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Doping-Prävention / Antidoping



Dopingprävention: BDR-Projekt "GATE" - ein Pilotprojekt



GATE steht für: Tor zu einem glaubwürdigen, authentischen, transparanten und an ethischer Verantwortung orientierten Sport




Kontakt Ansprechpartner:

Hilmar Heßler, BDR Referat Jugendsport

Peter Lautenbach, dsj Ressortleiter Jugendarbeit im Sport

Prof. Gerhard Treutlein, Heidelberger Zentrum für Dopingprävention

 

 

 



Dopingprävention - vordringliche Aufgabe für Trainer/innen




Das auf 2 Jahre geplante Modellprojekt der Deutschen Radsportjugend im Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der Deutschen Sportjugend und des Zentrums für Dopingprävention richtete sich vor allem an die Untergliederungen im BDR, die Leistungssport betreiben und Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ausbilden. Die Trainer und Trainerinnen sollen für die Dopingproblematik sensibilisiert und befähigt werden, für und mit den Ihnen Anvertrauten Bedingungen zu schaffen, die den Griff nach unterstützenden Mitteln unnötig macht. Ziel war durch eigenständige Arbeit der Landesverbände in überschaubarer Zeit alle Ausbilder/innen (A-, B- und C-Trainer/innen) für die Dopingprävention zu gewinnen.

 

An sich sind sich die meisten Verantwortlichen im Leistungssport, nicht nur im Radsport, darüber einig, dass repressive Maßnahmen, wie Kontrollen und Strafen, zwar wichtig sind und erweitert werden müssen, doch langfristig nicht ausreichen, allein schon aufgrund der Kosten, die solch ein System mit Trainings- und Wettkampfkontrollen, mit Blut- und Urintests und den neueren Entwicklungen hin zu individuellen Blut- und Hormonprofilen verursachen. Völlig unbezahlbar dürften zusätzliche leistungsfähige Kontrollprogramme im Jugend- und Amateurbereich sein.

 

Die Deutsche Sportjugend (dsj) war einer der ersten Verbände, der die Notwendigkeit einer qualifizierten Dopingprävention im Jugendbereich erkannte. Gemeinsam mit dem Zentrum für Dopingprävention wurden Materialien, Konzepte und Projekte entwickelt, die geeignet sind an der Basis des Leistungssports, in den Vereinen eingesetzt zu werden. Jetzt galt es zusätzlich ein Modell zu entwickeln, mit dem langfristig und nachhaltig komplexe Verbandsysteme erreicht werden können.

 

Die Deutsche Radsportjugend im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) griff die Idee auf und gemeinsam wurde das Modellprojekt "GATE" entwickelt. Die Kosten für 2 Jahre werden überwiegend von der dsj getragen, der BDR gibt 20 000 € hinzu.

 

Am 31,12.2008 endete das Modell-Projekt. >>> Fazit:

"Als eines der wichtigsten Ergebnisse der Modellphase ist herauszuheben, dass der Bund Deutscher Radfahrer (Deutsche Radsportjugend) nun die Dopingpräventionsarbeit als integrierten Bestandteil der Trainer/-innen Aus- und Fortbildung in die Ausbildungsordnung und -inhalte aufgenommen hat. Das Konzept orientiert sich dabei an den Inhalten der Arbeitsmedienmappe zur Dopingprävention, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Dopingprävention und der dsj bereits seit 2006 als Lehrmaterial eingesetzt wird. Für die Trainerausbildung (A,B,C) im BDR sind jetzt insgesamt 24 Stunden zu Anti-Doping und Dopingprävention vorgeschrieben.

Eine wichtige Erkenntnis ist aber auch, dass für eine nachhaltige und erfolgreiche Dopingpräventionsarbeit in einem Spitzenverband ein tragfähiges Fundament von finanziellen und personellen Ressourcen geschaffen werden muss. ...

Ingo Weiss, der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, sieht die Hauptaufgabe der dsj nun darin, die aus GATE gewonnenen Erfahrungen für andere Jugendorganisationen nutzbar zu machen und möglichst viele Spitzenverbände dazu zu bringen, noch stärker in eine systematische und nachhaltige Dopingprävention über die Implementierung des bei GATE gewählten pädagogischen Ansatzes zu investieren. "






gate: Ausgang, Eingang, Tor, Pforte, Weiche, Schranke, Sperre...
© Mani Wollner



Hintergrund



Sascha Severin:
"Radsport ohne Medikamente funktioniert nicht, heutzutage sind Radsportler im Kinder- und Jugendbereich Profis im Miniaturformat."
Hans Geyer:
"Wir haben es mit einem extremen Problem innerhalb unserer Gesellschaft zu tun. Es wird alles probiert, was auf dem Markt ist. In vielen Sportarten ist kaum ein Athlet mehr ohne Schmerzmittel am Start."
(die Welt, 7.6.2007)

