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BRD / DDR - Vergangenheit





1943 / 1953 Hochrein/Schleicher: Leistungsteigerung und Doping

1943 veröffentlichte Arzt Prof. Dr. M. Hochrein aus der Medizinischen Poliklinik und dem Institut für Arbeits- und Leistungsmedizin an der Universität Leipzig gemeinsam mit I. Schleicher das Werk ARZTLICHE PROBLEME DER LEISTUNGSSTEIGERUNG. Das Thema wird unter verschiedenen Gesichtspunkten abgehandelt, auch die Leistungssteigerung im Sport findet Berücksichtigung, das Thema Doping ist ein Aspekt davon.

 

1953 legen beide Autoren eine Neuauflage unter dem Titel LEISTUNGSSTEIGERUNG, LEISTUNG-ÜBERMÜDUNG-GESUNDERHALTUNG vor, worin Doping aber keine Erwähnung mehr findet.

 

Beide Werke befassen sich auch mit Substanzen und Medikamenten, die in den kommenden Jahren als Dopingmittel Karriere machten.

 

Im Folgenden finden sich einige Zitate:



1943 ARZTLICHE PROBLEME DER LEISTUNGSSTEIGERUNG

1. Allgemeine Gesichtspunkte zur Steigerung der Leistung und zur Behebung der Ermüdung

"... Nachdem wir Ermüdung und Leistung und die sie bestimmenden Faktoren eingehend analysiert haben, ergibt sich die Frage: Welche Maßnahmen können ärztlicherseits ergriffen werden, um die Leistung zu steigern? Unsere Studien lassen folgende Wege besonders deutlich hervortreten:

a) Einsatz all der Faktoren, die Arbeitstrieb und Arbeitskraft fördern;

b) Bekämpfung der Ermüdungserscheinungen.

Es erübrigt sich in diesem Rahmen nochmals die zahlreichen endogenen und exogenen Faktoren aufzuzählen, die die Höhe einer Leistung zu bestimmen vermögen (s. S. 9). Zusammenfassend kann gesagt werden, daß jede Beratung, die der Erhaltung bzw. Steigerung der Leistung dienen soll, dahin zu zielen hat, daß alle Faktoren, die Arbeitstrieb und Arbeitskraft fördern, begünstigt und solche, die hemmend wirken, vermieden werden. In der Praxis wird man sehen, daß es eine strenge Trennung zwischen Methoden und Mitteln, die leistungssteigernd und solchen, die ermüdungshemmend wirken, nicht gibt. Auf diesem Gebiet treffen wir so viele Überschneidungen der Wirksamkeit, daß eine genaue Abgrenzung nicht möglich ist."

 

A. Reizmittel "Doping"

"Wenn der Laie von Mitteln hört, die imstande sind, die Leistung zu steigern, dann erwartet er Tropfen oder Tabletten, die ihn in angenehmer Weise und in kürzester Zeit in den höchsten Leistungsstand versetzen. Diese Anschauung erfährt eine Bekräftigung durch die Empirie und die Bemühungen der Wissenschaft, Reizmittel ausfindig zu machen, die geeignet sind, den Organismus für eine kürzere Zeit zu einer höheren Leistung zu befähigen. Mit diesen Reizstoffen, die unter den Begriff des Doping fallen, hat sich ein ausgedehntes Schrifttum beschäftigt.

Seel, der sich mit diesem Problem eingehend befaßt hat, ist der Auffassung, daß jede künstliche Beeinflussung des Organismus als Doping betrachtet werden muß, während Schönholzer die Auffassung vertritt, daß Nährstoffe nicht unter den Begriff des Dopings fallen und lediglich Zellreiz- und Lähmungsmittel, die physiologischerweise nicht aufgenommen werden, als Doping aufgefaßt werden müssen. Schönholzer, dessen Ausführungen wir hier folgen, gibt folgenden Bericht über die Literatur der leistungssteigernden Mittel. Eine pharmakologische Leistungssteigerung des Herzens und der Muskulatur sucht man zu erzielen durch:

