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Luca Peccuraro - Teil 3

Nach der Teambesprechung ging Peccuraro zurück in seine mickrige Pension. Lavinia hatte seinen Koffer gepackt und die Rennkleidung bereit gelegt.

"Hast du diese Woche schon mal die Unterhose gewechselt?"

"Hast du mir etwa eine zweite eingepackt?"

Lavinia fing an zu lachen, er merkte wie sehr er sie doch liebte. Versaute diese tägliche Schinderei ihm immer die netten Gedanken des wahren Lebens? Stellte er seinem Traum alles unter und war das richtig so?

Aber immer wenn Peccuraro sich diese Fragen stellte, musste er daran denken wie er zum ersten mal auf dem Weg zur Schule einen Mann auf einem Rennrad gesehen hatte und der ihn so glücklich anlächelte, dass Peccuraro wusste, dass er irgendwann auch mal ein Rennrad fahren wollte.

Er hatte sich in dieser Zeit immer wieder die Gazzetta gekauft um zu gucken wie die italienischen Fahrer abschnitten. Er hatte damals zum ersten Mal das Foto eines Gewinners von Paris-Roubaix gesehen, dessen weiße Zähne durch den Schlamm in seinem Gesicht schienen.

Peccuraro verscheuchte seine Gedanken und trottete ins Bad um sich das Gesicht zu waschen und sich anzuziehen. Er war immer wieder begeistert davon, wie gut sein Körper in diesem engen Renntrikot aussah. Er versuchte Muster in den Konturen seiner Muskeln zu entdecken, so wie er es im Rennen auch immer machte, um sich abzulenken.

Er gab Lavinia einen ausgiebigen Kuss und watschelte Barfuss ins Teamhotel um sich seine Schuhe und sein Rad zu holen. Auf dem Weg begegnete er Cola, der mit einem Betreuer die Zeitung durchflog.

"Alles fit im Schritt?", grölte der Topsprinter durch die kleine Gasse. "Oder hat sie dich geschafft?"

"Das wichtigste sind die Oberschenkel, nicht das dazwischen. Aber von dir hab ich auch gar nichts anderes erwartet. Aber heute muss ich trotzdem für dich ran. Das gefällt dir, stimmts?"

"Oh ja. 40 Km vor dem Ziel gehst du bitte in den Wind. So 2 Km vor dem Ziel kann dann Paco einsteigen. Einverstanden?"

"Paco? Nee nee, das zieh ich alleine durch."

"Wenn du meinst, dann schone dich noch was, viel Spaß nachher."

Peccuraro latschte weiter, noch eine halbe Stunde bis Rennbeginn. Also ab zum Einschreibepult und rüber über die Startlinie.

Die ersten drei Rennstunden waren zum bummeln. Keiner probierte etwas, selbst die ganzen Nonames brachten es nicht zu einen Ausreißversuch. Es waren noch ca. 50 Km zu fahren da wurde es Luca zu langweilig und er begann schon jetzt mit seiner Tempoarbeit. "Warum?" wusste er selbst nicht so genau, um sich selber mal zu testen vielleicht.

Es folgte ein kleiner Hügel und Luca Peccuraro steigerte das Tempo auf ca. 45 Stundenkilometer. Das Surren der Räder wurde lauter und lauter und er war mit sich selbst zufrieden. Er drehte die Kurbel immer schneller, doch zu seiner Verwunderung wurde das Surren hinter ihm wieder leiser. Er richtete seinen Oberkörper auf und schaute sich um. An seinem Hinterrad sah er nur noch zwei Trikots seines Teams, ein weiß-blaues Trikot und ein schwarz-rotes.

"Was ist passiert? Wer sind die beiden fremden? Sind die eine Gefahr für Alex?", brüllte er in sein Mikro.

"Besser mein Freund, besser," sprach Catoni langsam zurück. "Viel besser! Du hast Alex und Cola an deinem Hinterrad. Die anderen beiden interessieren kein Mensch. Fahr was das Zeug hält Luca!"

"Sie werden hinten Tempo machen!"

"Und wenn? Ihr seit schon eine Minute weit weg."

"Eine Minute?"

In diesem Moment brach der Kontakt ab. Irgendetwas war wohl gegen seinen Kontaktapparat geprallt und er war kaputt gegangen. Wo blieb nur dieser blöde Teamwagen?

 

With spezial greets to Svenja

 

von Niki

 


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