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Doping in der DDR



Wintersport-Trainer



Nach der Wende fanden folgende Wintersporttrainer Anstellungen im Ausland:

Uwe Kagelmann: Schweiz
Sonja Morgenstern: Italien
Karl-Heinz Luck: Schweiz
Jochen Danneberg: Südkorea, Schweiz, USA
Joachim Winterlich: Bulgarien
Kurt Hinze: Italien
Mathias Jacob: Schweiz
Klaus Siebert: Österreich
Walter Jentsch: Italien
Klaus Bonsack: Österreich
Bernd Hahn: Schweden
Horst Hörnlein: Großbritannien
Meinhard Nehmer: USA, Italien
Erich Enders: Italien
Bernd Möbius: Norwegen



 

- Bock, Wilfried und Frank Ullrich

 

 



Einen Einblick in die Situation im Biathlonsport vor und nach der Wende gibt das

>> Portrait von Henrich 'Henner' Misersky

 



Bock, Wilfried und Frank Ullrich



Eisschnellläufer Uwe Tonat:
"Wir nahmen Doping. Man sagte uns, es seien Vitamine. Ich nahm es, als ich jung war, bis ich wusste, was es war. Aber wir mussten es nehmen, andernfalls hätte man uns rausgeschmissen“.„Was uns auch misstrauisch machte, war, dass sie uns aufforderten: „Sagt nichts euren Eltern“.
FAZ, 11.12.2001

Wilfried Bock begann als Trainer in den den 1970er Jahren beim Polizei-Sportclub Dynamo Zinnwald, 1985 stieg er zum DDR Biathlon Verbandstrainer auf.

1974 verpflichtete er sich als Stasimitarbeiter, sein Deckname war "KLAUS BERGER". Bald stieg er zum Führungs-IM auf, als der er zehn Jahre lang andere Inoffizielle Mitarbeiter instruierte, darunter auch Biathlon-Staffel-Weltmeister Eberhard Rösch, später Wettkampfbeauftragter des DSV. (Deutschlandfunk, 2.4.2009). Bei Bock handelte es sich »um einen dicken Fisch der Staatssicherheit, einen sogenannten Führungs-IM, über zehn Jahre lang«, sagte Hubertus Knabe, Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen bei sport inside. Bock habe selbst andere Inoffizielle Mitarbeiter gelenkt und gesteuert, und sei fast so etwas wie ein hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter gewesen, so Knabe weiter. (brd-indo.net, 24.3.2009)

 

Nach der Wende erhielt Wilfried Bock eine Stelle als Nachswuchstrainer beim Deutschen Skiverband. 1991 musste sich der Verband wie andere auch mit der DDR-Dopingvergangenheit der ehemaligen DDR-Trainer auseinandersetzen, vor allem nachdem im Januar 1991 der deutsche Meister

Jens Steinigen die ehemaligen DDR-Trainer Frank Ullrich, Wilfried Bock und Kurt Hinze des aktiven Dopings beschuldigte. (der Spiegel, 4.2.1991).

Steinigen, 1985 Junioren-Weltmeister hatte im Aktuellen Sportstudio erklärt: "Im Herbst 1985 wurde uns im Trainingslager in Schweden, an dem die gesamte DDR-Auswahl teilnahm, von unseren Trainern - das waren Herr Hinze als Chef-Verbandstrainer und Herr Bock als Cheftrainer Biathlon - zusammen mit den Ärzten mitgeteilt, daß es in Zukunft notwendig sei, konzentriert trainingsunterstützende Mittel, also Anabolika, einzusetzen." "Bock und Ullrich haben mich im September 1986 regelrecht bedrängt, die entsprechenden Mittel zu nehmen." Biathlet Jürgen Wirth bestätigte die Vorgänge in Schweden (FAZ, 21.1.1991), die Skilangläufer Uwe Bellmann und Holger Bauroth berichteten ebenfalls über das Verbandsdoping.






Erschwerend hinzu kamen Ergebnisse der vom DSB eingesetzten ad-hoc-Kommission unter Leitung von Richthofens. Sie waren bezüglich der drei Trainer so gravierend, dass der Deutsche Sportbund beschloss die Ergebnisse samt einer negativen Empfehlung dem DSV zu unterbreiten. Justitiar Jochen Kühl vom DSB informierte am 19. Juni den Sportausschuss des Deutschen Bundestages entsprechend. Die ad-hoc-Kommission sei "nach mehreren Anhörungen zu der Überzeugung gekommen, dass im Skilanglauf und im Biathlon-Sport der ehemaligen DDR flächendeckend gedopt worden ist und hierüber alle Trainer, Ärzte und Funktionäre, die für die dritte Förderstufe der Leistungskader verantwortlich waren, informiert waren." Entsprechend der Erkenntnisse seien alle erwähnten Trainer, Ärzte und Funktionäre verantwortlich.

