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U23 - Mock List 2009, Plätze 20 - 11



Platz 20: Tejay van Garderen




Tejay van Garderen

USA

12.08.1988

 

Durch den kometenhaften Aufstieg von Taylor Phinney geriet Tejay van Garderen im Jahr 2009 beinahe aus dem Fokus, dennoch unterstrich der in Tacoma, WA geborene Amerikaner mit einer Vielzahl von starken Resultaten seine Ausnahmestellung im amerikanischen Nachwuchsbereich. Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich die Seriensieger vom Team Columbia die Dienste von van Garderen für die Saison 2010 gesichert haben. Sicherlich ein Verdienst seiner Vielfältigkeit, die er auch 2009 noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte.

 

Bei seiner angesprochenen Vielseitigkeit also auch kein Wunder, dass der durch die Trainingsbasis der Amerikaner in Izegem und seine Tätigkeit bei Rabobank CT, auf Pflastersteine gestählte van Garderen bereits Anfang März beim Vlaamse Pijl (1.2) in der Spitzengruppe war, die nachher den Sieg unter sich ausmachen sollte. Den ordentlichen siebten Platz von Harelbeke sollte TvG dann auch in Kroatien bei der Istrian Spring Trophy (2.2) bestätigen können. Das kleine Örtchen Motovun bot am Ende mit einem fürchterlichen Kopfsteinpflasteranstieg durch die Altstadt die richtige Plattform für den siebten Platz in der Tageswertung. In der Gesamtwertung wurde van Garderen schließlich Sechster.

In der Folgezeit sollte es nicht allzu rund laufen für den Amerikaner. Die Settimana Lombarda und die Presidential Tour of Turkey konnte er jeweils nicht beenden. Dennoch nur eine kurze Durststrecke, denn bereits Anfang Mai zeigte er bei der Tour du Haut Anjou (2.2U) wieder, warum man derzeit so große Stücke auf ihn hält. Auf der ersten Etappe erwischte der Amerikaner die richtige Gruppe und wurde im Tagesziel in Segré Zweiter. Einen Tag später beim Zeitfahren von Azé belegte van Garderen dann den dritten Platz und eroberte das Trikot des Gesamtführenden, welches er bis zum Ende der Rundfahrt auch nicht wieder abgeben sollte. Die gute Form konservierte er gleich noch für ein paar Tage und gewann mit seinem Team Rabobank bei der Olympia's Tour (2.2) das Mannschaftszeitfahren in Amsterdam und die fünfte Etappe. So stand am Ende der dritte Gesamtrang hinter seinem Teamkollegen Jetse Bol und Joost van Leijen.

Beinahe vorzeitig gestoppt wurde seine Saison dann Anfang Juni bei einem schweren Trainingsunfall in der Nähe von Lucca, als Tejay mit einem Fahrzeug kollidierte und glücklicherweise neben ein paar Wunden und Prellungen nur ein komplett zerstörtes Rad zu beklagen hatte. Offenbar war dies Motivation genug, um sich in der Folgezeit bei gleich zwei Rennen wieder äußerst stark zu präsentieren. Nach dem zweiten Platz im Vorjahr sollte diesmal beim spanischen Circuito Montañes (2.2) der Gesamtsieg eingefahren werden. Ein Vorhaben, dass sich schließlich auf der Königsetappe nach Santo Toribio auch umsetzen ließ. Van Garderen belegte den zweiten Platz hinter Sergio Pardilla und übernahm so die Gesamtführung, die er auch auf der letzten Etappe nicht wieder hergeben wollte. Die starke Form sollte er direkt zum dreitägigen Bergspektakel Tour des Pays de Savoie (2.2U) mitnehmen, bei der nach zwei Bergankünften und drei Top Ten Platzierungen der zweite Gesamtrang hinter dem Luxemburger Ben Gastauer herausspringen sollte.

Seine wohl stärkste Leistung im Jahr 2009 sollte Tejay van Garderen bei der wichtigsten U23 Rundfahrt, der französischen Tour de l'Avenir (2.NC) zeigen. Auf der sechsten Etappe von Château-Salins nach Gérardmer zeigte sich Tejay ganz vorne und musste sich nur Romain Sicard und Timofey Kritskiy geschlagen geben, die sich kurz vor dem Ziel aus einer kleineren Gruppe gelöst hatten. Somit sttand van Garderen vor dem entscheidenden Zeitfahren auf dem dritten Gesamtrang. Auf den, durch einen Anstieg selektiven 27 Kilometern zeigte sich van Garderen enorm stark und musste sich nur Romain Sicard geschlagen geben, der drei Sekunden schneller war als der Amerikaner. Durch einen Sturz Kritskiys verbesserte sich van Garderen auf Rang Zwei und um ein Haar hätte er die Rundfahrt auch noch fast gewonnen. Auf der letzten Etappe, einem Rundstreckenrennen, wurde Romain Sicard wegen unerlaubter Materialhilfe durch ein fremdes Team mit einer zwei Minuten Strafe belegt. So war es am Ende nur noch eine Sekunde, die die beiden trennte.

 

Kaum ein Team fährt so vielgleisig, wie das Team Columbia. Eine Tatsache, die wie gemacht scheint für Tejay van Garderen, der sich sowohl im Hochgebirge zurecht findet, bei Zeitfahren auftrumpfen kann und auch nicht davor zurückschreckt, an Flanderns steilsten Hügeln vorne rein zuhalten. Dazu kommt sicherlich auch, dass er eines der größten Talente des amerikanischen Radsports ist. Eines, dass dank exzellenter Förderung auch bei den Profis seinen Weg machen sollte. Wer hätte das gedacht, als ihn das Team Rabobank 2008 aufgrund von ein paar Filialeröffnungen in Kalifornien unter Vertrag nahm?

 

nominated by Ocaña, presented by Ocaña



Platz 19: Peter Kennaugh



Peter Kennaugh
© ciclismoweb.net

Peter Kennaugh

Großbritannien

15.06.1989

 

Die Sonderrolle der Isle of Man im British Empire und die damit verbundenen Steuervorteile sind hinlänglich bekannt. Offenbar scheint auf dieser Insel jedoch auch etwas zu wachsen, was Radsportler besonders schnell macht. Denn während die Karriere der „Manx Missile“ Mark Cavendish in dieser Saison eine neue Raketenstufe gezündet hat, steht mit Peter Kennaugh schon der nächste Manxman in den Startlöchern.

Als Peter Kennaugh am 15.06.1989 in Dougals auf der schon erwähnten Isle of Man geboren wurde, stellte seine Familie schon sehr früh die Weichen auf den Radsport. Bereits nach vier Tagen schleppte man den kleinen Peter mit zu einem Madison Rennen. Dennoch war das erste Arbeitsgerät Kennaughs ein BMX-Rad, das er sehr bald gegen ein Mountain-Bike eintauschte. Dennoch bleib auch dies nur ein kurzer Augenblick und Peter entdeckte die Straße für sich. Bereits mit neun Jahren fuhr er seine ersten Rennen, so z.B. in der Scottish Provident League. Im Alter von 15 kam es dann zur endgültigen Entscheidung, dass mit dem Rad Geld zu verdienen ist und so intensivierte Kennaugh sein Training und bereits 2005 gewann er in Großbritannien die ersten Rennen.

 

Dass in Kennaugh ein enormes Potential vorhanden ist, zeigte der Brite dann 2006, als er sich bei diversen britischen Juniorenrennen in Szene setzen konnte und Dritter bei den britischen Juniorenmeisterschaften wurde. Noch viel erfolgreicher präsentierte sich Kennaugh dann auf der Bahn. Bei den Juniorenweltmeisterschaften in Gent griff der damals 17-Jährige den Titel im Scratch ab und auch bei den britischen Bahnmeisterschaften belegte er hervorragende dritte Plätze in den Teildisziplinen Scratch, Punkterennen und Teamverfolgung.

