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Sportlerberichte / -schicksale verschiedener Sportarten



Doping als Normalität

 

Doping bei Amateuren ist in vielen Sportarten verbreitet, bei Bodybuildern fast normal. Wie denken diese Sportler über das Problem, wo sehen sie die Ursachen, haben sie ein Unrechtsbewußtsein?

Ein Bodybuilder und Tennisspieler, der anonym bleiben will, sagt in einem Interview, das Jahr ist nicht bekannt, offen seine Meinung.

 

Das Interview wurde geführt von Stéphane Deroche, Redakteur der Zeitschrift Second Souffle und ist auf dopage.com im Original auf Französisch erschienen:

Le dopage vu de l'intérieur, interview d'un sportif dopé

 

 

Bloß keine falsche Zurückhaltung

 

Warum nehmen Sie Dopingmittel?

 

Das ist sehr persönlich, um Sehnenentzündungen zu vermeiden, denn sie haben einen entzündungshemmenden Effekt. Alle haben eine Wirkung auf Sehne und Muskel, sie mindern den Schmerz. Wenn du intensiv trainierst, zerstörst du den Muskel und die Anabolika helfen dabei, den Muskel zu erhalten und auch deine Kraft, die Ausdauer und das Muskelvolumen zu verbessern. Beim Bodybuilding („muscu“) gibt es nur die Anabolika als Doping, alle, mit denen Muskelwachstum und –kraft anwachsen. Es ist kein Ausdauersport in dem man EPO nimmt oder Dinge, die einen schnell machen.

 

Was würde sich ändern, wenn Sie nichts nähmen?

 

Schon jetzt nehme ich nicht immer etwas und wenn ich eine Zeit lang trainiere, bekomme ich Sehnenschmerzen, an der Schulter und mit normalen Tabletten oder Salben verschwinden sie nicht, so dass ich mir eine Spritze geben muss. Das war die einzige Möglichkeit den Schmerz zu bewältigen. (Anabolika: Tabletten und Injektionen)

 

Aber ging es Ihnen nicht schlecht weil Sie zuviel trainierten?

 

Ja und, äh, nein, das hat damit nichts zu tun. Denn man darf nicht zuviel trainieren um keine Muskeln zu zerstören, das Training muss moderat sein.

 

Was heißt moderat?

 

Im Rahmen deiner Möglichkeiten. Die richtigen Bodybuilder, die großen, trainieren am wenigsten. Ihre Muskeln sind schon dermaßen durch die Produkte mit Blut vollgestopft, dass sie nur eine halbe bis ganze Stunde zum Training kommen. Sie machen zwei, drei Bewegungen und sind bereits völlig verstopft. Ein Kerl, der mit dem Bodybuilding beginnt, glaubt, wenn er den ganzen Tag arbeitet, wäre er toll, doch das ist falsch. Er wird ermüden und seine Muskeln verletzen. Ein Anfänger muss 4 Mal die Woche mit einer Stunde beginnen. Danach variiert man mit den Gewichten, der Intensität und einem speziellen Programm.

 

Und für das Tennis nehmen Sie nichts?

 

Nein, nein, wenn sie ein Anabolikum nehmen, haben sie mehr Kraft, mehr Ausdauer und ein größeres Muskelvolumen. Die Produkte, die von den Radfahrern genommen werden, gehen direkt in die Zellen, die den Sauerstoff regulieren, aber das hat keinerlei Effekt auf die Muskelmasse. Wohingegen Nandrolon und Testosteron drei Effekte haben.

 

Und was ist mit den Powerdrinks, die Sie während der Tennismatches nehmen?

 

Das sind Getränke von Décathlon, Mineralien, Zucker, jeder nimmt sie, es ist nichts Besonderes.

 

Wissen Sie, was Sie riskieren, wenn Sie erwischt werden?

 

Kontrolliert werden oft Leute auf hohem Niveau oder kaum bekannte Personen, die irgendeine Meisterschaft gewinnen und wo das als seltsam auffällt.

 

Wussten Sie, dass es bereits Kontrollen gibt bei Kriterien (Regional- oder Nationalmeisterschaften der zweiten Kategorie)? Sie können bei allen möglichen Wettkämpfen kontrolliert werden, egal auf welchem Niveau.

 

Ach was. Ich weiß, dass ich ein Tennisturnier spielen kann und es ist niemals passiert. Trotzdem, die Jungs sehen, wenn ich Tennis spiele, dass ich Bodybuilding betreibe und sie könnten sich sagen: Sieh her, er könnte Mittel nehmen.

 

Zum Verkauf, an wen verkaufen Sie?

 

Mundpropaganda, und es kommt aus dem Ausland.

 

Kennen Sie die Gesundheitsrisiken?

 

Natürlich. Aber einer kann 10 oder 15 Jahre lang Produkte nehmen und bekommt nichts, und ein anderer kann nach zwei oder drei Injektionen Probleme bekommen. Das Produkt bedeutet russisches Roulette. Wenn man übertreibt, wird man die Probleme kennen lernen, die sicherlich später kommen werden, wenn man nicht übertreibt, kann entweder nichts passieren oder es können Sekundäreffekte auftreten.

