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BRD / DDR - Vergangenheit 

Doping in der BRD - 1950er und 1960er Jahre

Dopingdiskussion/-forschung 1950er JahreErik Eggers, Berlin: „Doping in Westdeutschland beginnt schon 1949.“
Am 25. 10. 2010 wurde in Leipzig der erste Zwischenbericht des Forschungsprojektes "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" vorgestellt. Das Projekt wird mit 500 000.- Euro durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft finanziert und ist bis zum Jahr 2012 angelegt. Beteiligt sind Forschergruppen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Prof. Michael Krüger) und der Humboldt Universität Berlin (Prof. Gieselher Spitzer).
Die Forscher hielten fest, dass bereits in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eine intensive und kontroverse Diskussion über die künstliche Leistungssteigerung eingesetzt hatte und schon immer hätten wirtschaftliche Interessen deren Einsatz mitbestimmt. Sie heben auch hervor, dass eine bedeutende Rolle in der Entwicklung in allen Jahrzehnten Ärzten zugekommen sei. Der Gesamtkomplex wurde zudem unter rechtlichen und ethischen Aspekten betrachtet und analysiert.
Im folgenden Text versuche ich einige der in der Vorstellung des Zwischenberichtes angesprochenen Fragen etwas näher darzustellen, insbesondere greife ich auf das Manuskript von Erik Eggers zu. Eggers machte bereits 2006 eigene Forschungsergebnisse öffentlich, auch daraus zitiere ich, ebenso wie ich versuche andere Quellen und Informationen einzubinden. 

Gescheiteres Forschungsvorhaben ?
Im November 2012 hätte das Forschungsvorhaben mit entsprechenden Ergebnissen abgeschlossen sein sollen. Das Projekt war in der Tat zu Ende, besser gesagt am Ende. Es scheint gescheitert, veröffentlichte Ergebnisse liegen kaum vor. U.a. sollen die Datenschutzbestimmungen nach Angabe der Berliner Forschungsgruppe zu hoch gewesen sein, eine Freigabe der Texte sei verhindert worden, so ein Bericht über 800 Seiten über die Jahre 1950-1990.
Das BISP widersprach und gab ein Schreiben vom 30.5.2012 bekannt, in dem die Veröffentlichung genehmigt worden war.
Veröffentlicht und kostenfrei zugänglich sind bislang einige Abhandlungen über
Dopingskandale in der Bundesrepublik Deutschland bis 1990, verfasst von Mitarbeitern der Universität Münster.
Für die 1950/1960er Jahre wurden dabei die Entwicklungen und Diskussionen rund um Sportarzt Martin Brustmann und den Tod von Boxer Jupp Eldie analysiert (s.a. OS Montreal 1976). 

Doping in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Zeitgeist |  | 

Amphetamine, Anabolika und Co. in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:FAZ, 10.5.2005NZZ, 16.4.2005John Hobermann, Sterbliche Maschinen, 1994, Experimente, Forschungen, Hintergründe; speziell die Rolle von Ärzten "In Wirklichkeit entwickelten deutsche Ärzte das erste und fortschrittlichste medizinische Establishment bereits in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die substanziellen (und manchmal ethisch zweifelhaften) Leistungen der westdeutschen und ostdeutschen Sportärzte nach dem Krieg stellen daher getrennt verlaufende Fortsetzungen einer gemeinsamen Tradition dar." (Hobermann, S. 252) Andreas Singler, Doping und Enhancement, 2012, hier insbesondere die Entwicklung des Dopingbegriffs im Rahmen der (sport)medizinischen Diskussion und Forschung. 1943/1953 frühe Dopingmittel, leistungsteigernde Substanzen
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Erik Eggers weist 2010 daraufhin, dass eine sinnvolle Einschätzung der Dopingkultur nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Darstellung der 'historischen Basis' wenig sinnvoll ist. Dazu gehört neben dem Diskurs darüber wie Doping zu definieren und zu beurteilen ist, welche Substanzen sich wie über welche Wege zu Dopingmitteln ausbildeten vor allem auch die Frage wie sich die Wissenschaft entwickelte, sich verhielt und welchen Einfluss sie über Forschung und Praxis ausübte.
In den 20er und 30er Jahren fanden bereits Experimente mir verschiedensten Substanzen und zu ihren Wirkungen auf die sportliche Leistung statt. Breit wurde über den Sinn des Einsatzes von Dopingmitteln diskutiert wobei die Meinungen weit auseinander gingen. Neben gesundheitlichen Fragen wurden auch sportethische Argumente formuliert. Wo lagen die Grenzen, wo die Verantwortung? Das individuelle Gewissen wurde zur letztendlichen Entscheidungsinstanz, schließlich gab es noch keine Kontrollen und festen Vorgaben. Doch auch zu der damaligen Zeit waren die Individuen eingebunden und agierten in Abhängigkeiten, waren Erwartungen, Gruppeninteressen und -druck ausgesetzt. John Hobermann meinte dazu, "es wäre jedoch ein großer Fehler, diese individuellen Entscheidungen nicht im Zusammenhang der Sport-Subkultur dieser Zeit zu sehen. Damit ist eine Gemeinschaft von Athleten, Ärzten, Trainern, Bürokraten und den pharmazeutischen Firmen gemeint, die nahezu ein Jahrhundert lang im Hintergrund des Dopingproblems gelauert hatten. Die deutsche sportmedizinische Literatur der Periode zwischen den Kriegen macht klar daß die Dopingpraktiken dieser Zeit in ein Netzwerk von Beziehungen eingeflochten waren, die diese Interessengruppen miteinander verbanden."
Hobermann beschreibt die Zwänge, denen insbesondere Sportärzte im Beziehungsgefüge zwischen Trainern, Sportlern und Funktionären und auch Industrie ausgesetzt waren. Schon damals verteilten z. B. Pharmaunternehmen kostenlose Produkte und machten Ärzte Werbung für Medikamente. Es hatten sich jedoch auch eine große Opposition gebildet, Mediziner, die sich deutlich gegen Doping aussprachen. Otto Riesser, Pharmakologe an der Universität Breslau, wird in diesem Zusammenhang gerne stellvertretend für die Gegner des Dopings genannt. Er gehörte Anfang der 30er Jahre zu den schärfsten und weitsichtigsten Kritikern medikamentöser Gaben. 1930 hielt er auf einer Fortbildungsveranstaltung des „Deutschen Ärztebundes zur Förderung der Leibesübungen“ in Berlin einen Vortrag mit dem Thema „Ist medikamentöse Beeinflussung im Sport möglich?“ Darin warnte er eindringlich vor dem Versuch mit Pharmaka eine "Leistungssteigerung im Sport herbeiführen zu wollen. Sie könne zwar kurzfristig und künstlich erzielt werden, doch angesichts der Tatsache, dass jeder medikamentöse Eingriff für den gesunden Organismus eine Störung bedeute, müsse man von einem Versuch dringend abraten. Vor allem auch in Hinblick auf die große Zahl von „Doping-Mitteln“, die auf den Markt seien .... Eine medikamentöse Beeinflussung der sportlichen Leistung könne nur bei Menschen mit Störungen der Leistungsfähigkeit in Frage kommen, für den gesunden und fairen Sportsmann hingegen muss das Training das einzige Mittel bleiben, um seine körperliche Leistungsfähigkeit zu heben." (Bebenek-Gerlich 2009) Nach Eggers (2006) hatte der Forscher 1933 in einer Rede vor dem Deutschen Schwimmverband Klartext geredet und das gesamte System aus Athleten, Ärzten, Trainern, Sportverbänden und Industrie für die breite Verwendung der Dopingmittel verantwortlich gemacht. 

