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LUK-Cup, das Treffen der Giganten 2003

 

LUK-Cup, das Treffen der Giganten oder ein etwas "anderer" Rennbericht 

 

 

03.10.2003

Ort: Bühl (Baden)

Anlaß: LUK-Cup Bühl

Zweck: Vertragsabschluss Jan Ullrich für 2004

Wetter: fast Jan-Ullrich-Wetter

 

 

Ankunft Jan Ullrich am Bahnhof von Bühl. Natürlich gut getarnt in Team Telekom Montur, das ist bombensicher. Ich nehme ihn in Empfang. Es ist kurz vor 12 Uhr und ich mache mich mit Jan Ullrich auf den Weg in den Start/Zielbereich. Um nicht erkannt zu werden, legen wir uns erstmal ein Programmheft zu und verschaffen uns einen ersten Überblick der Start/Zielanlage.

 

12 Uhr, wir erleben den Start. Kein weltbewegendes Ereignis, aber das steht ja auch erst noch bevor. Um für später einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, müssen Jan Ullrich und ich noch in Erfahrung bringen, wo uns später der VIP-Bus zu Uhu-Bergwertung abholen wird. Dort sollen wir noch auf eine geheime Bianchi-Beraterin treffen, die angekündigt hat, einen seriösen Geldgeber gefunden zu haben, der den Fortbestand des Team Bianchi gewährleisten kann.Als auch das unter Dach und Fach ist, schicke ich erst noch 2 Ortungs-SMS an die noch zu erwartenden 2 Wirtschaftsbosse ab, damit das geplante Treffen der Giganten auch ja stattfinden kann. Dann vermeldet Jan Hunger. Wir machen uns also auf den Weg ins Tour-Village, wo uns eine Menge verlockende Düfte in die Nase steigen. Relativ schnell entscheiden wir uns und holen uns ne XXL-Portion fettiges Essen ab. Wir machen uns über das Essen her. Plötzlich klingelt das Handy. Wie vermutet befindet sich der italienische Nudel-Fabrikboss am anderen Ende der Leitung. Er hat gleich seinen eventuell zukünftigen Partner dabei. Es ist der Chef der Forschungsabteilung einer sehr erfolgreichen Pfannenbeschichtungsmaterialen-Firma. Ich bin begeistert. Es läuft besser als erwartet. Das Radrennen ist natürlich nur Nebensache und soll vom eigentlichen Supergau ablenken. Wir besprechen uns kurz, und beschließen, daß wir uns in etwa 30 Minuten erneut am Bahnhof treffen werden.

 

Wir essen aber erst noch zu Ende. Jan wirkt etwas nervös, aber verständlich, er will allen zum Trotz heute schon einen neuen Vetrag für 2004 abschließen, der alle vom Hocker reißen soll. Es sind ca. 20 Minuten seit dem Anruf vergangen, Jan und ich machen uns Richtung Bahnhof auf. Unauffällig schlendern wir am Bahnhof umher, als mein Handy erneut klingelt. Wieder der iatlienische Großunternehmer. Ein Blick auf den Parkplatz genügt, um die beiden Herren auszumachen, da einer davon am Handy hängt. Langsam gehen wir uns entgegen. Eine Begrüßung ist zu beobachten, bei der gegenseitiger Respekt spürbar ist. Von Jan’s Tarnkleidung sind beide total begeistert, so kann also fast nichts schiefgehen. Der erste Schritt wäre also schon mal geschafft. Jan gibt sich auch sehr souverän bei dieser ersten Begegung. Es folgt ein kurzer Austausch, wie der weitere Verlauf des Tages aussehen soll.

 

 

Unsere adrettes Vieregrüppchen macht sich nun also auf in den Start/Zielbereich. Ich gebe den beiden Industriemillionären einen kurze Führung durch das Tour-Village. Sie sind beeindruckt, wie sich der Radsport in Deutschland gemausert. Bei deutscher Festzeltmusik und Bärlauchhäppchen lassen wir uns den gut gekühlten Rothaus-Champagner schmecken. Ich spüre jetzt schon, das wird ein grandioser Tag für den deutschen Radsport. Die Uhr spricht etwa 13:30 Uhr. Noch beschränken sich die Jan, die beiden Wirtschaftsbosse und ich auf Smalltalk. Wir begeben uns Richtung Rennstrecke, die in unmittelbarer Nähe des Tour-Village liegt. Vorbei an Trikotständen, die Ausverkauf haben, nähern sich unsere Gesprächsthemen langsam dem Radsport an. Die Bianchi-Trikots werden von uns allen aber links liegen gelassen, wäre auch absolut nicht förderlich für die noch ausstehenden Verhandlungen. An die geheime Bianchi-Beraterin glaube ich nämlich nicht wirklich und ich glaube, Jan hat das Thema Bianchi mental auch längst abgehakt.

