sanders zum belgischen Apotheker Willy Jeandarme. Jeandarme gilt als ein Freund von Eddy Merckx und es ist bekannt, dass auch Anquetil und Gimondi ihn des öfteren zu Hause aufsuchten und um Rat baten. Das erste Mal den Behörden bekannt wurde der Name von Jeandarme während einer Drogenaffäre in Belgien. Bei einer Hausdurchsuchung bei Danny Leclere, ermordeter belgischer Drogenboß und kein unbekannter in der Radsportszene, tauchen Rechnungen aus Jeandarmes Labor auf, die aufzeigen, dass er Lieferant für Lecleres Dealerring war. Im Zuge der Ermittlungen um Sanders gibt Jeandarme zu, dass er Sanders und andere Teams in den Niederlanden, Belgien und Italien mit Medikamenten versorgte. Ebenfalls Kunde von ihm war nach seiner Aussage Eric Reykaert, der Nachfolger von Sanders bei PDM und spätere Teamarzt von Festina.

 

Ende 1999 gingen dann die 3 ehemaligen Radprofis Rooks, Winnen und Ducrot in die Öffentlichkeit und packten über die Dopingpraktiken im Radsport aus. Jan Gisbers gab darauf hin zu, alles gewußt zu haben: „Die Ärzte melden nicht alle Details an die Teamleitung. Aber im Großen und Ganzen wissen diese was los ist.“ Gisbers gestand nebenbei, dass der inzwischen pensionierte Mediziner und ehemaliger Leiter des Anti-Doping Labors von Utrecht, Jacques van Rossum in einer Nebentätigkeit das PDM-Team über den Gebrauch von verbotenen Mittel beriet. Der Kreis schließt sich.

 

Quellen:

 

Harald Krämers, Das Tour de France Buch, Rowohlt 1998

radsportnews / cyclingnews.com

Tagesspiegel / berlinonline.de / sportgericht.de / cyclismedopage

 

Beitrag von Werner, Februar 2004


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