Nicht zu vernachlässigen ist in diesem Zeitkomplex die Frage nach Wurzeln, die in der Nationalsozialistischen Ideologie und den Realitäten des Dritten Reiches liegen. Junge Nachkriegssportler waren hierin aufgewachsen und ein Reihe von Wissenschaftlern, Ärzten, Funktionären usw. hatten bereits in früheren Jahrzehnten ihren Beruf erfolgreich ausgeübt. Eggers erwähnt beispielhaft die Ärzte Prof. Frohwalt Heiss oder Prof. Herbert Reindell, deren Rollen in bezug auf die Dopingproblematik noch nicht vollständig geklärt seien. Beide gehörten zu den bekanntesten Sportmedizinern in den 30er und 40er Jahren und beide konnten an prominenter Stelle ihre Karriere nach dem Krieg fortsetzen, insbesondere Reindell gelang mit dem Aufbau des Freiburger Sportmedizinischen Instituts eine einflussreiche Institution. Grit Hartmann griff dieses Thema auf und weist in Verbindung mit Angelika Uhlmanns Dissertation über Kohlrausch und die Geschichte der deutschen Sportmedizin auf wesentlich umfassendere Beziehungen hin. (s.u. Grit Hartmann)
Die Vielschichtigkeit des Problems, die Einbindung in den Zeitgeist, spricht auch Eric Gremmelmaier in seinem Aufsatz Doping im Zeichen von Krieg und Swing an, in dem er auf die Verbindungen zwischen deutschen und Schweizer Wissenschaftlern und Ärzten und deren geistigem Gleichklang, deren ideologischem Hintergrund aufmerksam macht. In Zeiten des Nationalsozialismus waren demnach auch in der Schweiz rassenhygienische Argumente in den Dopingdiskurs mit eingeflossen. Dazu gehörte die Diffamierung USamerikanischer Lebensweisen und Kultur, wie sie im 3. Reich verbreitet war. "Typisch für die damalige Sichtweise war, dass sich die Dopingexperten nicht für die Gebaren der vielfach als «Zirkusartisten» und «Sportkanonen» diffamierten professionellen Spitzensportler interessierten, sondern vor allem den Breitensport im Visier hatten. Nach 1943 wurde Doping auch in der Schweiz, wie zuvor in Deutschland, als Begleiterscheinung der sogenannten Swing-Mentalität angeprangert, die, von Amerika kommend, die Jugend angeblich willensschwach und selbstverliebt mache. Doping wurde zunehmend mit gesellschaftlichem Trittbrettfahren gleichgesetzt, das soldatische Tugenden wie Mut, Entschlossenheit und Opferbereitschaft unterlaufe." 

Diese Ablehnung des Dopings war laut Hobermann recht duchgängig. Allerdings stellt er auch fest, dass die 'sportmedizinischen und physiologischen Zeitschriften' zwischen den Kriegen zeigten, "daß der Einsatz von Pharmaka im deutschen Sport nun weitverbreitet und weitbekannt war." Das betraf in zunehmendem Maße die Stimulanzien aber auch viele andere Stoffe wie Phoshate (z.B. Tecresal). Hier werden bereits Argumente vorgebracht, die an die in späteren Jahrzehnten so gerne vorgebrachte Substitutionstheorie erinnern. Die Diskussion verlief sehr kontrovers mit häufig ablehnendem Tenor. Längerfristig betrachtet dürften aber Ärzte, die ihr Hauptaugenmerk auf die Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit gerichtet haben, auch wenn es nur wenige waren, einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung des Dopings im Sport gehabt haben, zumal dann, wenn sie fest in die 'Subkultur des Sports' (Hobermann) eingebunden waren. 

der Siegeszug des PervitinsAls nun die Vorteile und auch die Einsatznotwendigkeit der Amphetamine für Soldaten erkannt waren, bot es sich geradezu an, sie auch im Sport einzusetzen. Pervitin wurde zum Erfolgsmittel, "das 1938 von den Marburger Temmler-Werken entwickelt worden war und bis 1941, als es Reichsgesundheitsführer Conti unter das Opium-Gesetz stellte, rezeptfrei in Apotheken zu erhalten war. Die Stuka-Tabletten oder Hermann Göring-Pillen, wie sie der Volksmund nannte, wurden nach Kriegsbeginn von der deutschen Kriegsführung als Angsthemmer eingesetzt, und von Soldaten wie dem späteren Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll in hohen Dosen konsumiert. Auch die deutsche Sportwissenschaft experimentierte schon 1939 mit der Wunderdroge Pervitin."
"Auch der NS-Leistungssport experimentierte bald mit Pervitin. Die Wissenschaftler Heyrodt und Weißenstein ließen 1940 "einen trainierten Probanden sechs Wochen lang täglich bis zur Erschöpfung auf einem motorgetriebenen Laufband rennen", wie Dopingexperte Dirk Clasing 1970 berichtete. Dabei kam es zu "einer erheblichen Leistungssteigerung" - ein neuer "Raketentreibstoff" war gefunden." (TAZ, 28.12.2006, Erik Eggers) 

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Schweizer Medizinische Woche, 1941: An einem heißen Tag starteten 150 Fahrer zu einem Rennen bei Basel. Fünf von ihnen hatten Pervitin konsumiert. Einer von ihnen, der eine Pille à 3mg genommen hatte, ist noch eine Viertelstunde nach Ankunft völlig durchgedreht, bedroht seine Kameraden und benimmt sich wirr. Er wird in ein Hospital eingeliefert, erholt sich aber schnell. Ein weiterer hatte 3 Pillen intus plus Cola und eventuell noch etwas Cognac. Noch während des letzten Drittels des Rennens wird er von Ängsten geplagt und bewegt seine Arme, Beine und das Gesicht ruck- und krampfartig. Er ist davon überzeugt, dass dieses Doping sein Todesurteil ist. Er scheint sich später zu beruhigen, springt jedoch plötzlich auf, rennt in einen Fluss und ertränkt sich. (Zitiert nach de Mondenard, 1987, S. 91)
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Der Basler Mediziner Staub sprach offen die Vorteile des Pervitins für den Sport an und stellte sich gegen einige Kritiker. "Demgegenüber vertrat Fischers Basler Berufskollege, der Pharmakologieprofessor Staub, in einem vor verschiedenen ranghohen Offizieren wie Oberfeldarzt Vollenweyder gehaltenen Referat die Meinung, der Sportler der Zukunft könne auf «diese traumhaft schönen Dopingsubstanzen» nicht mehr verzichten. Im Zentrum von Staubs Ausführungen stand zwar die - für ihn positive - Vision einer zweckmässig ernährten, bestens ausgebildeten, physisch und psychisch gedrillten Truppe, die bestens auf leistungssteigernde Stoffe anspricht. Aber Staub freute sich auch unumwunden auf «neue Weltbestleistungen Marke Benzedrin oder Pervitin»." (NZZ, 16.4.2005)
Karl Ziegler, bekannter deutscher Radsport-Trainer, insbesondere von Rudi Altig, kannte diese Dopinggeschichte bestens. 1967 hält er in Bad Boll einen Vortrag, in dem er sie ebenso wie die aktuelle Dopingpraxis beschreibt, eine Dopingpraxis, die nicht auf Deutschland beschränkt war:
>>> 1967 Karl Ziegler: Doping im Sport - Erfahrungen aus der Praxis 

