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Harzers Alpentour 2008



Tour 6: "Aravis-l´Arpettaz-Saisies-Tour" (05.08.2008)

Strecke: Crest-Voland - Col des Aravis (1.486 m) - Flumet - Ugine - Col de l´Arpettaz (1.581 m) - Flumet - Col des Saisies (1.657 m) - Crest-Voland
Gesamt-km: 104 km
Gesamt-hm: 2.835 hm


Profil und Landkarte




1=Col des Aravis, 2=Flumet, 3=Ugine, 5=Col de l´Appettaz, 7=Flumet, 9=Col des Saisies




Für beide Grafiken gilt: © NAVTEQ B.V, Best, (NL); PTV AG; DDS Digital Data Services GmbH, Karlsruhe, (D), 2008



Letzter Ruhetag...

Nach dem Galibier hatte ich mir den dritten Ruhetag gegönnt. Dieser wurde genutzt, um die letzte Station, Crest-Voland bei Flumet, anzusteuern.

An dieser Stelle möchte ich einen wertvollen Helfer bei der Planung dieses Urlaubs vorstellen: „Der Denzel, “, Grosser Alpenstraßenführer in der 23. Ausgabe. Wie in keinem anderen Buch sind hier sämtliche befahrbare Pässe der verschiedenen Regionen aufgeführt. Besonders interessant natürlich die weniger bekannten Alpenstraßen abseits der großen Tour de France Anstiege. So wurde ich bei der Lektüre des Denzels auch auf einen kleinen Pass bei Ugine westlich von Flumet aufmerksam: Der Col de l´Arpettaz. Eher unbekannt aber durchaus anspruchsvoll vom Profil. Zusammen mit dem Col des Aravis und dem Col de la Croix-Fry wollte ich ihn in einer schönen Rundtour quasi als Schlußanstieg fahren.

 

Das Hotel, Caprice des Neiges, war von allen vier Hotels das schönste. Besonders erfreulich: Das geschäftsführende Ehepaar, Corinne und Rodolphe Borrel, sind ebenfalls radsportbegeistert und kennen die meisten umliegenden Anstiege. Nachdem ich im Hotel eingecheckt hatte, machte ich es mir auf der Terrasse mit dem Denzel, einer Landkarte und einem erfrischenden Getränk gemütlich. Die Sonne schien. Wie immer… Monsieur Borrel gesellte sich dazu und machte eifrig Tourenvorschläge. Den l´Arpettaz stufte er als schwierigen Pass ein. Er schwärmte dann noch ein wenig vom Cormet de Roselend und das ich den in jedem Fall fahren muß. Ich versprach ihm, mir das für die zweite Tour zu überlegen…

 



Col des Aravis...



Anstiegsprofil ab Flumet - Quelle: www.salite.ch

Nach einem leckeren Frühstück ging es dann los. Der Col des Aravis stand auf dem Programm. Kein schwieriger Anstieg, auch nicht besonders hoch, genau das richtige also für den Beginn einer Tour. Von Crest-Voland aus geht es aber erstmal rund 300 hm bergab ins tiefer gelegene Flumet. Ab dort beginnt dann der Anstieg. Allerdings dauert das Vergnügen, bergauf zu fahren, nur rund 1,5 km, dies mit mäßiger Steigung. Danach führt die Straße auf fast ebener Strecke durch recht stark bewaldetes Gebiet.

 




Nach kurzer Zeit erreicht man dann den kleinen Ort La Giettaz. Dort folgt man einfach dem Straßenverlauf und der Ausschilderung. Die markante felsige Aravis-Bergkette ist jetzt sehr schön zu erkennen!

Leider konnte ich nun auch eine aufziehende Gewitterfront ausmachen, die von Osten her aufzog. Das passte mir nun überhaupt nicht… Laut Wettervorhersage war eigentlich schönes Wetter vorhergesagt. Ich schaltete einen Gang höher und fuhr nun recht zügig der Passhöhe entgegen. Kurz vor dem Ziel hinter einem Tunnel gab es noch ein kurzes Steilstück, dann war der Pass erreicht.

Sehr schöne Aussicht auf die Araviskette, bescheidene Aussicht aber nach wie vor Richtung Osten. Eigentlich hätte man jetzt den Mont Blanc sehen können, ich sah leider die Regenfront immer näher kommen.

