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BRD / DDR - Vergangenheit





2012 Offener Brief von Dopinggegnern
zum Tode von Birgit Dressel vor 25 Jahren

Am 10. April 1987 starb Leichtathletin Birgit Dressel unter großen Schmerzen. Die Siebenkämpferin wurde nur 27 Jahre alt. Als Todesursache wurde eine toxisch-allergischen Reaktion festgehalten. Über 100 Medikamente gehörten in den Alltag der Sportlerin, darunter auch Anabolika. Dieswer unkontrollierbare Substanzenmix dürfte an ihrem Tod maßgeblich schuld sein, genaueres wurde aber nie endgültig festgehalten. Näheres zu ihrem Schicksal findet sich hier:

>>> Birgit Dressel - Siebenkampf

 

15 prominente Dopinggegner nahmen den 25. Todestag Birgit Dressels zum Anlass um daran zu erinnern, dass Sport und Politik diese Zeit nicht genutzt haben das Dopinggeschehen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland umfassend und offen aufzuklären und Konsequenzen zu ziehen.

 

Die Mehrzahl der Unterzeichnenden hatte sich bereits am 28.3.2012 mit einem ersten Offenen Brief zu der Eigenblut-Affaire am Olympiastützpunkt in Erfurt gemeldet:

>>> Erster Offener Brief: DOPINGVERDACHT AM OLYMPIASTÜTZPUNKT ERFURT

 

 



Zweiter Offener Brief, 10.4.2012:
ZUM 25. TODESTAG DER LEICHTATHLETIN BIRGIT DRESSEL

Die Unterzeichner (in alphabetischer Reihenfolge):

 

Herbert Fischer Solms - Elk Franke - Brigitte Franke-Berendonk - Gunter Gebauer - Udo Hanke - Antje Harvey-Misersky - Marie Katrin Kanitz - Hansjörg Kofink - Andreas Krieger - Ute Krieger-Krause - Claudia Lepping - Ilse und Henner Misersky - Gerhard Treutlein - Uwe Troemer

 





 

Der Wortlaut:

 



Es reicht. Seit Jahrzehnten beißen konsequente Doping-Gegner bei Sportorganisationen und nationalen Regierungen auf Granit. Weil es dort um den nationalen Erfolg im internationalen Kräftemessen geht, gilt unausweichlich: Das System duldet Doping, aber keinen Dopingfall. Wir wiederum dulden das nicht mehr. Dem Eindruck, dass sich die Sportverbände aus Ost- und Westdeutschland zusammengefunden haben, auch um das Dopingsystem zu perfektionieren, wollen wir Dopinggegner mit vereinten Kräften entgegen treten. Wir fordern von Politik und Sport ein konsequentes und glaubwürdiges Eintreten für einen sauberen Sport.

Die Unterzeichner



ZWEITER OFFENER BRIEF 10.04.2012

 

- an die früheren und amtierenden Aktivensprecher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und die Mannschaft des DLV an der Leichtathletik-Europameisterschaft von 1986 in Stuttgart

- an die bis heute Verantwortung tragenden damaligen und amtierenden Funktionäre und Mediziner des DLV

- an die Mitglieder des Bundestagssportausschusses

- an DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach

 

ZUM 25. TODESTAG DER LEICHTATHLETIN BIRGIT DRESSEL

 

Wir erinnern an den qualvollen Tod von Birgit Dressel vor 25 Jahren, dessen Umstände bis heute nicht geklärt sind und für den niemand jemals Verantwortung übernahm. Der Spiegel dokumentiert in seiner Ausgabe 37/1987 ihr grauenvolles Sterben. Staatsanwaltschaft, Sportverband, Trainer und Ärzte sind bis heute eine Antwort schuldig, wie und unter wessen Verantwortung über einhundert Medikamente in den Körper der im Medikamentenschock buchstäblich krepierten Siebenkämpferin gelangten.






Wir verwahren uns dagegen, dass Prof. Digel das Gedenken an Birgit Dressels Leiden dazu missbraucht, über das weltweite Kontrollsystem zu lamentieren. Digel war seit 1976 in der Ethik-Kommission des DSB genauestens über die Dopingszene in der BRD informiert. Als DLV-Präsident von 1993 bis 2001 hätte er Doping glaubwürdig bekämpfen können. Unter seinem Präsidium wurden DDR-Trainer eingestellt – auch Thomas Springstein 1999 zum zweiten Mal. Auch in seinen IAAF-Ämtern hätte er die Doping-Bekämpfung vorantreiben können.

 

Wir rufen die Aktivensprecher und Mannschaftskameraden Birgit Dressels bei der Leichtathletik-EM von 1986 in Stuttgart auf, vom DLV die lückenlose Aufklärung des Todes ihrer Teamkollegin einzufordern. Diese EM waren die letzten internationalen Titelkämpfe, die Birgit Dressel erlebte. Diese Geste kann das EM-Team seiner verstorbenen Athletin nicht verwehren.

 

Wir bitten die DLV-Athleten jener Jahre, die heute um die 50 Jahre alt sind, sich im gleichen Sinne zu ihrem damaligen Tun zu bekennen, wie es vor genau einem Jahr Joachim Gauck in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Ethik-Preises der DJK mit Blick auf die DDR-Athleten erbat: „Wir sind traurig über diese Top-Athleten, die nicht aufwachen wollen, die nicht sehen und benennen wollen, was sie gemacht haben.“ Dieser Forderung des heutigen Bundespräsidenten müssen alle Athleten im vereinten Deutschland nachkommen, wenn Leistungssport wieder vorbildlich sein soll.

 

Wir regen darum an, dass der DLV den 25. Todestag Birgit Dressels zum Anlass nimmt, eine Birgit-Dressel-Stiftung ins Leben zu rufen, die wirksame Dopingprävention unterstützt.

 

Die Unterzeichner (in alphabetischer Reihenfolge):

 

Herbert Fischer-Solms - ehemaliger Deutschlandfunk-Journalist

Elk Franke - Sportphilosoph

Brigitte Franke-Berendonk - ehemalige Weltklasse-Diskuswerferin, Dopingaufklärerin, Oberstudienrätin

Gunter Gebauer - Sportphilosoph

Udo Hanke - Professor Sportpädagogik

Antje Harvey-Misersky - Olympiasiegerin Biathlon

Marie Katrin Kanitz - Eiskunstläuferin, EM-Dritte, Dopingopfer

Hansjörg Kofink - ehemaliger Kugelstoß-Bundestrainer/Frauen, Präsident Deutscher Sportlehrerverband, Gymnasialprofessor

Andreas Krieger - als Heidi Krieger Kugelstoß-Europameisterin, Dopingopfer, Geschlechtsumwandlung 1997

Ute Krieger-Krause - Schwimmerin DDR-Nationalmannschaft, Dopingopfer

Claudia Lepping - Juniorenrekordlerin Sprint

Henner und Ilse Misersky - Ski-Langlauf-Trainer, Dopinggegner in der DDR

Gerhard Treutlein - Professor der Sportpädagogik

Uwe Trömer - Bahnradsportler in der DDR, Dopingopfer


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