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Seuchenjahr 2002 - von den (Tour)leiden eines Crédit Agricole-Fans!

 

Wettbewerbsbeitrag von Yeti

 

Wie man ja bereits am Titel meines Beitrags erkennen kann bin ich ein großer Fan der grün-weißen Landwirtschaftsbänker.

 

Warum? Das weiß ich eigentlich selber nicht mehr so genau...sie sind mir einfach sympathisch, ihre Angriffslust, jeder Fahrer darf einmal sein Glück probieren, es ist für die Zuschauer einfach unterhaltsam.

 

Die Fixierung auf TT hier in Deutschland ging mir schon immer ziemlich gegen den Strich, mich ärgerte die Ignoranz der Medien gegenüber Fahrern wie Marcel Wüst oder auch Jens Voigt, die, von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, in ausländischen Teams Spitzenleistungen vollbrachten.

 

Jahrelang drückte ich Jens Voigt die Daumen, dass sein Mut und seine Angriffslust bei der "Grand Boucle" endlich einmal mit einem Etappensieg belohnt werden würde. Somit war aus der Sicht der Grün-Weißen das Jahr 2001 fantastisch, die Tour brachte einen Erfolg nach dem anderen, der großartige Sieg im Mannschaftszeitfahren, das gelbe und das grüne Trikot für jeweils einige Tage. und endlich endlich ein Sieg für "Schens Woit" bei der Tour!!!

 

Ich hab mich damals so sehr für ihn gefreut, die Bilder der Blaskapelle vor dem Hotel waren einfach schön.

 

Soweit, so gut, mein Fanherz war zufrieden mit dem Jahr und freute sich auf das nächste. Als dann das Team Festina seine Pforten schloss und Crédit Agricole mit Christophe Moreau den Kapitän des Teams verpflichten konnte, konnte es aus meiner Sicht ja eigentlich nur noch besser werden. Mit Moreau kam noch Florent Brard, ein junger Fahrer,der bei der Tour 2001 einige Tage das weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers getragen hatte. Also beste Aussichten für die nächste Tour und mit Moreau gab es nun auch einen Kandidaten fürs "Stockerl" in Paris in den Reihen der Equipe von Roger Legeay.

 

Das neue Radsportjahr begann für CA dann auch recht verheißungsvoll mit guten Platzierungen in den ersten Rennen des Jahres im Februar, so in der Tour de Langkawi oder beim Grand Prix de la Marseillaise.

 

Doch dann ging es auch schon los mit der Seuche am Radschuh:

 

Christophe Moreau stürzte beim Grand Prix de la Marseillaise in der Abfahrt vom Petit Galibier, die Folge waren ein gebrochenes Schlüsselbein und drei Wochen Pause. Aus diesem Grund verlief auch die Eingewöhnung bei seinem neuen Team anfangs nicht wie gewünscht.

 

Dann brach sich Florent Brard bei der Midi Libre das Schlüsselbein und verpasste dadurch die Tour, was für CA eine erhebliche Schwächung darstellte.

 

Doch das war noch nicht alles, Moreau stürzte Ende Juni beim Training und zog sich Hämatome und Hautabschürfungen zu. Doch er ging trotzdem noch bei den französischen Meisterschaften an den Start und litt auf dem Rad.

 

Wenige Tage später begann die Tour und ich hoffte auf ähnliche Erfolge wie letztes Jahr. Noch dazu war ich während der ersten Woche selbst in Frankreich, zwar leider nicht bei der Tour, aber wenigstens im Lande. In jeder Kirche, die wir in Südfrankreich zwischen Mont Ventoux und der Côte d'Azur besichtigten, zündete ich eine Kerze an und hoffte auf eine skandalfreie und aus grün-weißer Fansicht auf eine gute Tour.

 

Doch leider wurde diese Hoffnung ganz schnell enttäuscht.

 

Bereits im Prolog lief es nicht wie erhofft, Moreau verlor viel Zeit. Es gab keine Wiederholung des Familientreffens auf dem Podium mit seiner Freundin Emilie wie im Jahr 2001 in Dunkerque und Emilie musste für den Rest der diesjährigen Tour de France fremde Männer küssen!

 

Und es sollte so weiter gehen: Auf der ersten Etappe stürzte der Fahrer aus Belfort mehrfach und hatte zudem noch einen technischen Defekt, der einen Radwechsel notwendig machte. Ergebnis: 3 Minuten Rückstand, ein Platz auf dem Stockerl schon so gut wie unmöglich. Ich schaute abends im Hotel in Arles die Zusammenfassungen auf France 2, auf Eurosport (englische Ausgabe) und im ZDF an, ich las morgens nach dem Frühstück die Berichte in den ausgelegeten französischen Zeitungen, in drei Sprachen bekam ich die Infos geliefert, doch was ich da sah, las und hörte, es gefiel mir ganz und gar nicht.

 

Auf der nächsten Etappe, die nach Saarbrücken führte, hatte dann der nächste Fahrer des Teams Pech: Thor Hushovd hatte zu wenig getrunken und bekam schreckliche Krämpfe. Nach längerer Behandlung erreichte er ds Ziel nur knapp im Zeitlimit.