 

Es ist soweit, das Feld passiert zum ersten Mal den Start/Zielbereich. Ach nee, das ist ja nur ein Duo. Sieht aus wie Erik Zabel und Malte Urban, die dem Feld um 1:20 Minuten enteilt sind. Ich weise die Wirtschaftsbosse darauf hin, daß es langsam Zeit ist, uns auf den Weg Richtung VIP-Bus zu machen, denn der Chauffeur Tyler wartet nicht so gerne, auch wenn es ihm schon mehrfach unterstellt worden ist... Aber natürlich lasse ich die Radsportwelt in diesem Glauben, ich will ja kein Spielverderber sein. Andererseits bin ich sowieso überzeugt, daß der eine Ami dem anderen Ami das nur nachsagt, damit der Nobelpreis für spontane Hilfsbreitschaft wieder in die USA geht. Aber das tut eigentlich mit dem LUK-Cup gar nichts zur Sache, drum lassen wir das Thema mal lieber so stehen. Auf dem Weg zum Treffpunkt kommen wir an einer Bäckerei vorbei. Ein Highlight für die Wirtschaftsbosse. Sie stehen nämlich auf original schwäbische Brezeln aus Baden, denn sie wissen genau, den Schwaben gelingt es einfach nicht wirklich, gute Teigwaren herzustellen. Das fängt schon mit den Spätzle an, ganz zu schweigen von den berühmten Maultaschen, und hört bei den Brezele auf. Fast unnötig zu erwähnen, wie schnell die beiden die Brezel aufgefuttert haben.

 

 

So, jetzt aber schnell zur Haltestelle, wie gesagt, Tyler wartet nicht so gerne. Oh, ein Schreck durchfährt mich, als ich nur noch die Rücklichter von dem Bus sehe. Ich sehe auch eine leichte Enttäuschung in den Gesichtern meiner 3 Begleiter. Ich versuche sie aufzumuntern und zu beruhigen. Denn eigentlich ist auf Tyler Verlaß. Selbst von gebrochenen Knochen läßt sich Tyler nicht davon abhalten, seinen Job so gut es geht auszuüben. Ah endlich, Tyler ist in Sicht. Der VIP-Bus fährt vor. Da aber noch andere scharf darauf sind, sich an der Uhu-Bergwertung zu positionieren gibt es schon etwas Gedränge. Aber Tyler ist erpicht darauf, den Bus mit der vorgeschriebenen Höchstzahl an Passagieren zu besetzen. So dürfen wir also mit den Platzkarten 26, 28, 32 und 34 noch einsteigen. Dann geht es los. Mit gemütlichen Tempo geht es über gut aspahltierte Straßen hinauf zur Uhu-Bergwertung.

 

Nach ca. 15 minütiger Fahrt stopt Tyler den Bus. Aussteigen. Die Passagiere werden nochmal durchgezählt, den Gerüchten zu folge, gab es eine Beschwerde von Tyler’s Chef, er hätte zu wenig Passagiere dabeigehabt. Was sich leider auch bestätigte. Das wird Tyler eine Strafe von 5000 Schweizer Franken kosten. Ich geleite meine Ehrengäste in Richtung Uhu-Bergwertung, denn die letzten Meter nach oben sind so steil, daß es für den Bus unmöglich gewesen wäre, ganz bis oben zu kommen. Aber ein paar Meter zu laufen, hat noch keinem geschadet. Jan hält zwar noch Ausschau nach einem Porsche für die letzten Meter, aber ich kann ihn überzeugen, daß diese Art von Höhentraining besonders effektiv ist, vor allem für sein Vorhaben, im nächsten Jahr die große Umdrehung in Frankreich gewinnen zu wollen. Auf halbem Weg sehen wir Peter Becker am Straßenrand stehen, der war natürlich mit seinem Porsche unterwegs, ich merke, wie Jan rot vor Zorn wird. Peter Becker ist in Begleitung von einem Telekom Boss, er wird mir doch nicht zuvorkommen wollen, und Jan für 2004 bei Telekom unterbringen. Das kann ich nicht verantworten und dann wäre der ganze Aufwand mit den beiden Wirtschaftsbossen auch für die Katz gewesen. Ich bekomme auch eine Sauwut auf den Intreganten und lenke Jan und die beiden Bosse ab, nochmal in die Richtung von Peter Becker zu schauen. Becker wird Jan in seiner Verkleidung sowieso nicht erkennen. Ich lenke also die Aufmerksamkeit der 3 Herren auf Didi Senft und sein komisches Riesengefährt, auch wenn wir es alle ziemlich bescheuert finden, so ein Monstrum aus Metall am Strassenrand in dieser luftigen Höhe zu platzieren.

