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BRD / DDR - Vergangenheit



11.10.1997 Offener Brief des Bezirks Rhein-Wupper im Westdeutschen Schwimmverband (WSB):
Zur Wahl von Kristin Otto in das Präsidium der Deutschen Olympischen Gesellschaft

Stellungnahme des Bezirksverbandes Rhein-Wupper e .V. zur anstehenden Wahl von Kristin Otto in das Präsidium der Deutschen Olympischen Gesellschaft:

 

>>> der Offene Brief im Original

 

Hervorzuheben ist, dass der WSV, später SV NRW, sich gegenüber den Autoren der Initiative distanzierte, er nicht mit dem Offenen Brief in Verbindung gebracht werden wollte.

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Bezirksverband Rhein-Wupper e .V. im Westdeutschen Schwimm-Verband gehört mit seinen über 40000 Mitgliedern zu den sechs größten Schwimmsportverbänden in Deutschland. Damit ist dieser Verband auch der zweitgrößte Bezirk im deutschen Schwimmsport und größer als alle fünf Landesschwimmverbänd der neuen Länder zusammen.






In den letzten Jahren haben wir uns als Bezirksverband sehr intensiv mit der Dopingproblematik beschäftigt und in unserem Verbandsjournal ausgiebig berichtet und aufgeklärt. Wir gehörten zu den ersten, die zu dieser Problematik ein Anti-Doping-Symposium veranstalt haben, als andere Verbände und Sportorganisationen zu dem Thema Doping lediglich Beschwichtigungen von sich gaben.



Betroffen macht uns nun die Entscheidung der DOG, Kristin Otto in das Präsidium der Deutschen Olympischen Gesellschaft wählen zu wollen. Gerade Kristin Otto als Aushängeschild der ehemaligen DDR wird in erdrückender Weise mit Dopingvorwürfen konfrontiert. Diese Vorwürfe werden durch Aussagen ehemalige Athleten und durch Schriftstücke belegt, die deutlich über bloße Vermutungen hinausgehen. Hier werden Fakten und Tatsachen vermittelt, die nicht mehr ignoriert werden können. Daß ausgerechnet Kristin Otto im Dopingsystem der DDR ausgenomme worden sein soll, halten wir für eine simple Schutzbehauptung. Die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft und die Klageerhebung gegen frühere Schwimmtrainer der DDR werden den Dopingsumpf im DDR-Schwimmsport an die Öffentlichkeit bringen.






Wir fragen uns, wie wir als ehrenamtlich tätige Funktionäre für einen dopingfreien fairen Sport werben sollen, wenn gerade die DOG, die als federführend in der deutschen Fair-play-Kampagne gesehen wird, so eklatant und ignorant in dieser Problematik agiert. Wie wollen wir unseren Kindern und Jugendlichen noch Werte wie Ethik, Moral, Fair-Play und die Abkehr von Doping und Drogen vermitteln, wenn der "Bannerträger" dieser Werte so unsensibel agiert.

 

Wir fordern Sie auf, die Wahl von Kristin Otto in das Präsidium der DOG solange von der Tagesordnung zu nehmen, bis zweifelsfrei nachgewiesen ist, daß sie tatsächlich dem DDR Dopingsystem nicht unterworfen war und bis heute tatsächlich mit Dopingmitteln nicht in Kontakt gekommen ist. Auch die Verleihung des Sievert-Preises zum jetzigen Zeitpunkt ist mehr als unglücklich.

 

Für uns ist die gegenwärtige Situation jedenfalls unerträglich und wir werden daher gerade diese Problematik unseren Vereinen ausführlich darstellen und gegebenenfals auch den Verbänden im deutschen Schwimmsport empfehlen, ihre Mitgliedschafi in der DOG zu überdenken.

 

In Erwartung einer schriftlichen Stellungnahme verbleibe ich

mit freundlichem Gruß

 

Rudi Böhm

Vorsitzender



Antwort der DOG, 31.10.1992

NOG-Generalsekretär Norbert Wolf antwortete am 31. Oktober 1992:

... Bei unserer Bundestagung am 24./25. Oktober 1992 in Zwickau wurden die Verleihung des Sievert-Preises an Kristin Otto und deren Kandidatur für das DOG-Präsitlium ausgesetzt und fanden deshalb nicht statt. ...

 



Kommentar von Michael Gernandt in der SZ vom 15.10.1997

...

Schon allein die Verleihung des Preises wird einen Eklat zur Folge haben, den sich Ihre lnitiatoren nicht leisten sollten: Martin Lauer, ein früherer Preisträger und wie der Namensgeber Hans-Heinrich Sievert ein ehedem überragender Zehnkämpfer, will seine Auszeichnung im Falle einer Ehrung für die Schwimmerin blutenden Herzens zur Verfügung stellen.

Es ist. wirklich nicht zu fassen, wie tölpelhaft Sportgremien immer wieder sehenden Auges in Fettnäpfchen tappen. Die Nominierung der mit handfesten Dopingvorwürlen überhäuften Otto zeugt nicht nur von einem Mangel an Fingerspitzengefühl, sie ist nachgerade borniert. Und es grenzt an Dreistigkeit, nun auch noch auf die Athleten-Amnestie des DSB von 1991 zu verweisen. Die nämlich wurde erlassen "im Interesse einer offenen und ehrlichen Vergangenheitsbewältigung". Und wird nur neuerlich blockiert durch einen Wahlvorschlag nach dem Muster "Schwamm drüber".

Auch die DOG gehört zu den Organisationen, die es versäumt haben, ehemaligen DDR-Athleten beim Thema Doping Brücken zu bauen. Gerade sie, die sich ethisch-moralischen Ansprüchen verpflichtet fühlt, hätte einer wie Krlstin Otto frühzeitig helfen können.

...


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