 

Es ging weiter mit schweren Herzrythmusstörungen beim Sprinter Stuart O' Grady und einem enttäuschend verlaufenden Teamzeitfahren, wo man sich fast zweieinhalb Minuten Rückstand auf das siegreiche Team Once einhandelte.

 

Auf der siebten Etappe stürzte Kapitän Moreau erneut und bekam dadurch 10 Minuten Rückstand auf die Spitze im Gesamtklassement. Auch Jens Voigt blieb vom Pech verfolgt, ein Sturz, Rad zerstört und vier Minuten Rückstand auf den Etappensieger Bradley Mac Gee.

 

Irgendjemand schien was gegen die Mannschaft zu haben, wenn es einen Radsportgott gab, er war dem Team nicht freundlich gesonnen.

 

In der 10. Etappe stürzte dann Voigt schwer und hatte für den Rest der Tour an seinen Verletzungen zu leiden.

 

Die Nerven beim Team lagen blank nach all dem Pech, was sich auch in der kleinen Rangelei zwischen Moreau und Carlos Sastre vom Team CSC-Tiscali auf der 12.Etappe äußerte, die Moreau eine Zeitstrafe von 2 Minuten einbrachte.

 

Jonathan Vaughters stürzte bei diesem Teilstück schwer und beendete danach nicht nur die Tour, sondern gleich seine ganze Karriere. Es war ihm bei allen Teilnahmen nie vergönnt, auf die Champs Elysees zu kommen. Außerdem hatte er starkes Heimweh nach seiner Frau und seinem kleinen Söhnchen Charles, welches erst wenige Monate alt war, die beide in den USA lebten.

 

Auch die Ventouxetappe verlief nicht nach Wunsch, der einzige Lichtblick waren die 100 Flaschen des Edelweines "Chateauneuf du Pape", die Thor Hushovd bei einem Zwischensprint gewann. Damit konnten die Fahrer wenigstens ihre Sorgen ein bischen vergessen bei einem guten Gläschen...

 

Danach folgte der Ruhetag und anschließend eine schwere Alpenetappe.

 

Moreau stürzte erneut und beendete danach diese Tour unter bitteren Tränen. Ich habe richtig mitgelitten mit diesem Häufchen Elend, da hat man gesehen wie nah ihm das gegangen ist, Sport ist nicht einfach nur ein Beruf, das ist Leidenschaft.

 

Spätestens jetzt trieb das Team Crédit Agricole schwer angeschlagen und ohne Kapitän durch das wilde Meer Tour de France. Das Ziel des Podiums war schon ziemlich früh in dieser Tour nicht mehr zu realisieren gewesen, das im Vorjahr noch so gut verlaufene Teamzeitfahren verpatzt worden, noch nicht mal zu einem Etappensieg hatte es bisher gereicht. Der Sponsor muss schwer enttäuscht gewesen sein und ich hatte schon Angst, er würde sich zurückziehen.

 

Doch dann kam die 18. Etappe und mit ihr das, worauf ich schon so lange gehofft hatte:

DER ERSTE ETAPPENSIEG FÜR DAS SYMPATHISCHE TEAM DURCH THOR HUSHOVD!!!

 

Endlich klappte einmal alles was sie sich vorgenommen hatten, man setzte auf die richtige Ausreißergruppe, ein Fahrer kam durch und konnte die Sache erfolgreich abschließen. Ich saß inzwischen wieder vor dem heimischen Fernseher und war so aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Meine Hände waren ganz schweißnass vor Aufregung und mein Puls wahrscheinlich ähnlich hoch wie der von Stuart O'Grady auf der dritten Etappe. Ich konnte gar nicht hinsehen, habe nur noch gehofft, dass der Norweger nicht mehr eingeholt wird. Ich war soooooooo glücklich als er endlich als Erster über die Ziellinie gefahren war.

 

An dem Tag ging es mir wieder richtig gut, alles Pech meiner Lieblinge war vergessen!!! Durch diesen Sieg nahm die Tour wenigstens noch ein halbwegs versöhnliches Ende für Crédit Agricole.

 

Leider war diese Tour das genaue Gegenteil der Ausgabe von 2001, aber ich hoffe es wird im Jahr 2003 wieder besser. Vielleicht wollte das Team aber auch einfach zu viel, gelb für Moreau, grün für O'Grady und Etappensiege durch Voigt.

 

Inzwischen weiß ich das der Sponsor weitermacht und die stärksten Fahrer konnten gehalten werden, also kann es nur besser werden. In einem Interview mit Jens Voigt habe ich gelesen, dass er im Winter falsch trainiert habe und dies zur nächsten Saison wieder umstellen wolle. So ein Verletzungspech wie in diesem Jahr kann sich im nächsten Jahr einfach nicht wiederholen!

 

Ich werde in Zukunft auch keine Kerzen mehr stiften für CA, dies bringt scheinbar Unglück!

 

Im Herbst lief es dann für das Team besser, Pierrick Fedrigo konnte einige Erfolge einfahren und so konnte auch die GS 1 gehalten werden.

 

Allez Crédit Agricole!!! 


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