 

Den 2006 verpassten Titel bei den Juniorenmeisterschaften holte Kennaugh dann 2007 in Heckfield nach und auch im Einzelzeitfahren setzte er sich als Vizemeister gekonnt in Szene. Doch auch international ließen erste Erfolge nicht lange auf sich warten. In Koksijde belegte Kennaugh bei der dreitägigen Rundfahrt Keizer der Juniores auf zwei Etappen den zweiten Platz und konnte damit die Gesamtwertung für sich entscheiden. Hinzufügen konnte er auch noch zwei Europameistertitel auf der Bahn in Cottbus, sowie nationale Bahnerfolge. Außerdem konnten er und Adam Blythe beim UIV Cup in Gent triumphieren.

 

Im Jahr 2008 bildeten er und sein Partner Jonathan Bellis bei den UIV Cups dann ein Manx Duo und gewannen in Berlin und Kopenhagen. Außerdem fuhr er auch mit Mark Cavendish zusammen bei den Britischen Meisterschaften im Madison zum Titel. Der schon reich mit Bahnehrungen dekorierte Peter Kennaugh sollte jedoch auch auf der Straße auf sich aufmerksam machen. Sein erstes vorzeigbares Ergebnis erreichte er im Juni beim GP Wales (1.2) mit einem zweiten Platz hinter Russell Downing. Diese Platzierung sollte er auch nur wenige Tage später bei den britischen Meisterschaften in Helmsley wiederholen. In Italien begann dann die Zeit des Siegens. Im August gewann Kennaugh zunächst die Trofeo Bastianelli (1.2) solo vor einer Verfolgergruppe und nur wenige Tage später folgte ein Sieg beim schweren GP Capodarco (1.2) mit einem unwiderstehlichen Antritt am Schlussanstieg vor Simon Clarke und Dmitry Sokolov.

 

Wie schon in den Vorjahren frequentierte Kennaugh im Winter die Bahn und gewann mit dem britischen Olympia-Vierer als „Ersatzmann“ für Bradley Wiggins den Wettbewerb in Kopenhagen. Zu einem Wiedersehen mit Mark Cavendish kam es dann im Madison bei den Weltmeisterschaften im polnischen Pruszków. Cavendish als frisch gebackener Sieger von Mailand – San Remo wurde jedoch nie aus den Augen gelassen und so stand am Ende ein ernüchternder sechster Platz für das Duo von der Isle of Man. Mit dem Ende der Bahnsaison begann für Kennaugh erneut das Straßenabenteuer. GP della Liberazione (1.2u) und Giro del Friuli-Venezia-Giulia (2.2) brachten ordentliche Ergebnisse. Seinen ersten Sieg der Saison feierte Kennaugh dann jedoch im Juni. Beim Baby Giro (2.2) gewann der Brite die Bergankunft in Asiago im Sprint einer kleinen Spitzengruppe. Und auch bei der schweren Bergankunft am Cippo konnte Kennaugh seine Vielseitigkeit mit dem sechsten Rang noch einmal unterstreichen. Dieses Resultat brachte Kennaugh in der Gesamtwertung in eine starke Ausgangssituation vor der letzten Etappe. Nur elf Sekunden trennten ihn vom Führenden der Gesamtwertung Manuele Caddeo. Auf den letzten gut 155 Kilometern von Cavriglia nach Gaiole in Chianti warteten die „Strade Bianchi“ und Peter Kennaugh wollte seine Chance nutzen. Trotz couragierter Fahrweise war es am Ende ein Reifenschaden, der ihn wohl um den Gesamtsieg brachte. Dennoch schlug für Kennaugh mit Rang drei das Podium bei diesem prestigeträchtigen Rennen zu Buche. Genauso wie auch bei den britischen Meisterschaften in Abergavenny nur eine Woche später. Sein starkes Jahr rundete Kennaugh dann im August noch einmal mit Top Ten Platzierungen bei Trofeo Bastianelli (1.2) und dem GP Citta di Felino (1.2) ab.

 

Schon jetzt mit 20 Jahren legt Peter Kennaugh eine erstaunliche Vielseitigkeit an den Tag. Zum einen überzeugt er in den Ausdauerdisziplinen auf der Bahn und ist dort mit diversen Titeln dekoriert. Zum Anderen gelingt es ihm auch auf der Straße bei schweren Rennen Erfolge zu feiern. Hügelige Klassiker, ja sogar Bergankünfte liegen dem Briten von der Isle of Man, der in der Saison 2010 für das neu gegründte britische Team Sky als Neoprofi fahren wird und dort auf starke und erfahrene Teamkollegen treffen wird, die ihm das erste Jahr als Profi erleichtern werden.

 

nominated by Offi, Ocaña; presented by Ocaña



Platz 18: Sacha Modolo



Sacha Modolo
© Karl-Heinz Lutz

Sacha Modolo

Italien

18.06.1987

 

Wie auch Marzio Bruseghin ist Sacha Modolo ein Kind der Proseccostadt Conegliano und somit einer von vielen Radsportlern, die aus dem Veneto stammen. Dass Modolo großes Talent mitbringt die Tradition starker Eintagesfahrer aus Venetien fortzusetzen, hat er in seiner Junioren- und auch U23-Zeit bereits mehrfach bewiesen und konnte in jedem Jahr mehrere Rennen gewinnen.

 

Mit mehreren Siegen in in der Schüler- und dann auch in der Juniorenklasse in den Jahren 2002 bis 2005, avancierte Modolo sehr schnell zu einem begehrten Fahrer. Mindestens sechs Siege konnte Modolo in jedem dieser Jahre verbuchen, außerdem wurde er 2004 Dritter bei den italienischen Meisterschaften der Junioren. So wurde Modolo, bereits mit ersten Vorschlusslorbeeren dekoriert, dann 2006 Fahrer für das italienische Team Zalf Désirée Fior, welches im italienischen U23 Bereich für hohe Qualität steht und den jungen Sportlern in ihrer Entwicklung immens hilft. Dass diese Arbeit ihre Früchte trägt, sollte Modolo bereits in seiner ersten Saison bei Zalf beweisen. Im Juli 2006 gewann er den Giro del Casentino (1.2) im Sprint gegen seinen damaligen Teamkollegen Marco Bandiera und gegen Luca Fioretti, die beide ganze drei Jahre älter sind. Auch beim Rennen Cavaso del Tomba ganz in der Nähe seiner Heimatstadt konnte Saka auf „seinen Straßen“ siegen. Straßen auf denen er übrigens am liebsten mit Fahrern wie Mirco Lorenzetto oder Franco Pellizotti zu Trainingsfahrten aufbricht.

 

Seinen Ergebnisaccount eröffnete Modolo dann 2007 im März mit einem Sieg bei der Coppa San Bernardino (1.12), die er mit der Hilfe seines damaligen Teamkollegen Enrico Cecchin im Sprint gewinnen konnte. Ende April belegte Modolo dann beim GP Liberazione (1.2U) den elften Platz. Dabei siegte er im Sprint des Hauptfeldes und es fehlten nur zwei Sekunden zu den Ausreißern. Vermutlich hätte Modolo dieses Rennen sonst auch gewonnen. Siegreich war Saka dann wieder im Juni beim GP Industria e Commercio, außerdem siegte Modolo dann auf der dritten Etappe des Giro delle Valli Cuneesi in Fossano in einem Massensprint. Erwähnenswert ist übrigens auch, dass Modolo sich den Sprintposten im Team zumeist mit dem heutigen Liquigasprofi Daniel Oss teilte, der ihm beim Circuito dell'Assunta Mitte August auch den Sprint zum Sieg anzog. Das Jahr rundete Modolo dann mit einem weiteren Sprintsieg beim GP Industria del Cuoio e delle Pelli ab. Dort verwies er Francesco Ginanni und Maksym Averin auf die Plätze.

