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Operacion Puerto



Nach Bekanntwerden des Ausmaßes der Operacion puerto und den damit verbundenen Ausschlüssen von Fahrern von der Tour de France 2006 gab es heftige Vorwürfe von verschiedenen Seiten gegenüber der UCI. Insbesondere der französische Sportminister Jean-François Lamour warf dem Radsportweltverband vor, zu zögerlich in Dopingfragen zu handeln und viel zu wenig Trainingskontrollen durchzuführen (cyclingnews.com, 20.4.2006).

Pat Mac Quaid antwortete dem Minister und Richard Pound, WADA-Präsident, mit dem die UCI ständig über Kreuz lag, mit einem Offenen Brief.



Offener Brief von Pat McQuaid an Lemour und Pound, 3.7.2006




Das Original: hier

Die deutsche Übersetzung, von badorties:

 

03.07.2006

Offener Brief an die Herren Jean-François Lamour und Richard Pound

 

Die UCI hat die Kommentare der Herren Jean-François Lamour, französischer Sportminister, und Dick Pound, Präsident der WADA, am Wochenende zur Kenntnis genommen. Zu diesen möchte ich gerne Stellung nehmen, da ich in beiden Fällen deutlich der Meinung bin, daß sie ungerechtfertigt waren.

 

Es soll kein Zweifel darüber entstehen, daß die UCI als Erste die sogenannte „spanische Affäre“ als Skandal und Fiasko für den Radsport ansieht. Die UCI wird sich damit beschäftigen.

 

Dennoch frage ich mich, ob das Zerschmettern der UCI in alle Einzelteile der effektivste Weg sei, um den Kampf gegen das Doping unter diesen dramatischen Umständen voranzubringen

 

Ich möchte den Minister daran erinnern, daß er, anstatt Bemerkungen zu machen über nicht im Wettkampf vorgenommene Kontrollen, lieber konkretisieren sollte, wie er die Testmethoden verbessern will, so daß diese spezielle Art der Bluttransfusion aufgedeckt werden kann. Tatsächlich sind die Fahrer, die in die Operation Puerto verstrickt sind, mehrere Male getestet worden, auch im französischen Labor in Châtenay-Malabry, sowohl während, als auch außerhalb von Wettkämpfen und immer mit negativem Ergebnis.

 

Einige der prominentesten Fahrer, die in der Affäre genannt wurden, sind von der UCI, der WADA und den nationalen Anti-Doping Organisationen mehrmals im Mai und Juni 2006 getestet worden. Die WADA hat im Jahr 2005 189 Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen durchgeführt. Ein Ergebnis war positiv (auf EPO, nicht auf Bluttransfusionen). Alle bekannten Ergebnisse von 2006 waren negativ. Und was war noch gleich mit den Kontrollen, die außerhalb von Wettkämpfen in Frankreich durchgeführt wurden? Offensichtlich hat der Herr Minister seine Antwort schon vergessen, die er, unter anderen politischen Umständen, Mr Le Fur im französischen Parlament am 21.März 2006 gegeben hat:

„Der Radsport ist immer noch der meistkontrollierte Sport, wegen der hohen Anzahl an Wettkämpfen in Frankreich und auch wegen der wohlwollenden Anti-Doping Politik der UCI.“

 

Demzufolge kann keine Anzahl der außerhalb von Wettkämpfen durchgeführten Kontrollen dazu beitragen, die Praktiken zu identifizieren, die in Spanien benutzt wurden: Diese sind durch Doping-Kontrollen einfach nicht feststellbar.

 

Es war die UCI, mit Hilfe der Informationen, die durch ihr einmaliges Blutkontrollprogramm zusammengetragen wurden, die dem spanischen Sportminister Jaime Lissavetsky 2004 und noch einmal am 23. März dieses Jahres schrieb, ihre Sorge zum Ausdruck bringend, daß Blutdopingpraktiken weitflächig in Spanien angewendet würden und seine Unterstützung anforderte, um an die Wurzel des Problems zu gelangen. Es ist eben jene pro-aktive Politik der UCI, welche die Aktionen vom 23. Mai ermöglichte und nicht irgendwelches Drängen des Ministers.

 

Und ich möchte den Minister ebenso daran erinnern, daß es der Ethik-Code der UCI Pro-Tour Teams war, die den Teams Entscheidungen wie am letzten Freitag ermöglicht, daß Fahrer, die in der Affäre genannt wurden, zurückgezogen werden können.

 

Als die Fahrer schließlich den Minister fragten, warum er zusammen mit seinem spanischen Kollegen darauf bestand, daß nur die Namen der Radfahrer veröffentlicht würden und nicht die der anderen involvierten Athleten, warum gab der Minister darauf keine Antwort? Wenn, wie einige Pressemeldungen vermuten lassen, 200 Namen involviert sind, warum gibt es kein adäquates Interesse an den anderen 140 Namen und jenem Dopingproblem, das möglicherweise mit ihnen verbunden ist?






Was Herrn Pound betrifft, so möchte ich ihn an folgendes erinnern: Am 12. April dieses Jahres haben Sie, zusammen mit 3 Ihrer Kollaborateure, einen ganzen Tag in unseren Büros verbracht, um sich die Präsentationen der UCI Anti-Doping Bemühungen anzusehen, nach den vielen irreführenden Äußerungen, die Sie in den letzten Jahren über den Radsport und die UCI gemacht hatten. Dies hatte zur Folge, daß Sie beinahe auf alle diese Äußerungen zurückkommen mußten und einen offenen Brief an die Zeitung Guardian schrieben und Teile eines Interviews, das Sie ihr gaben, zurückgezogen haben.

