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Rhein-Tour 2004 (von der Quelle bis zu den Rheinfällen)



 

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Tag 10

Die nächste Etappe führte uns in die heimliche Hauptstadt des Bodensees, nach Konstanz.

Der Radwanderweg verläuft diesmal meistens nicht direkt am See (ist zunehmend von Privatgrundstücken mit Seezugang zugebaut), aber nur leicht zurückgezogen auf wiederum schönen und ruhigen Wegen. Man gelangt schließlich nach Kreuzlingen, den schweizerischen Zwillingsort zu Konstanz. Jedoch erschien uns Kreuzlingen nicht wirklich attraktiv, so dass wir bald über den Grenzübergang direkt nach Konstanz gefahren sind. Über die Touristen-Info (liegt direkt am See  neben dem Bahnhof) wollten wir ein günstiges Privatzimmer ergattern, die Hoffnung mussten wir aber schnell begraben, denn günstige Privatzimmer waren nur ziemlich weit außerhalb zu bekommen und dann wie bereits erwähnt nur für mindestens 3 Tage. Vor der Touristen-Info war jedoch noch eine Art Hotel- und Pensions-Verzeichnis als Aushang, und dort stach uns gleich die ziemlich günstige Pension Graf ins Auge, die netterweise auch noch direkt in der Nähe der Altstadt und des Bodensees und nur einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt lag. Dort war auch noch ein Zimmer frei und wir hatten angesichts der äußerst guten Lage und der deutlich teureren Alternativen wieder mal richtig Glück bei der Wahl der Unterkunft (positiv war auch, dass wir die Räder im Hof eines in der Nähe gelegenen Hotels einschließen konnten).

 

In Konstanz zahlte sich erneut aus, dass wir durch die kurze Etappe sehr zeitig angekommen waren, so dass wieder massig Zeit vorhanden war, um die Stadt zu entdecken. Und die Zeit lohnt sich durchaus, denn es ist eine tolle Stadt mit schöner Altstadt und zahlreichen gemütlichen Plätzen mit einladenden Cafés. Abgerundet wird das lebenslustige Flair natürlich durch die Seepromenade und den Hafen, wo es u.a. einen großen herrlichen Biergarten gibt, in dem man sich den Abend vertreiben kann (u.a. halt mit Fußball-EM-Gucken auf Großbildleinwand inmitten von Sympathisanten aller Herren Länder....). Zur Ablegestelle der Blumeninsel Mainau sind wir mit dem Rad auch noch gefahren (ist eine schöne Strecke aus Konstanz raus durchs Grüne, an der Uni vorbei), allerdings haben uns sowohl die horrenden Eintrittspreise (20 € pro Person) als auch die Busladungen von Touristen, die offensichtlich alle auf die doch recht kleine Insel wollten, von einem Überqueren des Verbindungssteges abgehalten. Man muss schon ein sehr großer Blumenfreund sein, um sich zu diesen Preisen in ein solches Getümmel zu stürzen....bei diesem kleinen Ausflug war also eindeutig der Weg das Ziel!

 

 




Hafeneinfahrt von Konstanz





Rathausplatz in Stein am Rhein

Tag 11

So langsam näherten wir uns also dem Ende unserer kleinen Tour, aber bevor es soweit war, sollte zumindest städtemäßig noch das absolute Highlight auf uns warten: Stein am Rhein!

Der Weg dorthin verläuft größtenteils leicht abseits des sich nun wieder zum Rhein formenden Untersees durch diverse kleine Orte, ist aber relativ unspektakulär. Nur ca. 30 km von Konstanz entfernt, gelegen an der Stelle, wo der Rhein den Bodensee wieder verlässt, empfiehlt sich das beschauliche, kleine Stein unbedingt für eine Übernachtung oder zumindest eine längere Zwischenstation, denn es ist, ohne zu übertreiben, ein bezaubernder Ort mit herrlichen alten Häusern, die mit Malereien und Fresken kunstvoll verziert sind. Der Ort ist wahrlich nicht groß, aber der Gang durch die Gassen und über den wunderschönen Rathausplatz ist ein Fest für die Augen!