1. Veränderung der Erregbarkeit des Muskels; der langsam zuckende Muskel arbeitet rationeller,

2. Wirkung direkt, auf die kontraktile Substanz.

3. Bessere Heranschaffung von Betriebsstoffen und Sauerstoff; besseren Abtransport von Ermüdungsstoffen.

4. Bessere kalorische Ausnutzung von Betriebsstoffen.

5. Erleichterung von zentralen Vorgängen und Regulationen aller Art.



Folgende Substanzen fallen nach Hochrein/Schleicher unter diese Definition:

 

Alkohol:

"... Zusammenfassend kommt [...] der Alkobol nur in ganz besonderen Fällen, die sich nach dem Gesagten leicht konstruieren lassen, als Mittel für eine Leistungssteigerung in Frage. Bei länger dauernden Leistungen steht er von vornherein außer Diskussion.

 

Gruppe Koffein, Theobromin, Theocin und Kolanin:

"... Wie man sieht, sind also die Voraussetzungen für eine Leistungssteigerung gegeben. Sie wurde dann auch am isolierten Muskel festgestellt (...). Auf sportlichem Gebiet hat Herxheimer beim 100-m-Lauf keinerlei Einwirkungen gesehen, was natürlich üher die Wirkung bei langen ermüdenden Leistungen nichts sagt. Mathias kommt bei seinen Versuchen an 800-m-Läufern bei Verwendung von Kaffee und Kaffee Hag zum Schluß, daß der Kaffeegenuß eine Zusatzbelastung für das Herz bedeute. Es scheint also, daß wir einen kleinen Gewinn an Leistung bekommen, ihn aber selbstverständlich durch eine Mehrleistung der Organe, wohl besonders des Herzens bezahlen müssen, die unter Umständen nicht zu wünschen ist, weil die durch die Ermüdung gesetzte Grenze überschritten wird. Auf die belebende und allgemein anregende Wirkung der Kola, die, wie wir wissen, bereits bei den Indianen als Genußmittel sehr beliebt war, ist von Gehlen, Graf, Hesse, Schübel u. a. mehrfach hingewiesen worden.

 

Übermäßiger chronischer Genuß aller Mittel aus der Gruppe Koffein, Theobromin usw. während starker körperlicher Belastungen ist schädlich wegen der Erregung des Zentrahlnervensystems und einer Überlastung des Herzens. ..."

 

Coramin und Cardiazol (Analeptika):

"... Von Pellmont sind an 30 Sportlern vergleichende Untersuchungen über die Wirkungen von Koffein, Coramin und dem noch weiter unten zu besprechenden Pervitin angestellt worden. Dahei wurde festgestellt.:

a) Bei Kraftproben heben alle drei Substanzen die Ermüdung auf.

b) Bei Geschicklichkeitsproben bringen es Koffein und Pervitin zu gewissen Leistungen des nicht Ermüdeten, während Coramin darüber hinaus zu bedeutender Leistungssteigerung führt.

c) Bei psychischen Proben läßt Coramin die Leistungen des nicht Ermüdeten erreichen, während Pervitin und besonders Koffein bedeutende Steigerungen eher die Leistungen des nicht Ermüdeten hinaus ermöglichen.

Die Reaktionszeit wird am stärksten durch Koffein verkürzt. Es ergibt sich aus diesen Befunden, daß Coramin ein Mittel für den körperlich Müden, Pervitin für den psychisch Müden und Koffein für den physisch und psychisch Müden darstellt. Coramin soll sich über die Behebung der Ermüdung hinaus gleichzeitig durch Beruhigung bestimmter zentraler Gebiete auszeichnen. ..."