Ärzte mit nationalsozialistischer Vergangenheit |  | 

Angelika Uhlmann: "Der Sport ist der praktische Arzt am Krankenlager des deutschen Volkes": Wolfgang Kohlrausch (1888-1980) und die Geschichte der deutschen Sportmedizin: "Man könnte annehmen, der politische Systemwechsel von der NS-Diktatur zur Bundesrepublik hätte die Sportmediziner härter treffen müssen als bei dem Wechsel von der Weimarer Republik zum »Dritten Reich«, da dort explizit ihre Werte zu einem staatstragenden Moment wurden. Doch erstaunlicherweise haben sich der Sport und die Sportmedizin nach 1945 erstaunlich schnell wieder etabliert. Carl Diem wurde als Nicht-Mitglied der NSDAP schon 1947 als Leiter der als Nachfolgeeinrichtung der DHfL gegründeten Kölner Sporthochschule eingesetzt. Die »alten Ritter ohne Fehl und Tadel« (so Kohlrausch über seinen Kollegen Knoll) scharten sich, teilweise erst nach ihrer Inhaftierungszeit, wieder um ihn. Die Standesorganisationen in Sport und Sportmedizin waren geprägt von einer außerordentlichen personellen Kontinuität vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik." (S. 218)
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Grit Hartmann geht in einem Beitrag für den Deutschlandfunk am 7.11.2010 näher auf die NS-Vergangenheit einiger Ärzte, die nach dem Zweiten Weltkrieg weiter Karriere machten, ein. Sie zitiert Angelika Uhlmann, die über den Chef der Sportmedizin an der Universität Freiburg Wolfgang Kohlrausch promovierte. Der Mediziner gilt als Begründer der deutschen Krankengymnastik und genießt als solcher heute noch hohe Wertschätzung. Er hatte sich im Laufe seiner Tätigkeit insbesondere auch mit der Erforschung der Leistungsgrenzen Jugendlicher befasst. Uhlmann: "Für die Produktion von Spitzensportlern, für die Produktion von Volksgesundheit und für die Wehrhaftmachung der Jugend, das war ein ganz wichtiger Aspekt. Militär und Sport verschmolzen immer mehr miteinander. Zum Beispiel das militärische Gradestehen wurde als die beste Sportübung bezeichnet."
Frohwalt Heiss, verantwortlicher Mediziner der Olympia-Expedition 1952, war ebenfalls eingebunden in das System. Er war erster Assistent Karl Gebhardt. "Gebhardt selbst war einer der Ideengeber für die 1919 gegründete Deutsche Hochschule für Leibesübungen, der späteren Reichsakademie. Er leitete dort das Medizinische Institut, auch unter den Nationalsozialisten. Bei den Berliner Spielen 1936 war er Chefmediziner des Olympiateams. Wie wichtig die Nazis diese Betreuung nahmen, zeigt ein anderer Umstand: Gebhardt diente zugleich dem Reichsführer SS, Heinrich Himmler, als Leibarzt. Er steuerte Menschenversuche im Konzentrationslager Ravensbrück und wurde im Nürnberger Ärzteprozess zum Tode verurteilt." Heiss, habilitiert 1942, gehörte 1936 zu den Olympiaärzten und wurde der erste Vorsitzende des 1950 gegründeten Deutschen Sportärztebundes. 

1957 übernahm Prof. Dr. Hans Grebe diesen Vorsitz. "Mit dem späteren Auschwitz-Arzt Josef Mengele assistierte und promovierte Grebe in Frankfurt bei Otmar von Verschuer. Dessen Zwillingsforschung basierte dann auf den Versuchen von Mengele. Grebe brachte es 1944 zum Direktor des Instituts für Rassenhygiene und Erbbiologie in Rostock. Zwischen 1958 und 1976 beschäftigte ihn der Deutsche Box-Verband als Chefarzt."
Herbert Reindell folgte 1963 und leitete den Deutschen Sportärzteverbandes zwanzig Jahre lang. Auch er hatte bereits (s.o.) während des NS-Regimes Karriere gemacht und dann nach dem Krieg Dopingforschung betrieben (s.u.).
Zu erwähnen ist zudem der Kölner Sportarzt Martin Brustmann, Chefarzt des Deutschen Ruderverbandes, der 1952 wegen Anabolikadopings einen Skandal verursachte und der Auslöser der ersten bundesdeutschen Antidoping-Erklärung der Sportärzte nach dem Krieg gewesen sein soll. "Brustmann begann als Sportlehrer der Kaiserlichen Hoheiten des Hauses Hohenzollern und startete 1906 selbst als Sprinter bei den Spielen in Athen. Schon als Medizinstudent verabreichte er Athleten eine selbst kreierte angeblich leistungssteigernde Mixtur aus Schokolade, Salzen und Alkalien. Von ihm betreute Leichtathleten erzielten sechs Weltrekorde. 1912 war Brustmann Olympiaarzt, ebenso 1936, bei den Nazi-Spielen in Berlin. Dort vermaß das Medizinerteam auch die Athletenfüße. Wichtigste Fragestellung: "Ist die Form des Fußes rassisch bedingt?" (dradio, 7.11.201) 

Anmerkung: Um diesem Komplex 'Sportmedizin und Nationalsozialismus' scheint es noch einigen Aufklärungsbedarf zu geben. Wurde dem Sport, der sportlichen Betätigung im Nationalsozialismus doch Wert zuerkannt. Das betraf auch den Leistungssport. Recht deutlich wurde dies anlässlich der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die auch dazu dienten die Überlegenheit des ideologischen Systems, und damit der Rasse unter Beweis zu stellen. (s.a. Bernett, Der Leistungssport der Hitlerjugend) (Als Beispiel für Schwierigkeiten bei der Aufarbeitung des Komplexes Sport und Nationalsozialismus kann die langjährige Diskussion um Carl Diem gelten: Jungbauer, 2004, Biografie und Reaktionen, TAZ, 6.12.2010)
Dabei bleibt auch wenig erwähnt, wie ideologische Wertschätzungen und Ziele, die in der Sportmedizin und Sportwissenschaft über Jahrzehnte herangereift waren und im Nationalsozialismus ihre schrecklichste Anerkennung erfuhren, nach 1945 weiter wirkten. 