 

Bereits im Februar zeigte sich Modolo wie es sich für einen ordentlichen Ganzjahresfahrer gehört bei der Coppa San Geo (1.2) auf dem Podium. Nur Michele Merlo und Andrea Grendene waren schneller. Das Jahr 2008 sollte der schnelle Mann aus dem Veneto dennoch recht früh wieder mit einem Sieg für sich eröffnen. Bei der Piccola Sanremo (1.12) stahl sich Modolo mit seinen beiden Teamkollegen Brambilla und Tassinari in eine Gruppe von sechs Fahrern. Aus dieser war es dann kein Problem mehr für Modolo den Sprint zu gewinnen. Auch beim Memorial Danilo Furlan bewies Modolo seine Schnelligkeit mit einem deutlichen Sieg vor Pavarin und Busato. Rund um Marcialla gewann der Italiener auch noch die Trofeo Matteotti für U23 Fahrer vor Simone Ponzi.

Einen äußerst erfolgreichen Sommer hatte Modolo dann mit zwei Siegen in zwei Tagen. Zum einen gewann er den Circuito Notturno in seiner Region und den GP Cementizillo in Este bei Padua. Zwei schnelle Kurse, die dem Sprinter natürlich sehr entgegen kamen. Wiederrum wenige Tage später schlug dann beim Giro delle Valli Cuneesi wieder das Duo Modolo/Oss zu und Saka gewann die erste Etappe in einem Massensprint. Außerdem verteidigte Modolo beim GP Industria del Cuoio e delle Pelli seinen Vorjahressieg vor dem eigenen Teamkollegen Daniel Oss und Oleg Berdos. Erwähnenswert ist in jedem Fall auch der hervorragende vierte Platz beim schweren Giro del Canavese (1.2U), bei dem Modolo sich bis kurz vor Ende in der entscheidenden Gruppe aufgehalten hatte und erst kurz vor Ende das siegreiche Trio hatte ziehen lassen müssen.

 

Im Gegensatz zu Daniel Oss, dem Modolo 2008 ebenso zu einigen Siegen verholfen hatte, blieb Saka für ein letztes Jahr bei Zalf Désirée Fior. Ein erneut nach Siegen sehr erfolgreiches und so ist ja auch wenig verwunderlich, dass Modolo bereits von einigen als „Il Cannibale“ bezeichnet wird. Nach dem ersten Saisonsieg beim Circuito Internazionale di Caneva, gewinnt Saka auch den Giro Belvedere di Villa di Cordignano (1.2U) vor Nicola Boem und Matteo Collodel, die sich mit Modolo in einer vierköpfigen Spitzengruppe befanden. Im Sprint hatte dann keiner der anderen Fahrer etwas gegen Modolo zu bestellen. Seinen Siegeszug setzte Modolo dann in Rom fort. Beim GP della Liberazione (1.2U) bewies er auf dem nur sechs Kilometer langen Rundkurs rund um die Terme di Caracalla bei einer wie immer wahnsinnigen Tempojagd seine Sprintstärke und gewann recht souverän vor Michael Matthews und Francesco Lasca. Seine zweite Saisonhälfte sollte Modolo dann mit einem dritten Platz bei den Europameisterschaften im belgischen Hooglede-Gits beginnen. Dort waren nur Lokalmatador Kris Boeckmans und der Pole Jaroslaw Marycz noch schneller als Saka. Siegreich ging es dann beim GP Site Marchiol wieder zu. Zwei weitere Siege aus zwei weiteren Sprintentscheidungen dazu und man bekommt den nach Ergebnissen erfolgreichsten U23 Fahrer Italiens für die Saison 2009.

 

Auch wenn Modolo bei dem von den Italienern als zu schwer für ihn eingestuften WM-Rennen in Mendrisio nicht starten wird, hat er sich in den letzten Jahren als der beständigste italienische Eintagesfahrer erwiesen, der immer dann zur Stelle war, wenn es schnell wurde. Sollte Sacha Modolo seine Siegquote als Profi im Jahre 2010 beim Team CSF Group - Navigare fortsetzen können, steht einer rosigen Zukunft nichts im Wege. Bei Massensprints wird auf den schnellen Mann unbedingt zu achten sein.

 

nominated by gardener, Ocaña; presented by Ocaña



Platz 17: Leigh Howard



Leigh Howard
© LinaM

Leigh Howard

Australien

18.10.1989

 

In der nahen vergangenheit war immer das Rabobank Continental Team das Reservoir der größten Talente. Das australische Team AIS ist wesentlich kleiner als die Niederländer, von der Talentquote ist man aber sicher ebenbürtig.

Einer der erfolgreichsten Exponente dieser Bahnspezialisten, die ihr Talent auch auf der Straße umsetzen, ist Leigh Howard. Wie seine Teamkollegen feierte er zu Beginn seiner Karriere seine Erfolge vor allem auf der Bahn. Howard feierte sogar einen besonders bemerkenswerten Erfolg. Im Alter von 15 Jahren trat Howard 2005 bei den nationalen Bahnmeisterschaften an. Es gab damals sechs verschiedene Wettbewerbe:

das 500m Zeitfahren, den Sprint, den Scratch, den Team Sprint, die Einer- und die MannschaftsverfolgungLeigh Howard gewann:

das 500m Zeitfahren, den Sprint, den Scratch, den Team Sprint, die Einer- und die Mannschaftsverfolgung

Anders gesagt; Leigh Howard gewann alle Titel. Im Bahnradsportland Australien gab es so etwas noch nie. Den siebten nationalen Titel errang der Australier auf der Straße im Zeitfahren. Im November des gleichen Jahres schlug der gerade 16 Jährige in nationalen Bahnsprint Wettkämpfen Ben Kersten und den regierenden Olympiasieger Ryan Bayley. Zu dieser Zeit war Howard noch nicht einmal Junior!

 

Als Junior hatte Howard dann auch die Chance seine ersten Wm Titel zu erringen. Dies gelang sowohl 2006 als auch 2007 in der Mannschaftsverfolgung mit Jack Bobridge und Travis Meyer sowie Cameron Meyer 2006 und Glen O’Shea 2007. In Einzeldisziplinen reichte es nicht zu Titeln. Howard legte seinen Fokus auch stets mehr auf die längeren Distanzen.

 

Der Umstieg in die U23 Kategorie verlief auf der Bahn nicht ohne Schwierigkeiten. Auf der Bahn schaffte Howard nicht den Sprung in ein Verfolgungsaufgebot. In den Kurzzeitrennen hatte er sowieso keine Ambitionen mehr. In der neuen Disziplin Omnium konnte er seine Vielseitigkeit doch noch in eine Medaille ummünzen. Hinter Hayden Godfrey gewann er Silber.

Silber gab es auch dieses Jahr bei der Bahn WM in Pruszkow gleich zwei Mal. Er schaffte den Sprung in den Bahnvierer, der nur von Dänemark geschlagen wurde. Mit Cameron Meyer musste sich Howard erneut den Dänen geschlagen geben. Niemand war hingegen in der Lage den 19 Jährigen im Omnium schlagen, was den ersten WM Titel bei den Männer zur Folge hatte. Leigh Howard ist also im zarten Alter von 19 Jahren bereits Weltspitze auf der Bahn.

 

Diese Weltklasse gilt es jetzt auf die Straße umzusetzen. Die Anfänge hierzu gibt es schon seit Längerem. Im ersten U23 Jahr, 2008, brachte Leigh Howard es auf zwei Siege im Sprint. Er gewann die zweite Etappe der Tour de Berlin (2.2U) und die Coppa Colli Briantei (1.2), welche seinen ersten Profisieg markierte. Erwähnenswert war auch der dritte Platz im Sprint der ersten Etappe bei der Herald Sun Tour (2.1). Nur die Profis Goss und Cooke schlagen den damals fast 19 Jährigen.

 

Die Reise Richtung Weltklasse auf der Straße ging dieses Jahr einen Schritt weiter. Leigh Howard gewann drei Etappen der Tour of Japan (2.2), eine als Ausreißer auf den letzten Kilometern und zwei im Massensprint. Damit gewann er alle Flachetappen.