 

"Kokain ermöglicht nach Herbst, Thiel und Essig eine erhebliche Steigerung der Arbeitsleistung. Verwendet werden ferner gelegentlich Strychnin, Atropin, Adrenalin (Maibach, Staub), Kampfer, Arsenik usw., Mittel bei denen eine gewisse Leistungssteigerung zum Teil verständlich ist. Es sind alles hochaktive und gefährliche Stoffe, die sowohl vom ärztlichen als auch vom ethischen Standpunkt aus abgelehnt werden müssen. Dasselbe gilt natürlich auch für Äther und Morphium, Gifte, bei denen noch die Suchtgefahr dazukommt."

 

Pervitin (Deutschland) (Benzedrin (USA), Ortécrine (Frankreich)):

"... Durch ausgedehnte Untersuchungen konnte gezeigt werden, daß die körperliche Aktivität gelegentlieh bis ins Triebhafte gesteigert wird, wobei der Bedarf an Nahrungsmitteln stark verringert ist. ... Es kommt zu Spasmen im Verdauungstraktus und nicht selten zu einer langanhaltenden Blutdrucksteigerung, die bei körperlichen Leistungen sicher nicht erwünscht ist. Von Issekutz beschreibt Vergiftungserscheinungen nach Pervitin in Form von Brechreiz, Schwindel, Schweißausbruch, Tachykardie und Pupillenerweiterung, Lemmel und Hartwich fanden bei einem Drittel der Fälle Kopfschmerzen, Herzklopfen, Magendruck. Seifert beschreibt eine ausgesprochene krankhaft gesteigerte Erregbarkeit. Daube hat schließlich, nachdem von Speer bereits auf das Pervitinsuchtproblem eingegangen war, Fälle mitgeteilt, bei denen nach Pervitinabusus schwere, in ihrer Symptomatik anscheinend typische psychotische Störungen aufgetreten waren.

 

Wir stimmen daher in unserer Auffassung mit Graf, Speckmann, Speer und verschiedenen anderen Autoren überein, daß das Pervitin als erregendes Mittell für Dauerleistungen beim gesunden Menschen abgelehnt werden

muß."

 

Kalzium:

"... dessen Wirkung [wurde] von Full an 64 Sportlern untersucht [...] Es kam dabei zu einer sicheren Verbesserung der Leistung. Experimentell hat Riesser am isolierten Muskel eine erhebliche Zunahme der Ausdauer gefunden. Vom ärztlichen Standpunkt aus ist Kalzium ungefährlich. Eine akute Leistungssteigerung kommt kaum in Frage. ..."

 

Phosphorsäure (Recresal):

"... In umfangreichen Wehrmachtsuntersuchungen fand Embden, daß die Recresalleute weniger schwitzten und daß starke Rötung des Gesichtes im Gegensatz zu den Mannschaften, die ein phosphorloses Kontrollgetränk erhalten hatten, auch bei sehr anstrengenden Märschen in der Hitze nur sehr selten auftrat. Auch die Einwirkung auf die Stimmung der Truppe war unverkennbar. So war zu beobachten, daß zu einer Zeit, wo die Mannschaften ohne Recresal völlig verstummt wären, die Recresalsoldaten sich noch fröhlich lachend unterhielten. ... Es kommt im wesentlichen zu einer auffälligen geistigen Frische, Lebhaftigkeit, zu gesteigertem Tätigkeitsdrang und bei sehr empfindlichen Personen auch zu einer allgerneinen inneren und motorischen Unruhe. ...

 

Zusammenfassung (Doping):

"Fassen wir nun die im Schrifttum niedergelegten Beobachtungen über das Doping zusammen, so muß festgestellt werden, daß die meisten Reizmittel nicht imstande sind, für längere Zeit und ohne spätere nachteilige Wirkung das organische Leistungsvermögen zu steigern. Es ist nicht überraschend, daß Reizmittel bei der Bekämpfung von Ermüdungserscheinungen versagen. Der chronischen Ermüdung liegt nach unserer Auffassung nicht eine Ermattung oder eine Minderung der potentiellen Energien, sondern vielmehr in Form "überschießender Reaktionen" eine ins Unökonomische gesteigerte Erregbarkeit zugrunde. Wir müssen daher die Verwendung von erregenden Reizstoffen, besonders bei Dauerleistungen, als unwirksam und zum Teil als gesundheitsschädlich ablehnen."