 









„Was tun ?“, war jetzt die Frage… Wie geplant weiter nach La Clusaz oder zurückrollen nach Flumet? Den Croix-Fry könnte ich notfalls sausen lassen, wichtig war für mich heute in erster Linie der Col de l´Arpettaz. Den wollte ich sehr gerne fahren! Also machte ich kehrt und fuhr zurück nach Flumet, wo ich notfalls die Regenfront abwarten konnte. Unten angekommen, sah das Wetter schon wieder etwas freundlicher aus, so dass ich gleich nach Ugine weiterfuhr.

Klasse, von einer Regenfront war jetzt nichts mehr zu sehen, das Wetter war wieder wie vorhergesagt sonnig und sehr warm. Ich ärgerte mich etwas, dass ich nicht auf dem Col des Aravis länger gewartet hatte. Aber egal, dann würde ich als dritten Pass halt den Col des Saisies fahren, der eh auf dem „Heimweg“ nach Crest-Voland lag.

 



Col de l´Arpettaz



Anstiegsprofil ab Ugine - Quelle: www.salite.ch

Jetzt aber erstmal der Col de l´Arpettaz. Im www war nicht allzu viel über ihn zu finden, deswegen musste ich mich im Gegensatz zu den bekannten TdF-Pässen überraschen lassen.

Nach einer Verpflegungspause in Ugine ging es dann los, bei anfangs noch recht angenehmen Steigungsprozenten, wie es das Profil bei salite.ch versprach. Nach 4-5 km wurde die Straße dann deutlich schmaler (einspurig) und auch spürbar steiler. Wer Serpentinen liebt, kommt ab jetzt voll auf seine Kosten: 37 Stück bis zur Passhöhe! Ersten Kontakt mit der regionalen Tierwelt durfte ich bei der Durchfahrt eines der kleinen Bergdörfer machen. Ein viel zu großer Hund mit Interesse an mir und meinem Fahrrad sorgte für einen Adrenalinkick, so dass ich ungeahnte Wattzahlen bis zum Ortsausgang treten konnte.

Danach konnte ich die Fahrt wieder in Ruhe genießen. Da ich inzwischen schon einige Höhenmeter bewältigt hatte, eröffnete sich mir ein schöner Blick zurück ins Tal Richtung Ugine und Albertville.

 













 

Der landschaftliche Charakter des Anstieges unterscheidet sich doch merklich von den bisherigen Pässen des Urlaubs. Man hat nicht wirklich das Gefühl, sich im Hochgebirge zu befinden. Die schmale Passstraße wird von weitläufigen Wiesen gesäumt. Zudem taucht man nach dem ersten Teil der Strecke dann für längere Zeit in stark bewaldetes Gebiet ein, steile Abhänge oder Felswände sind nicht vorhanden.

Der längere schattige Waldabschnitt ist natürlich an sehr sonnigen und warmen Tagen eine sehr willkommene Sache!

 





Wer ist hier der Chef...?

Eine Ziegenfamilie war nach dem Hund die zweite tierische Begegnung – wenn auch deutlich harmloser… Allerdings ließ es sich das Familienoberhaupt nicht nehmen, mir bis zum letzten Moment den Weg zu versperren, um dann meckernd zur Seite zu springen.










Panoramablick nach Westen im unteren Teil des Anstieges...




So langsam aber sicher näherte ich mich der Passhöhe, die Natur wurde jetzt doch ein wenig hochalpiner. Steile Felswände säumten die Nordflanke. Die Steigungsprozente ließen auf den letzten kehrenreichen km auch nicht nach, so dass ich dann recht froh war, endlich die Passhöhe erreicht zu haben. Von hier bot sich ein herausragender Blick sowohl zurück auf den Talkessel nach Ugine als auch nach Osten auf das Mont Blanc Massiv! Die bedrohliche Regenfront war nicht mehr zu sehen, nur einige Wolkenschichten über dem Mont Blanc verhinderten den perfekten Postkartenblick. Trotzdem sehr beeindruckend!

Zusammen mit zwei weiteren Mountainbikern, die ebenfalls den Anstieg gefahren waren, legte ich auf der Passhöhe eine Pause ein.

















Blick zurück auf die Passhöhe...

Insgesamt ein recht knackiger Anstieg, da die Steigung konstant bei 7-10% liegt und auch keine flacheren Streckenabschnitte zur Erholung vorhanden sind. Der Straßenbelag ist nicht sehr gut, auf einigen Abschnitten sind doch zahlreiche Furchen und Schlaglöcher vorhanden. Beim bergauf fahren ist es aber in jedem Fall noch akzeptabel, bergab wäre es sicherlich ein größeres Problem, da man vor allem in den schattigen Waldabschnitten schnell ein Schlagloch übersieht. Man sollte diesen Pass also möglichst von Ugine aus fahren!

