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Pyrenäen-Rundfahrt 2005



Etappe 4 (Ax-les-Thermes – Sispony (La Massana) / 113 km

Der 5. September sollte der große Vuelta-Tag werden : am Schlussanstieg nach Andorra-Arcalis (das ist der Berg, an dem 1997… Augenzwinkern ) wollten wir den Profis der Spanien-Rundfahrt zujubeln. Darum hieß es: zeitig aufstehen; um 6:30 Uhr klingelte der Wecker. Zuerst absolvierten wir wieder die 7 km Abfahrt nach Ax-les-Thermes, um dort erst einmal in Ruhe zu frühstücken.

 

Gegen 8:15 Uhr begann dann das eigentliche Tagewerk mit dem mäßig steilen, aber endlosen Anstieg zum Port d’Envalira: von Ax ging es 37 Kilometer nur bergan, 1700 Höhenmeter waren dabei zu überwinden. Entsprechend ließen wir es unten ruhig angehen, in lockerem Rhythmus fuhren wir bergan. Irgendwann jedoch, nach etwa 15 Kilometern, muss Cornelius irgend etwas gestochen haben. Jedenfalls setzte er sich an die Spitze und schlug ein gar nicht mehr so gemütliches Tempo an. Georg, der vorher nur einige Meter zurück lag, verschwand dann auch ziemlich schnell aus unserem Blickfeld. Einige Kilometer fuhren wir drei anderen dann mit einem sinnlos schnellen Tempo nach oben, bis zur Ortschaft L’Hospitalet. Und dort… ja, dort wurde Corny plötzlich langsamer, schaute nach unten und rief plötzlich zweimal hintereinander „Sch***! Erst als er abgestiegen war, erfuhren wir des Rätsels Lösung: Rahmenbruch! Corny war stinksauer – und ihn so weit zu bekommen, ist wahrlich nicht einfach Augenzwinkern – und konnte es nicht fassen. Wir schauten uns im Ort nach einer Werkstatt um – ohne Erfolg. Die einzige Möglichkeit: Corny muss nach Andorra trampen (eine Zugverbindung dorthin gab es nicht, ein Bus war auch nicht ausfindig zu machen), die anderen fahren weiter. Gesagt, getan. Ich sage ihm noch den Namen unserer Jugendherberge und den Ort, dann lassen wir den Kamerad zurück Augenzwinkern . Hoffentlich findet er jemanden, der ihn und sein Rad mit nimmt…

Das gute daran, wenn Cornelius nicht dabei ist: die Fahrt verläuft viel ruhiger, gleichmäßiger Augenzwinkern . Mit Puls 130-135 fahre ich entspannt den Berg hinauf. Irgendwann hupt es von hinten, ein Auto fährt vorbei – und Corny grüßt zur Heckscheibe hinaus! Klasse, da hat er zum Glück relativ schnell jemanden gefunden. Vielleicht wird ja doch noch alles gut… Augenzwinkern

 





Blick vom Envalira-Pass nach Andorra

Kurz vor Pas de la Casa, der Grenze zu Andorra, reißt der Nebel, der uns lange begleitet hat, auf und gibt den Blick auf die umliegende Bergwelt und den Rest der Passstrasse frei. Phantastisch! Von Pas de la Casa sind es noch 6 etwas steilere Kilometer bis zum Port d’Envalira. Kurz vor dem Pass muss ich Basti noch davon sprinten – No Gifts! großes Grinsen Oben wartet ein alter Bekannter – Corny ist leider nur bis zum Pass mitgenommen worden. Und während wir drei oben Mittagspause machen, steht unser Pechvogel am Strassenrand und hält verzweifelt Ausschau nach einer weiteren Mitfahrgelegenheit. Als diese ausbleibt, beschließt er, das Rad schiebend den Berg nach unten zu laufen – auf genügend Mitleid der vorbeifahrenden Autofahrer hoffend… Augenzwinkern

