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Jedermannrennen der Niedersachsenrundfahrt oder auch "Tour d´Energie"

von Harzer



Eine glückliche Fügung wollte es, dass das erste Jedermannrennen im Rahmen der Niedersachsenrundfahrt in Göttingen, also vor meiner Haustür, stattfinden sollte. Deswegen hatte ich mich auch schon frühzeitig angemeldet, genauso wie Gines (Sven), Blaho (Marcus) und Cayo (Christian) sowie zwei weitere Nicht-Forums-Mitglieder, so dass wir in alter Henninger-Tradition ein Team C4F stellen konnten.

Anders als im letzten Jahr, als allein mein neues Rad für genug Motivation und Trainingskilometer sorgte, war dieses Jahr irgendwie der Schlendrian drin. Nicht, dass ich gar nichts gemacht hätte aber vernünftiger Formaufbau und regelmäßiges Training sehen definitv anders aus. Immerhin hatte ich die Möglichkeit, die Strecke vorher das ein oder andere Mal abzufahren, so wusste ich, was auf mich zukommt: Hügeliges Terrain und zwei nennenswerte Anstiege (siehe auch Tourenguidebericht). Anfang April galt es dann im Rahmen einer gemeinsamen Tour Sven die letzten Zweifel an einer Teilnahme zu nehmen, was selbstverständlich auch gelang.



Der Renntag...

Samstag morgen ging es dann mit Sven und Raktajino (Henrike) per Auto und Rad im Kofferraum zum Start, welcher sich auf dem Gelände der sogenannten Zietenterrassen befand. Das Wetter war prächtig. Mein Puls nicht. Wieso war ich so aufgeregt? Plagte mich unbewusst mein schlechtes Gewissen ob der mangelhaften Vorbereitung? Nachdem Sven seine Startunterlagen bekommen hatte, platzierte man sich vor der Halle, wo man sich ein wenig die Zeit vertrieb. War es Langeweile oder Neugier, die mich dazu veranlassten, eine mir unbekannte Sportsalbe zu testen, die mir vom User Literadtourer, der mit einem Verkaufsstand ebenfalls vor Ort war, dankenswerterweise geliehen wurde? Ich weiß es nicht mehr. Nach dem Öffnen der Tube kam mir eine rosafarbene (oder war es magenta?) Creme entgegen. „Das willst Du doch nicht nehmen“ fragte Sven ein wenig erschrocken, während Henrike Gefallen an der Farbe fand. Klar wollte ich, und so schmierte ich meine Wade damit ein. Die Paste wechselte ihre Farbe schnell auf weiß und zog dann lautlos in mein durchtrainiertes Muskelgewebe ein. Dies sollte aber nicht der letzte Farbwechsel gewesen sein. Ein wenig heimtückisch färbte sich meine Wade nun puterrot! Rot ist in der Natur eine Signalfarbe und bedeutet Gefahr. Gefährlich heiß wurde nun auch meine Wade. In Kombination mit meinem Beinhaarpelz und der umliegenden eher blassen Hautfarbe sicher ein Anblick, der ein routiniertes Radsport-Chick das kalte Grausen beschert hätte. Wenn man zu schlechter Letzt noch den eher unangenehmen Geruch berücksichtigt, der von der Salbe und damit von meinem Bein ausging, brauchte ich überfallartige Autogrammwünsche im Zielbereich nicht zu befürchten, was aber auch den Vorteil brachte, dass der Weg zum nächstbesten Bierstand schneller frei würde...

 

Nach ca. 20 Minuten ließ diese temporäre Verbrennung 1. Grades aber nach und wir konnten wieder in die lethargische Ruhe vor dem Sturm verfallen, unterbrochen von einem „Sportlerfrühstück de Luxe“, welches jedem Radler angeboten wurde. Ein Versuch meinerseits, Sven zu einer kleinen Einfahrrunde zu überreden, scheiterte kläglich. Irgendwann traf auch Marcus ein. Henrike machte schnell noch ein Teamfoto und dann ging es auch schon los in Richtung Startblock A.