die 1950er Jahre

geheime Dopingforschung |  | 

Holger Jens Schnell, Humboldt-Universität, sieht in den Erkenntnissen über die Forschung in Freiburg "einen Nachweis, „wie sportmedizinische Forschung zur Dopingforschung wurde“. Umso wichtiger sei die genauere Betrachtung dessen, was Herbert Reindell später in Freiburg „als Kristallisationspunkt der Dopingforschung“ tat und welches Netzwerk dort eventuell wirkte. „Dies hätte früher erkannt und unterbunden werden müssen“, so Schnell. Unter ethischen Gesichtspunkten sei das, was in Freiburg zwischen 1950 und 1971 geschah, als etwas „Verbotenes“ einzuordnen." (Zitate: DOSB, 26.10.2010)
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Der erwähnten festgestellten mehrheitlichen Ablehnung des Dopings zum Trotz begann nach dem zweiten Weltkrieg an einigen wissenschaftlichen Instituten die Suche nach Erkenntnissen über die Wirkungsweise von Medikamenten und sonstigen Substanzen erneut, die Forschung um und mit Amphetaminen wurde fortgesetzt. So erwähnte die Süddeutsche Zeitung eine Dissertation des Mediziners Heinz-Adolf Heper aus dem Jahr 1949 mit dem Titel "Leistungssteigerung durch chemische Hilfsmittel im Sport". Heper, damals auch Fußballspieler des 1. SC Göttingen 05, wertete Versuche mit Pervitin aus, die er mit seinen Göttinger Mannschaftskollegen durchgeführt hatte (SZ, 6.10.2011). An welcher Universität diese Dissertation erstellt wurde, wird nicht genannt.
Nach dem zweiten Weltkrieg waren es vor allem die Universitäten Köln und Freiburg, die sich auf dem Gebiet der Dopingforschung hervortaten, wobei vor allem Freiburg und einige ihrer Sportärzte über Jahrzehnte bis ins 20. Jahrhundert, einschlägige Berühmtheit erlangten. Entsprechende Untersuchungen laufen zur Zeit noch durch die >>> Große Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin.
Die Forscher des BISp-Projektes fanden an der Universität Köln eine Reihe unveröffentlichter Diplomarbeiten, die sich mit Doping befasst hatten. Nach Eggers (2006) wiesen viele frühe Diplomarbeiten an der sportärztlichen Abteilung der Sporthochschule Köln eine 'gesperrt'-Vermerk auf, "waren mithin nicht für die Öffentlichkeit, respektive für den sportlichen Gegner bestimmt." "Beispielsweise werde in einer Diplomarbeit aus dem Jahr 1951 von Doping als einem „hart umkämpften Problem“ gesprochen. In einer anderen, bisher unbekannten Diplomarbeit von Jürgen Bliesener, die sich speziell mit Doping im Radsport befasst, gaben die Radsportler schon wenige Jahre nach Ende des Zeiten Weltkrieges bereitwillige Auskunft über in ihrem Metier weit verbreitete Praktiken und den Grad der Verseuchung. Vor allem hinsichtlich des Einsatzes von Amphetaminen, also künstlich hergestellten Drogen mit stimulierender Wirkung." (Jürgen Bliesener, Zur Frage des Doping, 1958)
Erik Eggers (2010) erwähnt bezogen auf Köln eine Studie an Menschen , die sich mit der Wirkung von Koffein und Strychnin auseinandersetzte (Potthoff, F. et al. (1951)). Eine weitere, durchgeführt an 10 Personen, veröffentlicht 1951, hatte die Wirkung von Pervitin auf den Kreislauf zum Thema (Potthoff, F./Oleck, G.H. (1951)). Als Ergebnis wurde eine "Verlängerung der Arbeitsdauer um 35% sowie eine Erholung des Sauerstoffverbrauchs" festgehalten, die Überwindung des 'toten Punktes' sei damit leichter. Eggers (2010) hält fest, dass beide Autoren dieser Pervitin-Studie "der Schule des Direktors der Medizinischen Universitätsklinik Köln, Hugo Wilhelm Knipping" zuzurechnen sind. Dieser ließ ab 1947 an der Sporthochschule umfangreiche Spiroergometrieversuche mit Sportstudenten durchführen. Inwieweit diese Verbindungen und Konstellationen Einfluss hatten auf den Dopingmissbrauch im Sport sei nach Eggers noch zu klären, er weist jedoch daraufhin, dass Knipping dem 1955 gegründeten „Kuratorium für Sportmedizinische Forschung“ vorstand. "Dieses Gremium stand unter der Schirmherrschaft des Deutschen Sportbundes (DSB) und vergab seither Mittel des Bundesinnenministeriums für sportmedizinische Projekte. Es gilt daher als institutioneller Vorläufer des 1970 gegründeten Bundesinstituts für Sportwissenschaft." 

Erik Eggers: Oskar Wegeners Studie "Die Wirkung von Dopingmitteln..."Neben den Kölner Forschungen hatte sich, wie bereits erwähnt, in Freiburg unter Professor Herbert Reindell ein Sportwissenschaftliches Zentrum entwickelt, dessen Forschungspraxis in Hinsicht auf die Dopingentwicklungen die Bedeutung Kölns übertraf. Von besonderer Bedeutung scheint hier eine Studie von Oskar Wegener (Dissertation) zu sein, die dieser 1954 in Freiburg unter Reindell durchgeführt hatte. Erik Eggers hatte 2006 diese Arbeit von Oskar Wegener über den Einfluss von Pervitin näher betrachtet und in den Medien vorgestellt. Die folgenden Zitate und Zusammenfassungen stammen aus einer Sendung des Deutschlandfunks (Sportgespräch 'Hintergründe der deutschen Dopingdebatte der 1950er Jahre') vom 3.12.2006, Autor Erik Eggers.
"Interessanter noch [als Köln] scheinen die damaligen Aktivitäten an der Universität Freiburg. Dort wirkte Professor Herbert Reindell. Als Sportarzt arbeitete der Herzspezialist seit den späten 1930er Jahren zusammen mit dem berühmten Leichtathletik-Trainer Woldemar Gerschler, dem Leiter des Freiburger Institutes für Leibesübungen. Damals hatte Reindell bei dem legendären Jahrhundertläufer Rudolf Harbig, einem Schützling Gerschlers, Pulsschlagmessungen vorgenommen. Der Ruf des Sportwissenschaftlers war legendär. Einige Sportler nannten ihn einen weißen Zauberer. Und sogar britische Mittelstreckler wie Gordon Perry kamen nach Freiburg um Weltrekorde zu programmieren.
Reindell publizierte eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten. Über die vielleicht bemerkenswerteste medizinische Dissertation, die an dem Institut Reindells zwischen 1952 und 1954 geschrieben wurde, drang freilich nichts in Fachorgane, die Arbeit mit dem Titel „Die Wirkung von Dopingmitteln auf den Kreislauf und die körperliche Leistung", die Oskar Wegener 1954 vorlegte. Der talentierte Leichtathlet Wegener war von Holstein Kiel nach Freiburg in die Trainingsgruppe Gerschlers gekommen und zählte bis zu einer schweren Mandelentzündung zum erweiterten Kader für die Olympischen Spiele 1952.
Über welches Thema er forschte steht in der Einleitung: „Wir haben die Auswirkungen von Koffein, Pervitin, Strychnin und Geriazol auf den Kreislauf und die körperliche Leistungsfähigkeit hin untersucht, weil sie am häufigsten benutzt werden. Sie waren auch in den zwei Gemischen von Pharmaka enthalten, die Radrennfahrer bei Straßenfahrten zu sich nehmen um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und die uns zur Untersuchung zur Verfügung gestellt wurden. Versuchspersonen waren gesunde und zwar nicht nur trainierte Sportler, sondern auch Kollegen, die wenig Sport getrieben haben.“
Wegener legte auch dar, warum Reindell ihn mit dieser Dopingstudie beauftragt hatte: „Es tauchen in der Tagespresse immer wieder Meldungen auf, nach denen Rennpferde durch Kokain oder auch durch Alkohol, z. B. Einflößen von Sekt, gedopt wurden.“
Wie der Wiener Olympiaarzt Dr. Ludwig Prokop berichtete auch Gerschler über Beobachtungen während der Olympischen Spiele, wonach Mannschaftsbetreuer ihren Sportlern vor den Wettkämpfen geheimnisvolle Mittel gegeben hätten. Ob sie wirkten, sei nicht feststellbar gewesen, möglicherweise könnten auch negative Reaktionen auftreten. Einem Leichtathleten sei nach der Einnahme während der Olympischen Spiele in London sehr schlecht geworden. 4 Jahre später, nach gründlicher körperlicher Vorbereitung, sei er dann Olympiasieger geworden. 

