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Yeti's gute Zeiten - schlechte Zeiten 2003

 

Wettbewerbsbeitrag von Yeti

 

Auf das Radsportjahr 2003 sah ich zu Beginn des Jahres recht erwartungsvoll voraus. Es würde eine Menge Rennen geben, die von München aus in einem Tag zu erreichen waren. Nur zur Thüringenrundfahrt würde es eine Dreitagesfahrt werden, mit zwei Übernachtungen bei Verwandten ganz in der Nähe des Startortes Sonneberg. Das hunderste Jubiläum der Tour de France stand an und erstmals würden drei deutsche Teams dabei sein.

 

Ich freute mich und plante bereits kräftig, freute mich auf spannende Rennen, auf Fotos und Autogramme von meinen Helden und auf Usertreffen, mit denen die Rennen gleich noch mal doppelt so viel Spaß machten.

 

Anfang Januar ließ meine Freude dann schlagartig nach. Da war ein Fahrer  gestorben, zum Zahnarzt gegangen und nicht wiedergekommen. Denis Zanette wurde nur 33 Jahre alt. Ich saß fassungslos vor dem PC und betrachtete das Mannschaftsheftchen von Fassa Bortolo. Im letzten Jahr hatte ich es bekommen, nach dem Nürnberger Altstadtrennen, von einer Mitarbeiterin des Teams. Er hinterließ seine Frau und zwei kleine Töchter, die eine war erst 7 Monate alt. Sofort gab es von allen Medien, auch denen, die sich sonst nie mit Radsport beschäftigten, böse Dopingunterstellungen. Wenige Tage nach dem Tod wurde im Beisein der Witwe das Haus durchsucht. Konnte man damit nicht aus Pietätgründen warten?

 

Schließlich stellte sich heraus, das der Radprofi aus Sacile eines natürlichen Todes gestorben war. Ich hoffte, dass der Radsport für den Rest des Jahres nur noch positive Schlagzeilen liefern würde.

 

Doch diese Hoffnung wurde nur zwei Monate später bereits zerstört. Beim „Rennen zur Sonne“, wie die französische Fernfahrt Paris-Nizza genannt wird, geschah die nächste Katastrophe. Als ich nach der Arbeit heimkam und erst einmal in Forum nachlas was so passiert war, stand da etwas von einem schlimmen Sturz von Andrei Kivilev. Der Fahrer des Teams Cofidis liege mit schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus. Ausgerechnet ein Fahrer des Teams mit der Sonne auf dem Trikot, das passte so gut zur Fahrt zur Sonne. Noch in der Nacht wurde er in ein anderes Spital verlegt, weil er Blutungen im Kopf hatte. Ich hoffte und bangte für ihn und seine kleine Familie, sein Söhnchen war erst wenige Monate alt. Doch es gab für den Kasachen keine Rettung mehr, er starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Die Fahrt zur Sonne trug ab da Trauer. Die verbliebenen Cofidis-Fahrer starteten mit Trauerflor in die nächste Etappe und überquerten die Ziellinie geschlossen einige Meter vor dem Feld. Kivilev’s bester Freund Alexander Vinokurov vom Team Telekom wollte die Rundfahrt für ihn gewinnen. Er sagte im Interview, „Kivi“ säße bei ihm auf dem Rad. Als er bei seinem Etappensieg die Hände in den Himmel erhob kamen mir die Tränen...

 

Er gewann die Rundfahrt dann auch und stand mit einem großen Bild seines  Freundes auf dem Stockerl in Nizza...wieder kamen mir die Tränen. Kivi wollte wenig später zu Vino nach Südfrankreich ziehen, damit die beiden Familien fern der  kasachischen Heimat zusammen sein konnten. Nun konnte Vino seinem Freund nur noch das gelbe Trikot ins Grab legen....

 

Als Reaktion auf Kivi’s Tod wurde nun endlich die Helmpflicht für die Profis eingeführt...einige protestierten dagegen. Ich verstand sie beim besten Willen nicht....