Substanzen, Mittel, die möglicherweise eine leistungssteigernde Wirkung haben können (aber nicht unter Doping fallen):

 

Hormone und Vitamine:

"... Ein ausführliches Schrifttum befaßt sich mit der Wirkung der Nebenniere auf die Ermüdung. Während früher mehr das Markhormon für den Zustand der Ermüdung herangezogen wurde, steht heute die Wirkung der Nebennierenrinde bei weitem im Vordergrund ...

 

Adrenalin:

"... Über die physiologischen Aufgaben des Adrenalins gibt es bis heute keine einheitliche Auffassung. Während ein Teil der Untersucher dem Adrenalin eine Notfallsfunktion zuschreibt, vertritt ein anderer die Auffassung, daß dem Adrenalin überhaupt keine Rolle als Kreislaufhormon zukommt. ... Aus diesen Untersuchungen geht hervor. daß die Auslösung eines Sympathikotonus besonders durch die Mittel der Adrenalinreihe nicht zur Erzielung einer allgemeinen Leistungssteigerung empfohlen werden kann, da auf diesem Wege zwar eine schnelle Mobilisation der Energien möglich ist, der Organismus aber seiner Kraftreserven, die für eine Dauerleistung notwendig sind, beraubt wird. ..."

 

Corticosteron (Cortiron):

"... Das Corticosteron (Cortiron) ist [...] von vielen Seiten zur Leistungssteigerung und Ermüdungsbekämpfung empfohlen worden (Durig, Staub, Parade, L. R. Müller, Anthony u. a,.). Es steht darüber hinaus, worauf besonders Parade hingewiesen hat, den Sterinkörpern nahe, als deren Verwandte uns Digitalis, Cholesterin, Vitamin D und das männliche Sexualhormon bekannt sind. ..."

 

Testosteron:

"Auf die anregende Wirkung des männlichen Geschlechtshormons (Testoviron, Testosteron, Testoglandol, Perandren usw.) ist vielfach hingewiesen worden (Staub, Durig, L.R.Müller u.a.). Schon Brown-Sécquard war die leistungssteigernde Wirkung des Hodenextraktes bekannt. Zoth und Pregl haben dann in systematischen Ergometerversuchen die ermüdungshemmende Wirkung des Extraktes einwandfrei nachgewiesen. Das Wesen dieser günstigen Wirkung ist allerdings nicht bekannt. Die Versuche von Steinach, Voronoff, die diese Befunde für operative Methoden der Leistungssteigerung auswerteten, zeitigten in bestimmten Fällen, wenigstens vorübergehend, ziemlich eindeutige Erfolge. Auch Veil und Lippers glauben, mit rein und synthetisch herstellbaren Keimdrüsenpräparaten erholende und erfrischende, ja verjüngende Wirkungen erzielt zu haben. ..."

 

Schilddrüsenextrakte:

"... Die Injektion von Schilddrüsenextrakten vermag in manchen Fällen anscheinend die Leistung zu steigern, ähnlich der Wirkung anderer Hormone. Es kann sich hier wohl um Wirkungen handeln, wie sie Weichardt als Leistungssteigerung nach der Injektion verschiedenster, auch pflanzlicher Eiweißprodukte sah. Zur Annahme einer spezifischen Wirkung der normalen Schilddrüse auf Leistung oder Ermüdung liegt wenig Grund vor. ..."

 

Zusammenfassung Hormone:

"Nach dieser Darstellung der Hormonwirkungen muß aber noch einmal darauf hingewiesen werden, daß die Angaben über ihre Wirkung im Schrifttum weit auseinander gehen, eine Tatsache, die auch unseren praktischen Erfahrungen entspricht. Es ist sicher nicht so, daß eine Hormonmedikation, die in einem Falle nahezu Wunder wirkt, dieselbe Wirkung auch in anderen Fällen entfalten muß. Gerade für die Hormonverabreichung sollten strenge Indikationsregeln gelten, da sie nicht als indifferente Mittel zu werten sind und bei unüberlegter Verabfolgung das überaus empfindliche endokrine System in seinen Korrellationen schwer, ja unter Umständen sogar irreversibel gestört werden kann.