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der Tagespiegel, 26.11.2006, Erik Eggers:"Nach dem Spurt in die Sportgeschichte brach Joseph Barthel zusammen. „Haltlos rannten ihm die Tränen, als er auf einer Bank im Innenraum saß und auf die Siegeszeremonie wartete“, schrieb ein Augenzeuge über jene Minuten nach dem fesselnden 1500-Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki, als der 25 Jahre alte Luxemburger sein Glück nicht fassen konnte. Diese 3:45,2 Minuten bedeuteten nicht nur olympisches Gold. Sie erhoben Barthel, der 1992 starb, auch zu einem nationalen Mythos. Doch was ist, wenn Josy, der später Präsident des Leichtathletikverbandes und Sportminister in Luxemburg wurde, nach dem ein Stadion und Straßen benannt wurden, ein Betrüger war?" Gerhard Treutlein:"Mitte der fünfziger Jahre wurde ein sehr talentierter Mittelstreckler aus Gaggenau angesprochen, er solle doch mal nach Freiburg kommen, sie hätten eine Pille, mit der er deutlich schneller werden könne. Seine Antwort: “Wieso Pille, ich bin doch nicht krank!”.
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"Der gedopte Leichtathlet, der 1952 in Helsinki Olympiasieger wurde, war Josy Barthel, der bis heute einzige Goldmedaillengewinner Luxemburgs bei Olympischen Spielen. Das berichtet der gut informierte Doktorant Wegener ein halbes Jahrhundert später. Damals sprach das deutsche Fachorgan Leichtathletik von einer Sensation im 1500m-Lauf, zumal französische Trainer dem Mittelstreckler zuvor jedes Talent abgesprochen hatten. In Deutschland war der Ärger darüber besonders groß, war der Luxemburger doch von Gerschler innerhalb kürzester Zeit in diese Leistung gebracht worden. Der Trainer galt hernach in Deutschland als Vaterlandsverräter, da Barthel auch den erklärten Favoriten, den deutschen Weltrekordinhaber Werner Lueg überspurtet hatte.
Heute rund ein halbes Jahrhundert später liefert die Dopingdissertation eine schlüssige Erklärung für die unvermittelte Leistungsexplosion des luxemburgischen Sporthelden. Gleichzeitig nährt diese Verbindung zwischen Gerschler und Barthel einen Verdacht, dass auch die beiden Weltrekorde Rudolf Harbigs über 400 und 800m, die 1938 als Meilensteine der Leichtathletik gefeiert wurden, nicht allein mit Trainingsfleiß zu erklären sind, sondern dass das Trio Harbig/Gerschler/Reindell schon 1939 mit dem Mittel Pervitin experimentiert und so einen neuen Raketentreibstoff gefunden hatte." ... "Die stärkste und anhaltenste Wirkung unter den vier untersuchten Dopingmitteln, fand Wegener heraus, hatte das Pervitin. „Es vertreibt jedes Müdigkeitsgefühl und durch seine euphorische Komponente das Startfieber, da hier der Drang zum Sieg, der Überlegende zu sein, jedes Bedenken überwiegt“, konstatierte Wegener. Bei Untrainierten steigerte sich demnach die Leistung nach Einnahme von 6 mg Pervitin um 18%, bei austrainierten Sportlern sogar um 23,5 %."
Wegener sah zwar durchaus mit Pervitin verbundene Gefahren, so nehme der Körper seine eigenen Warnsignale nicht mehr wahr, doch wenn ausreichende körperliche Erholung gegeben sei und keine Suchtgefahr bestünde, sei Pervitin ein "ideales Leistungsstimulanz".
Schlussfolgerung Eggers, 2006: "Warum Wegeners Ergebnisse in den Sportwissenschaftlichen Periodika der frühen 1950er Jahre nicht publiziert worden sind, dafür gibt es nur zwei schlüssige Erklärungen:
Entweder betrieb man die verdeckte Dopingforschung um gewappnet zu sein für den sportlichen Kampf gegen den Ostblock oder man veröffentlichte die Ergebnisse nicht, weil die Verwendung von Pervitin strafrechtlich relevant war. Die Einnahme dieses Präparats ohne medizinische Indikation verstieß gegen das Betäubungsmittelgesetz."


Eggers spricht 2010 von Wegeners Arbeit als einem 'Schlüsseldokument der frühen bundesdeutschen Dopinggeschichte'. Deshalb, da Wegener Jahre später den von Reindell betreuten Barthel des Dopings bezichtete, die Freiburger Sportmedizin nach den Erkenntnissen Wegeners davon ausgehen musste, dass ohne Amphetamin-Doping in einigen Disziplinen keine vergleichbare Wettbewerbsfähigkeit gegeben war und auch deshalb, weil Reindell diese Arbeit 5 Jahre lang komplett unter Verschluss hielt, womit es gerechtfertigt scheint hier von 'geheimer Dopingforschung ' zu sprechen. Bei der Teilveröffentlichung 1959 wurden zudem Ergebnisse nicht korrekt wiedergegeben und geschönt, wodurch der Leser den Eindruck einer 'Ermutigung zur Dopinggabe' haben konnte. Woldemar Gerschler war von 1951 bis 1971 neben seiner Trainertätigkeit Professor und Leiter des Instituts für Leibesübungen an der Universität Freiburg. 