 

Doch damit war noch lange nicht das Ende der Negativschlagzeilen erreicht. Mein Lieblingsteam Coast steckte seit längerem in finanziellen Problemen und im März zog der Weltradsportverband die Notbremse. Er sperrte das Team. Der Hauptsponsor Günther Dahms konnte die Gehälter nicht mehr zahlen. Besonders hart traf die Sperre die Klassikerfahrer, die sich extra auf diese Rennen vorbereitet hatten.

 

Nach all den Negativschlagzeilen konnte es nur noch besser werden. Es war Ende April, Anfang Mai und ich freute mich auf mein erstes Live-Radrennen der Saison. Zur Thüringenrundfahrt sollte es gehen und das gleich zwei Tage lang, zum Prolog und der ersten Etappe. Am 04.05 fuhr ich nach Oberfranken zu meiner Tante, am nächsten Tag stand der Prolog auf dem Programm und die Thüringenrundfahrt wurde zur „Ronde van Thüringen“, aus dem Zeitfahren ein „tijdrit“. Die sechs Mini-Rabos dominierten total. Ich war begeistert und bin seitdem ein Fan der U 23!

 

Zurück in München gab dann die nächste Sperre für meine Coasties und ich verwünschte die UCI! Warum sperrte man die Fahrer? Die konnten doch nichts dafür, kein Geld zu bekommen! Ich war der Meinung, man sollte nur dem Team die Punkte für die WRL streichen. Wieder keine Starts für die Hellblauen. Bei der Bayernrundfahrt startete ein Teil der deutschen Fahrer dann als Deutsche Nationalmannschaft, wenigstens etwas. Leider konnte ich nicht zu meiner „Heimatrundfahrt“ da wir gerade umzogen. Mein nächstes Rennen ließ aber trotzdem nicht lange auf sich warten. Anfang Juni wollte ich zur Deutschlandtour nach Ansbach. Insgesamt 8 Stunden würde ich unterwegs sein...nur für eine Zielankunft. Einige Tage vorher erzählte ich meiner Kollegin in der Arbeit voller Freude davon. Es war warm an diesem Tag, die Arbeit ging gut von der Hand und ich freute mich so sehr auf Ansbach, weil ich nach einigen Mühen doch noch frei bekommen hatte, ich freute mich auf das Treffen mit Madame Durand.

 

Doch die Freude war mit einem Mal wie weggeblasen. Aus dem Radio am Fenster  am am Anfang der Nachrichten die Meldung, vor dem Start der ersten Etappe der D-Tour sei ein französischer Fahrer gestorben, tot aufgefunden im Bett, morgens von seinem Teamkollegen...ich war wie versteinert, vergaß die D-Tour..

 

Wer war es, wann kam endlich die Meldung. Noch nie war ich so ungeduldig bei den Nachrichten. Fabrice Salanson war es, vom Bäckerteam. Erst 23 Jahre alt.

 

Warum hörte das nicht auf dieses Jahr???????????? Abends las ich lange im I-Net und auch die nächsten Tage. Sofort gab es wieder die bösen Gerüchte um unerlaubte Mittel, man hörte von Fernsehteams, die sich sonst nicht für diese Sportart interessierten, jetzt plötzlich da waren und die weinenden Fahrer filmten. Sensationen und Leid verkauft sich halt gut...

 

Nach wenigen Tagen stand fest das der junge Mann aus Frankreich eines natürlichen Todes gestorben war . Ich konnte es nicht fassen. Warum musste da einer sterben, der jünger war als ich selbst???????? Sein Teams startete dann nicht zur Deutschlandtour.

 

Als ich dann in Ansbach an der Absperrung stand musste ich dauernd an das Team denken, ich hatte da meinen Spaß und für das Team in den roten Trikots war eine Welt zusammen gebrochen.

 

Die Radsportwelt glich einer Achterbahn in dieser Saison 2003.... Das Team Coast hieß inzwischen Bianchi und starte in hellgrün. Ich freute mich sehr, sie in Ansbach zu sehen. Außerdem bekam ich ein paar tolle Autogramme und konnte schöne Fotos machen!

