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Blaho bei der Züri-Metzgete

 

2 Wochen nach meinem Start bei den HEW Cyclassics, geht der Spass nun endlich mit der Züri-Metzgete weiter.

 

Am Freitag wird noch gearbeitet bis 15 Uhr und dann geht es ab nach Hause. Es fängt schon perfekt an, denn dank eines Staus brauche ich für die 25 km fast eine Stunde. Daheim angekommen wird alles, was man so für 2 Tage Campingplatz und 2 Stunden radeln braucht eingepackt. Irgendwann kommt mir der Gedanke, dass ich mich wohl in der Grösse meines Golf-Kombi verschätzt habe. In einer Weise, die auch David Copperfield neidisch machen würde, bekomme ich alles einschließich meines 2-köpfigen, persönlichen Betreuerstabes unter. Dieser wird mich in den nächsten beiden Tagen vor allem psychisch immer wieder unterstützen müssen und wie sich zeigen wird, greifen die beiden dabei immer wieder ganz tief in die Trickkiste.

 

Also geht es dann endlich Richtung Süden. Die Fahrt verläuft relativ problem- und ereignislos. Die Betreuer werden mit Asterix und Süsswaren versorgt und der Fahrer kümmert sich um Sprit und die Vignette. Auch die Grenzer sind nicht zu Kontrollen aufgelegt, so geht es dann über Basel Richtung Zürich. Ich sende eine kurze SMS an Chianni, die eigentlich schon auf dem Zeltplatz sein sollte, damit sie uns einen Platz freihält, bekomme aber keine Antwort. Da ihr Handy schon vorher Probleme machte, gehe ich einfach davon aus, dass es nicht funktioniert und hoffe, dass der Campingplatz noch nicht voll belegt ist.

 

Nach einer kleinen Irrfahrt durch Zürich finden wir den Platz tatsächlich sehr schnell und bekommen auch noch einen Platz für unsere beiden Zelte zugeteilt. Laut dem Mann an der Rezeption „ein lauschiges Plätzchen“.

 





Nach einer Stunde stehen die Zelte und das trotz Dunkelheit. Als wir gegen 22 Uhr in das platzeigene Restaurant einfallen, sind die Leute nicht so begeistert, dass wir jetzt noch essen wollen. Allein es nützt nichts, wir haben Hunger.

 

Gegen 23 Uhr sinken wir dann in die Zelte und müde wie ich bin, schlafe ich innerhalb von Sekunden ein. Dann braucht es ca. 2 Minuten, um mich wieder hellwach zu machen. Unser Zeltplatz liegt nur ca. 40 Meter von einer Bahnlinie entfernt. Und die Hauptstrasse liegt in etwa in der Mitte dazwischen. Warum die auch mitten in der Nacht alle 5 min. einen Zug vorbeifahren lassen ist mir unklar, aber da werden die Schweizer sich schon was dabei gedacht haben. Um kurz vor Mitternacht schaffe ich es dann doch wieder einzuschlafen. Um Punkt Mitternacht stelle ich fest, dass es ausser der Strasse und der Bahn auch noch einen Kirchturm gibt. 16 Schläge!!! Voller Optimismus denke ich mir, dass das wohl das Maximum ist und es nun bestimmt besser wird. Abgesehen von diversen Spätheimkehrern, die gröhlend am Zelt vorbeilaufen, ist es dann auch annehmbar.

 

Am nächsten Morgen sitzen wir zu dritt vor dem Zelt, kochen Tee und essen Nutellabrötchen. Es ist tatsächlich wunderschön.

 

Der Spass fängt erst an als ich meine Startunterlagen abholen will. Kantonschule Riesbach steht auf dem Formular. Wo ist Riesbach? Ich bekomme heraus, dass es sich dabei um einen Stadtteil von Zürich handelt. Der ist auch schnell gefunden, allerdings ist hier nichts ausgeschildert. Also quälen wir uns durch den samstäglichen Verkehr auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Irgendwann finden wir auch die, man hat die Schilder einfach nicht an die Hauptverkehrsstrasse gehängt, sondern ein wenig mehr innerorts. Das nächste Problem ist, einen Parkplatz zu finden.