Basti, Georg und ich fahren wieder indes wieder voraus, knapp 20 Kilometer Abfahrt bis Canillo. Dort entern wir dann die Vuelta-Strecke: zuerst geht es 9 km kehrenreich hinauf zum Col d’Ordino, anschließend 10 Kilometer rasend bergab in den Ort Ordino. Dort haben wir bereits 82 Kilometer auf dem Tacho stehen – aber wir wollen natürlich weiter in Richtung Arcalis! Den kompletten Schlussanstieg von 18 km werden wir wohl nicht schaffen, aber ein Stück wollen wir schon noch nach oben. In El Serrat nach der Hälfte der Distanz, wo der Anstieg erst so richtig beginnt, habe ich zwar keine große Lust mehr, weiter zu fahren, aber schlussendlich schaffen wir es dann doch noch bis kurz vor die 5-km-Marke. Dort finden wir in einer Rechtkehre ein schönes Plätzchen, von dem aus wir einen großen Teil der Strecke unter uns einsehen können. Auffällig ist das fast komplette Fehlen von Zuschauern. Gut, es ist Montag; gut, es ist die Vuelta großes Grinsen – aber dass derart wenig Interesse herrscht, überrascht mich doch stark.

 

Etwa 16:45 Uhr erscheinen dann die ersten Fahrer. Vor allem über die Leistung von Oscar Sevilla, der an dritter Position liegend an uns vorbei fährt, sind wir positiv erstaunt. Wir warten das Grupetto und ein paar einzelne Fahrer dahinter (u.a. McGee) ab und machen uns danach wieder auf den Weg nach unten. Eine Zeitlang fahre ich zusammen mit Sylvester Szmyd ab Augenzwinkern – überhaupt fällt auf, dass die rückfahrenden Profis sehr vorsichtig unterwegs sind. Bei der D-Tour am Rettenbachferner sind die Jungs abgefahren wie die Bekloppten… großes Grinsen

Bis La Massana geht es konstant bergab, bevor die Strasse zu unserer Jugendherberge noch einmal einen Kilometer giftig steil ansteigt. Dort checken wir drei ein und versuchen, Verbindung zu Corny aufzunehmen – ohne Erfolg. Es ist mittlerweile 19:30 Uhr, und wir machen uns langsam Sorgen. Kein Zeichen von Corny. Irgendwann geht jedoch unsere Zimmertür auf. Es ist der Herbergswirt, und kurz nach ihm folgt – Cornelius! Geil! Er ist zum Glück gesund und munter, und seinen Rahmen hat er auch reparieren lassen können. Aber was für einen Tag er erlebt hatte, darauf können wir später mal eingehen. Eine Geschichte für sich… großes Grinsen






Der rasende Checker - im Anstieg zum Envalira



Etappe 5 (La Massana – Salardu) / 100 km



Blick zurück vom Port de Cabus

Nach dem aufregenden gestrigen Tag hätte ich nichts dagegen gehabt, einen ruhigen Tag ohne besondere Hindernisse zu verleben. Aber die Rückkehr nach Spanien verlief etwas anders…

 

Kurz nach 9:00 Uhr geht es in Sispony los. Die kurze Abfahrt nach La Massana muss zum Einrollen reichen, denn hier begann bereits der Anstieg zum ersten Pass des Tages, dem Port de Cabus (2300 m). Knapp 20 Kilometer, 1100 hm. Zuerst bewegen wir uns auf den Spuren von Vuelta und Katalonien-Rdf., denn der erste Teil des Anstieges ist identisch mit einem Großteil der Auffahrt zur Skistation Andorra-Pal. Nach etwa 5 km ruft es von hinten – Georg hat Platten. Naja, kann passieren. In Ruhe wird der Schlauch geflickt, wir haben ja eigentlich Zeit… Bald geht es weiter.