 

 

Vitamine:

"Anders verhält es sich mit den Vitaminen, die im allgemeinen auch im Übermaß verabreicht keine dauernde Schädigung hervorzurufen vermögen. ..."

 

Gounelle stellte fest, daß körperliche Leistungen unter dem Einfluß von Vitamin B1 leichter erzielt werden. Die muskuläre Ansprechbarkeit nach ausreichender B1-Versorgung entsprach dem "in Form sein" mit einer sehr spät einsetzenden Ermüdung und ohne nervöse Übererregbarkeit. Diese Feststellungen wurden beim Radrennen um Frankreich an einer Gruppe von 7 Radfahrern gemacht, die zwei bis dreimal täglich 5 mg Vitamin B1 erhielten. Diese Gruppe erreichte geschlossen das Ziel, und einer dieser Rennfahrer hielt in mehreren Etappen, entgegen den Erwartungen, die Spitze. Im Schweizer Radrennen belegten die 3 mit Vitamin B1 behandelten Teilnehmer die ersten Plätze gegenüber mehr als 60 Konkurrenten. Mit Vitamin B1 versorgte Fußballspieler, die monatelang ausgesetzt hatten, zeigten nach dem ersten Spiel weder Ermüdung noch Muskelkater. Es wurde empfohlen, Vitamin B1 bei der Wehrmacht, insbesondere bei den nicht aktiven, weniger geübten Truppenteilen vor größeren Anstrengungen und langen Wachen zu verabfolgen. ..."

 

Desweiteren werden an Substanzen und Methoden u.a. erwähnt: Bedeutung der Nebenschilddrüsen, das Hormon Insulin der Bauchspeicheldrüse, Thymusextrakt, weitere Vitamine, Digitalis und Stearinabkömmlinge, Lezithin, Ultraviolettbestrahlung, Traubenzucker und Organextrakte (Embran).



1953 LEISTUNGSSTEIGERUNG, LEISTUNG-ÜBERMÜDUNG-GESUNDERHALTUNG

In dieser dritten Auflage des Werk behandeln die beiden Ärzte den Punkt Steigerung der Leistungsfähigkeit mit Hilfe einer medikamentösen Behandlung u.a. unter 'Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Erholungsfähigkeit'.

 

Eigene Untersuchungen werden zu einem eigenen Organextrakt, Embran, ein Muskelextrakt, vorgelegt und erläutert. Generell kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass entsprechende Produkte 'der Übermüdung mit seinen klinischen Folgeerscheinungen' günstig beeinflussen können.

 

Dargestellt wurden u.a. die Wirkungen der Amphetamine, hier insbesondere von Pervitin auch im Vergleich mit anderen Reizmitteln.

"Von Pellmont sind an Sportlern vergleichende Untersuchungen über die Wirkungen von Coffein, Coramin und dem noch weiter unten zu besprechenden Pervitin angestellt worden. Dabei wurde festgestellt:

a) Bei Kraftproben heben alle drei Substanzen die Ermüdung auf.

b) Bei Geschicklichkeitsproben bringen es Coffein und Pervitin zu gewissen Leistungen des nicht Ermüdeten, während Coramin darüber hinaus zu bedeutender Leistungssteigerung führt.

c) Bei psychischen Proben läßt Coramin die Leistungen des nicht Ermüdeten erreichen, während Pervitin und besonders Coffein bedeutende Steigerungen über die Leistungen des nicht Ermüdeten hinaus ermöglichen."

...

