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Tortes runder Tritt

3. April 2006



Kavalier Hondo und sein Delikt


Wer bei einer Dopingkontrolle "positiv" auffällt, wird sportrechtlich belangt. Zum Schutz des Athleten vor Verfahrensfehlern hat dieser die Möglichkeit, eine Gegenprobe zu veranlassen, deren Öffnung er beiwohnen darf. Erst, wenn auch diese Kontrollanalyse leistungssteigernde Substanzen nachweist, gilt der Sportler als "gedopt".

Was ist an dieser Verfahrensweise schwer zu verstehen? Was daran ist für einen Radprofi zu kompliziert formuliert? Speziell: Was in drei Teufels Namen will Danilo Hondo denn noch für "Beweise" für seine Dopingsperre, wenn zwei(!) "positive" Tests nicht ausreichen?

 

Danilo Hondo ist überzeugt davon, nicht gedopt zu haben. Sein großes Problem ist, dass er damit der Einzige ist. Und weil die Faktenlage für Außenstehende recht übersichtlich ist – zwei positive Proben auf Carphedon während der Murcia-Rundfahrt 2005 – appelliert der gesperrte Radprofi an die Barmherzigkeit der Öffentlichkeit. Anders kann seine Verteidigungsstrategie kaum gedeutet werden: Das Mittel habe er gar nicht gekannt, die nachgewiesene Menge wäre nicht leistungsfördernd, er habe nicht absichtlich gedopt. Wie abenteuerlich diese Argumentation ist, wird jedem aufgehen, der schon einmal beim Überfahren einer roten Ampel geblitzt wurde. Die Hoffnung, mit den Argumenten "Habe ich nicht gewusst, habe ich nicht bemerkt, ist doch nichts passiert!" einer Strafe zu entgehen, darf zu Recht als naiv bezeichnet werden.

 

Dass Hondo trotzdem trotzig jedes Rechtsmittel ausschöpft, beweist nur seine mangelnde Einsicht in die Realität und wenig Problembewusstsein. Damit steht er nicht allein da, denn es gibt keine Diskussion darüber, durch Kooperation, Transparenz und freiwillige Selbstkontrolle die Luft für die "schwarzen Schafe" dünner zu machen. Oder, um beim Fall Hondo zu bleiben, wie solche "Grenzfälle" durch Prävention und vorbehaltlose Zusammenarbeit der Profis mit den Dopingverfolgern vermieden werden könnten. Wie üblich bezieht kein aktiver Radprofi öffentlich Stellung oder äußert auch nur eine belastbare Meinung zum Thema. Diskutiert werden der „ungerechte“ Verfolgungsdruck auf die Sportler und die "zu harte" Rechtssprechung. "Buckeln" ist im Radsport weiterhin Erfolg versprechender, als Rückgrat zu beweisen.

 

Ist Carphedon als Dopingmittel "unbekannt"? Die Russin Olga Pylewa bei den Turiner Winterspielen ebenfalls "positiv" darauf getestet wurde und die Sperre ohne zu Murren akzeptierte, spricht deutlich dagegen. Kann Carphedon tatsächlich an zwei Tagen als "Verunreinigung" in einer Trinkflasche gewesen sein? Damit mögen sich Wahrscheinlichkeitstheoretiker beschäftigen, aber Radprofis sind nicht eben für ihren sorgsamen Umgang mit ihren Trinkflaschen berühmt. Dem Argument, Hondo wäre doch "saublöd", als Leader der Murcia-Rundfahrt zu dopen, kann man spätestens seit dem Fall Roberto Heras entgegnen: "Damit wäre er nicht der einzige Radprofi, von dem man das behaupten kann!"

 

Zu schlechter Letzt noch die "kartellrechtliche Haltbarkeit" des so genannten „Ehrenkodexes“ der Pro-Tour-Teams anzuzweifeln, wie Hondo es tut, ist nur mit der Verzweiflung ob des drohenden Karriereendes zu erklären. Gesetze sind nun mal im allgemeinen unangenehm für denjenigen, gegen den sie angewandt werden (müssen). Sich an die Regeln zu halten ist in den meisten Fällen weniger unangenehm, als nach einem Regelverstoß um das Strafmaß zu feilschen.

 

Es gibt kein Bewusstsein im Peloton dafür, was an Doping schlecht sein soll – dafür ist der Fall Hondo ein Paradebeispiel. Es gilt als Kavaliersdelikt, vergleichbar mit Steuerhinterziehung. Wer schlau ist, tut es, wer sich erwischen lässt, hat Pech gehabt. Und je besser die Anwälte, desto höher die Chance, vor Gericht ein mildes Strafmaß zu erwirken. Spitzfindigkeit im Paragrafendschungel gilt weiterhin mehr als Fingerspitzengefühl beim Umgang mit der Problematik von "Sportmedizin" und all ihren Facetten. Danilo Hondo tut sich selbst und dem Radsport mit seinem Windmühlenkampf keinen Gefallen.

 


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