Doping fällt nicht vom Himmel, sondern es gibt Entwicklungen, Verführungen, Konstellationen, Strukturen, die Athleten dazu bewegen oder ihnen kaum eine andere Wahl lassen. Es gilt dieses Hintergründe zu erkennen und zu hinterfragen. So ist z. B. der Griff zu unterstützenden und leistungssteigernden Medikamenten und Drogen kein isoliertes Problem des Hochleistungssports sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Nahrungsergänzungsmittel und Schmerzmittel sind häufig selbstverständlich sowohl für Eltern als auch Trainer, Betreuer und Ärzte. Jugendliche wachsen damit auf. Schleichend kann sich auf diese Weise eine Abhängigkeit nach unterstützenen Mitteln entwickeln. Das Vertrauen in die eigenen körperlichen und mentalen Fähigkeiten wird unterhöhlt, Selbstvertrauen wird abgegeben. Abgesehen davon, dass gesundheitliche Gefahren mit der Einnahme verbunden sind, zumal für Jugendliche, die die Substanzen anders verwerten und darauf empfindlicher reagieren als Erwachsene.

 

Grundgedanke dieses Präventionskonzeptes ist daher die Absicht Verantwortliche und Betroffene - bei 'GATE' liegt der Schwerpunkt auf der Trainer-Sportler/innen-Beziehung - zu sensibilisieren, zu informieren, zum Überdenken eigener Verhaltensmuster und Rollen anzuregen und letztlich auch eine neue Diskussion um die Werte im Sport anzubahnen.

 

Das Projekt war auf zwei Jahre angelegt (2007 und 2008) und wurde Anfang 2009 beendet. Die Erfahrungen sollen nun in die Präventionsarbeit für anderer Jugendorganisatoren einfließen. "Ingo Weiss, der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, sieht die Hauptaufgabe der dsj nun darin, die aus GATE gewonnenen Erfahrungen für andere Jugendorganisationen nutzbar zu machen und möglichst viele Spitzenverbände dazu zu bringen, noch stärker in eine systematische und nachhaltige Dopingprävention über die Implementierung des bei GATE gewählten pädagogischen Ansatzes zu investieren." (DOSB 11.2.2009)



Dem Projekt liegt ein interdisziplinärer Ansatz zu Grunde. Entsprechend konnten einige erfahrene Dopingexperten verschiedener Arbeitsbereiche zur Mitarbeit gewonnen werden. Diese Teamer entwickelten gemeinsam das Konzept und führen Fortbildungsseminare durch, mit deren Hilfe im Laufe eines überschaubaren Zeitraums möglichst viele Trainer/innen des BDR (Straße- und Bahnradsport) erreicht werden sollen.



die einzelnen Schritte, der zeitliche Verlauf

- Multiplikatorenschulung: Die 17 Landesverbände innerhalb des BDR mussten je zwei qualifizierte Personen (A-Trainer) benennen, die als Multiplikatoren in den Verband hinein wirken können. Die nötige Schulung erfolgt mittels eines Wochenendseminars. Das erste Seminar, an der die Hälfte der LV-Vertreter teilnahm, fand am 22. - 24. 2.2008 in Frankfurt statt. Das zweite ist im Oktober angesetzt.

 

- Schulung A-Trainer: Die Multiplikatoren werden mit Unterstützung je eines Teamers innerhalb eines Jahres die A-Trainer ihres Landesverbandes schulen.

 

- Schulung B- und C-Trainer: Den A-Trainern obliegt dann die Aufgabe innerhalb ihrer Landesverbände Strategien und Maßnahmen zu entwickeln und anzubieten, mit denen die B- und C-Trainer innerhalb von 2 Jahren vor Ort erreicht und sensibilisiert werden können.

 

- Materialien: Ein kleines Handbuch und ein Lehrvideo für die weiterführende Arbeit der Multiplikatoren und Aktiven in den Landesverbänden werden entwickelt.

 

- Ergänzende Weiterbildung aller A-Trainer: Ein erstes Symposium zur Dopingprävention fand im November 2007 statt. Ergebnis war die Leipziger Erklärung, in der weitreichende Forderungen an den BDR gerichtet wurden, die jetzt in das GATE-Projekt eingeflossen sind. Eine Nachfolgeveranstaltung fand im November 2008 ebenfalls in Leizig statt. Die Leipziger Erklärung wurde erneuert bzw. erweitert: Leipziger Erklärung 2008



Thematiken, Schwerpunkte

Folgende Thematiken wurden angesprochen bzw. erarbeitet (die Liste ist nicht vollständig):

Kernausagen der Dopingprävention:

Leistungssport und Erfolg ja, Erfolgsfixierung nein

Krankheiten respektieren

Siegen und Verlieren können

Reflexionsfähigkeit fördern

Anerkennung, Sicherheit, Zugehörigkeit vermitteln

 

Problembewusstsein vermitteln:

Wen geht es an?