 

Nochmals Mr. Pound, wieso können die Praktiken in Spanien unter dem Radar der WADA vonstatten gehen ohne entdeckt zu werden? Wieso wurden im Welt-Anti-Doping-Code und in nationalen Gesetzen keine effektiven Mechanismen gegenseitiger Unterstützung zwischen Sportbehörden und Rechtsbehörden eingebracht?

Es ist seit einigen Gerichtsprozessen nur zu gut bekannt, daß einige Formen des Dopings nur mit Polizeimethoden aufgedeckt werden können. Ich denke, es stünde Ihnen und Mr. Lamour besser, die Sportbehörden zu unterstützen, anstatt sich durch billige Anschuldigungen Popularität zu erheischen.






Ich finde es ebenso sehr interessant, daß diese negativen Kommentare von zwei Personen kommen, die kürzlich von einem unabhängigen Ermittler beschuldigt wurden, ethische Regeln gebrochen und einen ernsthaften Verstoß gegen den WADA Code begangen zu haben, wo beide sich weigerten mit diesem Ermittler zusammenzuarbeiten.

 

Kommentare von solchen Personen sollten überlegter und hilfreicher sein und nicht aus politischem Kalkül getätigt werden.

 

Hochachtungsvoll,

 

Pat McQuaid

UCI Präsident



Das Original: Open letter to Messrs Jean-François Lamour and Richard Pound

Press

03/07/2006: Open letter to Messrs Jean-François Lamour and Richard Pound

 

The UCI has taken note of comments made by Messrs Jean-Francois Lamour, French Minister of Sport, and Dick Pound, president of WADA, over the weekend and I would like to respond to them as I feel strongly that, in both cases, they were completely unjustified.

 

Let there be no doubt that the UCI is the first one to accept that this so-called “Spanish affair” is a scandal and a disaster for cycling. UCI will deal with that.

 

Yet I wonder whether blasting to bits the UCI is the most effective way to further the fight against doping in these dramatic circumstances.

 

I would like to remind the Minister that instead of making loose remarks on out-of- competition controls he should be coming up with concrete recommendations as to how he might improve the testing methods so that the kind of blood transfusion that was allegedly administered may be detected. The fact of the matter is that the riders implicated in Operation Puerto have been tested many times, including in the French laboratory in Châtenay-Malabry, both within and out of competition and have always proven negative.

 

Some of the most prominent riders that are named in the affair have been tested by UCI, by WADA and by national anti-doping organizations several times in the months of May and June 2006. WADA has conducted 189 out-of-competition tests on cyclists in 2005. One result showed positive (for EPO, not blood transfusion). All known results for 2006 are negative. And what about the number of out-of-competition tests that have been conducted in France? Apparently the Minister has forgotten about his answer – in other political circumstances – to Mr. Le Fur of the French Parliament on 21 March 2006: “Cycling still is the sport that is controlled most because of the high number of competitions in France and also because of the voluntaristic anti-doping policy of the UCI”.

 

So no amount of out-of-competition controls would have assisted in identifying the practises being utilised in Spain: these are simply not detectable by doping controls.

It was the UCI through the information gleaned from its unique blood control programme who wrote to the Spanish Minister of State for Sport Mr Jaime Lissavetsky in 2004 and once again on March 23rd of this year expressing its concern that blood doping practises appeared widespread in Spain and asking for his assistance in getting to the root of the problem. It is this pro-active policy of the UCI which has assisted in the actions of May 23rd and not any insistence of the Minister.

 

And I would also like to remind the Minister that it was the Code of Ethics of the UCI ProTeams which enabled the Teams to take the decision which they decided to take last Friday to withdraw cyclists named in this affair.

 

Finally, when the riders asked the Minister why he insisted with his Spanish colleague that only the names of cyclists be made public and not those of any other athletes involved, why did the Minister not answer? If, as some press statements suggested, 200 names were involved, why is there no such interest in the 140 other names and any doping problem that possibly might be related to them?

 

In relation to Mr Pound, I would like to remind him of the following. On April 12 of this year you, along with 3 of your collaborators, spent a full day in our offices to view presentations on all UCI anti-doping efforts, after many misleading statements you had made on cycling and the UCI in recent years. As a result, you had to come back on virtually all of the statements and had to write an open letter to the Guardian newspaper in London retracting elements of an interview you gave them.

 

Again Mr Pound why is it that the practises in Spain can go on under the radar of WADA without detection? Why not have made included in the World Anti-Doping Code and in national legislations effective mechanisms of mutual assistance between sporting authorities and judicial authorities? It is well known from various court cases that some forms of doping can be detected with police methods only. I think you and Mr. Lamour would be far better served trying to assist the sports authorities instead of taking cheap shots geared towards shaping your own popularity.

I also find it extremely interesting that these negative comments should come from 2 people who have recently been charged with breaking ethical rules and a serious breach of the WADA Code by an independent investigator, both of whom refused to cooperate with that investigator.

 

Comments from such persons should be more considered, more supportive and not made for political gain.

 

Yours sincerely,

Pat McQuaid

UCI President


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