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Mythos Klassiker

Titel:  
Mythos Klassiker 
Autor:  
Rolf Gölz 
Verlag:  
ISBN:  
3-936973-01-6 


„In jedem ernsthaften Rennen kommen die Momente , in denen es dir erscheint, dass deine Lungen bersten und sich irgendeine teuflische Macht anschickt, genüssliche jede Faser deines Körpers herauszureißen.“ (Rolf Gölz)

 

Der Traum vom Gelben Trikot, 100 Highlights Tour de France, 100 Jahre Tour de France - Bücher über das größte Radsportspektakel der Welt gibt es zur Genüge. Allein im letzten Jahr wurde anlässlich des Jubiläums der Großen Schleife der Büchermarkt mit etlichen Neuerscheinungen überschwemmt.

Radsport lässt sich aber nicht allein auf dieses Spektakel im Juli eines jeden Jahres reduzieren. Radsport hat verschiedene, ganz unterschiedliche Facetten Facetten.

Rolf Gölz hat sich mit seinem Buch dem Mythos der Klassiker angenommen.

Er beschreibt sie aus Sicht des Klassikerspezialisten, der bei mehreren dieser geschichtsträchtigen Rennen erfolgreich war, der aber auch so manche Niederlage erleben musste. Er nimmt den Leser mit auf die Berg- und Talfahrt durch die belgischen Ardennen, lässt ihn das Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs, sowie die Sonne am Tyrrhenischen Meer spüren.

Es sind aber nicht nur die Monumente des Radsports wie Lüttich-Bastogne-Lüttich, Paris-Roubaix oder Mailand-San Remo, die in diesem Buch beschrieben werden. Nicht zu kurz kommen auch  „Halb“-Klassiker, wie Kuurne-Brüssel-Kuurne, Paris-Brüssel, Mailand-Turin oder die Piemont-Rundfahrt.

Er beschreibt sie mit hintergründigem Humor, gewährt Einblicke ins Peloton. Nicht zu kurz kommen auch die Geschichten am Rande und abseits des Renngeschehens. So beschreibt er im Zusammenhang mit Kuurne-Brüssel-Kuurne die alljährlich stattfindende Waschzeremonie der Jan Raas Mannschaft im Hause des belgischen Karikaturisten und Radsportfans Nesten im Anschluss an das Rennen.

 

„So konnte man also jeweils an einem Sonntagnachmittag Anfang März in einem etwas zugigen Nebengebäude in Westflandern Zeuge werden, wie allerlei ausgelaugte, hagere Leiber um einen riesigen Zuber standen, ihre Arme und Beine gemeinsam in lauwarmen Wasser schrubbten, um diese von der schlierigen Schicht aus Dreck und Massageöl zu befreien. Ich hoffe, die absurde Szenerie war Nesten stets ein Quell der Inspiration.“

 




Auch die Zeit nach seiner aktiven Karriere als Sportlicher Leiter der Gerolsteiner Mannschaft wird beschrieben. Stolz beschreibt er die Leistung der ehemaligen Gerolsteiner Fahrer Jörg Ludewig und Branko Filip im Trikot der Sprudelwassertruppe beim Alpenklassiker. Berichtet, wie sie am finalen Anstieg einen sichtlich erschöpften Lance Armstrong ein- und sogar überholen.

Jenen Lance Armstrong, der nur wenige Wochen später zum erstenmal die Tour de France für sich entscheiden wird.

„Eine tiefe Freude erfüllt mich, ein wenig lächerlich anmutender und doch so wahrhaft empfundener Stolz. So überwältigt bin ich von der ganz neuen, von der unerwarteten Erfahrung, dass die Hoffnungen eben nicht getrogen haben, dass unsere junge Mannschaft auf diesem Niveau und in diesem Terrain mutig mithalten kann.“

Stolz überholt Rolf Gölz im Gerolsteiner Begleitfahrzeug den Wagen des USPS-Teams.

Nicht zu kurz kommt auch die Historie der einzelnen Klassiker. Der Autor schildert die Entwicklung der einzelnen Rennen über die Jahrzehnte hinweg und reichert diese Informationen an mit lesenswerten Anekdoten.

 

„Hinault trat an und mit stoischem Biss durch – beseelt von einem Gedanken: Je mehr Kraft er investierte, desto mehr Körperwärme würde er auch produzieren. Im Ziel hatte er neun Minuten und 25 Sekunden Vorsprung auf den Zweiten. Es dauerte Wochen, bis die Lähmungserscheinungen aus Zeige- und Mittelfinger gewichen waren.“ (Wintereinbruch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich im Jahre 1980)

 

Kritisch beleuchtet er Rennen, die glauben allein durch ihre Namensgebung in den Kreis der Klassiker aufgenommen zu werden. Für die HEW cyclassics sieht er die Gefahr, dass diese in naher oder ferner Zukunft lediglich eine Randnotiz im internationalen Radsport sein werden und man sie niemals in einem Atemzug mit der Flandern-Rundfahrt nennen wird. Eine Randnotiz, wie sie z.B. auf die Wincanton Classic zutrifft. 

Abgerundet wird dieses gelungene Buch durch Fotos von Hennes Roth. Auf ihnen erlebt man den Fahrer Rolf Gölz und erhält ebenso einen fotografischen Überblick über die jüngere Geschichte der Klassiker.

Die von Rolf Gölz beschriebenen Klassiker:

- Mailand – San Remo, Omloop Het Volk, Kuurne – Brüssel – Kuurne, Flandernrundfahrt, Gent _ Wevelgem, Paris – Roubaix, Flèche Wallone, Lüttich – Bastogne – Lüttich, Amstel Gold Race, Henninger Turm, Meisterschaft von Zürich, Alpenklassiker, HEW Cyclassics, Clássica San Sebastián, Trofeo Baracchi, Paris- Tours, Paris – Brüssel, Mailand – Turin, Piemont Rundfahrt, Lombardei Rundfahrt

 

Rolf Gölz (30.09.1962)

Profiteams: Del Tongo Colnago, Superconfex, Buckler, Ariostea

Klassikersiege:

- 1987: Meisterschaft von Zürich

- 1988: Fleche Wallone, Paris-Brüssel, Piemont-Rundfahrt, Mailand-Turin

- 1989: Mailand-Turin

- 1990: Trofeo Baracchi

 

von Stephan


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