Der Anstieg ist speziell im ersten Teil ziemlich schwer, nicht selten erreicht die Steigung zweistellige Werte. Knapp 3 Kilometer vor der besagten Vuelta-Bergankunft zweigt unsere Strasse rechts ab, noch einmal geht es knapp 4 Kilometer ziemlich steil, aber gleichmäßig bergan zum Col de la Botella (2069 m), einem vorgelagerten Pass. Von hier aus kann man den Rest des Anstieges komplett einsehen, an einem weiten, baumlosen Hang entlang führt die Strasse mit erträglichen Steigungsprozenten nach oben zum Port de Cabus. Dort angekommen, muss ich eine gaaanz schlechte Feststellung machen: hier oben ist nicht nur Andorra zu Ende – sondern auch die Strasse! Auf der Landkarte führt die Strasse weiter – aber in Natura ist hier nichts weiter als ein steiler, steiniger Wanderweg. Verdammte Sch***! Wir hoffen, dass bei der nächsten Ortschaft, die wir etwa 8 km weiter unten vermuten, die Strasse beginnt, und nehmen die Downhill-Piste unter die Räder. Wegen der Gepäcktaschen können wir gar nicht schneller als 10 km/h fahren. Kilometer um Kilometer bremsen wir uns nach unten, und meine Laune geht ebenso bergab. Nach der Überquerung eines Baches machen wir Mittagspause. Ich bin unruhig, zappelig, will bald weiterfahren – aber die anderen haben die Ruhe weg und machen genauso lange Pause wie immer. Und das schmeckt mir gar nicht. Ich sehe nur, dass uns so langsam die Zeit davon rennt…

 

Nach knapp 10 Kilometern höchster Bremsenbeanspruchung erreichen wir endlich den besagten Ort, Tor. Ein beklemmendes kleines Dörfchen, umgeben von Felswänden, düster, fast ausgestorben. Praktisch am Ende der Welt gelegen. Und von unserer erhofften Strasse ist nichts zu sehen. Der Weg wird zwar etwas fahrbarer, aber mehr als 20 km/h sind auch nicht drin. Umso mehr verspottet fühle ich mich durch ein Tempo-40-Schild, welches weiter unten an einer kleinen Baustelle steht. Dieser Ausbund an Zynismus muss fotografiert werden!

Irgendwann, nach endlosen 17 Kilometern, haben wir endlich wieder Asphalt unter den Rädern. Was für ein tolles Gefühl! Ich überschlage kurz: für diese 17 Kilometer Abfahrt haben wir etwa 2 Stunden benötigt – ohne die Pause. Ich habe vorher auch noch nicht erlebt, dass ich einen Pass schneller hoch- als runtergefahren bin…

Kurze Zeit später wird unser Vorankommen wieder jäh gestoppt durch einen wahren Wolkenbruch mit Gewitter. Wie aus Kübeln schüttet es von oben herab, wir können uns gerade noch so unter das Vordach eines Hauses retten. Wir warten – der Regen schwächt nicht ab. Meine Stimmung sinkt gegen den Nullpunkt – wir kommen einfach nicht vorwärts! Es ist 15:00 Uhr, und wir haben gerade mal 45 Kilometer geschafft. Von dem Gedanken, dass wir heute noch Salardu erreichen, habe ich mich bereits verabschiedet.

 

