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Werner's Heldengeschichten

 

(1 Jahr Radsportforen)

 

Sonntag 10. Februar 2002, ich sitze an einem Sonntag meine x-te Stunde vorm Rechner, da kommt mir der Gedanke: "Was tue ich eigentlich". Fritz Strobl gewann soeben die wichtigste Medaille für die österreichische Sportnation seit 10 Jahren und ich diskutiere mit einer "verrückten" Holländerin, die ich sowieso nie verstand, verstehe und verstehen werde über die olympischen Winterspiele. In einem Radsportforum! Ich kann es nicht glauben, gerade ich, der vor Weihnachten 2000 der ganzen Internet-Kommunikation (Chats, Foren, Newsgroups) sehr kritisch gegenüberstand und für Bekannte, die damit ihre Freizeit verbrachten, nur ein mildes Lächeln übrig hatte. Was ist in dem einen Jahr passiert?

 

Es begann mit einem Reboundversuch beim Basketball, bei dem ich mit dem rechten Fuß anstatt auf dem Boden auf den Zehen eines Mitspielers landete. Eine Bänderverletzung im Knöchel setzte mich 6 Wochen außer Gefecht und das zur Weihnachtszeit. Andauernd Fernsehen, Lesen, über die Feiertage wurde ziemlich schnell langweilig. So vertrieb ich mir die Zeit beim Surfen im Netz, überwiegend auf Sportseiten. Bei Sport1 schaute ich dann vermehrt auch bei den Foren vorbei und begann meinen Senf zu den einzelnen Themen abzugeben, zuerst nur im US-Sports Forum. Aber von Leuten beleidigt zu werden, die keine Ahnung vom Basketball haben und noch mehr Rechtschreibfehler als ich fabrizierten (ich weiß, für einige die meine Postings kennen, ist es schwer vorstellbar), da verging mir sehr schnell die Lust. Im Radsportforum fühlte ich mich bedeutend wohler. Der Großteil der Schreiber hatte zwar vom Radsport genauso wenig Ahnung wie die User im US-Sports Forum vom Basketball *g*, aber die Diskussionskultur war um einiges besser. Und bei einigen Themen mußte ich die Teilnehmer mit meinem "Expertenwissen" beglücken und ich fing vermehrt mich einzumischen.

 

Wir diskutierten über Jans Abschneiden bei der letzten Tour, über das Abschneiden bei der vorletzten Tour, über die Tour 97, über Jans Trainingsfleiß, über Jans Chancen gegen den Texaner bei der Tour 2001, über Jans Essgewohnheiten, über Jans wasweißichnochalles. Ist doch heute nicht anders, was mich als Ullrich-Fan nie störte. Eine Userin scherte aus. Anne aus alex-zuelle.de versuchte ständig über den Zülle und Coast zu schreiben. Nur wen interessierte das? Mit Sicherheit keinen "vom Radsport eh nichts verstehenden" Österreicher. Auf jeden Fall meine Kosenamen "Altstar" und "Heulsuse" für den Herrn Zülle, oder doch besser "Zülli", brachten mir den Zorn aller damaliger Forengrazien (jinx aus cycling4fans.de, Heidih aus Dortmund, ...) ein. Das hat mich dann einigermaßen überrascht und ein wenig amüsiert. Ich bekam aber doch ein schlechtes Gewissen, vor allem wegen Annes Reaktion, verärgern oder gar verletzen wollte ich andere User nie. Ich raffte mich dazu auf, ihr eine Mail zu senden, in der ich ihr erklärte, wie ich es gemeint und warum ich es geschrieben hatte. Ihre Antwort gefiel mir, sie zeigte auch, dass sie Humor besitzt, ich schrieb wieder zurück, usw.. Lange Rede kurzer Sinn, es entwickelte sich daraus meine erste Mail-Freundschaft und das mit 30 Jahren noch dazu mit einer 18 Jährigen.

 

Ein weitere Thread, der bei mir hängen blieb, war über die Wimpern von Peter van Petegem, das Werk einer jinx aus cycling4fans.de. Der komische Name, der mir schon die ganze Zeit aufgefallen war, das PvP Posting, ich begann ihre Sachen aufmerksamer zu lesen. Die meisten gefielen mir auch, an "Expertenwissen" konnte sie mir zwar nie (wie auch als Frau) das Wasser reichen, aber Diskussionen mit ihr waren und sind immer eine Freude. Irgendwann schaute ich dann bei ihrer Seite vorbei. Ich war sofort begeistert von ihrer Idee, eine Seite von Fans für Fans, noch dazu wo in Deutschland die Fans die wahren Radsportexperten sind, genial. Natürlich schrieb ich "fauler Hund" für die Seite vorerst nichts, nur als Ende April fast nichts mehr Neues kam und ich nicht wollte, dass die Idee aus Bequemlichkeit von uns Radsportfans stirbt, begann ich aktiv zu werden. Ein Vorbericht zur schönsten und schwersten Rundfahrt der Welt (für alle, die es noch nicht wissen, es ist die Ö-Rundfahrt) eine neue Kategorie "wer war nochmal" mit einem Greg Lemond Portrait waren meine ersten Versuche. Zu meiner großen Überraschung wurde ich auch sofort mit weiblichen Groupies konfrontiert. Zum Glück existieren die Gästebucheintragungen auf C4F aus der damaligen Zeit nicht mehr. (Anmerkung der Redaktion: die kommen wieder- keine chance für dich...) Aber die konnten mich, trotz dem Hohn und Spott, den ich kurzfristig zu Hause ertragen mußte, nicht vom weiteren Schreiben abhalten. Es folgte meine erste Satire (mein Dankeschön gilt Leblanc und seinen Tournominierungen), andere Portraits, Rennvorberichte, ....