Abgerundet wird der romantische Charakter des Ortes durch die malerische Rheinbrücke und v.a. durch die über dem Ort thronende Burg Hohenklingen, die man mit einer schönen Wanderung erklimmen kann (zunächst durch Weinberge, im zweiten Teil durch dichten Wald; dauert bei gemütlichem Tempo ca. 45 min). Oben auf der Burg ist eine kleine Schänke mit gemütlichem Freisitz, von dem man eine phantastische Aussicht auf den Ort sowie den sich dahinter erstreckenden Bodensee hat, was nach einem schönen Glas Weinbowle noch mal imposanter aussieht als ganz nüchtern..... Der Aufstieg zur Burg wird also in jedem Fall belohnt.

 

Angesteckt vom schönen und mittelalterlichen Flair des Ortes sowie in Anbetracht der Tatsache, dass hier unsere letzte Übernachtung stattfinden würde, haben wir uns das mit Abstand teuerste Zimmer der gesamten Tour gegönnt. Es hat sich aber gelohnt, denn das schöne Zimmer lag im Obergeschoss eines der lauschigen Gasthäuser am Rathausplatz, war neu renoviert und hatte einen urigen Hinterhof-Balkon.

 






Rheinufer in Stein am Rhein



Blick auf Stein am Rhein von Burg Hohenklingen



Tag 12

Am nächsten Tag blieb uns nur noch eine ca. 20 km lange Fahrt bis zu unserem endgültigen Zielort Schaffhausen. Auch hier hatten wir bewusst wieder eine kurze Strecke als Schluss-Etappe eingeplant, um einerseits in Schaffhausen ausreichend Zeit für die Besichtigung der Rheinfälle und des Ortes zu haben, anderseits wollten wir am späten Nachmittag mit der Bahn wieder gen Heimat aufbrechen, um uns eine weitere Übernachtung zu sparen.

 

Auf dem Weg nach Schaffhausen passiert man in Diessenhofen eine beeindruckende historische Holzbrücke, die mit einer vollständigen Ummantelung (Seitenwände + Spitzdach) aus dunklem Holz die Blicke auf sich zieht. Auf eine Überquerung zum linksrheinischen Ufer sollte man jedoch verzichten, denn kurz hinter Diessenhofen fährt man rechtsrheinisch für kurze Zeit durch deutsches Gebiet, was an sich nichts Außergewöhnliches wäre, aber das Dorf Büsingen stellt die einzige deutsche Enklave dar, d.h. das Gebiet ist vollständig von schweizerischem Gebiet „umzingelt“, was dementsprechend einige Besonderheiten mit sich bringt. Der Ort hat sowohl eine schweizerische als auch eine deutsche Postleitzahl, auf dem Dorfplatz steht eine Telefonzelle der schweizerischen und der deutschen Telekom, und es gilt das schweizerische Zollrecht, obwohl ansonsten deutsche Gesetzte maßgeblich sind. Nun ja, von alledem merkt man beim sorglosen Dahinradeln eigentlich gar nichts, solange man nicht gerade Halt macht (dann wird z. B. beim Einkaufen mit Schweizer Franken gezahlt). Nicht mal Schilder am Wegesrand weisen auf den Übertritt in ein anderes Staatsgebiet hin, geschweige denn Grenzübergänge. Aber komisch ist schon, auf einmal aus dem Nichts deutsche Ortsschilder auftauchen zu sehen und Autos mit vertrauten Nummernschildern, obwohl man weiß, dass man von Deutschland eigentlich noch kilometerweit entfernt ist...