Nach einer knappen halben Stunde nieselt es nur noch leicht, auch das Gewitter hat sich verzogen. Wir fahren weiter bis Llavorsi und von dort aus auf der C147 in Richtung Port de la Bonaigua. Doch wir kommen nur bis Esterri an den Fuß des Passes, wo uns ein weiterer Gewitterregen erneut zur Pause zwingt. Es geht auf 17:00 Uhr zu, und wir rätseln herum, ob wir hier bleiben sollen oder doch noch die 21 Kilometer Anstieg sowie die anschließende Abfahrt in Angriff nehmen. Unsere Sorge gilt in erster Linie einem möglichen Gewitter, das uns oben böse überraschen könnte. Irgendwann fällt der Entschluss: weiterfahren! Cornelius ruft noch in der Jugendherberge in Salardu an, dann geht es los. Bei leichtem Regen schrauben wir uns die Kurven und Kehren des Bonaigua nach oben. Der Anstieg ist landschaftlich sehr schön und zudem nicht sehr steil; 5% im Schnitt. Wir fahren in zwei Grüppchen nach oben: Corny und ich vorn, Basti und Georg dahinter. Etwa 9 Kilometer vor dem Pass wird es etwas steiler, da kann Corny nicht mehr mithalten. Bald zieht Nebel auf, und die Strasse schlängelt sich in unzähligen Kehren, wunderbar in die Landschaft eingebettet, nach oben. Ein toller Pass, nach dem Pailheres bisher der schönste. Leider kann man nur 100 Meter weit sehen – bei guter Sicht hätte ich bestimmt wieder den halben Film voll fotografiert… Augenzwinkern

Endlich bin ich oben. Obwohl nur noch eine Abfahrt zu bewältigen ist, ziehe ich mich um: neues Radunterhemd, neues Trikot. Es ist bitter kalt hier oben, vielleicht 8°C, und ich muss noch ein paar Minuten auf die anderen warten. Basti hat Corny, der zu wenig gegessen hatte, sogar noch eingeholt, Georg kommt kurz danach oben an. Vor der Abfahrt ziehe ich sogar meine Winterhandschuhe an (gut, dass ich sie eingepackt hatte), dann werden die letzten 13 Kilometer bergab unter die Räder genommen. Und kurz vor 20:00 Uhr erreichen wir dann doch noch – einigermaßen erfroren – unser Ziel in Salardu. Was für ein Tag!

Das Abendessen ist der Hammer. Der Hauptgang wird auf 2 Tellern serviert: auf dem einen liegen 5 (!) Scheiben Fleisch, der andere ist voll gehäuft mit Kartoffeln und Bohnen. Dazu Brot und Salat nach Belieben, Nachtisch – genau das haben wir nach unserer Odyssee gebraucht. Ende gut, …






Unwegsame Abfahrt am Port de Cabus



Aufreissende Wolkendecke in der Abfahrt des Port de la Bonaigua, abends 19:30!



Etappe 6 (Salardu - Luchon) / 45/85 km

Zwei Distanzen? Hier ist doch was faul. Ja, allerdings...

Aber der Reihe nach: bei wieder bestem Sommerwetter brechen wir am Morgen nach unserer Odysee in Salardu auf. "Brechen" ist übrigens erneut ein gutes Stichwort, denn Bastis Gepäckträger weist bei genauerer Betrachtung zwei leichte Unstetigkeitsstellen (sprich: Brüche) auf. So geschieht es, dass er den ersten geplanten Pass des Tages, den Col du Portillon, ohne Gepäck hinauf fahren "darf" und sein Gepäck unter den nicht amüsierten Mitfahrern aufteilt großes Grinsen . Und Corny versucht, den Gewichts-Nachteil durch wieder einmal besonders großen Einsatz wett zu machen. Letztendlich kommen aber alle wohlbehalten an der Passhöhe an.

 

Nach der Abfahrt vom Portillon erreichen wir Luchon. Unser Etappenziel. Etwa 45 Kilometer sind gefahren. Es ist kurz nach halb eins. Hähh??? Also: zuerst schauen wir uns nach einer Fahrradwerkstatt um, die sich Bastis Gepäckträger annehmen sollte. Wir finden auch recht schnell eine. Leider sind wir unmittelbar zu Beginn der allgemeinen Mittagspause in die Stadt eingefallen; vor halb drei ist nicht mit einer Öffnung der Werkstatt zu rechnen. Also müssen wir uns in Geduld üben und warten.