Wann und wie beginnt Doping?

Welche Hürden stehen Doping im Weg?

Welche Bedeutung spielen Trainer, Betreuer, Eltern, Ärzte u.a.?

Wie sehen die Beschaffungswege aus?

Gibt es eine Dopingpersönlichkeit?

Gibt es gesundheitliche Gefahren?

 

Definition und Grundfragen:

Was ist Doping, wann ist ein Sportler gedopt?

Was versteht man unter Alltagsdoping?

Rolle und Gefahren der Nahrungsergänzungsmittel

Wirkung und Nebenwirkungen von Substanzen

Informationsmöglichkeiten

Regelwerk

 

Pro und Contra, Argumente, eigenen Standpunkt finden und Argumentieren lernen






Beispiel: Übersicht zur Aus- und Fortbildung von Übungsleiter/-innen Trainer/-innen am Beispiel der neuen Ausbildungsordnung des Bundes Deutscher Radsfahrer e.V. (Stand 10.2010)
mehr Infos siehe Arbeitsmedienmappe "Sport ohne Doping"



gefragt: Änderungswille, Ausdauer und Mut zum Experiment



Wellenschlagen...
© Mani Wollner

Mit dem Projekt wird Neuland bestritten. Sollte sich das Konzept als tragfähig erweisen, könnte es auf weitere Sportverbände übertragen werden. Vieles wird davon abhängen, ob es gelingen wird, auf allen Ebenen weitere Mitstreiter, zusätzliche Multiplikatoren zu finden; ob weitere Geldgeber bereit sein werden, solchen langfristig angelegten, sich dem schnellen Erfolg versperrenden Maßnahmen, ihr Vertrauen zu schenken. Vor allem aber wird entscheidend sein, ob in den Landesverbänden, bei den Funktionären, bei den Trainern und Trainerinnen und an der Vereinsbasis, das Thema Dopingprävention überhaupt als wichtig eingestuft wird, denn: ist Doping nicht vor allem ein Problem des Profisports, der höchsten Leistungsklassen? Besteht nicht die Gefahr, dass der Radsport seine letzte Glaubwürdigkeit verliert und Sponsoren abgeschreckt werden, wenn das Doping-Thema nun auch schon auf unterster Vereinsebene diskutiert wird? Die Projektverantwortlichen verneinen solch eine negative Wirkung. Sie ziehen den anderen Weg vor: Es sei an der Zeit, offensiv mit dem Dopingthema umzugehen, denn zu lange wurde es tabuisiert. Der öffentliche Dialog ist für sie Teil des Weges aus der Krise.

 

Und werden die verantwortlichen Ausbilder und Ausbilderinnen bereit sein, ihr eigene Rolle, ihr über lange Jahre eingespieltes Verhalten zu überdenken?

 

Und nicht zuletzt kann man vermuten, dass der Erfolg des Projektes auch davon abhängt, ob im BDR ernsthaft an der Aufklärung eigener Dopingverstrickungen in der Vergangenheit gearbeitet wird.



das Team, die Teamer

Das Fortbildungsseminar für die Multiplikatoren führten durch:

 

Prof. Dr. Gerhard Treutlein, Heidelberger Zentrum für Dopingprävention (HZDP)

Toni Kirsch, Präsident des Radsportverbandes Nordrhein-Westfalen, Vorsitzender der Deutschen Radsportjugend

Manuel Ruep, Wissenschaftlicher Mitarbeiter HZDP

Michael Sauer, Manfred Donike Institut für Dopinganalytik e.V., Deutsche Sporthochschule Köln

Dr. Sascha Severin, Sportsoziologe, Initiator 'Neusser Modell' für Dopingprävention im Radsport

Thomas Dressler, Anti-Doping-Beauftragter des Radsportverbandes Württemberg

Gert Hillringhaus, Jugendleiter des Radsportverbandes Schleswig-Holstein

 

Desweiteren arbeiten am Pilotprojekt mit:

Astrid Offer, Sportmedizinerin

Dr. Achim Schmidt, Radsport-Dozent, Deutsche Sporthochschule Köln

Ralf Meutgens, Journalist, A-Trainer

Hilmar Heßler, Leiter des Referats Jugend beim BDR

Peter Lautenbach, Ressortleiter Jugendarbeit im Sport, dsj




Lautenbach - Heßler - Ruep - Hillringhaus - Sauer - Kirsch - Treutlein - Dressler
© Ralf Meutgens



 

Zusammenfassung von Monika, März 2008


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