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Platz 24 - Daniel Teklehaimanot Girmazion

Daniel Teklehaimanot Girmazion

Eritrea

10.11.1988

 

Fahrertyp: Allrounder

Wichtigster Erfolg: 6. Tour de l'Avenir 2009

Team/Verein 2010: Centre Mondial du Cylisme

Stagiaire: Cervélo

Team 2011: noch offen

Beste Mock List-Platzierung: neu

Web: www.facebook.com/pages/Daniel-Tek...ot/161413011303

 

Der Schlüsselmoment in der Karriere des Daniel Teklehaimanot waren die Afrikameisterschaften 2008 in Casablanca (Marokko). Wäre dort nicht Michel Thèze, der frühere Trainer der französischen Amateur-Nationalmannschaft und jetzige Trainer beim Centre Mondial du Cyclisme (CMC) im schweizerischen Aigle, vor Ort gewesen - vielleicht würde Teklehaimanot noch heute nur auf dem afrikanischen Kontinent für Furore sorgen. Doch es kam anders: mit Top 10-Platzierungen sowohl im EZF als auch im Straßenrennen (und damit dem afrikanischen EZF-Meistertitel U23) machte der damals gerade mal 19-jährige Eritreer auf Thèze einen nachhaltigen Eindruck und der Franzose beschloss, Teklehaimanot nach Europa zum CMC zu holen.

 

Das CMC ist - meiner Meinung nach - eine der wenigen sinnvollen Neuerungen der UCI. Im Rahmen von mehrwöchigen bis ganzjährigen Lehrgängen trainieren und leben Nachwuchssportler aus Radsport-Entwicklungsländern in Aigle unweit des Genfer Sees zusammen und nehmen auch an Rennen teil, die Fahrern aus z.B. Südkorea, Peru oder eben Eritrea sonst nie offenstehen würden. Zusammen mit einem Landsmann, Merhawi Gebrehiwet, der nach Ankunft in Europa spurlos in Richtung Skandinavien verschwand, kam Teklehaimanot nach Aigle.

 

Radsport ist in Eritrea ziemlich populär, er hat sogar mehr Anhänger als die Leichtathletik (dies sowohl ein Erbe der italienischen Kolonialzeit als auch ein Versuch, sich vom verfeindeten Nachbarn Äthiopien abzuheben) und die Tour of Eritrea ist seit ein paar Jahren auch als UCI-Rennen gelistet. Die nationalen Radsport-Meisterschaften werden sogar im Fernsehen live übertragen. Der kleine Daniel - eines von elf Kindern einer Bauernfamilie - bekommt im Alter von 12 Jahren sein erstes Fahrrad und fährt schon sechs Jahre später als 18-Jähriger in die Top 10 der Afrikanischen Meisterschaften im EZF und Straßenrennen. 2008 wird er das erste mal eritreischer Meister und zum Saisonende Stagiaire bei Amore & Vita - ohne je ein einziges Mal für Ivano Faninis Team an den Start gehen zu können.

 

Die Ankunft in Europa ist ein erster Schock für Teklehaimanot - die Kälte macht ihm zu schaffen und er geht regelmäßig nur in Langarmtrikots an den Start von Rennen. Die nächste unangenehme Neuigkeit: bei Routineuntersuchungen wird dem Eritreer ein schwerwiegendes Herzproblem attestiert - die junge Karriere, die noch gar nicht richtig begonnen hatte, stand auf dem Spiel. Doch die anschließende Operation verlief erfolgreich, schon bald saß Teklehaimanot wieder auf dem Rad. Mit dem CMC-Team nahm der Eritreer hauptsächlich an Rennen in der Schweiz und im benachbarten Frankreich teil, wo der großgewachsene Fahrer (1,88 m bei 73 kg) seine Stärke am Berg ausspielte und mehrere Rennen gewann. Ein erster Einsatz beim Nations Cup-Rennen in Kanada verlief zufriedenstellend, im EZF knackte Teklehaimanot die Top Ten. Die große Überraschung gelang ihm jedoch bei der Tour de l'Avenir, wo er in den Vogesen den Besten folgen konnte und sich durch ein wiederum starkes EZF zum Schluss der Rundfahrt einen großartigen 6. Platz in der Endabrechung sicherte.

 

Teklehaimanot kehrte Anfang 2010 in die Schweiz zurück, nachdem er sich - wie berichtet wurde - daheim in Eritrea etwas zu sehr dem Laissez-faire hingegeben hatte. In Europa wartete ein anspruchsvolles Programm auf ihn, Nations Cup-Rennen in Portugal, Belgien und Italien, dazu wiederum lokale Rennen. Beim abschliessenden Zeitfahren des GP Portugal (2.NCup) im März überzeugte der Eritreer als Fünfter. Selbst auf dem ungewohnten Terrain Flanderns bewährte sich Teklehaimanot und erreichte bei der U23-Ronde als 23. das Ziel. Den Vogel schoß er jedoch in Kanada ab: bei der Nations Cup-Rundfahrt in Saguenay (2.NCup) gewann Teklehaimanot nicht nur die zweite Etappe im Sprint einer Ausreißergruppe, sondern sicherte sich in einem Rundumschlag das Führungs-. Berg- und Punktetrikot und (mit der UCI-Auswahl) die Führung in der Mannschaftswertung noch dazu. Am darauffolgenden Tag ist der junge Eritreer dann nach allen Regeln der Kunst eingegangen und kam mit über 16 Minuten Rückstand auf Tagessieger Johan le Bon als Drittletzter ins Ziel.

 

Und während die stürmische Unbekümmertheit zur Zeit sowohl seine große Stärke als auch ein Hindernis auf dem Weg zu den ganz großen Erfolgen ist, ist ein Fahrer der - obwohl er ein guter Zeitfahrer ist - auch bei Etappenrennen alles auf Attacke setzt eine Bereicherung für jedes Rennen. Und auch für manche Mannschaft. Cervélo hatte schon angebissen und dem Eritreer nicht nur ein Stagiaire-Engagement in diesem Herbst, sondern auch einen ersten Profivertrag für 2011 zugesichert. Dieser ist nun hinfällig, aber es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis ein anderes Team dem Charme des Eritreers erliegt. Schon aus Publicity-Gründen: Teklehaimanot dürfte der erste wirklich konkurrenzfähige schwarzafrikanische Radprofi werden.

 

Nominiert von wagenge & gardener, geschrieben von gardener



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