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BRD / DDR - Vergangenheit und Gegenwart



Hansjörg Kofink: streitbarer Antidoping-Kämpfer vor, während und nach seiner Präsidentschaft in Deutschen Sportlehrerverband DSLV

Hansjörg Kofink arbeitet von 1970 bis 1972 als DLV-Bundestrainer, war 1979 - 1989 Vizepräsident des Deutschen Sportlehrerverbandes von und 1989 - 1999 Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes. In diesen Positionen wandte er sich immer engagiert gegen jede Form des Dopings und nahm nie ein Blatt vor den Mund. Auch nach seiner Pensionierung stritt und streitet er weiter für seine Überzeugung. Im August 2009 erhielt er gemeinsam mit Johanna Sperling, Henner Misersky und Horst Klehr die Heidi-Krieger-Medaille für engagiertes und mutiges Auftreten gegen Doping.

 

Im Folgenden können neben einer >>> Kurzvita einige seiner eigenen und von ihm initiierten und mitgetragenen Texte nachgelesen werden. Die Texte machen deutlich, wie bekannt vieles war und wie wenig von offizieller Sportverbands-, Politik- und Ärzteseite etwas geändert wurde bzw. geändert werden wollte.



2014 Kofink: Kommentare/Meinungen
2013 Kofink: Kommentare/Meinungen
Kofink/Lepping: Dopingforschung, PM 31.7.2013
Kofink: Doping-Opfer-Rente - Briefe 5.2013
Kofink: Wie ich gelernt habe, mich zu wehren, 2009
Schriftwechsel 2009 H. Kofink mit DLV und DOSB
Kofink: Antwort auf Walter Tröger, 7.4.2009
Kofink: Olympische Idee ist tod, 2008
Doping wird gelernt. 11.2007
Kofink: Werte des Sports, 2007
Kofink: Gedopt?...Erledigt! 2007
Kofink: Sportsommer 2006
Kofink: Schulsport – Nachwuchsförderung für die Leistungsspitze? 1993
Kofink: Vorbild Olympia 1988, 10.1988
Schriftwechsel 1972 H. Kofink mit DLV und NOK
DSLV, Resolution Kinderdoping SU 43/1994
DSLV, Doping Spitzensport SU 8/1994
DSLV, DSV: Kontroverse um dopingbelastete Trainer 1993
DSLV, DLV: Einstellung dopingbelasteter DDR-Trainer 1993
DSLV, Kofink Hollmann SU 11/1991
DSLV, Worauf warten wir noch? 2.11.1991
DSLV, Reaktion Testosteronforschung 11.1991
DSLV, Doping Hochleistungssport SU 10/1991


Hansjörg Kofink - 1970 bis 1972 BRD-Trainer im Kugelstoßen der Frauen

 

Hansjörg Kofinks Name ist eng verbunden mit dem Widerstand gegen das Anabolika-Doping in den 70er Jahren.

 

Von 1970 bis 1972 arbeitete er als Bundestrainer der Frauen im Kugelstoßen. Im blieb die Entwicklungen im Ostblock und auch im Westen nicht verborgen, wahrscheinlich wie so manchen anderen auch, doch er ging entschieden dagegen an.

 

Als das NOK von ihm trainierte Sportlerinnen nicht für die Olympischen Spiele 1972 in München zugließ, wurde er deutlich. Für ihn war klar, die verlangten und erwarteten Leistungen seien nicht ohne Anabolika zu erreichen. Singler/Treutlein fassten die Situation zusammen:

 

"Er und seine Kugestoßerinnen erlebten mit, wie:

 

- Athletinnen, die etwas das Leistungsniveau der bundesdeutschen Athletinnen hatten, plötzlich deutlich weiter als diese stießen,

 

- reife Damen wie Iwanowa oder Nekrassowa nach jahrelanger Leistungsstagnation plötzlich wesentlich weiter stießen als in jungen Jahren,

 

- die DDR-Konkurrentin Margitta Gummel sich 1968/69 rasant steigerte,

 

- die andere Ostblockkonkurrenz im Wesentlichen 1969 nachzog, nach zum Teil jahrelangem gleich bleibendem Leistungsniveau,

 

- wie den bundesdeutschen Kugelstoßerinnen "wegen mangelnder Leistungsstärke" die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972 - im eigenen Land - verwehrt wurde."

 

Kofink konkretisierte die Lage mit Hilfe einer Tabelle, in der er die Leistungsentwicklungen der führenden Kugelstoßerinnen weltweit aufführte:

>>> Zitate und Tabelle, Treutlein, 2006, S. 62 f, S. 76 ff

 

Mit verschiedenen Schreiben wandte sich der Trainer an das NOK, den DLV und an die Presse. Darin fasste er seine Erkenntnisse und Befürchtungen zusammen. Danach gab er seine Job als Bundestrainer auf.