Doping mit Anabolika in Deutschland schon in den 1950er Jahren?Allgemein wird die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre hinein im Kontext der Dopinggeschichte als präanabole Phase bezeichnet.
Die ersten Forschungen mit den Geschlechtshormonen liegen sehr weit zurück, John Hobermann hat diese lange Geschichte interessant aufgearbeitet. Er betont allerdings, dass nach seinen Erkenntnissen Hormone, insbesondere Testosteron, entgegen vieler Gerüchte so gut wie nicht im nationalsozialistischen Sport Einzug gehalten hätten. Noch 1942 wäre Testosteron im Rahmen einer medizinischen Diskussion nicht in Zusammenhang mit dem Miltär und dem Sport erwähnt worden. (Hobermann, S. 250f) Eggers (2010) weist daraufhin, dass 1943 über solch eine Verbindung zu lesen war. Diese nach dem Krieg fortgesetzten Forschungen wurden wohl auch bald aus Kreisen der Sportwissenschaft mit Interesse verfolgt. Eggers nennt die Mediziner Max Hochrein und Irene Schleicher, die nach 1945 ihre in den 1940er Jahren erfolgten und veröffentlichten Forschungen in Leipzig fortsetzten und mit ihren Ergebnissen bestätigten, dass Hormone im Sport Sinn machen können: "Bereits 1953 konnte in der dritten Auflage des Standardwerkes „Leistungssteigerung“ von Hochrein/Schleicher jeder Sportarzt lesen, dass „mit Nebennierenrindenpräparaten eine gewisse Dopingwirkung möglich ist“. Hormon-Präparate wie Testoviron, Testosteron, Testoglandol, Perandren hatten diese Autoren bereits während des Zweiten Weltkrieges im Zusammenhang mit Sport erwähnt." (Eggers (2010)) (>>> siehe hierzu auch 1943/1953 frühe Dopingmittel)
Andreas Singler konstatiert in seiner 2012 veröffentlichten Dissertation 'Doping und Enhancement', in der er die Entwicklung des Dopingdiskurses in Deutschland analysiert in Bezug auf die Anwendung von Anabolika: "Zurückgewiesen werden muss die in der Literatur zum Doping zumeist aufzufindende Annahme, dass anabole Steroide zunächst in den USA missbräuchlich im Sport angewendet wurden und dann erst nach Westeuropa gelangten (siehe etwa Hollmann und Hettinger 1990, 257). Nach John Zieglers glaubwürdig erscheinenden Angaben wurde in Russland mindestens seit 1954 mit Testosteron manipuliert. De Mondenard (1996, 57) datiert die ersten Anwendungen im russischen Gewichtheben bereits für 1952, dem Jahr der erstmaligen Teilnahme von Athletinnen und Athleten aus der Sowjetunion an Olympischen Spielen. Aber selbst die Annahme, dass Testosteron in den USA erstmals ab 1954 durch John Ziegler getestet und angewendet wurde, ist nicht bewiesen, denn Hoberman und Yesalis konstatieren: "„… schon in den vierziger Jahren sprach es sich unter Bodybuildern und Leistungssportlern herum, dass derartige synthetische Hormone den Aufbau der Muskulatur beschleunigen und ein intensiveres Training ermöglichen“ (Hoberman und Yesalis 1995, 87)." (Singler, 2012, S. 44/45)


Die Vermutung, dass in der jungen Republik schon sehr früh im Leistungsport mit Anabolika und Testosteron experimentiert wurde, wird gestützt durch die Affaire um den Sportarzt Dr. Brustmann 1952, der mit Testoviron bei den Ruderern gearbeitet hatte. (der Spiegel, 16.7.1952: Dr. Brustmanns Kraftpillen)
Im Rahmen des Forschungsprojektes 'Doping in Deutschland' veröffentlichten Forscher der Universität Münster eine Zusammenstellung der medialen und sportpolitischen Reaktionen der damaligen Zeit auf den Fall Brustmann:
>>> Öffentlicher Diskurs und sportpolitische Reaktionen - Die Brustmann-Affäre
Singler/Treutlein (Doping im Spitzensport, 2010, S. 183) zitieren einen Athleten, der darüber berichtete, wie ein Vorläufer des Medikaments Dianabol, das erst 1960 offiziell auf den Markt kam, von Athleten bereits Mitte der 1950er Jahre angewandt wurde. Erhalten hatten sie das Mittel in einem 'süddeutschen Sportzentrum'. 1960 wurden auch erste Verdachtsmomente geäußert, die sich auf körperliche Veränderungen von Sportlern bezogen, die bei den Olympischen Spielen in Rom angetreten waren. Eggers schreibt dazu 2010: "Der Bericht eines Zeitzeugen, er habe bereits 1956 in einem süddeutschen sportmedizinischen Zentrum Dianabol erhalten, erscheint vor diesem Hintergrund glaubwürdig. Fest steht, dass in der Bundesrepublik Deutschland seit etwa 1956/57 mehrere Dianabol-Studien durchgeführt wurden, unter anderem im Stadtkrankenhaus Buxtehude. Dieses Präparat kann mithin schon in der Testphase in den Leistungssport gelangt sein, obwohl es offiziell erst 1960 auf dem deutschen Markt verkauft wurde."
Dass Anabolika als Dopingmittel Ende der 1950er Jahre europaweit in sportmedizinischen Kreisen bekannt waren, zeigt eine Aussage von Tour de France-Arzt Robert Boncour. Bemerkenswert an diesem Zitat ist zudem die Meinung, dass mit den neuen Mitteln, insbesondere männlichen Hormonen und Corticoiden, eine größere Gefahr für die Gesundheit der Sportler verbunden sein werde als mit den bekannten Aufputschmitteln. Mit dieser Meinung steht er im Widerspruch zu führenden deutschen Experten wie Manfred Donike und Armin Klümper, die noch in den 70er Jahren die Gefährlichkeit der Amphetamine öffentlich wesentlich höher einschätzten. "D'effroyables dangers menacent la vie du champion-cobaye transformé en champion-suicide. Notre inquiétude de médecins pénetrés de notre mission est immense. Car les conséquences des manoeuvres chiimiques auxquelles sont soumis les sportifs en mal de rendement sont parfaitement prévisibles. Les anciennes méthodes de doping déjà très nocives, utilisaient entre autres les amphétamines et apparentés ainsi que la strychnine; le danger était au coeur, au foie, au rein, aus système nerveux. Dysfonctions neurovégétatives, hypertension, insuffisance cardiaque, hépatique ou rénale parfois mortelles, pénalisaient les fins de carrière précoces des abonnés de ces méthodes. Les nouveaux produits issus de ces découvertes relativement récentes de la pharmacologie pathologique, utilisent des hormones et les corticoides. S'il est permis de déterminer une hiérarchie dans les risques que toutes ces méthodes comportent, et pour fixer les idées, ces dernières sont infiniment plus dangereuses. On peut affirmer que l'emploi irrationnel d'hormone mâle et de corticoides divers, et j'insiste, comporte un effroyable danger qui menace la vie même du coureur-cobaye dans un laps de temps impossible à déterminé." (Miroir des Sports, 25.7.1960 zitiert nach de Mondenard, Drogues et Dopages, 1987)


