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Platz 27 - Hossein Alizadeh

Hossein Alizadeh

Iran

24.01.1988

 

Fahrertyp: Rundfahrer

Wichtigster Erfolg: 1. Tour of East Java (2.2) 2010

Team/Verein 2010: Tabriz Petrochemical Cycling Team

Stagiaire: -

Team 2011: noch offen

Beste Mock List-Platzierung: neu

Web: nicht vorhanden, stattdessen allgemein zum Radsport im

Iran: www.zeit.de/sport/2010-06/radsport-iran-erler

 

Der Iran steht für vieles - die Islamische Revolution, den Atomstreit, die Grüne Revolution, Ali Daei... aber für Radsport? Fast unbemerkt für den westlichen Betrachter ist der Iran im Laufe des letzten Jahrzehnts zur Radsportnation Nummer eins in Asien geworden (Kasachstan ausgenommen). Bei den beiden wichtigsten Radrennen in Asien, der Tour de Langkawi und der Tour of Qinghai Lake glänzen die Iraner mit Podiumsplätzen, Etappen- und Gesamtsiegen, das beste iranische Continental-Team, Tabriz Petrochemical, hat 2009 bereits zum zweiten Mal die Mannschaftswertung der UCI Asia Tour gewonnen. Großen Anteil an dieser Entwicklung hat der kürzlich verstorbene legendäre DDR-Trainer und spätere Sportliche Leiter bei Coast, Wolfram Lindner, der die Iraner von 2005 an auf die Olympischen Spiele in Peking vorbereitet hatte.

 

Die bekanntesten iranischen Radsportler sind Ghader Mizbani Iranagh und Hossein Askari, zwei kletterstarke Rundfahrer, doch mit dem hier porträtierten Hossein Alizadeh macht sich ein junger Nachwuchssportler daran, zu den Großen aufzuschließen. Schon seit Jahren gibt es im Iran mehr UCI-Rundfahrten als in Deutschland, was Nachwuchskräften die Chance gibt sich zu präsentieren. Rennen wie die Taftan Tour, die Tour of Milad du Nour, die Azerbaijan Tour oder die President Tour of Iran spülen immer wieder unbekannte neue Namen in die Ergebnislisten, auch weil kaum ausländische Teams an den Start gehen. Nach ersten soliden Rundfahrtergebnissen 2007 taucht Alizadeh als Gesamtzweiter der Taftan Tour (2.2) und der Tour of Milad du Nour (2.2) 2008 das erste Mal richtig weit vorn in den Ergebnissen auf. Zur Belohnung darf der Iraner im U23-Rennen der WM in Varese starten. 15 Minuten hinter dem neuen Weltmeister Fabio Duarte kommt Alizadeh als Neuntletzter ins Ziel.

 

Für das Continental-Team der Islamic Azad University kann der Iraner 2009 zum ersten Mal am größten asiatischen Radsportereignis, der Tour de Langkawi (2.HC), teilnehmen, er kann das Rennen jedoch nicht beenden. Bei der Azerbaijan Tour (2.2), der wichtigsten iranischen Rundfahrt, die in der gleichnamigen an Aserbaidschan grenzenden Provinz stattfindet, fährt Alizadeh auf einen guten siebten Platz. Gut genug, um 2010 zur besten iranischen Mannschaft Tabriz Petrochemical an die Seite nicht nur von Ghader Mizbani und Hossein Askari, sondern auch Telekom-Veteran Andrei Mizourov und Weltenbummler Tobias Erler zu wechseln.

 

Und hier gelingt Alizadeh der Durchbruch. Bei der Tour of East Java (2.2) in Indonesien gewinnt Alizadeh die Auftaktetappe aus einer Spitzengruppe heraus und gibt die Gesamtführung bis zum Schluss nicht mehr her - der erste Rundfahrtsieg für den Iraner! Diese Leistung rechtfertigte die Nominierung Alizadehs für das Tabriz-Team zur Tour of Qinghai Lake (2.HC), dem (neben der Langkawi) Saisonhöhepunkt des asiatischen Radsports. Nach drei zweiten Plätzen durch Ghader Mizbani und einem zweiten und dritten Platz Hossein Askaris sollte hier endlich der erste iranische Gesamtsieg gefeiert werden. Was gelungen ist: die angereisten europäischen Teams waren meist nur Zaungäste und beschränkten sich auf Sprintankünfte (wobei selbst hier mit Mehdi Sohrabi ein Iraner siegreich mitmischte), den Gesamtsieg aber sicherte sich Hossein Askari. Zwei weitere Iraner schafften den Sprung in die Top Ten: der ewige Ghader Mizbani - und der junge Hossein Alizadeh. Im Kreis meist deutlich älterer und erfahrenerer Radprofis überraschte der junge Iraner mit einem tollen neunten Platz in der Endabrechnung.

 

Es stellt sich die Frage nach den Perspektiven für Alizadeh. Wird er je dauerhaft in Europa fahren können? Eine Teilnahme seines Tabriz-Teams an der Tour des Pyrenées im August scheiterte wieder einmal an Visa-Problemen. Ghader Mizbani stand vor Jahren kurz vor einem Engagement bei Manolo Saiz' Liberty Seguros-Team und sollte 2007 für das italienische Cinelli-Team fahren - die leidige Visa-Problematik oder die iranische Bürokratie standen jedes Mal im Weg.

 

Die Schwierigkeiten, die iranische Radsportler erleben, muten mitunter bizarr an: dass Rennteilnahmen in Europa regelmäßig an Visa-Problemen scheitern, ist noch nachvollziehbar, aber dass Hossein Askari für seinen Sieg bei der Tour of Qinghai Lake durch den Chef des Iranischen Radsportverbandes disziplinarische Konsequenzen angedroht wurden, macht deutlich, in welchem Umfeld sich diese Sportler bewegen. Der Grund für den Rüffel: Askari hatte bei der abschließenden Podiumszeremonie eine Champagnerflasche geöffnet - ein Verstoß gegen islamisches Recht.

 

Angesichts dieses Hintergrunds verlangt das Engagement von Fahrern wie Alizadeh Anerkennung. Ohne Perspektive auf professionelle Ausübung seines Sports, in steter Balance zwischen religiösen/politischen Prämissen auf der einen Seite und den Aspekten eines Lebens als Radsportler auf der anderen Seite sind Fahrer wie Hossein Alizadeh mehr als einfach nur Exoten oder Symbole für die Globalisierung des Radsports: Sie wollen Rennen fahren, wie jeder westliche Radsportler auch.

 

Nominiert von ocana & gardener, geschrieben von gardener



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