Basti geht auf dem kleinen Platz ständig auf und ab - irgend etwas stimmt nicht. Bald sagt er auch, dass es ihm gar nicht gut geht: Schüttelfrost, Schwindelgefühl, Herzdruck... Wir anderen hoffen noch, dass er sich bald wieder erholt - bis wir hören: "Ruft mal bitte einen Krankenwagen, ich glaube, ich falle gleich in Ohnmacht." Oh f***, das ist jetzt nicht wahr! Nach dem ersten Schock verschwindet Corny in dem Bistro nebenan, während ich Basti, der schwer atmend immer noch rastlos auf und ab geht, "überwache". Bald erscheint der Krankenwagen, Corny übersetzt den Sanitätern die Symptome, Basti muss auf der Liege im Wagen Platz nehmen und wird untersucht. Gefühlt unendlich viel Zeit vergeht, bis eine Entscheidung gefällt wird: vor Ort lässt sich nichts feststellen, Basti muss zur genaueren Untersuchung ins Krankenhaus nach St. Gaudens - 45 km entfernt - gebracht werden. Und wenn die ihn dort behalten?? ...

Vorläufige Entwarnung: haben sie nicht. Basti hat sich dann am späten Nachmittag per SMS gemeldet: es sei alles ok, die Ärzte haben keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen feststellen können. Er könne die Tour auch fortsetzen. Na Gott sei Dank! Pünktlich zum Abendessen war er in Luchon zurück.





Superbagneres - Blick zurück etwa 3 Kilometer vor dem Gipfel

Nachdem Basti jedoch erst mal abtransportiert wurde, wir anderen drei mal tief durchgeatmet haben und zudem eine schöne Unterkunft fanden, haben Corny und ich uns überlegt, dass wir heute eigentlich noch gar nicht so viel Rad gefahren sind Augenzwinkern . Und unser unfreiwilliger Stop in Luchon legte ein besonderes Ziel nahe: den Superbagneres, 1200 Meter über Luchon gelegen. Georg wollte nicht mit, also sind wir - mit schön wenig Gepäck - zu zweit aufgebrochen. 2 Kilometer lang konnten wir uns einrollen, dann begann der 18 Kilometer lange Anstieg. Im ersten Teil recht unregelmäßig, steigt die Strasse auf den letzten 9-10 Kilometern recht konstant mit maximal 10% an. Leider spielt das Wetter nur bedingt mit; auf den letzten 4 Kilometern friere ich trotz der Anstrengung wie ein Schneider, die Sichtweite beträgt vielleicht 50 Meter. Oben wird nur kurz Pause gemacht (hier empfängt Corny auch Bastis SMS), sehen kann man sowieso nichts. Sehr schade.

Bergab ist dann von Cornys am Tage zuvor propagierter vorsichtiger Fahrweise aufgrund geschweissten Rahmens auch nicht mehr viel zu spüren. Also wirklich, wie ein Irrer... großes Grinsen Aber zum Glück sitzen wir am Abend zu viert wohlbehalten beim Essen und können die weitere Tour planen. Vielleicht kommen wir trotzdem noch bis Jaca...



Etappe 7 (Luchon - La Seoube (Campan)) / 80 km



Die letzten 2 Kilometer des Aufstiegs zum Peyresourde

In der Nacht hatte es ziemlich stark geregnet, aber als wir am nächsten Morgen in Luchon aufbrechen, strahlt die Sonne in voller Pracht. So sind wir guten Mutes, mal wieder einen "normalen", schönen Radtag zu erleben Augenzwinkern . Von unserem Hotel aus beginnt sofort der Anstieg zum Col de Peyresourde, 14 km bergauf ohne Einrollphase. Aber nach wenigen Minuten haben die Beine den mittlerweile gewöhnten Bergrhythmus wieder gefunden. Und das herrliche Panorama lässt die Schwierigkeiten fast vergessen (im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als an diesem Berg ein dicke Nebelsuppe herrschte). Ich fahre ein paar Minuten voraus, halte aber immer mal wieder zum Fotographieren an. Anhand aufwendigen TdF-Video-Studiums kenne ich den Anstieg mittlerweile recht gut Augenzwinkern und kann mir wunderbar die Kraft einteilen. Die Serpentinen auf den letzten 2 km sind besonders schön. Ein perfekter Start in den Tag...