 

Nur das Ergebnis war für mich sehr enttäuschend. Ich hatte gehofft mit meinen Artikel doch vermehrt Fans zur Mitarbeit auf Ingas Seite animieren zu können. Das war aber ganz und gar nicht der Fall. Warum? Das war für mich schwer zu verstehen. Ein Blick ins Radsportforum bei Sport1 genügte, da gab es so viele Schreibtalente. Ironie, Witz, Intelligenz, Wissen, Freude am Radsport, alles war vorhanden. Aber wie bekommt man sie dazu für C4F zu motivieren? Für mich war die Antwort klar, es kann nur über das Forum funktionieren. Da fing ich neben dem Sport1 Forum noch bei CF4 zu schreiben an. Jeden Tag einen neuen, sinnvollen Thread bis zum Jahresende zu eröffnen, das war mein Ziel. Hin und wieder beteiligten sich sogar einige an meinen "Selbstgesprächen". Nur von Sport1 konnte ich niemanden herüber locken.

 

Warum sollten sie auch wechseln? Es passte alles. Die User respektierten sich, die Diskussionen waren interessant aber durchaus kontrovers und als Selberfahrer erfuhr man immer wieder wertvolle Tipps. Und bei einem bin ich mir ziemlich sicher, ohne dem Sport1 Forum wäre ich mit Sicherheit kein Fan des Profiradsports mehr. Auslöser war für mich die Dopingrazzia, oder vielmehr das Verhalten der Profis danach, nicht so sehr, die Tatsache, dass die Idioten Gefängnisstrafen riskierten. Der Streik einen Tag nach der Polizeiaktion, die Rücksichtslosigkeit gegenüber den Fans, gaben mir beinahe den Rest. Aber die Freude und der Spaß an den Diskussionen hielten mein Interesse am Radsport aufrecht.

 

Kurz darauf bekam ich von Inga eine Mail, dass sich im Forum von Radsportnews ein paar Leute über mich und meine Selbstgespräche im C4F Forum herzogen. Ich schaute natürlich sofort dort vorbei, irgendeine Inch (sie gehört wohl zur Kategorie, die mehr Rechtschreib- und Tippfehler zustande bringt als ich und Postings nur oberflächlich liest) und Radlerin habe ich angeblich aus dem C4F-Forum vertrieben. Der Verlust war insofern tragisch, dass U_A__A_U im krassen Gegensatz zu den 2 aus RSN ein Vielschreiber bei C4F ist. Dass Inga mich vehement gegen einige User dort verteidigte, freut mich heute noch. Eines muß ich Inch und Radlerin allerdings lassen. Zu der Zeit stand ich kurz davor im C4F-Forum aufzugeben, nur ihre überflüssige Jammerei bei RSN, die komischerweise einen Tag danach zensiert wurde, motivierte mich wieder neu. Und siehe da mit Krycek (oder doch Kreycek) und Izoardstürmer begannen 2 neue User sich vermehrt zu Wort zu melden. Die Zeit des Alleinunterhalters war vorbei. Hin und wieder mischte sich noch ein User aus dem Süden der Republik mit der s. u. s. R. d. W. während der nächsten Wochen in die Diskussionen ein.

 

Bei Sport1 war inzwischen die Tour-Manie ausgebrochen. Die Diskussionskultur änderte sich mit dem Prolog der Tour schlagartig. Es war unglaublich, zigtausend Postings in nur einer Woche und es wurde verdammt schwer den Überblick zu behalten, was zur Folge hatte, dass man noch mehr Zeit in den Radsportforen verbrachte. Einziges Highlight waren zur der Zeit die Diskussionen über unsere Fantasy-Tour-Teams (ein interaktives Spiel von Sport1). Das Spiel selbst war für mich den "Experten" eine einzige Entäuschung. Meine Niederlage, die Hauptschuld daran trägt ein gewisser Herr Wadecki, gegen Susi_Sorglos, brachte mich an den Rand einer Donaubrücke. Es war unfassbar, ich der "Experte" wurde von einer Frau geschlagen. Für ein ziemliches Schmunzeln meinerseits sorgte aber das Ergebnis auf die darauffolgenden, wochenlangen Sticheleien zwischen Susi_Sorglos und mir über Wadecki. Die Sport1 Autoren hatten mittlerweile mitbekommen, was für ein Radsportwissen sich in ihrem Forum versammelte und benutzten es offensichtlich als Informationsquelle. So erklärten sie kurzer Hand Piotre in ihrem Vorbericht zu Paris-Tour zum Favoriten.