An den Deutschen Skiverband ging die Empfehlung, die Trainer Hinze, Bock und Ullrich nicht fest anzustellen, solange der Verdacht nicht ausgeräumt sei.

 

Hinze wurde noch bis zu den Olympischen Spielen 1992 gehalten und danach offiziell entlassen, er agierte im Hintergrund jedoch weiter. Die Trainer Ullrich und Bock behielten ihre Trainerstellen. (Ausführlicher siehe Wendezeit II: 1991)

Wilfried Bock musste aber 1992 seine Trainerplatz ebenfalls räumen nachdem seine intensive Stasitätigkeit bekannt wurde.

 

Im Jahr 2002 (oder 2006?) erhielt Bock eine neue Chance im Deutschen Skiverband als Trainer am Biathlon-Stützpunkt Altenberg/Sachsen. Der Skiverband Sachsen wusste dies zu schätzen und ehrte Wilfried Bock, den 'Altenburger Meisterschmied' im Oktober 2007 anlässlich des 100. Geburtstages des Verbandes als "sächsischen Trainer des Jahrhunderts" (biathlon-online.de, 7.10.20007).

 

Im Jahr 2009 ereilte Bock seine Vergangenheit erneut. Im Zuge der Diskussion um ehemalige DDR-Trainer, die sich vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking um Leichtathletiktrainer Werner Goldmann entzündete, gerieten auch die anderen ehemaligen DDR-Trainer, die in Diensten des DOSB bzw. der Olympischen Verbände standen, unter Druck. Näheres siehe unter der Fall Werner Goldmann und die Folgen.

Der ehemalige Biathlet Jürgen Wirth, der 1987 und 1988 zum DDR-Kader gehört hatte, und der bereits 1991 deutlich wurde, belastete in einem Beitrag der ARD-Sportschau Bock und Ullrich erneut. "Frank Ullrich hat uns damals angewiesen, dieses Mittel Oral-Turinabol einzunehmen, damit wir schneller wieder regenerieren, das heißt, schnellere Erholungsphasen haben und bessere Trainingsleistungen bringen können." ... "Wir haben dann die Tablette in den Mund genommen und sollten sie runterschlucken und sollten dann Zunge rausstrecken, das man es sieht, ob die Tablette noch im Mund ist." Auf die Frage: "Haben auch die Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock die Einnahme kontrolliert?", antwortete Wirth: "Die Trainer Wilfried Bock und Frank Ullrich haben die Einnahme kontrolliert, damit jeder wirklich diese Tablette nimmt." (die Zeit, 23.3.2009) Der Deutsche Skiverband setzte daraufhin eine fünfköpfige Kommission "DDR-Doping" ein.

>>> Abschlussbericht der Kommission „DDR-Doping" zu Frank Ullrich und Wilfried Bock, 26.7.2009





Stellungnahme:
3. Alle im sportlichen Umfeld der Spitzenathleten tätigen Personen mussten auf Grund der Art und Weise der Verabreichung dieser so genannten „Blauen Pillen" davon gewusst haben, dass es sich um etwas „Verbotenes" handelte. Darüber hinaus ist die Kommission davon überzeugt, dass zumindest die Chefverbandstrainer näher informiert gewesen sein mussten.

Kommissionsergebnis zu Wilfried Bock

Verbandstrainer Wilfried Bock war aktiv in die Verabreichung von Dopingmitteln involviert. Dies hat er bei seiner Vernehmung vor der DSV-Kommission auch einge­räumt. Nicht glaubhaft erscheint in diesem Zusammenhang seine Relativierung da­hingehend, dass er es jedem Athleten freigestellt habe, ob er die Mittel nehme oder nicht.

 

Empfehlung an das Präsidium:

„Auch wenn Wilfried Bock schon allein auf Grund seiner Verbandstrainerposition eine mit Frank Ullrich nicht vergleichbare aktive Rolle innehatte, sind dennoch straf- und dopingrechtliche Schritte verjährt.

 

Allerdings wäre es für die Kommission aus sportpolitischen Gründen bedenklich, wenn Bock weiterhin eine haupt- oder ehrenamtliche Funktion innerhalb des Deutschen Skiverbandes ausüben würde. Sie empfiehlt daher dem DSV-Präsidium, davon Abstand zu nehmen. Wilfried Bock bleibt es selbstverständlich unbenommen, in einem Verfahren vor der DOSB-Steiner-Kommission eine anderslautende Empfehlung zu erwirken.

 

Wilfried Bock musste Ende Oktober 2009 den Biathlonstützpunkt Altenburg als Trainer verlassen.

 

Frank Ullrich wurde 2010 Cheftrainer des Biathlon-Nachwuchses. 2012 übernahm er die Cheftrainer-Stelle von Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle.


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