Dass es gar nicht unbedingt topfeben sein muss, zeigte der Australier bei der Thüringen – Rundfahrt (2.2U) auf der ersten Etappe rund um Erfurt. Mit Kruiswijk und Denifl rundete Howard eine Flucht auf welligem Terrain erfolgreich ab. Howard gewann die Etappe, konnte sich aber im Gegensatz zu seinen Fluchtgefährten nicht in der Gesamtwertung behaupten.

Bei der WM hingegen schien es als müsse man nicht auf den Sprinter achten. Zu schwer ist der Kurs und zu schwach ist Howard im Zeitfahren.

Gerade in den letzten Wochen allerdings zeigte Howard, dass er sich im hügeligen Gebiet enorm verbessert hat. Bei der Slowakei – Rundfahrt (2.2), bestehend aus vier Hügeletappen und einem Zeitfahren, beendete er das Rennen jedes Mal mit den Besten. Auf der Königsetappe wurde er Zweiter hinter Pasquale Muto, ansonsten war er einer von ganz weniger Fahrern, die das Ziel immer mit dem kleinen Feld sahen. Auch im Zeitfahren schlug er sich als Siebter gut. Obwohl der Australier im Sprint eher enttaeuschte, konnte er auf der letzten Etappe durch Zeitbonifikationen Stefan Schäfer den Gesamtsieg noch entreißen.

Nur zwei Tage später gewann er in Italien ein unklassifiziertes Elite Rennen auf einem mittelschweren Kurs. Mit Hilfe seines Teamkollegen jack Bobridge schlug Howard die sieben Fluchtgefährten im Sprint.

Mit diesen neugewonnen Kletterfähigkeiten muss er bei der Weltmeisterschaft doch im Auge behalten werden.

 

Obwohl Howard keine Massen an hochwertigen Ergebnissen stehen hat, gilt er jetzt bereits als einer der besten Sprinter der U23 Szene. Weitere Sprünge nach vorn sind unbedingt zu erwarten. Dies taten die Mannen des Columbia Teams offenbar auch, denn die nahmen den jungen Australier für 2010 unter Vertrag. Ob er dort bereits in der ersten Saison Wellen wird schlagen können, wird wohl vor allem von seinem Programm abhängen. Die teaminterne Sprintkonkurrenz ist wahnsinnig. Dass sich Howard über kurz oder lang in der Spitze behaupten wird, bezweifelt kaum jemand.

 

nominated by ogkempf, wagenge; presented by ogkempf



Platz 16: Jonathan Castroviejo Nicolas

Jonathan Castroviejo Nicolas

Spanien

27.04.1987

 

Wenn die Basken ein neues Ausnahmetalent unter den ihrigen erspähen, dann kann man sich vor Anpreisungen von neuen Wundertaten und Lobhudeleien auf mindestens dreifachem Niveau eines durchschnittlichen Mock-Artikels meist nicht mehr retten. So war es beim letzten U23-Star Beñat Intxausti, der mit der aktuellen Saison erst langsam beginnt die damals geschürten riesigen Erwartungen zu erfüllen, und so ist es auch jetzt bei Jonathan Castroviejo. Der neue Star kommt aus Getxo, eine Stadt direkt am Golf von Biskaya gelegen und im internationalen Profiradsport vor allem durch die Ausrichtung des Circuito de Getxo (1.1) bekannt. Dort und im Umland erzählt man sich die tollsten Anekdoten. Zum Beispiel wie ihm als Jugendlicher am Vorabend eines Rennens auf einer Trainingsausfahrt die Kette brach. Er stürzte, war ohne Handy unterwegs und sein Rad arg in Mitleidenschaft gezogen. Er lief nach Hause, geschlagene zwei Stunden, in denen seine größte Sorge war einen Plan auszuhecken wie er doch noch am Rennen teilnehmen könne. Er lieh sich das Rad des Freundes seiner Schwester und gewann damit am nächsten Tag. Hartnäckig sei dieser Jonathan Castroviejo. Und talentiert, ausgestattet mit einmaliger Physis und Regenerationsfähigkeit. Aber was sagen die harten Fakten?

 

Hinter Rafael Serrano war er 2005 der zweitbeste Juniorenfahrer Spaniens, so sagt es die offizielle Rangliste des spanischen Radsportverbandes und so bestätigen es die Ergebnislisten. Bei der WM in Salzburg kam als er einziger seines Landes, das in dieser Altersklasse meist hinterher fährt, als 52. im Hauptfeld an. Bei der spanischen Meisterschaft stand er auf dem Podium und die Baskenland-Rundfahrt für Junioren gewann er gleich zweimal. Warum er in seiner Heimat einen gewissen Status inne hat, ist also schon mal nachvollziehbar.

 

Die erste U23-Saison im Team Seguros Bilbao blieb ohne Sieg. 2007 war Castroviejo dann aber angekommen mit insgesamt sechs Saisonsiegen, darunter die Trofeo Lehendakari, eine Rennserie für U21-Fahrer im Baskenland. Auf internationaler Ebene war er zwar noch unsichtbar, das Euskaltel Satelliten-Team Orbea erklärte seine Verpflichtung aber schon zur allerhöchsten Priorität. Der Baske folgte dem Ruf und wechselte zum Continental-Team.

 

2008 wartete mit einem gewaltigen Rennprogramm für Castroviejo auf. Er fuhr fast ausschließlich x.1- und x.HC-Rennen wie die Burgos-Rundfahrt, die Euskal Bizikleta oder der GP Miguel Indurain - ein gewaltiger Sprung für einen Fahrer, der im Jahr zuvor gerade mal in der U23 Fuß gefasst hatte. Dafür schlug er sich mit hauptsächlich Mittelfeldplatzierungen inmitten von Vollprofis aber gar nicht so schlecht. Höhepunkte dieser Saison waren zweifelsohne der fünfte Platz aus einer Ausreißergruppe auf der Königsetappe der Asturien-Rundfahrt (2.1) sowie der elfte Platz bei den spanischen Zeitfahrmeisterschaften der Profis, wo er immerhin vier Sekunden vor dem späteren Toursieger Carlos Sastre gelandet ist.

 

Seinen Durchbruch im eigentlichen Sinne erlebte Castroviejo aber erst in dieser Saison, die gespickt war mit drei UCI-Siegen und vielen guten Ergebnissen, herausgefahren auf unterschiedlichsten Terrains. Den ersten Sieg netzte er bei der Tour du Haut Anjou (2.2U) ein. Hier attackierte er auf der Schlussrunde der dritten Etappe und kam als Solist zwölf Sekunden vor dem Feld an. Wenige Stunden und eine Halbetappe nachdem er im Zeitfahren knapp von Vermote geschlagen wurde. Den Zeitfahrsieg holte er zwei Wochen später beim Prolog der Ronde de l’Isard (2.2) nach. Dort stellte er auch seine Konkurrenzfähigkeit im Gebirge mit Platz vier auf dem Plateau de Beille unter Beweis, was ihm in der Endabrechnung der Rundfahrt Rang zwei hinter Alexandre Geniez einbrachte. Selbiger Platz sprang auch beim, hier spricht der Name schon Bände, alles andere als leichten Circuito Montañes (2.2) heraus. Mit Van Garderen hatte wieder Einer die Oberhand, hinter dem man sich nicht schämen musste. Die spanischen Zeitfahrmeisterschaften waren mit diesmal 121 Sekunden Rückstand auf den späteren Toursieger gar nicht so enttäuschend wie das erstmal klingen mag, denn Platz sechs ist aller Ehren wert.

