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Platz 9 - Ramunas Navardauskas

Ramunas Navardauskas

Litauen

30.01.1988

 

Fahrertyp: Allrounder

Wichtigster Erfolg: 1. Lüttich-Bastogne-Lütticch U23 2010

Team/Verein 2010: VC la Pomme Marseille

Stagiaire: -

Team 2011: Garmin-Cervélo

Beste Mock-Platzierung: neu

Web: -

 

Auf dem Papier ging es mit Ramunas Navardauskas’ Karriere in den letzten Jahren nur bergab. 2007 noch für das einigermaßen solide belgisch-litauische Continental-Team Klaipeda-Splendid unterwegs, 2008 entstand aus diesem ein kasachisches Nachwuchsteam namens Ulan. Dieses wurde Ende des Jahres schon wieder abgewickelt, und Navardauskas neues italienisch-litauisches Team Piemonte war bereits nach ein paar Monaten des Jahres 2009 zahlungsunfähig und stellte den Rennbetrieb ein. In dieser Saison heuerte der Litauer daher wieder bei einem reinem Amateurteam an, dem VC la Pomme Marseille. Und endlich konnte Navardauskas sein Potential ausspielen und entwickelte sich zum „terreur des rangs amateurs en Europe cette saison“ (so cyclismag).

 

Seit dem zehnten Lebensjahr sitzt der Litauer auf dem Rad und feierte schon als Junior Erfolge, wurde 2005 u.a. litauischer Meister im EZF der Junioren sowie Etappensieger bei der traditionellen Junioren-Rundfahrt im polnischen Grudziadz und 2006 Prologsieger bei der Tour du Pays de Vaud in der Schweiz. Mit diesen Erfolgen im Rücken wagte Navardauskas bereits im ersten U23-Jahr den Sprung nach Belgien in ein Continental-Team. Dort ging er in die harte Schule der belgischen Kermesses, Top Competitie-Rennen und kleinen Amateurrundfahrten (es ist zu hoffen, dass er sich vom Teamkollegen Dave Bruylandts nicht allzu viel abgeschaut hat...). Neben Top 10-Resultaten bei der Olympia’s Tour (2.2) und dem Tryptique des Barrages (2.2) sticht vor allem ein Erfolg hervor: mit 19 Jahren wird Navardauskas im Sprint einer kleinen Ausreißergruppe litauischer Meister auf der Straße – nicht nur im U23- sondern gleichzeitig auch im Eliterennen! Später in der Saison legte der Litauer als Etappen- und Gesamtzweiter der Tour du Liège im hügeligen Wallonien erstmals Zeugnis von seinen Fähigkeiten als Rundfahrer ab.

 

Auch 2008 – er fährt nun für das kasachische Ulan-Team – ist Navardauskas kaum bei reinen U23-Rennen zu sehen und ackert stattdessen bei kleinen Rundfahrten und Eintagesrennen im Benelux und Osteuropa. Herausragende Ergebnisse sind hier vierte Plätze beim estnischen Tallinn – Tartu GP (1.1) und bei den litauischen Meisterschaften im EZF. Beim seinem ersten WM-Start schaut Navardauskas als 26. des U23-Zeitfahrens von Varese noch in die Röhre. Mit dem Engagement bei der neuen Piemonte-Mannschaft konnte sich Navardauskas auch auf einen abwechslungsreicheren Rennkalender freuen, doch schon nach den ersten Einsätzen beim Giro di Sardegna war das Team am Ende: die sportlichen Leiter verabschiedeten sich, später folgte die offzielle Suspendierung durch die UCI. Navardauskas stand mit leeren Händen da. Ein paar Einsätze mit der Nationalmannschaft folgten, und bei den nationalen Meisterschaften im EZF fuhr der Litauer aufs Podium, aber im Großen und Ganzen war die Saison vorbei bevor sie richtig angefangen hatte.