Das Rennen...

Während Teufel Didi Senft für Unterhaltung sorgte, war ich mit meiner Vorderbremse beschäftigt. Sie schleifte an der Felge. Ich dachte, ich hätte am Abend vorher das Problem in den Griff bekommen, aber weit gefehlt... Ich beschloß, nur noch mit meiner Hinterbremse zu agieren. Immerhin legte ich mich nicht unmittelbar nach dem Startschuß, wie einst beim Henninger 2004, mit eingeklickten Radschuhen auf die Nase. Ein erstes wenn auch kleines Erfolgserlebnis...

 

Die ersten Kilometer in der neutralisierten Phase verliefen unspektakulär - erst ein zügiges Tempo, dann Schritttempo, weil die hinter uns gestarteten Blöcke zusammengeführt werden mußten. Zwischendrin schaute ich mich nach Sven um aber er war leider nicht zu sehen, dafür hielt ich konstant den Windschatten von Marcus. Als es dann endlich losging, ereilte einem Fahrer das Schicksal, welches mir erspart blieb: Als das Tempo bei einer Baustelle stark abnahm, fiel er wie ein nasser Sack zur Seite. Das Bein mit dem eingeklickten Radschuh zuckte zwar noch aber keine Chance... Ein älterer Herr am Straßenrand meinte die Lage erkannt zu haben: "Der ist ja schon besoffen!", worauf selbst der Pechvogel lachen mußte.

Die ersten echten Rennmeter war ich mutig und überholte gleich ein paar Fahrer. Allerdings merkte ich nach einigen hundert Metern, dass es etwas zu schnell war. Marcus überholte mich wieder und fuhr die leichte Steigung deutlich besser hoch, so dass ich ihn für einige Zeit nicht mehr sehen würde. So ging es dann mehr schlecht als recht in Richtung Dransfeld, ich merkte recht schnell, dass ich nicht unbedingt in Bestform war und mir bei den härteren Steigungen wohl ein größerer Kampf bevorstehen würde. Nach Dransfeld kam dann eine Abfahrt, auf der sich zum Glück eine größere Gruppe bildete, in der ich aber immer ziemlich weit hinten fuhr. Ich erinnerte mich an den einen Euskaltelfahrer älteren Semesters, der sich ständig auf jeder Flachetappe ganz hinten im Peleton aufhält. "Roberto..., Roberto...", mir wollte der Name nicht einfallen. Bevor ich an dieser unbeantworteten Frage zerbrechen konnte, kamen zum Glück die Serpentinen in Scheden. Henrike stand dort wie verabredet und winkte. Ich winkte zurück, konzentrierte mich aber schnell wieder auf die kurvenreiche Abfahrt.

 

Das Tempo war nachwievor hoch und im nun hügeligen Teil der Strecke hatte ich Mühe, der Gruppe zu folgen. Da aber nach mir kein Fahrer zu sehen war, hätte dies bedeutet, dass ich alleine voll im Wind hätte fahren müssen - kein reizvoller Gedanke. Kurz vor Hann. Münden hatte ich das Gefühl, dass das Tempo ein wenig abnahm, so dass ich mir eine Zwischenmahlzeit gönnte: Eine Banane mit etwas Wasser. Während ich noch so die Banane in der Hand hielt, wurde das Tempo auf einmal wieder schlagartig erhöht. "Was soll die Sch...." fluchte ich innerlich. Ich warf den Rest der Banane weg und versuchte zu folgen - erfolglos. Da auch hinter mir niemand zu sehen war, fuhr ich alleine so vor mich hin. An der steilen Rampe kurz hinter Gimte begann aber die Banane zu wirken und ich konnte einige zurückfallende Fahrer wieder ereichen. Auf dem Flachstück parallel zur Weser bildete sich wieder die größere Gruppe zurück, weil kein Fahrer kurz vor dem ersten Anstieg im Brahmwald "überpacen" wollte.



Der erste Anstieg...



Der Anstieg zum Brahmwaldpass beginnt...