 

Die Radsportsaison schritt ihrem nächsten Höhepunkt entgegen, der Vuelta. Der Ärger über die Nichtnominierung von Gerhard Trampusch durch Godefroot und Co. veranlasste mich dazu im My-Team-Forum meinen bitterbösen Kommentar über die Magentaverantwortlichen abzugeben. Angemeldet war ich bei diesem komischen My Team schon länger, auf das versprochene Begrüßungspaket warte ich noch immer. Grund für meine Mitgliedschaft war ein Star Chat mit Walter dem Belgier, bei dem ich mich über die Zukunftspläne, die sie mit Gerhard hatten, erkundigen wollte. Meine Fragen wurden selbstverständlich ignoriert, für den Moderator war Trampusch höchstwahrscheinlich eine selten Garzellenart in einem afrikanischen Nationalpark. Dafür wurden x sinnlose Fragen zu Ulle und Ete gestellt, weitergeleitet und beantwortet. Die dort erlebte Hysterie hielt mich immer davon ab, bei den rosaroten Jungs nochmals vorbeizuschauen. Aber einmal dort vorbeigeschaut fand ich das Forum recht witzig, vor allem, weil es total anders war. Dann war da noch der Versuch von Simone und mir die Software dort mit einem Megathread zu sprengen, mit einem Geburtstagsglückwunschthread für Nocentini. Geschafft haben es wir zwar nicht, aber wir waren uns gleich sympathisch und sie fing endlich im C4F-Forum an zu posten. Außerdem entstand im Magentaforum bei einem unserer Blödelpostings die Idee zum "Rosaroten Sklavenschiff".

 

Währenddessen ging mir Sport1 immer mehr auf die Nerven. Irgendwer hatte dort die Zensur entdeckt. Und ich habe bis heute keine Ahnung warum, aber sie nahmen in einer stetiger Regelmäßigkeit meine Beiträge raus. Zu Beginn war es mir egal und ich sah darüber hinweg, das Diskutieren dort machte mir viel zu viel Spaß. Es war auch die Zeit der Fantasy-Vuelta (meine Revanche an Susi_Sorglos ging völlig in die Hose) und ich war höchst erfreut, tief beeindruckt, positiv überrascht auch fassungslos über eine(n) User(in), die (der) im Falle des Gewinns des Hauptpreises (ein Rennrad), mir ihn schenken wollte.

 

Aber irgendwann brachte die oberste Zensurbehörde bei Sport1 das Fass zum Überlaufen. Nachdem sie einen Thread von Anne, in dem sie über ihre Reisevorbereitungen zur Lombardeirundfahrt berichtete und in meinen Postings keine Quellenangaben mehr zu ließ, war für mich klar, bei denen schreibe ich nichts mehr. Mir kam es auch gelegen, 3 Foren zur selben Zeit zu verfolgen, wurde mir langsam zu viel. Also kündigte ich meinen Abschied von Sport1 an, mit einem Hinweis, dass ich in Zukunft bei C4F zu finden sein werde, in der Hoffnung damit ein paar User zu einem Wechsel zu überreden. Bei einigen war ich mir ziemlich sicher, dass es mir gelingen würde. Was dann passierte, das lässt mich heute noch staunen. Es wechselten, ich glaube bis auf Leontien, fast alle die Fronten und waren nach ein bis zwei Wochen (bei Dennis aus Pirmasens dauerte es länger) auf C4F. Zu meiner großen Freude entdeckten einige User endlich ihr Schreibtalent und begannen sich aktiv bei Ingas Seite zu beteiligen.

 

Für mich änderte sich auch einiges. Ich fühlte mich dazu verpflichtet zu allem und jedem meinen Senf dazu zu geben. Ich verbrachte immer mehr Zeit vor dem Rechner und ich unterhielt mich prima. Noch extremer wurde es nach Ingas Forenwechsel kurz vor Neujahr. Aber ein Blick auf die Beitragsanzahl anderer User genügte, ich war nicht der einzige "Verrückte". So verbrachte ich des öfteren einen Sonntag oder Samstag 5, 6 Stunden im Forum. Gedacht hatte ich mir nicht viel dabei, bis zum 10. Februar 2002 (der Tag an dem Fritz Strobl Gold gewann). Es war auch ziemlich genau 1 Jahr seit meinem Posting über "Zülli", für mich persönlich mein Beginn als Vielschreiber.

 

Für die Zukunft nahm ich mir an dem Abend vor etwas kürzer zu treten. Ich bin schon gespannt, was aus meinem Vorhaben wird. Extremer als die ersten 2 Februarwochen kann es fast nicht mehr werden, oder doch? In einem Jahr bin ich klüger oder bin ich so besessen, dass ich in einer Gummizelle sitze, nur mehr Dopingthreads schreibe und von meiner Umwelt nichts mehr mitbekomme. Nur nach der Einführung dieses völlig unnötigen Sofaforums bin ich sehr zuversichtlich, dass ich nicht in einer psychiatrischen Anstalt landen werde, zumindest nicht wegen unkontrollierbaren Radsportforengeschreibse.

 

 

Beitrag von Werner


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