Das Pervitin ist eine chemische Peitsche, welche beim Gesunden tagelang Schlaf und Hunger zu verscheuchen und trotzdem beste Leistungsfähigkeit zu erhalten vermag. Es hat ein gefährliches Doppelgesicht, da es gleichzeitig ein zentrales Stimulans und ein peripheres sympalhikomimetischcs Mittel ist. Der Körper wird gezwungen, größere Energien zu entwickeln, wobei gleichzeitig durch Unterdrückung des Hungergefühls der Ersatz der verbrauchten Energie verhindert wird. Es sind Einzelfälle von langanhaltendem Pervitingenuß bekannt, die mit Kollaps endeten, und nach Mitteilung von Speer sollen bei Examenskandidaten nach Gebrauch dieser Stoffe Fälle von Lungentuberkulose aufgetreten sein. Seine Anwendung muß daher beim Gesunden auf Lebenssituationen beschränkt bleiben, welche unvermeidbar äußerste körperlich-geistige Kraftanstrengungen bedingen, bei Kranken dagegen auf Fälle, wie sie von Ris, Poe und Karp u. v. a. angegeben worden sind, wie z. B. Zustand nach Hirntrauma, nach Encephalitis usw..

Man könnte alle diese Stoffe begrüßen, wenn sie die sittlich erzieherischen Faktoren stärker zumn Tragen bringen würden. Sie dienen aber im Gegenteil dazu, den notwendigen Willensaufwand auf rein materialistischem Wege herbeizuführen, statt auf moralischem Weg, nämlich durch Mühe und Arbeit. Die Ganglienzelle, die für bestimmte Zwecke ausgebildet werden soll, bedarf eines fortlaufenden Trainings, um in beste Form und Funktion zu kommen, und die chemischen Mittel allein ersetzen dieses Training nicht. Wir stimmen daher in unserer Auffassung mit Graf, Speckmann, Speer und verschiedenen anderen Autoren überein, daß das Pervitin, aber auch Coffein und Nikotin ale erregende Mittel für Dauerleistungen beim gesunden Menschen abgelehnt werden müssen. ...

In der Leistungsmedizin ist der Wert von Reizmitteln zur Erreichung eines kurz befristeten Zieles unbestreitbar. Ihre Anwendung bei bestimmten Aufgaben im Flugwesen, im Hochgebirge bei Rettungsaktionen oder bei sonstigen Leistungen, die höchste Konzentration aller körperlichen und geistigen Kräfte verlangen, wird dadurch verständlich. Man muß sicb jedoch gegen den bäufigen Gebrauch dieser Mittel im normalen Leben wenden, besonders wenn bereits funktionelle oder organische Kreislaufstörungen vorliegen."

 

Wie 1943 befassten sie sich mit den Hormonen und Vitaminen, die in der Literatur in Bezug auf Leistungssteigerung besondere Berücksichtigung fänden.

 

"... Auf Grund eigener Erfahrungen sowie in Übereinstimmung mit der Literatur wissen wir, daß bei manchen Zuständen des Übermüdungskomplexes, insbesondere solchen mit Neigung zu Unterdruck, Mattigkeit und schwerster, vorzeitiger Ermüdbarkeit, durch Rindenpräparate (Cortiron, Cortenil usw.) hervorragende Erfolge erzielt werden können. Schon nach wenigen Injektionen schwindet das Gefühl der Adynamie, der Leistungsunfähigkeit und Abspannung und macht ausgezeichneter körperlicher und geistiger Frische Platz. Dabei tonisiert das Cortiron nicht nur das Gefäßsystem, sondern es hat auch einen anregenden Einfluß auf die erholenden Phosphorylierungsprozesse, d. h. auf die Bildung von Hexosemonophosphorsäure im Muskel und von Adenosintriphosphorsäure im Nervensystem. Der Nebennierenrinde kommt für den Kalium- und Natriumhaushalt eine ähnlich regulierende Wrkung zu wie den Epithelkörperchen für den Kaliumhaushalt. Das Nebennierenrindenhormon übt weiterhin einen großen Einfluß auf die Fähigkeit der Körperzellen sich dem osmotischen Konzentrationsausgleich zu widersetzen, aus. Es schützt die selektive Permeabilität der lebenden Zelle durch Aufrechterhaltung ihrer elektrischen Potentiale. Sie stellen fest, "es kann heute kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß mit Nebennierenrindenpräparaten eine gewisse Dopingwirkung möglich ist."