 

Nach der Rast fuhren die beiden Mountainbiker auf dem sehr reizvollen geschotterten Aravis-Höhenweg Richtung Col des Aravis, insgesamt ca. 15 km lang. Hätte ich kein Rennrad gehabt, hätte ich diesen Weg ebenfalls gewählt. Man hat praktisch ständig das Mont Blanc Massiv vor Augen und befindet sich in sehr naturbelassener Landschaft.

Ich fuhr also die asphaltierte Straße hinunter Richtung Héry und von dort dann zurück nach Flumet. Der Straßenbelag auf der Abfahrt ist deutlich besser als im Anstieg, so dass man es gut rollen lassen kann. Auch hier gibt es landschaftlich einige Schmankerl!

 





Schöner Blick während der Abfahrt auf den Mont Blanc...




Col des Saisies



Anstiegsprofil ab Flumet - Quelle: www.salite.ch

In Flumet angekommen schaute ich auf die Uhr. Zu früh, um jetzt schon ins Hotel zu fahren. So entschied ich mich, den rund 15 km langen Anstieg zum Col des Saisies zu fahren.

Ich hatte zwar nur noch eine Trinkflasche mit Wasser, „wird aber schon klappen“, dachte ich mir. Allerdings stellten sich die ersten 5 km doch als recht schweißtreibend dar, so dass ich bald auf einen Supermarkt oder ähnliches hoffte. Leider vergebens, auch in Frankreich gibt es so etwas wie Mittagspause… Die Flasche war mittlerweile leer bei noch etlichen zu fahrenden km. Glücklicherweise tauchte dann irgendwann eine kleine Gastwirtschaft auf, die sogar geöffnet hatte. Pause!! Für viel zu viel Geld trank ich eine große Apfelschorle und füllte beide Trinkflaschen mit Evian-Wasser auf. Da überlegt man sich schon jeden Schluck zweimal, verschwenderisches „in den Nacken schütten“ entfällt komplett…

 





Die Passhöhe...

Den restlichen Teil des Anstiegs fuhr ich dann in gemütlichem Tempo „nach Hause“. Nach einer kurzen Abfahrt waren die letzten ca. 4 km kein Problem mehr. Die Passhöhe des Col des Saisies befindet sich eher unscheinbar auf der langgezogenen Straße vor dem kleinen Ort Saisies. Rechts befindet sich ein großer Parkplatz, von dem aus in erster Linie Wanderer ihre Touren unternehmen.

Ich rollte dann recht schnell wieder zurück und nahm dann die Abzweigung Richtung Crest-Voland. Kurze Zeit später erreichte ich mein Hotel. Nach einer Dusche setzte ich mich wieder auf die Terrasse, Ehepaar Borrel kam recht zügig dazu und ich musste erstmal von dem Tag berichten. Anschließend wurde ein Schlachtplan für den nächsten Tag entworfen … Geplant war in meiner ursprünglichen Planung nach einer kurzen Autofahrt nach Cluses eine Runde mit dem Col de Joux-Plane und der Col de Ramaz. Aber so richtig hatte ich auf Auto fahren keine Lust und es lagen ja einige reizvolle Anstiege wie der Cormet de Roselend ganz in der Nähe. Dazu aber dann mehr im siebten und letzten Tourbericht.

 

Fazit:

Etwas schade, dass ich die geplante Runde „Aravis - Croix Fry – l´Arpettaz“ wegen der drohenden Gewitterfront so nicht gefahren bin aber am Ende war es dann doch mal wieder eine sehr schöne Tour durch die Alpen. Das Highlight war natürlich der Col de l´Arpettaz mit dem schönen Blick auf das Mont Blanc Massiv. Auch sportlich ist er eine Herausforderung, so dass man diesen Pass von Ugine aus unbedingt einplanen sollte, wenn man in dieser Gegend Touren plant.

Der Col des Saisies ist dagegen kein so aufregender Pass, allerdings hatte er sich von der Strecke her für mich angeboten, weil mein Hotel auf halber Höhe in Crest-Voland lag. Hätte ich den Croix-Fry nicht ausgelassen, wäre ich ihn wohl auch nicht gefahren.

 



 

für alle Fotos gilt: © www.cycling4fans.de (fotografiert von Harzer Radfahrer)


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