In Hemeln, dem Beginn des Anstiegs, angekommen, schüttelten sich einige Fahrer nochmal die Beine aus, es wurden ernste Mienen aufgesetzt und eine "Jetzt geht´s los - Stimmung" lag in der Luft. Man hätte meinen können, dass jetzt der Mont Ventoux ansteht. Es war zwar nur der 6 km lange und 5% steile Brahmwaldpass aber auch der kann weh tun... Ich fand meinen Rhythmus sehr schnell und hatte urplötzlich richtig gute Beine. Einer nach dem anderen wurde überholt und bei der ersten Spitzkehre konnte ich ca. 300 Meter vor mir Marcus sehen, wie er gerade in die Passage im Wald eintauchte. Ich fuhr konstant mein Tempo mit dem Ziel, Marcus an der Kuppe einzuholen und zusammen mit ihm auf die Abfahrt zu gehen. Er kam zwar näher aber er ging mit rund 20 Metern Vorsprung auf die Abfahrt und war dann wieder recht schnell verschwunden. Die Kopfsteinplasterpassage in Bühren verlief zum Glück ohne Zwischenfälle und es ging weiter bergab. Mehrere Fahrer überholten mich wieder... In Scheden mußte das Peloton nun wieder auf die B3 abbiegen, wo Henrike bereits auf dem Hinweg stand.



Wo ist die Banane?


Geplant war jetzt die Übergabe einer Banane, die ich ihr vor dem Start gegeben hatte. Ich hielt schon von weitem Ausschau und versuchte sie unter den Zuschauern ausfindig zu machen. Dabei übersah ich völlig ihre Straßenmalerei (C4F, Gines, Blaho, Cayo, Harzer), von der mir erst nach dem Rennen berichtet wurde. Kurz vor den Spitzkehren sah ich sie rechts am Straßenrand. Sie hob die Hand - aber nur, um mir abermals zuzuwinken. Auch nicht schlecht aber wo war die Banane? War sie zwischenzeitlich einem Hungergefühl ihrer Trägerin zum Opfer gefallen? Sollte ich anhalten und sie fragen? Nein, ich fuhr weiter, denn in den Untiefen meiner Trikottasche hatte ich noch einen klebrigen Energieriegel, den ich mir in Dransfeld kurz vor dem zweiten harten Anstieg einverleiben wollte. Auf der nun kräftezehrenden Fahrt nach Dransfeld, auf der es stetig leicht bergauf ging, fuhr ich größtenteils alleine. Versuche, mich an eine der zahlreichen 5-10 Mann starken Gruppen anzuhängen, scheiterten meistens nach kurzer Zeit. Noch vor Dransfeld aß ich den Energieriegel in der Hoffnung auf Besserung...



Der Hohe Hagen...

Dransfeld war erreicht und es wurde ernst. Der Anstieg zum Gaußturm - auch der Hohe Hagen genannt - stand bevor! Insgesamt zwar nur zwei Kilometer aber im Gegensatz zum Brahmwaldanstieg teilweise recht steil. Die >10% Rampe zu Beginn des Anstiegs läutete den Kampf gegen sich selbst ein, den aber auch alle anderen Fahrer vor, neben und hinter mir zu führen hatten. Sehr motivierend und aufbauend aber die Zuschauer, welche jeden Fahrer anfeuerten und förmlich den Anstieg hochtrieben. Am Straßenrand sorgten von Fans aufgebaute Schilder wie "Col de la Madeleine - 2000 m" oder " Col du Galibier - 2645 m" für ein wenig Tour de France Feeling...  Das letzte Schild lautete dann "Hoher Hagen - 505 m". Kurz vor dieser besagten Passhöhe überholte mich dann auf einmal wieder Teamkollege Marcus! Etwas überrascht fragte ich ihn, wo er denn auf einmal herkomme. Seine schwarz beschmierten Hände sprachen aber Bände und er schimpfte auf seine Kette, die ihm vier(!) Mal beim Schalte runtergesprungen war. Ich sagte ihm, dass er ab jetzt bis zum Ziel nur noch das große Blatt braucht.