frühe westdeutsche DopingfälleErik Eggers spannte 2006 in seinem Beitrag für den Deutschlandfunk 'Hintergründe der deutschen Dopingdebatte der 1950er Jahre' einen Bogen von den Turbulenzen, die 2006 nach dem Ausschluss Jan Ullrichs von der Tour de France (Operacion puerto) losbrachen zu den Diskussionen in den 20er und 30er Jahren bis hin zu der erregten Dopingdebatte in den 1950er Jahren, die mitgeprägt war durch Vorfälle und Dopinggerüchte um die Deutsche Fußballnationalmannschaft während der WM 1954. "In der Bundesrepublik der frühen 1950er Jahre flammte eine Dopingdiskussion auf, die annähernd die Qualität der heutigen besaß. Wie virulent der Dopingkonsum im frühen BRD-Leistungssport war, dokumentierte spätestens der Skandal bei den deutschen Rudermeisterschaften 1952." Siehe hierzu auch seinen 2005 veröffentlichten Text „Die Helden von Bern – alle gedopt?“, der ab September >>> hier online zu lesen ist.
2010 zitiert er Ärzte, die Anfang der 50er Jahre die verbreitete Dopingkultur im Sport scharf kritisieren und vor möglichen Schäden warnen. Diese Diskussion hatte auch erste Dopingregeln im Deutsche Sport zur Folge, s.u. . Genauere Daten über das Ausmaß des Dopings in den verschiedenen Sportarten liegen allerdings nicht vor. Es gibt jedoch Hinweise.
Radsport
Eine Diplomarbeit von Jürgen Bliesener aus dem Jahr 1958/1959 mit Interviews von Kölner Radprofis zeigt den alltäglichen Gebrauch verschiedenster Mittel wie Coramin, Cardiazol, Strychnin, Arsen, Sympatol, Ephedrin, Pervitin, Testosteron und möglicherweise auch Anabolika auf. Drogen wie Morphium und Kokain werden ebenfalls nicht ausgeschlossen. Bestätigt werden die Ergebnisse Blieseners durch den Berliner Arzt Kwiet 1955. Deutlich wird, dass diese Dopingkultur auch Amateure betraf und dem BDR nicht unbekannt war. (Mehr zu Doping und Radsport während dieser frühen Jahre findet sich >>> hier)
Alpinismus
Über den Einsatz von Metamphetaminen (Pervitin) im Hochalpinismus wurde nicht geschwiegen. Sie wurden offen von Karl Maria Herrligkoffer als notwendig für den Aufenthalt in extremen Höhen beschreiben.
Fußball
Bereits während der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern, die von der deutschen Nationalmannschaft gewonnen wurde ('das Wunder von Bern') tauchten erste Dopinggerüchte auf. Noch immer sind die wahren Begebenheiten nicht geklärt, doch es spricht einiges dafür, dass während der WM im deutschen Lager mit Amphetaminen gearbeitet wurde. Internationale war diese Sportart nicht frei davon. (Hintergründe über Doping bei der WM 1954 oder nicht finden sich >>> hier)
weitere Sportarten
Eggers (2010) nennt noch einen Pervitin-Fall in der Leichtathletik 1951, den Skandal um die Ruderer mit Dr. Brustmann 1952 während der Deutschen Meisterschaften und das spätere Geständnis von Reiter Hans-Günther Winkler, der 1956 auf seiner Stute Halla mit Morphinunterstützung zur Schmerzbekämpfung die olympische Goldmedaille erringen konnte. 

Erste Reglements |  | 

Prof. Michael Krüger 2003:"Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte nahtlos an die medizinische Forschung vergangener Jahre angeknüpft werden. "Es ist eine Tatsache, dass nach jedem Krieg der Gebrauch von Dopingmitteln vor allem im Radsport erheblich anstieg und dass diejenigen Substanzen zur Anwendung kamen, die vorher von den Soldaten quasi getestet wurden - Amphetamine, aber beispielsweise auch Kokain". Erik Eggers:"Hatte bis dahin der bürgerliche Sport westeuropäischer oder angelsächsischer Prägung den olympischen Sport dominiert, war der Eintritt der Sowjetunion in das Internationale Olympische Komitee mit der Sorge des Establishments verbunden, der Kommunismus werde den Weltsport im Handstreich usorpieren. Es entstand das was der Sportwissenschaftler John Hoberman den Mythos von der kommunistischen Sportwissenschaft nennt, das Bild des Sowjetsportler als ferngesteuerten Sportroboter. 1954 erschienen erste Berichte, nach denen sowjetische Sportler mit Anabolika arbeiteten. Jedenfalls war sich 1955 nicht nur IOC –Präsident Avery Brundage sicher, dass die Sowjetunion die größte Sportlerarmee aller Zeiten aufbaute." Dr. Ludwig Prokop, Sommer 1952:"Für die moralische und sportliche Seite des Dopings hört man von Sportärzten oft die Meinung, dass die Verwendung von Dopingmitteln, soweit sie nicht gesundheitsschädlich sind, fast als eine ,nationale Notwendigkeit' bei großen internationalen Wettkämpfen anzusehen ist, weil es die anderen auch machen." Doping ist nach Ludwig Prokop 1959 ein"Unerlaubter Versuch durch Zufuhr von Giftstoffen den Körper zu einer besseren Leistung aufzupeitschen. Doping wirkt meist nur auf das Nervensystem, schädigt bei längere Verwendung den Körper und führt oft auch zu moralischem Verfall. Es wir am häufigsten in der Schwerathletik und bei Dauerleistungen (Radfahren) verwendet. Typische Dopmittel sind Morphium, Kokain, Pervitin, Benzedrin, Atropin, Strychnin; an der Grenze stehen die Herzmittel Cardiazol, Sympatol, Coramin und Coffein. Völlig untaugliche Mittel sind Alkohol und Nikotin." An anderer Stelle erwähnt er auch Keimdrüsen- und Nebennierenrindenhormone und warnt davor.
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Nicht mehr zu leugnen ist nach den erwähnten Ausführungen, dass in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg Doping aus dem deutschen und internationalen Leistungssport nicht wegzudenken war. Das Thema Leistungssteigerung war in den einschlägigen Zirkeln präsent und wurde kontrovers diskutiert. Anfang der 1950er Jahre hatte sich eine Situation ergeben, die Sportärzte und Funktionäre alarmierte. Der Sportarzt Spellerberg forderte z. B. 1951 den Deutschen Sportärztebund auf, "einen Leitfaden herauszugeben, der die verbotenen Dopingmittel auflisten sollte, ähnlich derjenigen Liste mit den Drogen und chemischen Präparaten, die unter das Opiumgesetz fielen." (Eggers, 2010)
Der Deutsche Sportärztebund sah sich gezwungen, eine deutliche Haltung gegen Doping einzunehmen und verabschiedete am 18. Oktober 1952 eine Erklärung, durch die Doping in Wettkämpfen verboten werden sollte: „Die Einnahme eines jeden Medikaments – ob es wirksam ist oder nicht – mit der Absicht der Leistungssteigerung während des Wettkampfes ist als Doping zu bezeichnen.“
Als Anlass dieser Erklärung gilt der bereits erwähnte Dopingvorfall bei der Ruder-DM, auf der Olympiaarzt Dr. Martin Brustmann - 'Fachmann auf dem Gebiet pharmazeutischer "Betriebsstoffe für Willensanstrengung"' - den beiden besten deutschen Achtern Dopingmittel verabreicht hatte. (der Spiegel, 16.7.1952) Im Kommentar zu der verabschiedeten Dopingdefinition hieß es: "Sämtliche Stoffe, die unmittelbar vor der Leistung gegeben werden, sind aus folgenden Gründen Doping: Wenn sie wirksam sind, stellen sie eine unphysiologischen Reiz dar. Sie sind also gesundheitsschädigend. Wenn sie unwirksam sind, sollen sie dem Sporttreibenden das Gefühl der Überlegenheit geben, sie sind also unsportlich. Das Entscheidende aber ist der Dolos, die Absicht, mit der diese Medikamente verabreicht werden, nicht das Medikament selbst. In beiden Fällen soll dem Sporttreibenden ein unberechtigter, unsportlicher Vorteil über den Gegner gegeben werden."
Körpereigene Stoffe wie Traubenzucker durften gegeben werden. (nach Eggers, 2006) Diese Dopingbestimmungen des Deutschen Sportärztebundes galten noch 1970.
Der Deutsche Sportbund DSB übernahm im April 1953 diese Erklärung der Deutschen Sportärzte. (u. a. die Zeit, 7.8.1970).
Dass international das Dopingproblem drängte, zeigt das Beispiel Italien und Radsport, hier hatte der Missbrauch, insbesondere der von Amphetaminen, solche Ausmaße angenommen, dass 1954 die Polizei zum Einsatz kam. Anläßlich eines Radrennens der Amateure gab es unter Aufsicht eines Arztes eine Polizeirazzia. Der Arzt, der die gefundenen Flüssigkeiten selbst ausprobierte bevor sie in ein Labor gebracht wurden, soll daraufhin drei Tage unter schweren Kolliken gelitten haben. 1954 kam es nach den Radweltmeisterschaften der Amateure gegenüber den Teamleitern, Bahn und Straße, zu öffentlichen Dopinganschuldigungen, weshalb eine Untersuchungskommisssion eingerichtet wurde. Und schließlich wurde zwischen dem Italienischen Radsportverband und dem Verband der italienischen Sportmediziner 1955 beschlossen, dass ab sofort jeder Fahrer sich vor jedem Rennen einer Untersuchung zu stellen habe. Alarmierende Berichte sind auch aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden bekannt. Möglich, dass es in der Bundesrepublik nicht viel anders war, denn "1956 nahm der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erstmals Dopingbestimmungen in sein Reglement auf, allerdings ohne bestimmte Dopingsubstanzen beim Namen zu nennen.
"Lange Jahre wurde ganz unbefangen weiter gedopt. Bis heute zeigt das Verhalten von Funktionären und Sportlern, dass es lange gebraucht hat, um ein Unrechtsbewusstsein zu entwickeln". (idw, 12.11.2003)
Eggers, 2006: "In der deutschen Sportwissenschaft köchelte der Dopingdiskurs weiter. Ständig warnten Ärzte Athleten vor dem Gebrauch von Reizmitteln wie Koffein, Pervitin, Morphium oder Kokain. Ein fürwahr schreckliches Sittengemälde der damaligen Verhältnisse zwischen Leistungsportlern und Sportärzten malte der Münchner Sportarzt Friedrich 1955 in der Zeitschrift Sportmedizin. Wenn man als Arzt mit Sportlern von Leistungssteigerung spreche, verriet Friedrich, dann erwarteten „gut 95% der Sporttreibenden, dass man ihnen irgendwelche Tabletten, Pillen oder Tropfen nennt, die sie im Handumdrehen zum Olympiasieger werden lassen.“ Friedrich zufolge wurden im Leistungsport der 1950er Jahre mit Alkohol, Koffeinpräparaten, Strychnin, Adrenalin, Morphium, Heroin, Kokain, Hormonen, Sedativa, Coramin, Cardiazol, Cardiazoltraubenzucker, Benzedrin, Ortegrine und Pervitin nachgeholfen."
Sportarzt Fischbach griff 1955 die oben erwähnte Forderung nach einer Dopingliste auf und forderte die Einrichtung einer Dopingkommission beim Deutschen Sportätztebund und eine internationale Abstimmung, allerdings vergeblich. Pharmakologe Soehring wies 1957 daraufhin, dass es Möglichkeiten des Dopingnachweises über den Urin gebe und Bliesener forderte die Einführung von Kontrollen vor, während und nach großer Wettkämpfe. (Eggers, 2010)
Eggers, 2010: "Festzuhalten ist, dass eine ganze Reihe von Sportärzten und Wissenschaftlern das Dopingproblem öffentlich thematisierten und auch konkrete Lösungsvorschläge diskutierten bzw. anboten. Soweit überschaubar, hat sich die renommierte Freiburger Sportmedizin für diesen diffizilen Themenkomplex allerdings eines Kommentars zu diesen heiklen Fragen enthalten, ebenso die Sportverbände. Ebenso wenig haben sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Trainer, Betreuer und Sportler zum Dopingproblem geäußert. Warum diese Akteure des Sports zu diesem Problem schwiegen, wird noch zu erörtern sein. Eine ernsthafte Debatte über diese Lösungsvorschläge aus der Wissenschaft bzw. aus der Sportmedizin wurde erst geführt, als der dänische Radfahrer Knud-Enemark Jensen bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom wegen Amphetamin-Missbrauchs ums Leben kam."