 

Der Nudel-Boss wünscht nochmal ein Glas von dem leckeren Rothaus-Champagner, der überall an der Strecke zu haben ist. Wir gehen also schnurstracks auf das Ausschankzelt zu. Dazu müssen wir allerdings die Strecke überqueren, ist aber kein Problem, wir haben schließlich alle Ahnung vom Radsport und meistern diese Situation souverän. Während der Nudel-Boss sich etwas abgesetzt hat, halte ich Ausschau nach der geheimen Bianchi-Beraterin. Tatsächlich kann ich sie ausmachen. Aber was ist denn das? Sie ist nicht allein. Ich bin entsetzt. Sie ist eingerahmt von 2 älteren Herren mit grauen Haaren. Hab ich es mir doch gedacht. Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Denn diese beiden Herren kommen mir bekannt vor, Schangmarie und Rudy P. Beide Herren kommen zwar kaum zu Wort, aber dennoch, das war nicht abgesprochen, und somit ist für mich das Thema Bianchi endgültig abgeschlossen. Zum Glück hat Jan sich nicht so genau mit den Zuschauern beschäftigt und die Beraterin nicht erkannt, zumal er im Gegensatz zu mir gar nicht wußte, daß wir u.U. hier oben auf sie treffen sollten. Nochmal Glück gehabt.

 

Ah, der Nudel-Boss kommt mit dem Champagner. Jan verzichtet edelmütig, es sollen ja nicht wieder so komische Gerüchte auftauchen, von wegen, er hätte Probleme mit Genußmitteln. Die beiden Wirtschaftsbosse sind beeindruckt von Jan’s mentaler Stärke. Wieder ein Pluspunkt für Jan und mich. Wir suchen uns ein gemütliches Plätzen, wo wir das Rennen gut sehen können. Die Sonne brennt. Da kommt das schattige Plätzchen unter einem Eßkastanienbaum gerade richtig, das der Pfannenbeschichtungsforscher ausgemacht hat. Die Maulwurfhügel auf der Wiese stören uns nicht weiter, man muß eben aufpassen, wo man sich hinsetzt. Das Feld passiert zum ersten Mal die Uhu-Bergwertung. Mit wehmütigem Blick halten wir Ausschau nach 9 Startern, auf die wir im Vorfeld gewettet haben, nur so zum Spaß, um unsere Radsportkenntnis zu beweisen. Ich kann es jetzt schon auflösen, es ist uns nicht so wirklich gelungen, aber dennoch, mit Blick auf die Gesamtwertung kommen wir zu dem Schluß, daß wir so unwissend gar nicht sein können, denn die Top Ten haben wir quasi alle in der Tasche. Bis auf Jan, der ist aber auch erst später eingestiegen, und bei den Rennen, wo er mittippt, ist er meistens ziemlich gut dabei.

 

 

Die geschäftlichen Gespräche können nun beginnen, denn die Zeit drängt, nach dem die Fahrer die Bergwertug bereits zum zweiten Mal passiert haben. Die Fronten sind relativ schnell geklärt, Geld ist da, die Wirtschaftsbosse sind heiß auf Radrennen und natürlich gar nicht außer Acht lassen darf man die eigentliche Absicht des geplanten Sponsoring. Der Nudel-Boss möchte, daß seine Nudeln in Deutschland wieder einen höheren Stellenwert bekommen soll, denn nach Steffi Graf’s Ausscheiden ist der Umsatz rapide gesunken und Jan wäre da wirklich ein gutes Pferd im Stall. Und der andere Boss hat sich zur Aufgabe gesetzt, daß der Umsatz in Deutschland für beschichtete Pfannen wieder ansteigt, denn nach der Einführung des Woks vor ziemlich genau 13 Jahren, hat der beschichteten Pfanne ziemlich zugesetzt. Klasse, ich freue mich, denn wir sind uns alle einig, jeder wird von diesem Zusammenschluß profitieren. Mittlerweile kommen die Fahrer das dritte und letzte Mal an der Uhu-Bergwertung vorbei. Das Rennen scheint spannend zu sein. 3 Fahrer aus 3 deutschen Teams liegen vorne, aber die Nationen sind bunt gemischt. Spanien, Deutschland und Italien sind die Nationen, die in dem Trio vertreten sind, natürlich ganz zur Freude vom Nudel-Boss. Aber sein Iatliener, Mario Cipollini kann seinen Vorjahressieg nicht verteidigen, wie uns der Bergwertungsprecher, der die Live-Fernsehbilder kommentiert, verkündet. Denn Erik Zabel gewinnt den Dreiersprint, zwar knapp, aber er gewinnt. Mario Cipollini wird also Zweiter und der Spanier wird Dritter. Ich glaube, bei dem Spanier handelt es sich um Garcia Garcia Garcia. Hab ich glaub noch nie gehört diesen Namen, nä. Aber macht ja nichts, ich bin ja lernfähig, nä.

