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Die Träume eines Jan Ullrich-Fans: 10. Etappe der Tour de France 2005

Beitrag von Christian Lederer im Rahmen des Schreibwettbewerbs 2005

 

 



Bei der ersten Bergankunft der diesjährigen Tour de France erwartete man den ersten Schlagabtausch der Favoriten. Die Ausgangslage versprach sehr viel Spannung. Der Australier Stuart O’Grady  hatte sich als Mitglied einer erfolgreichen Ausreißergruppe in der ersten Woche das gelbe Trikot gesichert. Derweil lag Lance Armstrong nach den beiden Zeitfahren nur 3 Sekunden vor Jan Ullrich.

 



 



www.peloton-pictures.com
Wird er es diesmal schaffen?

Der erste, überwiegend flache Abschnitt der Etappe  wurde von vielen Ausreißversuchen geprägt. Nach etwa 50 Kilometern hatte sich dann bei sengender Hitze eine 10-köpfige Spitzengruppe, in der auch Rolf Aldag von T-Mobile und Jens Voigt vom dänischen CSC-Team waren, gebildet. Auch Lance Armstrong hatte mit Manuel Beltran einen Teamkollegen in der Fluchtgruppe. Am Fuße des Cornet de Roseland betrug ihr Vorsprung circa 3 Minuten. Bei diesem Anstieg wurde die Spitzengruppe gesprengt. Rolf Aldag, Isidro Nozal, Manuel Beltran, Oscar Pereiro und Jens Voigt bildeten nun das Führungsquintett. Im Hauptfeld konnten bereits zu Beginn des Anstiegs einige Fahrer das Tempo nicht mehr halten. Der starke Sprinter Jaan Kirsipuu, der im Verlauf dieser Tour schon einen Tagesabschnitt für sich entscheiden konnte, stieg wie schon die Jahre zuvor entnervt vom Rad. Die Favoriten hingegen belauerten sich. An der Spitze des Pelotons waren  nun mehrere Euskaltel-Fahrer zu sehen, die das Feld kontrollierten. Die Bergwertung schnappte sich Isidro Nozal vor Oscar Pereiro und Jens Voigt. In der folgenden Abfahrt konnte Alexandre Botcharov wieder zur Führungsgruppe, die an der Bergwertung 7 Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld hatte, aufschließen. Am Ende des noch etwa 100-Mann-starken Pelotons war plötzlich auch Roberto Heras zu finden. Doch er hatte nur einen Schaden am Vorderrad und wurde von seinen Teamkollegen schnell wieder nach vorne „gebracht“. Die Spitzengruppe har-monierte jetzt nicht mehr so gut und hatte nach 138,5 Kilometern in Bourg-Saint-Maurice nur noch knapp 6 Minuten Vorsprung auf die Hauptgruppe.



 

Dort wurde die Gangart nun zusätzlich verschärft. Das Team Illes Baleares, das in der Kopfgruppe nicht vertreten war, erhöhte deutlich das Tempo. Auch das Gerolsteiner-Team um Levi Leipheimer und Georg Totschnig setzte mehrere seiner Fahrer an die Spitze des Hauptfeldes. Diese Tempoarbeit zeigte auch schnell Wirkung. Der Vorsprung des Sextetts schrumpfte nämlich nach und nach. Nach 164 Kilometern in Moutiers lagen die Aus-reißer nur noch 2 Minuten vor dem Feld. Dann näherten sich die Radprofis bereits dem schweren Schlussanstieg hinauf nach Courchevel. Die großen Favoriten wie Jan Ullrich, Lance Armstrong, Iban Mayo und Roberto Heras schoben sich im Peloton immer weiter nach vorne. Am Fuße des Anstiegs, als die ersten Fahrer bereits ihre Helme abnahmen, war die Ausreißergruppe schon gestellt. Die drückende Hitze hatte den Hochleis-tungssportlern schon ziemlich zugesetzt, aber die Zuschauer, die in mehreren Reihen an den Straßenrän-dern standen, feuerten sie enthusiastisch an. Mehrere T-Mobile-Fahrer setzten sich jetzt an die Spitze des Hauptfeldes. Matthias Kessler, Francisco Lara und Oscar Sevilla erhöhten das Tempo noch einmal drastisch, so dass das Peloton auseinanderfiel. Hochgehandelte Mitfavoriten wie Joseba Beloki und Alejandro Valverde konnten diese Geschwindigkeit nicht mehr halten.