 

Dies benutzte er in der Abfahrt dann auch mehr als kraftvoll, so dass ich nur noch eine Staubwolke von ihm sah. "Wo wäre dieser Mann ohne die Pannen gelandet", dachte ich noch so vor mich hin als mich grüßend ein weiterer Fahrer im C4F-Trikot überholte. Da es nicht Sven war, mußte es Christian gewesen sein. "Den läßt Du jetzt nicht ziehen" und ich kämpfte um Anschluß, was auch gelang. Es bildete sich langsam eine größere Gruppe, in der das Tempo genau richtig war. Ich fühlte mich auch wieder ganz gut und fuhr ab und an auch mal ganz vorne im Wind. In Göttingen angekommen ging es dann auf die Zielgeraden, wo ein Fahrer einen Ausreißversuch startete. Ich blieb am Hinterrad und attackierte dann 200 Meter vor dem Ziel selbst und - hurra - es gab sogar eine kleine Lücke. Allerdings kamen mir dann die letzten 100 Meter so lang wie noch nie vor und es fuhren doch noch ein paar Fahrer vorbei.



Im Ziel angekommen...

Hinter dem Zielstrich wartete dann auch schon Marcus und man zog ein erstes Resume. Ich war einigermaßen zufrieden, dass ich mein zweites Jedermannrennen sturzfrei überstanden hatte. Auch die Bremse machte während des Rennens überraschend keine Probleme mehr und ein 31er Schnitt war auch OK. Wir brachten unsere Transponder zurück (eine Sache von knapp 5 Minuten) und nach kurzem Warten kam dann auch Sven ins Ziel, so dass das Team wieder komplett war.

 

Nudelparty war nun angesagt und nach kurzem Suchen fand man auch schon die Futterstelle, wo noch recht viel Platz war. Wir bekamen die wohl verdienten Nudeln und sahen, wie sich der Platz langsam füllte und sich eine 30 Meter lange Schlange vor der Nudelausgabe bildete. Hier waren wir also klarer Punktsieger gegenüber den anderen Teams!




Auf dem Rückweg lief uns dann noch ein Einbecker-Stand über den Weg und so legten wir uns ins Gras und tranken eine Runde Gerstensaft, gesponsert von Marcus. Als die Becher leer waren, fragte ich vorsichtig nach, ob noch Interesse an einer zweiten Runde besteht, in der Erwartung, Antworten wie "Nee, eins reicht" oder "nicht direkt nach dem Rennen" zu bekommen. Es kam anders und da alle guten Dinge Drei sind, war dann auch später noch Sven mit Getränke holen dran.

 

Zwischenzeitlich war Henrike auch wieder aufgetaucht. Sie hatte sich ein wenig verfahren, dabei den Stadtteil Grone kennengelernt und war nicht bester Laune. Ich traute mich nicht mehr nach meiner Banane zu fragen aber ich hatte ja nun eh einen anderen Kohlenhydratträger gefunden, der dazu noch viel besser schmeckte...

 

Das Ergebnis des Profirennens wurde noch abgewartet, wobei ich mich über Robert Försters Sprintsieg freute - ich hatte ihn im Tippspiel! Sven und Henrike machten sich dann auf den Heimweg, Marcus und ich mußten noch die kurze Steigung zurück zum Startbereich fahren, wo die Autos parkten.

 

Insgesamt ein sehr schöner Nachmittag mit einer sehr gelungenen Organisation seitens des Veranstalters! Nächstes Jahr bin ich sicher wieder dabei!

 

Hier die Zieleinfahrten des Teams C4F:

Blaho (ziemlich am Ende der Gruppe rechts am Rand)

Harzer und Cayo (ich bin der Typ, der links den Sprint anzieht und dann einbricht, Cayo fährt mit rotem Helm hinter mir ins Ziel)

Gines (hat sich geschickt von einer Gruppe abgesetzt und kommt so in den Genuß einer Alleinfahrt auf der Zielgeraden)

 

Vielen Dank an Ingrid Djakou für das Erstellen der Videos! Gut gemacht


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