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Doping im Radsport



Team Telekom/T-Mobile und Doping: Hier geht es zu den Jahren:

 
 
 
 


>>> Kurzversion - Überblick



2003 das Team Telekom und Doping - Schein und Sein

>>> das Team Telekom 2003, Fahrer und Teamleitung



spätere Geständnisse und mehr

Rudy Pevenage hatte mit Jan Ullrich das Team verlassen, sodass dessen vage Aussage zum Teamdoping bei Telekom im Jahr 2002 endet. Die ärztliche Betreuung jedoch lag weiterhin vor allem in den Händen der beiden Freiburger Ärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich.

 

Erik Zabel gibt 2013 Eigenbluttransfusionen zu: "Epo nicht mehr, die Tests waren mir inzwischen einfach zu gut. Es wurde bei uns im Team umgeschwenkt auf eine Alternative: Bluttransfusionen. Und ich muss das sagen: 2003 habe ich vor der Tour de France eine Re-Infusion bekommen." Cortison/Synacthen und D'Honts Finalfläschchen kamen ebenfalls zum Einsatz.

 

So gilt auch für 2003, was im Abschlussbericht der Expertenkommission zur Freiburger Sportmedizin festgehalten wurde: Über die Freiburger Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen aufgenommen hatte, waren den Kommissionsmitgliedern Aussagen von Sportlern zur Verfügung gestellt worden, die nach Meinung der Expertenkommission belegten, dass das teaminterne Dopingsystem bei Team Telekom/Team T-Mobile auch nach 2000 bzw. 2002 weiter bestand und ständig verfeinert worden war.

"So hat ein Radrennfahrer, der unter anderem 2003 für das Team Telekom und 2004 für das Team T-Mobile gefahren ist, bei seinen Vernehmungen vor dem BKA Aussagen über das Dopingsystem in den beiden Teams gemacht. Die Aussagen liegen der vom Universitätsklinikum Freiburg eingesetzten Kommission auf Grund der Akteneinsicht vor, die das Klinikum bei der Staatsanwaltschaft Freiburg erhalten hat." (S. 20) (s.a. FAZ, 27.10.2008)

 

"Professor Schmid und Dr. Heinrich waren entgegen ihren Angaben auch nach 1999 in Dopingaktivitäten verwickelt. Durch Zeugenaussage ist belegt, dass Radrennfahrer des Teams Telekom auch in den Jahren 2003 und 2004 von den beiden Ärzten EPO, Cortisonpräparate und Wachstumshormon erhalten haben. Auf Bitte von Professor Schmid wurde über den Gebrauch von Dopingmitteln gegenüber den übrigen Ärzten und anderen Rennfahrern Stillschweigen gewahrt. Weitere Hinweise auf Dopingmanipulationen ergeben sich aus der Langzeitanalyse von 58 800 Blutproben, die das Zentrallabor des Universitätsklinikums Freiburg im Auftrag der Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin in der Zeit von 1995 bis 2007 untersucht hat. Die Daten zeigen eine deutlich hohe Tendenz an Auffälligkeiten bei den Laborwerten von Hämoglobin, Hämatokrit und Retikulozyten von Telekom/TMobil-Radrennfahrern, die in Verbindung mit weiteren Erkenntnisquellen der Kommission auf Doping mit EPO-Präparaten oder Blutdoping bis einschließlich 2006 hindeuten." (S. 6)

 

Bestätigt wurde das teaminterne Doping nach 2002 auch durch die Staatsanwaltschaft Freiburg,

"Konkret bestanden bei Einleitung der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für den Anfangsverdacht, dass beide Beschuldigte die Radrennfahrer Jan Ullrich und Steffen Wesemann in den Jahren 2002 bis 2006, Rolf Aldag und Erik Zabel in den Jahren 2002 bis 2005 sowie Udo Bölts und Jens Heppner im Jahr 2002 mit jeweils einer EPO-Kur pro Jahr versorgt haben. Im Zuge der Ermittlungen hat sich darüber hinaus der -bestätigte- Verdacht ergeben, dass der Beschuldigte Prof. Schmid im Zeitraum Frühjahr 2003 bis Herbst 2005 an 5 nicht näher feststellbaren Tagen dem damals beim Team T-Mobile als Berufsradsportier tätigen Christian Werner jeweils eine Packung EPO mit je 6 Ampullen a 1000 IE im Wissen überlassen hat, dass Werner sich das EPO zur Leistungssteigerung selbst intravenös mit Einwegspritzen injizieren würde." (Staatsanwaltschaft Freiburg, Verfügung betreff Ludwig, Heinrich)

Ullrich war zwar 2003 nicht Mitglied des Teams Telekom, dennoch wurden Blutproben von ihm an der Universität Freiburg gefunden, dies geht aus der Befragung vor dem OLG Düsseldorf 2008 hervor.