 

An wen verkaufen Sie nun?

 

Es ist nicht wie bei den Drogen, wo man es macht, um Geld zu verdienen. Hier geht es darum, jemanden zu unterstützen. Man verkauft zu dem Preis zu dem man es bekommen hat, wenn ein Kumpel etwas für einen Wettkampf braucht. Ich verkaufe nicht an Jungendliche. Wenn du eine Fabrik hättest, würdest du an jedermann verkaufen, um Geld zu machen, aber es gibt keine Fabrik. Es ist trotzdem schwierig da ran zu kommen.

 

Trotzdem gibt es Leute, die verkaufen um zu verdienen, dass muss es geben...

 

Nicht direkt, denn im Allgemeinen verfügen sie nicht über große Mengen. Sie haben kleine Mengen, die sie versuchen teuer zu verkaufen, um soviel Geld wie möglich zu verdienen, aber sie verkaufen sie nur, wenn die Person sie wirklich braucht. Leute, die große Mengen haben, kenne ich, aber es ist für sie selbst. In Frankreich gibt es keinen großen Schwarzmarkt, da die Laboratorien nichts mehr davon produzieren, wohingegen im Ausland Fälschungen hergestellt werden und es viel einfacher ist, sich damit einzudecken und zu verkaufen. In Frankreich wird nur für die Krankenhäuser produziert.

 

Ist es im Radsport anders?

 

Im Bodybuilding kann man kein Geld verdienen, außer man gehört zu den besten der Welt und das sind Ausländer. Diejenigen, die das machen, machen es nur zu ihrem Vergnügen, für das Podium, Pokale, die Französischen Meisterschaften, um Europa zu sehen. Im Radsport spielt das Medieninteresse eine Rolle, du kommst ins Fernsehen, du kommst in die Zeitungen. Die Radfahrer müssen daher zu den Ersten gehören. Wenn es nichts zu gewinnen gäbe, würden die Kerle ihre Gesundheit nicht riskieren.

 

Meinen Sie also, das Doping sei letztendlich eine Frage des Geldes?

 

Es ist eine Frage des Geldes und des Wunsches unbedingt gewinnen zu wollen.

 

Aber wollen sie nicht um jeden Preis gewinnen, weil es Geld gibt?

 

Im Radsport machen sie das Meiste nur kurze Zeit, vor dem Wettkampf, während im Studio es das ganze Jahr lang so ist. In allen medialen Sportarten, die im TV erscheinen, wollen alle Menschen und die Sportler immer mehr und mehr. Dann gibt es den Druck der Sponsoren, der Trainer und so kommen sie mit Doping in Berührung, um sich selbst zu übertreffen.

 

Wie erklären Sie sich, dass dem Doping soviel Aufmerksamkeit in den Medien geschenkt wird?

 

Weil die Leistungen immer weiter steigen und wenn jemand positiv ist, sagt man sich, er hat nur gewonnen aufgrund des Dopings. Das heißt nichts, denn eigentlich meint man, dass die anderen nur nicht gewonnen haben, weil sie nichts genommen haben. Alle Athleten, nehmen Produkte, aber sie werden nicht erste, weil der Titel durch das Training kommt, über die Ernährung, durch die physischen Voraussetzungen, die man hat und es ist nicht das Doping, dass jemanden zum Sieger macht.

 

Warum spricht man so viel davon?

 

Jetzt gibt es die Kontrollen. Davor wurde mehr gedopt aber die Menschen dachten nicht daran. Die Leute fangen an, es kennen zu lernen.

 

Was meinen Sie, ist es unvermeidlich für einen Sportler auf hohem Niveau?

 

Nein, nein. Man kann Sport auf hohem Niveau mit seinen eigenen Qualitäten betreiben.

 

Glauben Sie, man kann die Tour de France gewinnen, ohne gedopt zu sein?

 

Sicher. Vor allem im Ausdauersport, aber das ist wie ein Fallschirm. Er ist dazu da, um sicher zu sein, sich beim Fallen nicht zu verletzen. Es ist um sicher zu sein, das Maximum aus sich herauszuholen. Wenn man nichts nimmt und nicht gewinnt, kann man sich sagen, ich habe verloren, weil ich nichts genommen habe. Man macht es, um alle Chancen auf seiner Seite zu haben. So wird es zur Sucht. Man macht es, dann ein anderer, dann alle. Der andere wird stärker werden als ich, also muss ich es genauso machen. Das ist ein Automatismus.

 

Wenn Sie Hochleistungssportler wären, würden Sie sich dopen oder nicht?

 

Wenn viel Geld im Spiel wäre und so was ... das hinge davon ab. Es gibt Sportarten, da ist es nicht nötig, sich zu dopen um Spitzenleistungen zu bringen und dann gibt es die Versuchung immer besser werden zu wollen, indem man die Produkte nimmt und auch dass man sich sagt: Wenn ich gewinne, werde ich vielleicht erwischt. Es gibt zwei Möglichkeiten.

 

Allgemein gesprochen, sind Sie mehr für oder gegen Doping?