 

Die Schreiben und die Antwort des NOK sind hier nachzulesen:



1972: Kofink-Brief an NOK, 5.8.1972
1972: Brief NOK an Kofink, 11.8.1972
1972: Kofink-Antwort an NOK, 11.8.1972
1972: Kofink-Brief an DLV, 11.8.1972


Zitate aus dem Schreiben an das NOK im August 1972:

>>> Kofink, August 1972:

"Aufgrund meiner Erfahrungen, die ich während meiner Trainertätigkeit beim DLV seit 1970 und den damit verbundenen internationalen Kontakten sammeln konnte, steht für mich eindeutig fest, daß diese Entwicklung ohne Anabolika oder ähnlich wirkende Mittel undenkbar ist! Dabei ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die DDR und die UDSSR über die Phase des Experimentierens mit diesen Stoffen längst hinaus sind ... Daß der Deutsche Leichtathletik-Verband die Anabolika im Alleingang auf die Doping-Liste gesetzt hat, ist reine Augenwischerei, die ihn jeder weiteren Auseinandersetzung in dieser Frage enthebt."

(...)

Meine persönliche Stellungnahme zu diesem Problem steht fest (...) Ich lehne den Gebrauch von Anabolika, insbesondere bei Frauen, kategorisch ab. (...) Aus Ihrer Entscheidung muß ich entnehmen, daß der 'olympische' Leistungsstand im Kugelstoßen der Frauen auch vom NOK für Deutschland gebilligt und gutgeheißen wird. Sie liqidieren damit eine Disziplin der Frauen-Leichtathletik in unserem Land, die sich aus guten Gründen gegen den sich seit Jahren immer mehr verbreitenden Anabolika-Mißbrauch gestemmt hat. Sie werden es sich gefallen lassen müssen, daß dieser, Ihr Beschluss als eine de-facto-Zustimmung zur Verwendung von Anabolika auch im Frauensport gedeutet wird, und Sie werden die Verantwortung dafür zu tragen haben, wenn der von Sportärzten mehrfach beklagte Anabolika-Mißbrauch in der Jugend-Leichtahletik im DLV-Bereich von nun an auch auf die Mädchen übergreifen wird! ... Ich finde die Haltung des NOK zu diesem Problem ausgesprocen zynisch. Sie bestrafen Athletinnen, die sich an Ihre Gesetze halten ... ."



Kurzvita Hansjörg Kofink



Kofink über die Verleihung der Heidi-Krieger-Medaille:

"Das ist ein Symbol, das mich sehr nachdenklich macht. Denn wenn man einen Preis für etwas bekommt, was eigentlich selbstverständlich ist, nämlich sich an die Regeln zu halten, dann ist irgendwas nicht mehr in Ordnung. Und was nicht mehr in Ordnung ist, das wissen wir beide ganz genau: Das ist die Welt des Leistungssports bei uns hier und heute. Die ganzen Probleme, die wir heute haben, hängen ausschließlich damit zusammen, dass die Spitze des deutschen Sports in der Wendezeit komplett versagt hat."
(dradio, 22.8.2009)

Hansjörg Kofink ist Sportpädagoge, bis ins Jahr 2000 lehrte er als Gymnasialprofessor in Reutlingen, seither lebt er im Ruhestand.

 

Er wurde 1936 in Stuttgart geboren, ist verheiratet und hat drei Töchter. Seine Frau ist ebenfalls Sportlehrerin und Leistungssportlerin.

 

H. Kofink war u.a.

von 1979 - 1989 Vizepräsident des Deutschen Sportlehrerverbandes, Ressort Schulsport;

von 1987 - 1999 Mitglied im Steering Committee des ICHPER Europe;

von 1989 - 1999 Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes;

von 1991 - 1999 Mitbegründer und Member of the Board, European Physical Education Association; (EUPEA)

 

Im Deutschen Sportbund DSB arbeitete er von 1979 - 1998 in verschiedenen Kommissionen und Ausschüssen mit.

 

Sportliche Erfolge / sportlicher Werdegang u.a.:

1957 Deutscher Hochschulvizemeister mit der Universität Tübingen, Halle und Feld;

1964-70 Landestrainer Württembergischer Leichtathletikverband (Kugel, Diskus, Krafttraining)

1970-72 Bundestrainer Kugel Frauen DLV; zurückgetreten (Protest gegen Anabolika);

1978-88 vielfacher Württembergischer und Süddeutscher Meister, Seniorenfaustball

1987 Vizemeister Deutsches Turnfest Berlin, Deutscher Vizemeister Faustball M50;

 

Hansjörg Kofink erhielt 1990 das Bundesverdienstkreuz und ist seit jenem Jahr Ehrenvorsitzender des Sportlehrerverbandes Baden-Württemberg und seit 1999 Ehrenmitglied des Deutschen Sportlehrerverbandes (DSLV)

 

Im August 2009 erhielt er gemeinsam mit Johanna Sperling, Henner Misersky und Horst Klehr die Heidi-Krieger-Medaille für engagiertes, konsequentes und mutiges Auftreten gegen Doping (Link)

 

 


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