 

Was bedeuten eigentlich die gelben und die blauen Zonen?

 

Um es kurz zu machen, ich bekomme meine Startunterlagen, auch wenn ich keine Anmeldebestätigung (wurde zu spät verschickt) und keinen Personalausweis (hat der auf dem Campingplatz behalten) habe. Mit dem Beutel und meinen Jungs geht es dann zurück auf den Zeltplatz. Ich habe da 2 Begleiter, die es nicht erwarten können, endlich ins Wasser zu kommen.

 

Gesagt, getan! Die Jungs machen sich mit Badehose und Taucherbrille auf den Weg und ich fange an, meine Ausrüstung fertigzumachen. Das Rad wird zusammengebaut und dann geht der Spass erst los. Für die Radnummer braucht es 2 Kabelbinder. In der Tüte ist nur einer. Aber im Auto habe ich immer welche. Man weiß ja nie...

 

Dann wird die Startkarte gelesen. Das kenne ich schon aus Hamburg. Auf diesem Kärtchen steht alles, was man zu tun hat, um sich bei der Organisation nicht unbeliebt zu machen. Unter anderem der wichtige Hinweis, wo die Rahmennummer und die Helmnummer anzukleben sind.

 

Leider sind weder Rahmen- noch Helmnummer im Beutel. Inventur: Startkarte, 1(!) Kabelbinder, Startnummer für Trikot und für den Lenker, 1 Fingerklingel, Broschüre von Polar, Z-M Trikot, Powerbar, Müsli,... keine anderen Nummern. Egal, dann ohne.

 

Nachdem alles fertig ist, lege ich mich ein wenig an den See, den Abend verbringen wir damit, einen Parkplatz für den nächsten Morgen zu suchen, spazieren zu gehen und wieder in „unsere Kneipe“ einzufallen. Diesmal sind wir früh genug, aber die sind so überlastet, dass man uns freundlicherweise gleich mitteilt, dass „es aber dauert“.

 

Um 22 Uhr sind wir in der Kiste, ignorieren Kirchturm, Zug und Strasse und schlafen ein. Aber Zürich ist immer für ein Späßchen gut. Gegen 0:30 geht ein Gewitter los. Es regnet, die Leute sammeln ihre Klamotten ein und mein Fahrrad neben mir im Zelt schnarcht zwar nicht, aber es macht sich eklig breit. Also verbringe ich einen guten Teil der Nacht damit, über das Rennen nachzudenken. Idealer Ablauf ist der, dass ich mit einer schnellen Gruppe über’s flache mitgehe und am Pfannenstiel versuche, zu überleben.

 

Zum Glück ist um 6 Uhr die Nacht vorbei und ich koche mir Kaffee und den Jungs Tee. Es gibt Nutellabrot und Joghurt. Ich bekomme um die Zeit nichts herunter. Aber der Kaffee tut seine Wirkung und bringt den Stoffwechsel in Schwung. Die Kilometerangaben für die Steigungen werden noch auf dem Handrücken notiert und dann geht es Richtung Utoquai.



 

 

Um 8:00 stehen wir am Start. Noch 1 Std. Zeit, aber wenn ich schon im Bloch D stehe (dem 4. von 5), dann wenigstens nicht da noch hinten. Meine Betreuer machen ihre Jobs sehr gewissenhaft. Der eine trägt die Tasche, der andere schob das Rad. Nun kommt der schwierigste Teil für die beiden: Haltet den Champ bei Laune! Und das ging so: „Papa, wenn Du letzter wirst ist auch nicht schlimm.“

 

Irgendeiner muss letzter sein.“ „Ist dann aber trotzdem toll, wenn du ankommst.“ „Guck mal, wie der aussieht, da bist du bestimmt schneller.

 

Meine Beteuerung, eher erster als letzter zu sein, werden mehr oder weniger als das Geschwätz eines senilen, alten Mannes ignoriert.

 

Um 9:00 Uhr wird die erste Gruppe gestartet und dann geht es weiter im 2 Minutentakt. Um 9:06 darf ich dann auch. Ich rufe mir meine taktische Marschroute von letzter Nacht nochmal ins Gedächtnis und ab geht die Party und die Party geht ab.