 

Oben wurde wieder mal ausgiebig pausiert (inkl. Crepes-Essen), dann geht es in die rasende Abfahrt, die phantastische Ausblicke auf den See von Loudenvielle und die Serpentinen des Col de Val Louron-Azet zulässt. Letztere reizen zwar ganz gewaltig zu einem "kleinen" Umweg, aber da immer noch ein wenig Ungewissheit um Bastis Gesundheit herrscht (momentan geht's ihm sehr gut), entschließen wir uns, direkt Richtung Col d'Aspin weiter zu fahren. An der Jan-Ullrich-Kehre der Peyresourde-Abfahrt machen wir natürlich auch noch kurz Halt (Corny wäre hier beinahe selbst "abgeschmiert", bei seinem Abfahrtsstil kein Wunder großes Grinsen ) und spielen die legendäre Szene teilweise nach. Spaß muss sein... Augenzwinkern






Checker an der "Jan-Ullrich-Kehre" in der Peyresourde-Abfahrt...





Col d´Aspin

Unten in Arreau kaufen wir noch schnell ein, dann geht es schnurstracks hinauf in Richtung Col d'Aspin. So langsam ziehen ein paar Wolken auf, aber noch ist das Wetter gut. Der Aspin ist weitgehend problemlos zu fahren, und 1 km vor der Passhöhe fühle ich mich gut genug, um den Rest des Weges mal richtig "volle Lotte" hochzuknattern. Naja, zumindest mit 98% Augenzwinkern . Die anderen hatten übrigens die gleiche Idee - so wie sie allerdings oben ankamen, haben sie nochmal mindestens 2% Intensität draufgelegt großes Grinsen .

Mittlerweile ist die Landschaft veritabel in Wolken und Nebel gehüllt, und wir begeben uns auf die Abfahrt. Etwa auf halber Strecke nach unten, in Espiadet, entschließen wir uns zu einem "Desert". Alle fühlen sich gut (sagen sie zumindest...), also gönnen wir uns noch die 10 km Anstieg zur Hourquette d'Ancizan, einem recht unbekannten Berg, den das Profi-Peloton mal bei der Route du Sud 2004 gefahren ist. Die schmale Strasse schlängelt sich, teilweise recht steil, zuerst durch den Wald und dann über spärlich bewachsene Hänge nach oben - landschaftlich ein Genuss. Und der einsamste Pass bisher - während des gesamten Anstiegs ist nur ein kleines Haus zu sehen. Störend ist nur eine Zwischenabfahrt großes Grinsen sowie das Wetter, das inzwischen fast den Zustand von Superbagneres angenommen hat: Nebel, sehr kühl. Oben wird noch einmal ein kleines Picknick gemacht, dann fliehen wir von der einigermaßen ungemütlichen Passhöhe wieder zurück.

 

Die letzte Schwierigkeit des Tages besteht im Finden einer geeigneten Unterkunft (wir hatten nichts vorbestellt), aber nach ein paar vergeblichen Versuchen waren wir dann doch erfolgreich und kamen in einer sehr günstigen kleinen Ferienwohnung im kleinen Ort La Seoube, etwa 4 Kilometer vor St. Marie de Campan (ihr Auftritt, Herr Watterott! laut lachen ), unter.

Für den morgigen Tag gab es große Pläne: Tourmalet, Soulor und Aubisque wollten wir idealerweise schaffen. Leider ging es Basti beim Abendessen wieder schlechter, die Symptome wie Schüttelfrost und Schwindelgefühl traten erneut auf. Im Laufe des Abends besserte sich sein Zustand wieder etwas. Hoffentlich ist er morgen einigermaßen fit. Und der Tourmalet allein wäre ja auch schon was...






Gruppenbild am Pass



 

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