Rechtslage - staatliche GesetzgebungBei der Vorstellung der ersten Zwischenergebnisse des BISp-Forchungsprojektes analysierte Yasmin Wisniewska die 'Rechtlichen Aspekte des damaligen Dopings in der präanabolen und anabolen Phase von 1950 bis 1972'. Insbesondere betrachtete Sie die Rechtmäßigkeit der oben zitierten Forschungen Wegeners mit Pervitin.
Als Zwischenergebnisse wurden festgehalten: - "... dass es einem Arzt nach damaliger Rechtslage nicht erlaubt war, einem gesunden Athleten aus Gründen der erwünschten Leistungssteigerung Betäubungsmittel wie beispielsweise das Pervitin zu verschreiben. ..."
- "... dass auch der ärztlichen Verschreibung von Arzneimitteln an Gesunde, mit der Absicht einen Dopingzweck zu erreichen, in dem für die erste Projektphase relevanten Zeitraum gesetzliche Grenzen gesetzt waren.
- Resümee
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ärzte und Apotheker durch das damals geltende Standesrecht sowie das Betäubungs- und Arzneimittelrecht, auch wenn dieses inhomogen und zersplittert war, im Hinblick auf ihre Handlungsmöglichkeiten an die gesetzlichen Bestimmungen gebunden waren und Doping in diesem Sinne nicht erlaubt war. Das Strafrecht bot in dem Bereich der geheimen oder gar gewaltsamen Gabe von Dopingmitteln und bei der freiwilligen Einnahme des Athleten ohne hinreichend aufgeklärt worden zu sein, ausreichende Mittel zur Ahndung von Doping. Doch auch mit einer Verschärfung des Betäubungsmittelrechts hätte dem Doping durch den Bundesgesetzgeber schon frühzeitig Einhalt geboten werden können. ... Sinn und Zweck der Betäubungsmittelgesetzgebung war es, die Gesundheit des Volkes zu schützen und insbesondere Suchtkrankheiten zu vorzubeugen. Die zum Doping eingesetzten Mittel warennicht alle in der Betäubungsmittelliste vertreten, obwohl die große Gefahr der Suchtgewöhnung, das hohe Missbrauchspotential und vor allem die gravierenden gesundheitlichen Schäden durch die Einnahme von Dopingmitteln genug Anlass geboten
hätten, die Betäubungsmittelliste dahingehend zu erweitern. ... "


Quellen:Sportgespräch 'Hintergründe der deutschen Dopingdebatte der 1950er Jahre', Deutschlandfunk, 3.12.2006, Autor Erik Eggers
„Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“, Forschungsprojekt 2009-2012 initiiert durch den DOSB: - E. Eggers: „Geschichtliche Aspekte in der präanabolen Phase“ Präsentation von Zwischenergebnissen des Teilprojektes an der Humboldt-Universität zu Berlin, Leipzig, 25. 10. 2010 (Manuskript)
- Y. Wisniewska: „Rechtliche Aspekte des Dopings in der präanabolen und anabolen Phase von 1950 bis 1972“ Präsentation von Zwischenergebnissen des Teilprojektes an der Humboldt-Universität zu Berlin, Leipzig, 25.10.2010 (Manuskript)
- H. J. Schnell: „Ethische Aspekte des Dopings in der präanabolen und anabolen Phase von 1950 bis 1972“. Präsentation von Zwischenergebnissen des Teilprojektes an der Humboldt-Universität zu Berlin, Leipzig, 25.10.2010 (Manuskript).
siehe auch Links im Text, sowie: 

Doping in der BRD 1950-1969

Maki, November 2010 plus spätere Ergänzungen 
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