 

Wenige Tage später nur ging es dann zum nächsten Rennen, genauer gesagt zur Wiesbauertour nach Salzburg und zum Usertreff mit Chris Combüs, Novalis und Werner. Wieder war es brutal heiß, wie schon das ganze Jahr. Dieses Rennen war sehr schön. Werner hatte Kuchen dabei, der wurde gemeinsam im Schlosspark verzehrt, wir unterhielten uns gut. Der absolute Höhepunkt für mich war aber der Sieg von Steffen Radochla, der erste Sieg für Bianchi, das erste gelbe Trikot, ich war so glücklich an jenem Tag in der Mozartstadt, es passte alles.

 

Es hörte nicht auf warm zu sein und ich hörte nicht auf, zu Rennen zu fahren. Die Deutsche Meisterschaft fand diesmal in Bayern statt, ich war dabei. An der  inschreibung konnte ich super Fotos machen.

 

Dann stand die Tour am Programm und ich freute mich auf die Gerols und die Bianchis. Leider mussten die Gerols eine Menge Lehrgeld zahlen bei der ersten „Grand Boucle“. Ich litt mit Akki Peschel als er auf der vorletzten Etappe verletzt ausscheiden musste. Jan Ullrich wurde nach einem Jahr Pause völlig unerwartet Zweiter, er hatte Lance Armstrong einen harten Kampf geliefert. Doch der Texaner schaffte es auch den fünften Sieg in Folge nach Paris zu bringen.

 

Ich freute mich für ihn und hoffe auf den sechsten im nächsten Jahr. Die Tour war vorbei, es war immer noch heiß und bereits am 02.08 fuhr ich wieder zum Rennen, nach Karlsruhe zum Paarzeitfahren. Hier hatte es ungefähr 40 Grad und die Gerols fuhren allen davon. Es gab auch wieder ein Usertreffen, mit CofiTine, USPS-Fan und der Geheimwaffe.

 

In der zweiten Jahreshälfte gab es endlich nur noch positive Schlagzeilen. Ein Wunder geschah, Ende August fuhr ich nach Nürnberg zum Altstadtrennen und es war zu Beginn eiskalt. Am Ende des Rennens traf ich dann noch auf Niniel und wir schrieen mit vereinten Kräften Linus Gerdemann und Frösi nach vorn, was uns ziemlich komische Blicke der andren Fans einbrachte, die Ulle siegen sehen wollten!

 

Doch damit war noch lang nicht aller Tage Abend. Eigentlich wollte ich meine Saison ausklingen lassen, aber der LUK-Cup in Bühl reizte mich dann doch zu sehr. Und es sollte sich gelohnt haben, ich stand das erste Mal überhaupt an einer Bergwertung, was sehr eindrucksvoll war. Außerdem war das Wetter erneut super (warm, wenn wundert’s), der Blick von Neusatzeck in die Rheinebene ist unbeschreiblich....

 

Nachdem ich meine Saison beendet hatte, ging es dann in der Radsportwelt wieder drunter und drüber. In Spanien zogen sich gleich zwei Sponsoren zurück und es wurde ein Kahlschlag befürchtet jetzt gibt es 2004 wohl sogar mehr Teams.

 

Hier in München gab es wieder mal das Aus für das GS 3-Team, was ich aber nur durch freundliche Informationen aus Brandenburg erfuhr (danke Hoffi!)...in dieser Stadt blieb das unbemerkt. Das Team Bianchi zerfiel und ich bangte um jeden Fahrer, das er einen neuen Vertrag bekam.

 

Als Fazit kann ich sagen, das es ziemlich zwiespältiges Jahr für mich als Radsportfan war. Ich sah viele Rennen live vor Ort, verbrachte unzählige Stunden in Zügen und auf Bahnhöfen, bekam Autogramme, konnte tolle Fotos machen und mich an tollen Siegen meiner Lieblinge erfreuen.

 

Andererseits wird die Erinnerung an 2003 auch immer traurig sein, die Erinnerung an Denis Zanette, Kivi und an Fabrice Salanson wird die Bilder trüben, die wir im Kopf haben und spätestens nächstes Jahr bei den Rennen bei den sie starben,  iederkommen....

 

Ich hoffe, in der Saison 2004 bleibt die Radsportwelt von Todesfällen verschont, von Teampleiten und Dopingfunden!


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