 

Der Herbst hatte sein Highlight bisher in der Tour de l’Avenir (2.2U). Ein Sturz auf Etappe zwei verhagelte zwar früh jegliche Ambitionen auf die Gesamtwertung, aber Castroviejo machte das Beste draus und gewann die fünfte Etappe aus einer großen Ausreißergruppe heraus im Sprint. Vielseitiger als er geht kaum. Im Mendrisio wird der Allrounder sich ganz aufs Straßenrennen konzentrieren, wobei er an einem guten Tag auch im Zeitfahren Medaillenchancen gehabt hätte. Seine Zukunft ist schon vor der WM zu 95% klar, da die Verhandlungen mit Euskaltel weit gediegen sind. Sein Profidebüt 2010 gilt als sehr wahrscheinlich.

 

nominated by chreezer, wagenge; presented by chreezer



Platz 15: Peter Sagan

Peter Sagan

Slowakei

26.01.1990

 

Wenn man sich die Juniorenergebnisse der letzten Jahre ansieht, findet man dort überraschenderweise immer wieder Slowaken, die die Szene mitbeherrschen oder sogar dominieren. Matej Jurco war so ein Fahrer. Bei den Profis ist er inzwischen gescheitert. Dann kamen die Velits Zwillinge, die bei den Junioren noch ungefähr auf einem Niveau fuhren. In diese Reihe der Junioren Dominatoren mengte sich 2007 und 2008 auch Peter Sagan. Es gab keinen Besseren, höchstens Fahrer, die ein ähnliches Niveau erreichten.

 

Auffällig bei diesem Slowaken war, dass er seine Ausnahmestellung nicht nur auf der Straße bewies. Im Querfeldein wurde er 2008 Zweiter der Junioren Weltmeisterschaft. Bei Mountainbikeweltmeisterschaften gewann er im ersten Juniorenjahr Bronze, um im Folgejahr den Titel mit nach Hause zu nehmen. Bei der Straßen WM fand er sich 2007 kurz vor dem Ziel mit drei Italienern in einer Vierergruppe vor. Die Italiener ließen ihm keine Chance und der Slowake fuhr ohne Medaille nach Hause. 2007 wurde er Sechster der Junioren Weltrangliste. In seinem zweiten Juniorenjahr wurde die individuelle Weltrangliste für Junioren abgeschafft.

 

Dieses Jahr folgte der Schritt in die U23 Klasse. Bis zum letzten Jahr war es absolut üblich, dass auch die besten Junioren mindestens ein Jahr Eingewöhnungszeit benötigen. Degenkolb und Co zeigten im Vorjahr, dass das nicht nötig ist, Sagan nahm sich hieran ein Beispiel. Er schloss sich seinem älteren Bruder Juraj beim slowakischen Continental Team Dukla Trencin an und begann schon im März zu zeigen, dass er nicht geplant hatte Zeit an Eingewöhnung zu verschwenden. In Serbien beendete er das schwere Rennen mit dem schönen Namen Paths of King Nikola (2.2) auf dem zweiten Platz hinter dem ex-Profi und ausgewiesenen Kletterer Radoslav Rogina. Hinter dem Slowaken fanden sich mit Kolesnikov und Mahoric andere ex-Profis des gleichen Kalibers ein.

Mitte Mai verpasste Sagan auf einer der Etappen des Giro del Friuli (2.2) den Zug. Bei diesem Rennen, das zu den bestbesetzten Nachwuchsrennen Italiens gehört, führten drei Top drei Platzierungen in unterschiedlichem Terrain auf insgesamt fünf Etappen darum nicht zu einer nennenswerten Platzierung im Klassement.

Dafür konnte der 19 Jährige Ende Mai seinen ersten Profisieg feiern. Dies tat er beim einheimischen GP Kooperativa (1.2). Aus einer achtköpfigen Spitzengruppe setzte er sich im Sprint durch. Einen Tag später wurde er beim slowakischen Wochenende Dritter beim GP Boka (1.2). Hier gewann sein Bruder Juraj, der plötzlich auch nennenswerte Resultate einfuhr.

Bei der Europameisterschaft in Hooglede, die im Massensprint endete, wurde er wie eine Woche zuvor bei der slowakischen Meisterschaft Zehnter. Wiederum in der Slowakei, beim GP Bradlo (2.2), erreichte der Slowake nach den Plätzen drei und vier auf den beiden Etappen auch den vierten Rang im Gesamtklassement. Dies alles reichte eigentlich nicht an das starke Ergebnis aus dem März heran, aber nur drei Tage nach dem GP Bradlo sollten noch stärkere Argumente für den Slowaken folgen – und zwar auf völlig anderem Gebiet als in Serbien im März.

Auf der zweiten Etappe knallte er im Sprint das gesamte Feld weg. Auf Platz zwei verwies der Slowake den wohl besten Sprinter der osteuropäischen Szene, den polnischen Meister Krzystof Jezowski. Auf dem zweiten Teilstück der dritten Etappe musste er sich im Sprint des Feldes eben diesem Jezowski geschlagen geben, am nächsten Tag drehte er die Rollen erneut um und landete seinen dritten Profisieg.

 

Neben Taylor Phinney ist Sagan der beste neue U23-Fahrer des Jahres. Die schon starken Ergebnisse der letztjährigen neuen U23 Fahrer, haben diese beiden noch einmal überboten. Sagan glänzte zu Saisonbeginn am Berg, im Spätsommer schlug er zwei Mal den besten Sprinter der osteuropäischen Rennszene. Nur im Zeitfahren konnte sich der 19 Jährige bisher nicht durchsetzen. Seine Zukunft wird darum vermutlich auch bei den Eintagesrennen liegen. Bei der Weltmeisterschaft könnte diese Zukunft schon beginnen, denn mit diesen Fähigkeiten könnte er nach Peter Velits zum zweiten slowakischen U23 Weltmeister binnen drei Jahren avancieren.

2010 könnte Peter Sagan bereits im Pro Tour Zirkus unterwegs sein. Er wurde mehrere Male bei Liquigas gemeldet. Bisher ist allerdings unklar, ob es ein Vorvertrag für einen späteren Zeitpunkt ist, oder ob er schon nächste Saison voll einsteigen wird.

 

nominated by ogkempf, wagenge; presented by ogkempf



Platz 14: Alexander Kristoff



Alexander Kristoff
© cyclingfx.nl

Alexander Kristoff

Norwegen

05.07.1987

 

Noch hat es niemand bemerkt, aber in Norwegen finden große, gesellschaftliche Veränderungen statt. Das Land entwickelt sich von der Langlaufnation zur Radsportnation. Das Heiligenbild Dæhlies wird abgerissen. Eine neue Statue von Edvald Boasson Hagen wird aus Granit geklöppelt, der Platz zu seiner Rechten gehört Thor Hushovd.

Es findet ein Wandel statt in Norwegen; während große Radsportnationen wie Frankreich und die Niederlande bei der WM nur sechs Startplätze haben, startet Norwegen, das überhaupt nur vier Profis hat, mit neun Fahrern. Aber nicht nur im Profipeloton ist Norwegen auf dem Vormarsch. Seit 2006 ist nun immer ein Norweger in dieser Liste gewesen. Zwei Mal Boasson Hagen, und nach Platz 36 im Vorjahr ist Alexander Kristoff jetzt auch zum zweiten Mal dabei. Das norwegische Team Joker Bianchi hat dieses Jahr so sehr überzeugt, dass neben Kristoff noch zwei Mannschaftskameraden zu den Profis wechseln werden. Es ist kaum auszudenken was sieben Norweger bei den Profis ausrichten werden…

 

Der bekannteste und erfolgreichste der drei norwegischen Neo Profis ist sicherlich Alexander Kristoff. Während Nordhaug und Wilmann erst dieses Jahr, und demnach nach dem Entwachsen der U23 Kategorie, wirklich starke Resultate einfuhren, ist Kristoff bereits seit 2007 erfolgreich. Im jahr 2007 eröffnete der Norweger seine Erfolgsliste gleich mit seinem wohl spektakulärsten Erfolg. Er wurde norwegischer Meister, nicht der U23, sondern der Elite. Dies tat er nicht als trauriger Ausreißer, der vom Feld allein gelassen wurde oder aus einer Gruppe verhinderter Langläufer, sondern im Dreiersprint gegen den großen Thor Hushovd. Zu dem Zeitpunkt ein absoluter Paukenschlag, denn bis dato war damals der 19 Jährige ein Nobody.