 

In Schaffhausen begegnete uns wieder einmal ein altbekanntes Gefühl beim Durchqueren der Altstadt zum Bahnhof (wo wir die Gepäcktaschen einschließen wollten): Die Schweizer waren wirklich weise, sich aus sämtlichen Kriegen rauszuhalten, denn so haben sich eigentlich alle Städte einen sehenswerten historischen Kern erhalten. Auch Schaffhausen stellt da keine Ausnahme dar, und hätten wir nicht noch vorgehabt, die Rheinfälle zu besichtigen, wären wir bestimmt schon zeitig in einem der zahlreichen Straßencafés mit Freisitz in der Fußgänger¬zone hängengeblieben....

 

So ging es aber, vom Gepäck befreit, noch zu den berühmten Rheinfällen, die zwar immer mit Schaffhausen in Verbindung gebracht werden, aber eigentlich ein paar Kilometer flussabwärts auf Höhe der Ortschaft Neuhausen liegen. Man hat die Option, auf beiden Seiten des Rheins mit dem Rad auf autofreien Wegen dorthin zu gelangen. Die Hauptroute des offiziellen Rhein-Radweges verläuft rechtsrheinisch, wir hatten uns jedoch für den linksrheinischen Weg entschieden, da auf dieser Seite beim Schloss Laufen ein imposanter Aussichtspunkt sein sollte. Das Zurücklassen des Gepäcks war hier ein echter Vorteil, denn der Weg weist teilweise kurze, aber sehr heftige Rampen mit 15-20 % Steigung auf. Unsere Erwartungen an den Aussichtspunkt wurden trotz (wenn auch geringen) Eintrittsgeldes nicht enttäuscht, denn man gelangt hier von dem Schloss oberhalb der Rheinfälle über Treppen auf mehrere untere Aussichtsplateaus, die teilweise unmittelbar neben oder über den herunterrauschenden Wassermassen gebaut sind.

 

Obwohl die Rheinfälle sicherlich nicht die größten Wasserfälle sind, bietet sich einem doch ein imposantes Naturschauspiel, was nicht allein durch den Anblick fasziniert, sondern auch durch das Getöse der turbulenten Wassermassen und die mehr oder minder heftigen Wasserspritzer und den Nebel, denen man auf den Plattformen ausgesetzt ist, in seiner Wirkung noch verstärkt wird. Empfehlenswert ist eine kleine Wanderung auf die andere Seite der Rheinfälle, die man über eine Eisenbahnbrücke mit nebenherlaufendem Fußweg gut erreichen kann. Die Brücke überquert etwas zurückgezogen die letzten Meter des noch ruhigen Rheins, bevor dieser sich in die Tiefe stürzt. Allein von der Brücke bieten sich somit noch mal schöne Perspektiven, aber auch auf der rechten Rheinseite ist es absolut lohnenswert, noch den kleinen Wanderweg zum Auffangbecken herunterzulaufen. Insgesamt kann man schon locker 1-2 Stunden an den Rheinfällen verbringen, ohne dass einem langweilig wird.

 






Die...



...Rheinfälle



Nachdem wir mit den Rheinfällen einen würdigen Abschluss dieser Tour erlebt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg nach Schaffhausen, wo man die restliche Zeit bis zur Abfahrt des Zuges in den Cafés, die uns zuvor schon angelockt hatten, gut totschlagen kann.

Von Schaffhausen hat man dann gute Zuganbindungen nach Singen und Konstanz, teilweise auch Direktverbindungen nach Stuttgart.

 

Als Resümee lässt sich sagen, dass die Rhein-Tour von der Quelle bis zu den Rheinfällen eine absolut empfehlenswerte Radwander-Strecke ist, die sowohl landschaftlich als auch städtemäßig sehr viel Schönes und Abwechslungsreiches bietet. Die freundliche und relaxte Art der Schweizer trägt ein Übriges zur totalen Erholung bei. Als weitere Pluspunkte sind die nahezu durchgehend vorbildliche Ausschilderung des Radweges sowie die ebenfalls fast durchgehend vorhandenen autofreien Radwege auf angenehmen, größtenteils befestigten Wegen zu nennen.

 

 

alle Fotos von Axel & Bianca


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