Nach wenigen Metern kommt eine Rechtskurve und da hat doch auch schon einer die erste Steigung in den Weg gestellt. Die schnelle Gruppe aus meiner taktischen Planung entschwindet gerade am Horizont und ich muss auf Plan B umstellen. Durch meine Rennsporterfahrung geschult, ist das gar nicht so schwer. Der Plan heisst, so schnell wie möglich ins Ziel kommen.

 

Es offenbart sich hier ein echter Fehler. Durch die ewige Steherei sind meine Beine noch nicht warm und ich tue mir an diesem Anstieg wahnsinnig schwer. Finde keine Rhythmus und wenn ich denke, ich habe ihn, dann kommt eine Fahrbahnverengung, das Feld stockt und ich bin wieder raus. Bis km 11 geht es bergauf. Nicht konstant sondern immer wieder mit kurzen Abfahrten und nachfolgenden Anstiegen. Insgesamt nur 270 hm, aber meine Beine sind wie mit Beton gefüllt.

 

Ab Forch geht es dann mehr oder weniger steil bergab. Hier sind die 86 kg Körpergewicht von deutlichem Vorteil. Endlich mal Plätze gutmachen. Interessant war, dass ich trotz des Gefühls, kaum vorwärts zu kommen, mittlerweile wohl im grossen Packen des Startblocks C angekommen bin. Weniger überraschend, dass einige aus E auch schon wie der Blitz an mir vorbeigingen. Da kam nicht einmal die Frage auf, ob ich mich dranhängen soll oder nicht.

 

Spannend wird es in Egg. Der Ort wird ca. bei km 16 erreicht. Eigentlich fliegt man hinein. Es ist ein Wahnsinnsgefühl mit diesem Tempo bergab, über gesperrte Strassen durch die Orte zu rasen. In Egg allerdings gibt es 2 Überraschungen. Zum einen eine „Verkehrshalbinsel“, die von links in die Fahrbahn ragt und nicht besonders kenntlich gemacht wurde. Die Jungs und Mädels rechts halten gnadenlos ihre Linie, was heisst, links geht einfach die Strasse aus. Und das ziemlich plötzlich, da hier, im Gegensatz zu Hamburg keiner irgendwelche Warnzeichen gibt. Vorne wird nach rechts reingezogen und plötzlich ist die Fahrbahn zu Ende. Da hilft nur Schulter raus und rein ins Getümmel. Gottseidank, es klappt.

 

Danach weiter links Plätze gutmachen, aber plötzlich kommt ein Auto entgegen. Was zur Hölle macht der da? Wieder rechts rein und hoffen, dass es gut geht.

 

Danach wird das ganze recht angenehm. Die Beine sind warm und auch wieder halbwegs locker. Die Strecke ist wellig, aber eigentlich sehr angenehm zu fahren. Immer wieder kann man sich in Gruppen zusammentun, muss nur aufpassen, denn viele scheinen fast stehenzubleiben, wenn es ein wenig bergauf geht (dass ich mal sowas sage!?!).

 

Mein fahren ist momentan geprägt von dem Respekt vorm Pfannenstiel. Eigentlich ein besserer Hügel, aber ich traue meinen Beinen nicht so recht. Insgeheim verfluche ich Fraenki, der mir dicke Beine wünschte.

 

Dann kommt er endlich. Momentan ist der Plan nur noch, da rüberzukommen und dann wirklich alles in der Abfahrt und dem Flachstück zu geben. Erstaunlicherweise macht dieser Hügel richtig Spass. Ich werde kaum überholt, mache aber selbst noch einige Plätze gut. Didi Senft lungert faul am Anfang des Anstieges herum. Selbst mein „Hopp Didi“-Gebrüll kann ihn nicht zum neben mir herrennen und anfeuern bewegen. Kennt der denn C4F nicht? Oder springt er auch nur noch, wenn eine Fernsehkamera auf ihn gerichtet ist?