 

In der 08er Saison bestätigte Kristoff seinen Meistertitel durch eine Vielzahl guter Sprintplätze. Bei verschiedensten UCI Rennen der zweiten Kategorie kam er sieben Mal als Zweiter ins Ziel. Dem gegenüber stand nur ein Etappensieg beim GP Ringerike (2.2). Letztes Jahr wurde er in dieser Liste darum zum Träger des Zabel Syndroms ernannt. Wenn man sich auf die U23 konzentriert ist er vor allem zu vergleichen mit Jurgen Roelandts, der ebenso wie Kristoff eigentlich überall, immer und sowieso ganz vorn drin war, aber eigentlich so gut wie nie gewann.

 

Dieses Zabel-Roelandts-Syndrom konnte der 22 Jährige auch in seiner letzten u23 Saison nicht abschütteln. Bis zum Juli wurde er Zweiter auf der dritten Etappe der Istrian Sprint Trophy (2.2), Dritter der sechsten Etappe der Tour de Normandie (2.2), zwei Mal Zweiter und zwei Mal Dritter auf Etappen der Tour de Bretagne (2.2), zwei Mal Etappenzweiter der Olympia’s Tour (2.2), Zweiter auf der ersten Etappe des GP Ringerike (2.2) und Zweiter der nationalen Meisterschaft hinter Arvesen. Dem stand erneut nur ein Etappensieg beim GP Ringerike gegenüber.

Auch außerhalb der Top drei sammelte er noch einige gute Sprintplatzierungen, besonders Auffällig ist aber, wie bei Roelandts und Zabel zuvor, die Aufreihung an Podiumsplätzen.

Wie im Vorjahr nahm Kristoff bis zum Herbst mit seinem Joker Team nur an den kleinstmöglichen UCI Rennen teil. Im Vorjahr wusste der Norweger bei der Tour of Ireland zu überzeugen, dieses Jahr breitete er seinen starken Herbst bei größeren Rennen noch aus.

Anfang Juli wurde er Siebter im Sprint bei der Europameisterschaft. Da er eigentlich zu den besten Sprintern und damit zu den favoriten der EM gehörte, konnte man dies als kleine Enttäuschung verbuchen.

Bei der Tour of Ireland (2.1) fiel Kristoff auf der dritten und letzten Etappe aus dem Zeitlimit, auf der zweiten Etappe konnte er sich im von Cavendish gewonnen Sprint aber als Vierter stark präsentieren. In der gleichen Woche fand in Belgien der Druivenkoers (1.1) statt. Hinter sechs Ausreißern sprintete das Feld um Platz sieben. Diesen Sprint gewann Alexander Kristoff. Auch bei der Tour of Britain (2.1) konnte der 22 Jährige erneut seine Sprintschnelligkeit beweisen. Auf der zweiten Etappe schlug er das gesamte Feld im Sprint, direkt hinter ihm landete Boasson Hagen. Wie beim Druivenkoers hatte sich in diesem Rennen aber das Feld verrechnet, Kai Reus gewann die Etappe solo. Am nächsten Tag konnte er noch einen siebten Platz ersprinten, danach lief es laut seinem twitter nicht mehr ideal für ihn, „Angst zu stürzen“ und „eingeschlossen“ lauteten seine Entschuldigungen für verpasste Sprints.

 

Trotz dieser zwei oder drei verpassten Sprintgelegenheiten und dem Zabel-Roelandts-Syndrom wird Alexander Kristoff nächstes Jahr als Profi durch Europa, und vermutlich auch durch Amerika, fahren. Denn sein neues Team heißt BMC, welches fürchterlich aufgerüstet hat und nächstes Jahr schwer zu beachten sein wird. BMC Teamleiter Lelangue war bei der Tour of Ireland „hugely impressed” von Kristoff und verpflichtete ihn sofort. Er wird dort vor allem in den Sprints und den Klassikern eingesetzt werden.

Bei der WM können wir uns getrost auf andere Fahrer konzentrieren, denn dem Sprinter Kristoff wird der Kurs viel zu schwer sein.

 

nominated by wagenge, Offi; presented by ogkempf



Platz 13: Jack Bobridge

Jack Bobridge

Australien

13.07.1989

 

Cadel Evans und Trent Lowe kommen aus dem Mountainbikezirkus. O’Grady, Cooke, Lancaster, Renshaw, McGee und Brown entsprangen dem Bahnvierer, der zu seiner Zeit absolute Weltklasse verkörperte. Fahrer wie Gerrans, Davis, Rogers oder McEwen scheinen in Australien als hauptsächliche Straßenfahrer fast die Ausnahme zu sein.

In die Reihe der Weltklasse Bahnfahrer reiht sich Jack Bobridge ein. Er entspringt dem australischen Continental Team Jayco, welches ausschließlich junge Australier beherbergt, die sich sowohl auf der Straße als auch auf der Bahn zu Hause fühlen. Und dieses Team beherbergt nur pure klasse! Letztes Jahr brachte es bereits Cameron Meyer auf Platz 28 der Mock List und zugleich ins Team Garmin. Dieses Jahr schafft neben Bobridge auch Leigh Howard den Sprung in die Mock List. Travis Meyer, Glen O’Shea und Michael Matthews kann man durchaus zutrauen diesen Sprung im nächsten Jahr auch zu schaffen.

 

Viele dieser Namen findet man in den Anfangsjahren seiner Karriere in seinem Palmares zurück. Bis zu den Junioren erzielte Bobridge seine internationalen Erfolge ausschließlich im Oval. 2006 wurde er Junioren Weltmeister der Mannschaftsverfolgung mit den schon genannten Gebrüdern Meyer und Leigh Howard. 2007 wurde der Titel verteidigt, der zur U23 gewechselte Cameron Meyer wurde dabei durch Glen O’Shea ersetzt.

Obwohl er auf der Straße international wie alle seiner Landsmänner unterging, wurde Bobdridge 2007 zum Australian Junior Male Road Cyclist of the Year gekürt. Mit einem 68. Platz war er auch in der Weltrangliste bester Australier.

 

Beim Wechsel in die U23 im Jahr 2008 begannen sich auch erste kleine Straßenerfolge einzustellen. Als gutes Pflaster stellte sich dabei vor allem Deutschland heraus. Bei der Tour de Berlin (2.2U) reichte der achte Platz im Zeitfahren auch zum achten Platz der Gesamtwertung. Wegen der besseren Konkurrenz noch beachtenswerter war aber der vierte Platz im Zeitfahren der Thüringen – Rundfahrt (2.2U) hinter Gretsch, Gallopin und O’Shea.

 

Dieses Jahr erfolgte beim in Adelaide geborenen Australier die Leistungsexplosion. Bereits im Januar ließ er gewaltig aufhorchen, denn er gewann nicht nur den australischen U23 Titel im Zeitfahren, sondern zwei Tage später im Sprint einer Vierergruppe vor dem bereits erwähnten Teamkollegen Matthews auch den Straßentitel.

Nach einer mäßigen Tour Down Under (PT) in Australiens Nationalmannschaft konzentrierte sich Bobridge zunächst wieder auf die Bahn, denn nach den Juniorentiteln sollte auch ein echter Weltmeistertitel her. Chancen hierzu boten die Einer- und die Mannschaftsverfolgung.

In beiden Rennen stieß er allerdings auf übermächtige Gegner. In der Mannschaftsverfolgung mussten sich Bobridge sowie seine Teamkollegen Rohan Dennis und Leigh Howard und deren ex-Kollege Cameron Meyer den Dänen geschlagen geben. Bereits einen Tag zuvor stieß Bobridge im wohl jüngsten Verfolgungsfinale aller Zeiten auf Taylor Phinney. Der 18 jährige Amerikaner besiegte den 19 jährigen Australier recht humorlos.

