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msteil: das erste Mal als echter Radsportler

 

 

PANIK

 

So langsam wird es echt eng. Heute sind es nur noch 4 Tage bis zu meinem ersten Einsatz als echter Radsportler. In den letzten Monaten habe ich echt viel auf dem Rad gesessen. Ob es genug war?

 

Es ist mal wieder echt mieses Wetter draußen. Bewölkt, ab und zu regnet es und besonders warm ist es auch nicht. Die Konsequenz aus so einem Mistwetter ist, dass man im Wohnzimmer sein Fahrrad aufstellt und wenigstens etwas gegen das schlechte Gewissen macht. Ob das reicht?

 

Wieder ein Tag näher dran und das Wetter will einfach nicht besser werden. Tja, aus sinnvoller Freiluftvorbereitung wird wohl nix werden. Muss es halt über die Küche und das Wohnzimmer gehen. In den letzten Tagen vor meinem ersten Einsatz achte ich genau auf mein Essen. Nur noch Kohlenhydrate und keine schweren Sachen mehr. Ob das was bringt?

 

Freitag. Heute kann man beruhigt die Beine hängen lassen. Ein Tag vorm Rennen wird sich nciht mehr verausgabt, die Rolle reicht also zum locker fahren und gegessen werden eh nur noch Nudeln. Abend werden die Beine nochmal schön massiert (Danke Meli) und früh ins Bett gegangen. Ob das hilft?

 

Samstag. Heute wird es ernst. Ware Freudensprünge muss man ja wegen dem Wetter nicht gerade machen, aber immherhin ist es trocken. Mein Puls ist den ganzen Tag über irgendwie nicht wirklich runter zu bekommen. Die Nervosität wird mir doch hoffentlich nicht meine guten Beine blockieren?

 

Sonntag. Ja, es ist vorbei.

 

Und wie war es?

 

Diese Frage habe ich mir mittlerweile schon mehrfach gestellt. Eine einfach Antwort ist sicher: Es war meeeega hart. Eine etwas andere Antwort ist nicht so schnell erzählt.

 

Nachdem ich morgens so langsam in die Gänge kam, ging es mir eigentlich ziemlich gut. Keine Müdigkeit, die Nervosität hielt sich eigentlich noch in Grenzen und das Wetter spielte auch mit.

 

So gegen 16:00 Uhr waren wir in Trierweiler. Die Strecke hatte ich mir natürlich vorher nicht angesehen. Das war auch besser so. Nach dem Start ging es gleich mal richtig schön Berg ab. Dann wieder richtig schön Berg auf, dann wieder Berg ab und zum Ziel eine kleine Rampe, mit mehr als 10%, wieder hoch. Echt nett, fürs erste Mal! Nachdem ich den ersten Schock halbwegs verarbeitet hatte, kam der zweite. Das Feld. ca. 100 Starter. Hatte man mir nicht vorher was von 20-30 Startern erzählt. Spätestens jetzt zweifelte ich an meinem eigenen Verstand, der mich nicht davon abgehalten hat, mir eine Lizenz zu lösen. Ein Teamkollege beruhigte mich mit den Worten: "Hey, ist doch super, dann kannst Du dich wenigstens gut verstecken." Na, das war Balsam für die Lunge, aber nicht für die Nerven.

 

Der Start rückte immer näher. Warmfahren (mehr schlecht als recht), Beine einreiben (Danke Meli, die zweite!), Nummer auf den Rücken und so langsam zum Start vorarbeiten. Blitz. Wow, die ersten Bilder von der Seite. Markus, hoch konzentriert am Start.

 

 

Was redet der da? STVO? Nicht abgesperrt? Ich fahr hier ein Radrennen, da soll mir bloss kein Auto vors Rad hüpfen. Oh, es geht los. Mist ich habe noch das kleine Blatt drauf. Es geht doch gleich Berg ab. Klick, mach schon klick, ahh der Schuh ist drin. Schalten und fahren. So, eigentlich geht es doch noch. Ich bin mitten im Feld und es geht erstmal flott Berg ab. Rein in die Steigung. Mal nach hinten gucken, was da so los ist. Waaaaaaas??? Ich bin ja ganz hinten!! Gibts das? Ich stand doch am Start mitten drin. Unglaublich! Jetzt aber aufgepasst. Nicht gleich hinten rausfallen. Die erste Steigung ist gemeistert. Oben angekommen geht es gleich in rasender Fahrt wieder runter. Enge links, rechts Kurven. Das Feld ist langezogen, Fahrer hinter Fahrer. Die 10% Rampe zum ersten. Ohhhhhhh, geht es hier schnell hoch. Meine Oooooooberschenkel und drüber…Puhh. Durchs Ziel. Das war die erste Runde. Gleich nach dem Ziel wieder runter. Sind das wirklich meine Oberschenkel, die da so Schmerzen?? Ich fass´es nicht, da geh ich laufen, setze mich stundenlang auf die Rolle, fahre 1256KM in Italien und was sonst noch alles (Habe ich echt auf meine Ernährung geachtet in den letzten Tagen!!) und dann platzen mir die Oberschenkel schon nach 2 (in Worten zwei) KM. Es geht wieder Berg ab. Eigentlich sollte man sich doch da erholen? Von wegen! Ich habe ganz schön zu tun, dass ich am Feld bleibe. Aber es klappt. Bald geht es zum zweiten Mal die 10% Rampe zum Ziel hoch. Oben angekommen fällt es mir schon ganz schön schwer überhaupt noch weiterzufahren.

 

Ein Blick auf meinen Tacho verheisst nichts Gutes. 4KM sind zurückgelegt, von 54!!! Ohhh weia, was hab ich mir da bloß angetan! Es dauert noch ca. 2 Runden, da ist das Feld weg. Naja, macht nix! Es sind noch ein paar hinter mir. Also geht es alleine weiter. Ein Blick nach hinten verrät mir, dass die Jugend ja auch noch kommt. Da ist meine Chance...Dachte ich! Denkste. Die sind auch schon ziemlich zerbröselt.

 

So kommt es wie es kommen muss. Irgendwann rauscht die Spitze an mir vorbei. Dann kommt irgendwann das Feld. Alle Versuche, länger als 2 Runden im selbigen Feld zu bleiben schlagen fehl und ich bin wieder alleine.

 

Nach ca. 1 ½ Stunden ist das Rennen vorbei. Die Spitze ist dreimal an mir vorbei gefahren und das Feld zweimal. Ich habe noch immer einen 36er Schnitt und kann ca. zehn Minuten keinen Satz mit mehr als drei Wörtern sagen. Aber, mein Ziel habe ich tatsächlich erreicht. Ich wollte das Rennen beenden und nicht vorzeitig aussteigen. Auch wenn meine Waden alles versucht haben, um mich genau daran zu hindern.

 

Am Samstag ist übrigens wieder ein Rennen. Wenn ich dran denke, bekomm´ ich jetzt schon wieder die Panik.

 

 

Beitrag von msteil

29.4.2002


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