 

2010 war die letzte Chance. Das letzte Jahr U23 musste genutzt werden, um sich für einen Profivertrag zu empfehlen. Zusammen mit dem Landsmann Evaldas Siskevicius heuerte Navardauskas beim VC la Pomme Marseille an, der Talenteschmiede am Mittelmeer, die schon Daniel Martin, Rémy di Grégorio und Alexandre Geniez als Sprungbrett zum Profivertrag genutzt haben. Das erste Rennen im VCLPM-Trikot gewann Navardauskas gleich. Das zweite auch. Ohne jede Eingewöhnungsschwierigkeiten wurde der Litauer im französischen Amateurzirkus zum Siegfahrer, der sein Können vor allem auch bei der für französische Clubs wichtigsten Rennserie des Landes, der Coupe de France des Clubs (dem Amateur-Pendant zur Profi-Coupe de France), zeigte. Als einziger Fahrer überhaupt punktete Navardauskas bei den sieben ersten Rennen der Serie, und liegt vor dem letzten Wettbewerb in der Einzelwertung uneinholbar in Führung. Für noch viel mehr Furore sorgte der Litauer allerdings bei den diversen internationalen U23-Rennen. Vor allem sein Doppelschlag in Belgien, als er innerhalb einer Woche Vierter bei der U23-Ronde van Vlaanderen (1.Ncup) wurde und die U23-Version von Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.2U) in einem hinreißenden Solo gewann, lässt berechtigte Hoffnungen aufkommen, dass Navardauskas zu den so seltenen Fahrern gehört, die sowohl in Flandern als auch in den Ardennen brillieren können. Und auch vor dem dritten wichtigen Terrain der Frühjahrsklassiker muss dem Litauer nicht bange sein – bei der U23-Austragung von Paris-Roubaix (1.2U) erreichte er als Achter das Velodrom in der Hölle des Nordens. Kein anderer Fahrer konnte 2010 bei allen drei Rennen unter die ersten Zehn fahren.

 

Aber Navardauskas, der sich selbst als absoluten Schönwetterfahrer charakterisiert, kann noch viel mehr: Hochgebirge zum Beispiel, was er bei der Ronde de l’Isard (2.2U) bewies. Neben einem Etappensieg auf einer eher flacheren Etappe kletterte der Litauer auch zu einer Top Ten-Platzierung auf dem Plateau de Bonascre und sicherte so den fünften Rang in der Gesamtwertung. Im Gegenzug feierte der zur Zeit in Aubagne (passenderweise Sitz der Fremdenlegion) bei Marseille wohnhafte Litauer auch bei den topfebenen Boucles de la Mayenne (2.2) einen und bei der Vuelta a Bidasoa in Spanien zwei Etappensiege. Das übliche Podiumsresultat bei den nationalen Meisterschaften (Straße und EZF) ist dann schon beinahe selbstverständlich. Bei den Europameisterschaften in Ankara fährt Navardauskas um den Sieg mit, doch wie alle Topfavoriten wird auch er von der siegreichen Attacke des Polen Gawronski überrascht. Im Sprint um die weiteren Medaillenränge reicht es nur für Platz neun.

 

Bei gegenwärtig 29 (!) Top Ten-Platzierungen – darunter acht Siege – in dieser Saison musste sich Navardauskas endlich einmal keine Sorgen um die Zukunft machen. Angebote lagen u.a. von Geox und Garmin vor, und ursprünglich sah es so aus, als ob Navardauskas einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Garmin unterschrieben hätte. Nach der bekanntgegebenen Fusion mit Cervélo ist jedoch kaum noch Platz im Team – es sieht so aus, als ob der Litauer 2011 noch ein Jahr in der Garmin-Cervélo-Nachwuchsmannschaft (dann als Continental-Team) fahren wird. Ob diese Schuhe Navardauskas dann nicht ein bisschen zu klein sind, wird sich herausstellen. Mit ihm rechnen muss man bei jedem Rennen, bei dem er eingesetzt wird - seine Vielseitigkeit ist Navardauskas’ größte Stärke und wohl einzigartik im derzeitigen U23-Bereich.

 

Nominiert von ocana, gardener, Offi, chreezer & ogkempf, geschrieben von gardener



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