 

Kurz vor dem „Gipfel“ werden wir von einem Krankenwagen überholt und das lässt für die Abfahrt böses ahnen. Diese ist eigentlich wunderschön. Kurven, Kehren, perfekter Strassenbelag. Man könnte es fliegen lassen, wenn nicht die Vorderleute eine etwas unkonventionelle Linie fahren würden. So wird überholen zum Abenteuer. An einer Kehre sieht man auch, die Ambulanz. Einer der Fahrer hat wohl nicht eingelenkt und ist geradeaus durch die Kehre geschossen. Er hat eine kleine Schneise in den Wald geschlagen und liegt noch da, scheint aber bei Bewusstsein zu sein. Ich denke an meine 2 Kinder im Ziel und beschliesse, auf der Abfahrt niemanden mehr zu überholen.

 

Wir biegen dann auf die Seeuferstrasse ein und finden uns in einer Gruppe von 6 Fahrern zusammen. Die Zusammenarbeit ist höchst interessant. Einer führt, geht aber einfach nicht aus dem Wind. Irgendwann kann er nicht mehr und lässt sich nach hinten fallen. Der nächste beginnt dasselbe Spiel. Als ich merke, dass er kämpft, brülle ich „Durchwechseln“ und er scheint erleichtert und geht nach links hinaus. Dies war mein letzter taktischer Fehler. Als ich nämlich nach meiner Führungsarbeit ausschere, schert der Rest der Gruppe mit. Ich drehe mich um und kann es einfach nicht glauben. Ich dachte, das gibt es nur im Fernsehen, aber keiner will vorbei. Die ganze Zeit waren wir mit 45 km/h unterwegs, jetzt sind wir bei 31 und keiner kommt. Also mache ich weiter Führung. Irgendwann erbarmt sich einer und fährt nach vorn. Aber mit einem Schwung, dass keiner mehr mitkommt. Es braucht bis ca. 3 km vor dem Ziel, dann haben wir ihn wieder. Jetzt darf ich auch mal nach hinten und ca. 500 m vor dem Ziel lasse ich abreissen. Ich habe alle Körner verbraucht und einen Sprint um Platz 800 tue ich mir nicht mehr an.





 

Der Zielbereich ist im Vergleich zu Hamburg ein Friedhof, aber vom Erlebnis her ist Zürich schon schöner. Die Orga ist trotz desselben Veranstalters in Hamburg um Welten voraus, aber durch die Masse von 13.500 Teilnehmern in Hamburg ist es kaum möglich ein wenig von der Gegend zu geniessen. Der Blick ist da starr auf das Hinterrad des Vordermannes gerichtet, um nur jede Kollision zu vermeiden. In Zürich zerfällt alles schon auf den ersten 10 km in kleine Grüppchen, was allerdings auch nötig ist, da die Abfahrten stellenweise sehr eng sind und grössere Felder unweigerlich zu Stürzen führen würden.

 

Das Ergebnis lautet: Platz 669 Gesamt, 300. Senioren 1, Zeit 2:08:51, Schnitt 33,061 km/h.

 

Mein Fazit: Absolut zufrieden. Ein schönes Rennen, eine ausbaufähige Organisation und eine doch angenehme Strecke, die sicher schneller zu machen ist, wenn man sie erst mal kennt.

 

Epilog:

 

Meine „Betreuer“ haben im Ziel lauter gebrüllt als die restlichen hunderte von Zuschauern, was mich wahnsinnig gefreut hat. Als wir uns dann später wiedergefunden hatten, kamen auch Chianni und Cofitine zu uns und ich hatte erstmals Gelegenheit,“C4F“-Chicks kennenzulernen. Dabei haben wir dann auch gleich geklärt, dass Chianni uns unter Einsatz ihrer körperlichen Unversehrtheit einen Zeltplatz freigehalten hat, aber leider meine SMS nicht angekommen ist. Schade, denn sowohl Chianni als auch Cofitine hatten so viel zu Radrennen und zur Tour zu erzählen, dass wir bestimmt 2 interessante Abende gehabt hätten.

 

Tausend Dank an Dominic und Carsten, ohne Euch hätte ich nicht einmal halb soviel Spass gehabt!!! 

 

 

Beitrag von blaho

 


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