Nach der Bahn WM wechselte der Fokus wieder auf Deutschlands Straßen. Am 1.5. setzte sich Bobdridge beim Eschborn - Frankfurt City Loop - Espoirs (1.2U) im Sprint einer Dreiergruppe gegen die zwei österreichischen Elk Profis Schorn und Brändle durch. Bei einem kurzen Ausflug nach Japan konnte er bei der dortigen Tour of Japan (2.2) zwei schwere Etappen vor Fahrern wie Kvasina, Fofonov und Pardilla gewinnen. Das erste Indiz, dass er nicht nur im Flachen einer der stärksten Fahrer seiner Klasse ist. Zugleich markierten diese Erfolge seine ersten Profisiege. Zurück in Deutschland stand die Thüringen – Rundfahrt (2.2U) an. Auf der ersten Etappe kam eine dreiköpfige Gruppe mit Bobridges Teamkollegen Howard, der die Etappe gewann, mit viel Vorsprung durch. Die zweite Etappe gewann Bobridge selbst – im Sprint! Auch die fünfte Etappe wurde zu seiner Beute. Dieses Mal verwies er Zeitfahr Vizeweltmeister Patrick Gretsch auf den zweiten Platz – im Zeitfahren, wohlgemerkt! In der Gesamtwertung wurde er Dritter und somit „Best of the Rest“. Von den drei Ausreißern der ersten Etappe konnte Bobridge nur Leigh Howard noch überholen.

 

Siege auf Berg-, Sprint- und Zeitfahretappen in einem Jahr und auf diesem Niveau kann wohl kein anderer U23 Fahrer vorweisen. Dazu kommen noch zwei Vizeweltmeistertitel auf der Bahn. Bei der Weltmeisterschaft wird wer in beiden Rennen zu beachten sein. Beachtung bei den Profimannschaften hat der 19 Jährige bereits gefunden. Als einer der ersten Fahrer des Jahres bekam er einen Profi Vertrag für die nächste Saison. Bei Garmin wird es 2010 ein Wiedersehen mit Cameron Meyer geben. Das Wiedersehen gibt es eigentlich jetzt schon, denn Bobridge fährt dort bereits als Stagiaire.

 

nominated by gardener, ogkempf; presented by ogkempf



Platz 12: Kris Boeckmans

Kris Boeckmans

Belgien

13.02.1987

 

Ein richtiger Siegertyp ist Boeckmans nicht. Vierzehn Top 10-Resultate bei UCI-klassifizierten Rennen fuhr er seit September 2007 ein, Siege sind dagegen rar gesät. Dennoch steht der junge Belgier vollkommen zurecht auf dem zwölften Platz der Mock List und im Team Silence-Lotto als Stagiaire.

 

Auf, pardon, in Malle, rund 30km östlich von Antwerpen, ist Kris Boeckmans am 13. Februar 1987 geboren. Heute wohnt er in Schilde, und damit nur noch 15 Kilometer von Antwerpen entfernt. Bei einer Körpergröße von 1,80m wiegt er 75 kg und hat Sprintergardemaß. Gerade in Sprints kann er seine Spritzigkeit und Tempohärte ausspielen.

 

Seit 2008 fährt Boeckmans für das Team Davo, das Farm Team von Silence Lotto. Seinen Ergebniseinstand gibt er beim Triptyque Monts et Châteaux (2.2U) mit den Plätzen neun und zehn. In der Gesamtwertung belegte er den 20. Platz. Zu einem Aufeinandertreffen der Sprintgiganten der U23 kam es bei der ZLM Tour (1.NC). Gegen Guarnieri, Degenkolb, De Negri, Cunha, Vermeltfoort und Bellis hatte Boeckmans aber keine Chance. Er ersprintete den siebten Platz. Den ersten Sieg und das erste Führungstrikot für die Wand im Wohnzimmer ergatterte der Belgier in Altlandsberg. Er gewann die erste Etappe der Tour de Berlin (2.2U) im Sprint. Auf der zweiten Etappe musste er sich Howard, Kim Nielsen und Chaigneau geschlagen geben, verteidigte aber die Führung in der Gesamtwertung. Selbige verlor er aber trotz des starken neunten Platzes beim Zeitfahren an den Österreicher Brändle. Etappe 3b endete wieder in einem Sprint, bei dem er den vierten Platz errang. Einen weiteren Podiumsplatz gab es auf der letzten Etappe mit Platz drei im Sprint. In der Endabrechnung erreichte er den fünften Platz.

Seinen nächsten Etappensieg holt er sich in Spanien ab. Auf der zweiten Halbetappe des ersten Tages schlägt er Valentin Iglinsky in einem Sprint à deux. Weitere gute Platzierungen folgen bei Sprints der Thüringen Rundfahrt (2.2U), der Ronde van Antwerpen (NE) und der Tour de Slovaquie. (2.2).

 

2009 beginnt sein Jahr mit den Plätzen zwei, fünf und neun bei kleinen belgischen Rennen. Diese Rennen nutzte Kris Boeckmans aber scheinbar nur zum Warmfahren. Nach Platz zwei auf der ersten Etappe des Triptyque Monts et Châteaux (2.2), schlägt er mit-Mockie Blythe auf der zweiten Halbetappe des zweiten Tages. Nach Platz drei auf der letzten Etappe und der damit verbunden Bonussekunden schnappte er Zingle noch den Rundfahrtsieg vor der Nase weg. Nach weiteren Siegen in Belgien, holte er bei der Europameisterschaft zum großen Paukenschlag aus. Gegen die versammelte kontinentale Elite setzte sich Boeckmans durch und wurde, ein wenig überraschend, Europameister.

Seit dem ersten August fährt er als Praktikant bei Silence. Und bereits Ende des Monats setzte er ein weiteres Ausrufezeichen. Als Stagiaire gewann er für Silence-Lotto Schaals Sels Merksem (1.1) vor van Poppel und Stauff und schlug dabei sogar einen ehemaligen Etappensieger der Grand Tours Robert Förster. Auch bei der Tour de l'Avenir (2.2U) zeigte der junge Belgier seine Endschnelligkeit und erreichte die Plätze sechs und zwei.

 

Neben van Stayen gehört Boeckmans zu den absoluten Topsrintern in Belgien. Ab 2010 wird er für das Team Topsport Vlaanderen fahren. Ein Team, in dem bereits viele belgische Toptalente ihre ersten Gehversuche im Profizirkus versuchten. Er wird dort einer von vielen jungen Fahrern sein, von dem man in den nächsten Jahren einiges, vor allem in Sprints, erwarten darf.

 

nominated by gardener, chreezer; presented by Offi



Platz 11: Taylor Phinney

Taylor Phinney

USA

27.06.1990

 

Wenngleich Taylor Phinney erst 19 Jahre alt ist, wird er jetzt bereits mit einer Vielzahl von Superlativen überschüttet. So bezeichneten ihn Journalisten bereits als einen künftigen Tour de France Sieger und weil man in der schreibenden Zunft gern mit Superlativen jongliert, wird Phinney auch gern mal als der „neue Lance Armstrong“ bezeichnet. Eine Tatsache, die auch dem alten und echten Armstrong nicht verborgen geblieben sein dürfte, denn Taylor Phinney trainierte bereits mehrfach mit dem Altmeister und auch Phinneys Team Trek-Livestrong ist eng mit Armstrong verbunden. Doch warum legt man ein solches Vertrauen in einen noch so jungen Sportler?