 

Sehr viel bedeutsamer könnte in Hinsicht auf die Übermüdung als "stress" [...] in diesem Zusammenhang das Cortison sein, dessen Anwendung aber ebenso wie die des ACTH in diesem Rahmen abgelehnt werden muß."

 

Die 'anregende Wirkung' des männlichen Geschlechtshormons (Testoviron, Testosteron, Testoglandol, Perandren usw.) behandeln die Autoren vor allem unter dem Gesichtspunkt der von vielen erhofften Verjüngung, der Aufhaltung des Alterungsprozesses.

 

"Zoth und Pregl haben dann in systematischen Ergometerversuchen die ermüdungshemmende Wirkung des Extraktes einwandfrei nachgewiesen. Auch Düker sah eine Leistungssteigerung durch Keimdrüsenhormone von 30-50%. Das Wesen dieser günstigen Wirkung ist allerdings nicht bekannt.

Veil und Lippers glauben, mit rein und synthetisch herstellbaren Keimdrüsenpräparaten erholende und erfrischende, ja verjüngende Wirkungen erzielt zu haben.

Gerade dieser letzte Faktor ist es, der den Keimdrüsenpräparaten unter immer wechselnden Theorien und in Hoffnung auf ewige Jugend Eingang in die Behandlung unter dem Gesichtswinkel laienhafter Vorstellung von Gesund- und Jungerhaltung sowie Leistungssteigerung verschafft hat. ..."

 

Nach einer kurzen Erwähnung von Schilddrüsenextrakten, des Insulins und eines Thymusextraktes fassen die beiden Ärzte die vorliegenden Erkenntnisse über den Einfluss von Hormonen auf die Leistungssteigerung wie folgt zusammen:

"Nach dieser Darstellung der Hormonwirkungen muß aber noch einmal darauf hingewiesen werden, daß die Angaben über ihre Wirkung im Schrifttum weit auseinandergehen, eine Tatsache, die auch unseren praktischen Erfahrungen entspricht. Es ist sicher nicht so, daß eine Hormonmedikation, die in einem Falle nahezu Wunder wirkt, dieselbe Wirkung auch in anderen Fällen entfalten muß. Gerade für die Hormonverabreichung sollten strenge Indikationsregeln gelten, da sie nicht als indifferente Mittel zu werten sind und bei unüberlegter Verabfolgung das überaus empfindliche endokrine System in seinen Korrelationen schwer, ja unter Umständen sogar irreversibel gestört werden kann. Im Zuge der anfänglichen Überwertung und in der Annahme ihrer absoluten Harmlosigkeit, hat man früher die Hormone nicht nur in für heutige Verhältnisse unvorstellbaren Dosierungen, sondern kritiklos, sozusagen versuchsweise, auch bei den verschiedensten Erkrankungen verabfolgt. Heute ist man auf diesem Gebiet sehr vorsichtig geworden, zumal die Kenntnis von der Synkarzinogenese (Bauer) darauf hindeutet, daß die Hormone auch schädliche Wirkungen zu entfalten vermögen."

 

Bezüglich der Wirkung von Vitaminen betonen sie die Erfahrungen mit deren leistungsteigernden Wirkungen insbesonders mit Kombinationspräparaten.

 

Hochrein/Schleicher fassen zusammen, dass

"Hormone und Vitamine Substanzen darstellen, welche im Rahmen von Gesunderhaltung und Leistungssteigerung ihre Bedeutung besitzen. Bei ihrer Anwendung darf jedoch nicht das "nil nocere" vergessen, d.h. niemals um eines kurzdauernden Effektes willen die Möglichkeit eines Dauerschadens riskiert werden."


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