 

(lacht) Anständigerweise bin ich dagegen, denn wenn nicht, müssten alle es nehmen. Wenn es nichts gäbe, wären alle gleich. Ich denke, wenn man eine Leidenschaft hat und möchte sich ihr voll und ganz widmen, kann man versuchen Produkte zu nehmen.

 

Aber zu was soll das gut sein? Stellen Sie sich vor, ein Junge läuft die 100 m in 12 s. Er trainiert so gut wie er kann und kommt auf 11,4 s. Er hat seinen Leistungsgipfel errreicht, aber er möchte noch weiter kommen, bis auf 11 s. Er dopt sich und erreicht 10,8 s. Zu was soll das gut sein, denn damit wird er niemals einen Titel gewinnen?

 

In diesem Fall gibt es keinen Grund außer dem persönlichen Vergnügen, aber für mich ist das idiotisch, denn Produkte nimmt man um Wettkämpfe zu gewinnen oder unter die Besten zu kommen. Beim Bodybuilding sieht man es, aber bei 100 m nützt es ihm gar nichts.

 

Und von einigen, von denen man weiß, dass sie sich dopen, glauben Sie, dass sie Skrupel haben? Denn es ist trotz allem Betrug?

 

Man kann nicht von Betrug sprechen. Betrug ist anstelle des Rads das Auto zu nehmen. Man kann nicht von Betrug sprechen, da die anderen es ebenso machen und somit alle betrügen, und wenn es all so machen, ist es kein Betrug mehr. Wenn Virenque letzter wäre, würde kein Mensch davon sprechen. Er wurde von allen fertiggemacht, andere waren negativ bei den Kontrollen, aber auch gedopt.

 

Also was denken Sie, haben diese Jungs Skrupel sich zu dopen?

 

Nein. Wenn man ein Produkt nimmt, weiß man, warum man es nimmt, was es bringt und selbst wenn man sich erwischen lässt, kann man nicht sagen: ah, ich bedaure das gemacht zu haben. Man kann das nicht bedauern. Jemand der eine Person tötet, weil er von ihr genervt war, ja, der wird es bedauern, aber das nicht. Warum Gewissensbisse haben, wenn die Gegner, sie kennen sich alle, auch Produkte genommen haben und nicht gewonnen haben, daher keine Schuldgefühle, außer gegenüber denen, die wegen der Produkte gestorben sind.

 

Keine Gewissensbisse, weil die anderen es genauso machen?

 

Ja, aber nicht nur. Weil man die Wahl hat. Sie können sich sagen: Vielleicht hätte ich gewonnen, auch wenn ich nichts genommen hätte? Und dann bist du die Nummer 1 und du bereust nichts. Derjenige, der wie ein Verrückter das ganze Jahr über trainiert und nicht gewinnt, obwohl er alle Chancen auf seiner Seite hatte, kann bereuen. Es gibt trotzdem erlaubte Vorgehensweisen und verbotene. Am Anfang ist es verboten, aber jedem ist es freigestellt, die Produkte zu nehmen. Die Leute testen und nehmen die Produkte, wenn es ihnen nicht gelingt, das potentiell vorhandene Limit zu übersteigen, aber die Leute die wissen, dass sie diese Grenzen natürlicherweise überwinden können, werden nichts nehmen und wenn sie eines Tages ihre Grenzen erreicht haben, können sie davon abweichen. Wenn man eine Mauer ohne Leiter überwinden kann, macht man das, aber wenn sie zu hoch ist ... Für die Leute vor dem Fernseher, die nichts wissen, ist Doping etwas Geheimnisvolles, wer dopt, gewinnt. Die Gegner von Ben Johnson waren auch gedopt.

 

Sie meinen also, Ben Johnson war der Beste?

 

Er nahm die Produkte, um noch härter trainieren zu können, um der Ermüdung der Muskeln entgegenzuwirken und als er die 100 m lief, war er top. Andere machten es ebenso, waren aber an diesem Tag nicht top. Ja er war der Beste. Er sagte sich nicht, wenn ich das nehme, werde ich gewinnen. Es ist wie mit den Waffen, wenn man sie nicht verkaufen würde, würden die Leute sie nicht kaufen und das Verbot reizt dazu, sich darüber hinwegzusetzen. Die Sportler schädigen niemanden, sie sind durch und durch in ihrem Element, und man muss sehen, dass nur wenige Leute fähig sind, dafür so viele Opfer zu bringen, ihre Gesundheit, die Familie, es ist vor allem eine Leidenschaft. In der Formel 1 sterben manche für ihre Leidenschaft. Die Menschen werden Beifall spenden, auch wenn es eine Leidenschaft ist und es dem Tode gleichkommt (...). Es wäre besser, alle hätten gleiche Bedingungen, entweder ohne oder mit den Mitteln. Ich habe mit Hilfe von Produkten gewonnen, da sie mich physisch durchhalten ließen. Bei den Nerven ist das genauso, sie bekommen Moral, sie sind glücklich (Dianabol, Injektionen, euphorisierende Wirkung) und manchmal hatte ich keine Moral ...

 

 

Beitrag von maki

 


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