 

Zum einen wäre da die Familie Phinney, die durch und durch mit dem Radsport verbunden ist. Vater Taylor war einer der Pioniere des US Radsports in den 80er Jahren und einer der ersten amerikanischen Tour de France Etappensieger. Taylor's Mutter Connie Carpenter gewann neben zwölf amerikanischen Meisterschaften die Goldmedaille bei den olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles. Dennoch interessierte sich Taylor zunächst nur für den Fußball und konnte sich bis zu seinem 15. Lebensjahr wenig bis gar nicht für den Radsport begeistern. Das änderte sich als er mit 15 seine Fußballschuhe an den Nagel hängte, es doch auf dem Rad versuchen wollte und gleich bei seinem ersten Juniorenrennen in Boulder in einem alten 7-Eleven Trikot gewinnen konnte. Genauer gesagt, gewann er zunächst das Rennen für die 15- und 16-Jährigen, um dann zwanzig Minuten später auch noch bei den 17- bis 18-Jährigen siegreich zu sein. Mit der Unterstützung seiner Eltern und den besten Trainingsbedingungen in Boulder, konnte Phinney bereits ein Jahr später auch außerhalb der Grenzen Colorados mit einem zweiten Platz bei den US Meisterschaften im Zeitfahren der Junioren auf sich aufmerksam machen. Dazu gewann er mehrere Rennen und selbst beim Cyclo-Cross wurde er bei den Meisterschaften Dritter in seiner Altersklasse.

 

Bereits im Folgejahr sollte Phinney dann auch international zeigen, welches Potential in ihm schlummert und wo seine Stärken liegen. Dank eines Etappensiegs und dem Gewinn des Prologs, siegte Taylor bei der kanadischen Tour de L’Abitibi, einem Rennen, dass sich über eine Woche erstreckt und rund um Val-d'Or in der Region Quebec stattfindet. Nur kurze Zeit später sollte sich Phinney dann Anfang August 2007 sein erstes Regenbogentrikot überstreifen dürfen. Im mexikanischen Aguascalientes siegte der damals 17-Jährige im Zeitfahrwettbewerb der Juniorenweltmeisterschaften über 28 Kilometer vor dem deutschen John Degenkolb und dem Russen Nikita Novikov. Ein Ergebnis mit dem keiner rechnete und am wenigsten Taylor selbst. Das für ihn erste erfolgreiche Jahr seiner Karriere rundete der Amerikaner, dann mit dem Meistertitel in der Verfolgung auf der Bahn ab. Seine Zeit von 4:35.550 bedeutete gleichsam auch die Qualifikation für die olympischen Spiele 2008, welche er zu seinem Hauptaugenmerk für die kommende Saison erklärte.

 

Durch die Fixierung auf die Bahnwettbewerbe sammelt Phinney bereits beim Welt Cup von Los Angeles im Januar den ersten Sieg ein. Im Finale schlug er Jenning Huizenga aus den Niederlanden und verbesserte sich bereits auf eine Zeit von 4.25.68. Eine Leistung, die ihn sogleich zu einem Mitfavoriten für Peking erheben sollte. Die gute Olympiavorbereitung sollte Phinney mit einem weiteren Weltmeistertitel bei den Junioren unterstreichen. In Kapstadt siegte er in der Verfolgung auf der Bahn und auch seinen Vorjahressieg im Zeitfahren auf der Straße konnte er beinahe wiederholen. Nur Michal Kwiatkowski aus Polen und der Deutsche Jakob Steigmiller waren schneller als Phinney. Die 4.26.644, welche Phinney in seinem Vorlauf in Peking fahren konnte, brachte ihn auf einen respektablen siebten Platz, auch wenn er diesen als enttäuschend verbuchte, da er sein ganzes Jahr auf dieses eine Rennen ausgerichtet hatte. Dennoch beschreibt Phinney diese olympischen Spiele als einzigartigen Moment in seinem Leben und mit erst 18 Jahren ist ja nicht ausgeschlossen, dass er noch einmal besser bei Olympia abschneiden wird. Nicht vergessen darf man dabei auch, dass Taylor Phinney bei diesen olympischen Spielen als Junior unter Profis startete, die über wesentlich mehr Erfahrung und Vorbereitung verfügten. Ein Fakt, der seine Leistung noch einmal aufwertet. Das Bahnjahr rundete er mit den nationalen Titeln in der Verfolgung solo und der Mannschaft, sowie dem 1000m Zeitfahren ab. Ganz frei von Straßenradsport war das Olympiajahr dann auch nicht. Bei der Schweizer Juniorenrundfahrt Pays Du Vaud gewann der Amerikaner wenig überraschend das Zeitfahren vor Luke Rowe.

 

So sollte das Jahr 2009 doch eher im Zeichen der Straße stehen. Dennoch verbuchte Phinney auf der Bahn seine bisher größten Erfolge. Bereits beim Februar Weltcup in Kopenhagen fuhr er noch einmal zehn Sekunden schneller als im Vorjahr und drückte seine Bestzeit auf 4.15.22 und war damit deutlich stärker als der Rest. Seine 4.19 nutzte er im Finale nach eigener Aussage zum Kräfte sparen und um am folgenden Tag auch noch das Zeitfahren über den Kilometer zu gewinnen. Beste Voraussetzungen also, um bei der im März stattfindenden Bahn-Weltmeisterschaft im polnischen Pruszków zu überzeugen. In Abwesenheit von Olympiasieger Bradley Wiggins gewann Phinney seinen ersten Titel bei den Profis in der Verfolgung und auch im 1000m Zeitfahren belegte er einen starken zweiten Platz. Dekoriert mit weltmeisterlichem Edelmetall konnte sich Phinney an die schwere Umstellung vom Topfahrer auf der Bahn zur Straße machen. Umso höher ist daher seine überzeugende Vorstellung bei der Triptyque des Monts et Châteaux (2.2 ) einzuordnen. Im 8,3 Kilometer langen Zeitfahren von Flobecq fuhr Phinney auf den sechsten Platz und am Ende belegte er in der Gesamtwertung einen starken neunten Rang. Die ohnehin schon gute Form sollte sich mit einem elften und fünften Rang bei La Côte Picarde (1.NC) und ZLM Tour (1.NC) noch einmal bestätigen. Für seinen ersten Sieg auf der Straße sollte abermals ein Zeitfahren zuständig sein. Beim luxemburger Flèche du Sud (2.2) gewann Phinney den Prolog vor Marcel Kittel und Simon Zahner und auch auf der dritten Etappe überzeugte Phinney als Tagesdritter. Das Rennen war für den Amerikaner jedoch nur Vorbereitung auf die U23 Ausgabe von Paris - Roubaix (1.2U). Unter den Augen von Eddy Merckx und Raymond Poulidor sollte Taylor Phinney ein weiteres Mal glänzen. Nacht 170 Kilometern und 22 Kopfsteinpflastersektoren setzte sich Phinney im Vélodrome von Roubaix gegen zehn Mitstreiter im Sprint durch und krönte sein bislang so starkes Jahr. Ein noch erfolgreicheres Jahr und eine Teilnahme an den wichtigen U23 Rennen im August und September sollte leider durch einen Sturz und den daraus resultierenden Bruch eines Halswirbels bei der Cascade Classic verhindert werden.

 

Der andere wichtige Faktor für die bislang erfolgreiche Karriere des Amerikaners ist das gut organisierte Jugend- und U23-Förderprogramm des amerikanischen Radsportverbandes, das sich in Belgien angesiedelt hat und die jungen Fahrer so vom Beginn ihrer Karriere an begleitet und auf die harten Bedingungen in Europa vorbereitet. Diesem Fördersystem der Nationalmannschaft, verbunden mit seinem Team Trek Livestrong wird Taylor Phinney auch in der Saison 2010 treu bleiben, auch wenn Armstrong bereits vorsichtig für das Team RadioShack angefragt haben soll. Interessant dürfte dabei auch sein, wie lange Phinney den Spagat zwischen Straße und Bahn durchhält, denn obgleich er auf der Bahn großartige Erfolge feiern konnte, liegt seine Präferenz dennoch im Straßenradsport.

 

nominated by ogkempf, Offi, Ocaña; presented by Ocaña


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