 

 Die Favoritengruppe bestand plötzlich nur noch aus 15 Fahrern. Jan Ullrich hatte immer noch Andreas Klöden, Alexandre Vinokourov und Giuseppe Guerini an seiner Seite. Doch auch Lance Armstrong konnte noch auf die Hilfe seiner Teamkollegen Yaroslav Popovych und Jose Azevedo bauen. Ivan Basso, Roberto Heras und Francisco Mancebo waren dagegen schon von ihren Helfern isoliert. Stark präsentierte sich dagegen das baskische Euskaltel-Team, das mit Iban Mayo, Haimar Zubeldia und Aitor Gonzalez noch 3 Fahrer in der Spitzengruppe hatte. Diese wurde von den beiden Gerolsteiner-Profis Levi Leipheimer und Georg Totschnig vervollständigt. T-Mobile legte nochmals einen Zahn zu. Giuseppe Guerini schraubte das Tempo erneut nach oben. Als er aus der Führungsposition „ausstieg“, übernahm sofort Alexandre Vinokourov das Tempodiktat. Nur noch die 3 Spitzenfahrer des T-Mobile-Teams, Lance Armstrong, Jose Azevedo und sensationell Aitor Gonzalez waren jetzt in der Leader-gruppe. Als Alexandre Vinokourov am Ende seiner Kräfte die Führung an Andreas Klöden übergab, konnte auch Azevedo das Tempo nicht mehr halten. Endlich war es gelungen Armstrong von seinen Helfern zu isolieren. Durch die Tempoarbeit von Andreas Klöden fiel nun auch der tapfer kämpfende Aitor Gonzalez zurück. 8 Kilometer ging es noch hinauf nach Courchevel. Millionen deutscher Radsportbegeisterter hofften nun auf Jan Ullrichs großen Angriff.



 

Und als noch 6 Kilometer zu fahren waren, geschah das Unglaubliche: Lance Armstrong konnte Jan Ullrichs Hinterrad nicht mehr halten. Ulle und Klödi waren plötzlich alleine an der Spitze. Angefeuert von tausenden Fans fuhr Jan Ullrich wie entfesselt. Auch Andreas Klöden musste jetzt abreißen lassen. Armstrong, der sich zusammen mit Aitor Gonzalez den Anstieg hinaufkämpfte, hatte bereits über eine halbe Minute auf Ullrich verloren. Und dieser Rückstand wurde immer größer. Der 6-fache Toursieger litt sichtlich . Doch sein Begleiter Gonzalez hatte sich wohl übernommen. Völlig entkräftet quälte er sich den Berg hinauf und konnte Armstrong nicht mehr folgen. Jan Ullrich hingegen war schon in Zielnähe. Triumphierend nahm er die Hände vom Lenker und feierte seinen grandiosen Etappensieg. 54 Sekunden hinter ihm überquerte der erschöpfte Andreas Klöden die Ziellinie und machte den deutschen Doppelsieg perfekt. Erst als weitere 25 Sekunden vergangen waren, erreichte Armstrong als Dritter das Ziel. Vierter wurde noch Francisco Mancebo, der sich seine Kräfte klug einteilte und am Ende noch einige Plätze gutmachen konnte. Die Ränge 5 und 6 belegten Aitor Gonzalez und Jose Azevedo. Jan Ullrich übernahm durch seine phänomenale Leistung natürlich auch das gelbe Trikot von Stuart O’Grady, der das Ziel im Gruppetto erreichte. Was für ein Tag für den deutschen Radsport!

 

Link zum Profil dieser Etappe: http://www.letour.fr/2005/presentationfr/profil_10.html

 


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