 

Ich denke, wird Zeit, daß wir uns wieder Richtung VIP-Bus aufmachen, Tyler wartet bestimmt schon. Und Tyler wartet nicht so gerne... Stattdessen müssen wir kurz warten, Tyler muß erst den Bus noch in die richtige Position bringen. Gar nicht so einfach, wie wir mitanhören müssen, denn Tyler setzt den Bus hinten kurz auf. Autsch! So, einsteigen bitte, 34 ist erneut das vorgeschriebene Kontingent, was der pflichtbewußte Tyler natürlich auch einhält. Der Nudel-Boss macht es sich neben einer netten jungen Blonden bequem, die aber schon nach 1/3 der Busfahrt genug von seinem Nudellatein hat, und Tyler auf Knien anfleht, den Bus zu stoppen, damit sie flüchten kann. Das passt Tyler natürlich gar nicht ins Konzept, denn im Tal werden die Passagiere ja wieder nachgezählt, aber nach einigem Hin und Her, öffnet Tyler dann doch die Türe. Tja, gutmütiger Kerl eben, außerdem hat er im Hinterkopf noch den Nobelpreis, für den er wieder einen Pluspunkt gesammelt hat.

 

Ich hingegen hab nur den Vertragsabschluß im Kopf. Der muß heute über die Bühne gehen, denn ich habe das dumme Gefühl, daß die Telekom mir einen Strich durch die Rechnung machen will. Aber das kann ich nicht zulassen, ich hab doch Vino versprochen, daß ich alles in meiner Macht stehende tun werde, Jan nicht zu Telekom gehen zu lassen. Ich kann und will mich nämlich nicht mit diesem Gedanken anfreunden. Ah, schon wieder im Ziel angekommen. Aussteigen bitte! Also meine Herren, ich würde sagen, wir genehmigen uns nochmal ein Glas Rothaus-Champagner und bringen den Vetrag in trockene Tücher. Auf ins Tour Village und Champagner bestellen. Ich zücke den vorbereiteten Vertrag und meinen Parkerfüllfederhalter mit Goldfeder. Nochmal Eindruck schinden. Prösterchen die Herren! Dann noch ein kurzer Schreckmoment, Marcel Wüst scheint von der Sache Wind bekommen zu haben und versucht den Nudel-Boss niederzustrecken. Aber gegen den Nudel-Boss ist einfach kein Kraut gewachsen und ziemlich schnell muß Wüst einsehen, daß die als Wurst getarnte Elektroluftpumpe in der Hand des Nudel-Boss unschlagbar ist. Puhh, gerade nochmal gutgegangen. Jetzt aber schnell her mit den Unterschriften, sonst geht es doch noch in die Hose. *kritzelkratzel* Perfekt! Ein rundum gelunger Tag. Daraufhin benötigt der Pfannenbeschichterforschungs Boss noch ein weiteres Glas Rothaus Champagner. Juhuu! Mission LUK-Cup erfolgreich beendet!

 

Jetzt wird es aber Zeit, daß sich unsere Wege wieder trennen, bevor noch jemand etwas merkt, und vor mir die Bombe platzen läßt. Unauffällif schlendern wir zurück zum Bahnhof. Die beiden Wirtschaftsbosse machen sich auf in Richtung Baden-Airport, Jan muß auch zurück zu seiner Familie und ich muß dringend den Pressebreicht für cycling4fans verfassen, bevor sich die User dort noch vor lauter Diskussionen um Jan’s zukünftiges Team um Kopf und Kragen diskutieren. Das wäre nämlich nicht zu verantworten.

 

Achja, ihr wollt wissen, für welches Team Jan im Jahr 2004 in die Pedale tritt? Hätte ich ja glatt noch vergessen zu erwähnen...

 

Team Rino’s Maultaschenschmaus für TEFAL-Pfannen

 

 

Beitrag von Prinzin


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