"Anwalt Marel: "Bei der Uniklinik Freiburg soll es Blutwerte von Ihnen vom 2. April 2003 geben. Wissen Sie, ob Sie im Umfeld dieser Tage Kontakt zu Ärzten der Klinik hatten und ob Ihnen damals in Freiburg Blut abgenommen wurde?"

Ullrich: "Wenn ich mich richtig erinnere, kann das nicht möglich gewesen sein. Ein komplettes Nein. Was ich sicher sagen kann: zu diesem Zeitpunkt genommene Blutdaten hatten nichts mit Deutschland zu tun. ... "Ich möchte klarstellen, wenn von mir Blutwerte festgestellt waren, dass sie nicht in Zusammenhang mit Doping standen. Beim Team Coast gab es auch deutsche Ärzte, die mit der Uniklinik Freiburg zusammengearbeitet haben. Wenn es Blutproben gab, dann von Italien, wo ich Anfang April ein Rennen fuhr. Oder vom Trainingslager in Spanien, wo Proben vom Team genommen werden, um zu sehen, ob man gesund ist. Ansonsten könnte ich nur spekulieren, dass Teamärzte von Coast für die Uci Proben genommen haben, die in der Uniklinik Freiburg analysiert wurden." (sid/der Spiegel, 12.11.2008)

 

2007 wird der Freiburger Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier allerdings dahingehend zitiert, dass Ullrich in Freiburg nicht mit Dopingmitteln behandelt worden sei. Nähere Angaben fehlen aber (Berliner Zeitung, 2.11.2007). Die 2007 bekannt gewordenen fiktiven Patientendaten legen aber Vermutungen nahe, dass zumindest ab 2005 Jan Ullrich zu den in Freiburg betreuten Fahrern gehört haben könnte.

 

Im August 2013 gibt die USADA bekannt, dass Andreas Klier gestanden hat von 1999-2006 mit EPO, HGH, Cortison und Bluttransfusionen gedopt zu haben (USADA, 15.8.2013).

 

[>>> Geständnisse, Zeugenaussagen, Berichte]



Meldungen und Diskussionen 2003





Richard Pound, WADA:
"Im Radsport ist das Doping-Problem endemisch, die Doping-Kultur ist kontinuierlich gewachsen, in anderen Sportarten ist der Prozentanteil geringer. Selbst Verbandspräsident Hein Verbruggen sagt, dass man sich überlegen muss, was man will: dass die Profis die Tour mit 25 Kilometern pro Stunde fahren oder dass sie weiter mit 42 Stundenkilometern fahren, was ohne medizinische Unterstützung kaum möglich ist. Es soll Teams geben, wo der Wagen auf der Tour hinter den Fahrern herfährt und ihnen unterwegs eine Spritze setzt.
(die Welt, 6.7.2003)

Es wurde ein ruhiges Jahr für das Team Telekom. Jan Ullrich war gegangen und zog einen großen Teil der Medienaufmerksamkeit mit sich. Eine 'neue Lockerheit' hatte sich angeblich im Team breit gemacht, nachdem der hohe Erwartungsdruck weg war. Mit dem Thema Doping wurden sie konkret kaum behelligt. Im Februar wurde zwar bekannt gegeben, dass die Italienische Justiz in Folge der Doping-Razzia während des Giro d'Italia 2001 gegen 51 Personen Anklage erheben werde und Arzt Lothar Heinrich dazu gehörte (n-tv, 21.2.2003). Weitere Informationen hierzu sind mir jedoch nicht bekannt.

 

Die Dopingschlagzeilen machten andere. In den USA nahm die Balco-Affaire Fahrt auf, in deren Verlauf ein effektives und kriminelles Dopingnetzwerk auffliegen sollte und prominente Leichtahletinnnen und Leichtathleten des Dopings bezichtigt und überführt wurden. Im Fußball waren Sporting Lissabon, Olympique Marseille und Rio Ferdinand betroffen.

Die WADA kämpfte ihren Kampf mit der FIFA und der UCi, die sich beide bislang der Anerkennung des WADA-Codes verweigerten, und gewann

 

Der Radsport kam ebenfalls nicht zur Ruhe. U.a. geriet in Belgien Johan Museeuw mit weiteren Kollegen unter Verdacht. Der plötzliche Herztod des jungen französischen Fahrers Fabrice Salanson vor dem Start der Deutschlandtour ließ Fragen aufkommen und Jesus Manzanos Geständnis desillusionierte weiter.

Der deutsche Radsport blieb aber weitgehend, zumindest medial, unbehelligt.

 

Im Oktober konnten dann Jan Ullrich und Telekom, jetzt T-Mobile, ihre Wiedervereingung verkünden. Jan Ullrich unterschrieb einen 3-Jahresvertrag (mtb-news/forum, FAZ, 6.10.2003), der dann allerdings etwas abrupt endete.



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