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Platz 12 - Jetse Bol




Jetse Bol

Niederlande

08.09.1989

 

Fahrertyp: Allrounder

Wichtigster Erfolg: 1. Olympia’s Tour

Team/Verein 2010: Rabobank CT

Stagiaire: Rabobank

Team 2011: noch offen

Beste Mock-Platzierung: neu

Web: www.jetsebol.nl

 

Wäre Jetse Bol 15km südlicher geboren, wäre er vermutlich Volendams nächster Weltklassevolkssänger. Bei einer Geburt im weitere 20 Kilometer südlicher gelegenen Amsterdam wäre er wohl Drogendealer geworden, oder eben Fußballprofi. Das zweifellos sehr pittoreske Avenhorn allerdings ist was die ländlichen Klischees angeht noch völlig nackt, und so konnte Jetse Bol tun was er am besten kann.

 

Und dies tat er auch seit jungem Alter sehr erfolgreich; denn bereits in der Jugendklasse wurde Jetse 2005 niederländischer Meister im Zeitfahren. Im Juniorenbereich konnte er links und rechts – vor allem im Benelux Raum – gute Erfolge feiern, ohne international zu einem der ganz großen Stars zu wachsen.

 

Auch ohne diesen Junioren Superstar Status durfte er 2008 in seinem ersten U23 Jahr zu den Mini Rabos. Gute Voraussetzungen, um einen perfekten Aufbau bis hin zu den Profis zu genießen, allerdings mit der Gefahr in der geballten teaminternen Gewalt unterzugehen. Dies tat Bol dann auch wenig überraschend in seiner ersten Saison im Team. Der achte Platz als letzter Helfer vom Sieger Vermeltfoort bei Paris – Roubaix (1.2U) war der Höhepunkt einer mauen Saison.

 

Auch die 2009er Saison eignete sich prinzipiell nicht für Lobeshymnen und ernsthafte Profiträume; wäre dort nicht das eine kleine Rennen gewesen, welches in den Niederlanden ein ungeheures Ansehen genießt und im öffentlich rechtlichen Fernsehen täglich sogar mit einer Zusammenfassung gewürdigt wird; die Olympia’s Tour (2.2). Sieben Jahre in Folge hatte die Rabobank CT Formation das Rennen gewonnen; Boom, Berkhout, Veelers, Clement, Dekker, Posthuma und Louwers hießen die Sieger der Vorjahre. Dieses Jahr sollte es nicht anders werden. Das Mannschaftszeitfahren ging an die Mini Rabos, die nächsten zwei Etappen gewann wie erwartet Theo Bos im Sprint, die dritte Etappe gewann...Christopher Stevenson. Solo, 40 Sekunden vor dem besten Rabobank Fahrer. Und das war ein Problem, denn nach der nächsten Flachetappe, die wieder an Bos ging, stand nur noch die Hügeletappe in Limburg auf dem Programm. Rabobank hatte mit van Garderen und van Winden zwei Kapitäne am Start, deren Aufgabe es werden sollte den Schweden zu entthronen. Und Bol, der Bestplatzierte des Teams, konnte noch als Joker ausgespielt werden. Und das tat er dann auch. Er attackierte und rieb das gesamte Team des Schweden auf. Letztendlich war es Stevenson selbst, der hinter der Bol-Gruppe herjagen musste. In Vaals war er mit seinem Feld bereits auf Sichtabstand, ein paar Fahrer wagten den Sprung; Stevenson hingegen brach ein und sah die Spitze des Rennens nie wieder. Tejay van Garderen, der den Sprung geschafft hatte, gewann die Etappe, der unbekannte Jetse Bol gewann völlig überraschend die Rundfahrt und hatte sich plötzlich einen Namen gemacht. Dass er keine Eintagsfliege ist, bewies der Niederländer beim vierten Platz der Boucles de la Mayenne (2.2) und dem 12. Platz bei der Zeitfahr-Europameisterschaft.

 

Der echte Durchbruch erfolgte aber dieses Jahr. Fast in bekannter Dekker, Reus oder Boom Manier rollte Bol durchs Frühjahr. Das kurze Zeitfahren der Tour de Normandie (2.2) gewann er deutlich. Auf der schwersten Etappe wurde er Dritter. Da während der chaotischen Rundfahrt einige Gruppe durchkamen, belegte Jetse Bol am Ende Platz fünf. Eine Woche später stand die Triptyque des Monts et Châteaux (2.2) an. Platz drei im von Robert gewonnen Massensprint auf der ersten Etappe, der Sieg im Zeitfahren auf dem ersten Teilstück der zweiten Etappe, der zweite Platz als Sprintsieger auf dem zweiten Teilstück, sowie der dritte Platz im Sprint auf der dritten Etappe sorgten dafür, dass der Niederländer auch die Gesamtwertung gewann; vor Phinney, Kelderrman, Degenkolb, Balck, Debusschere und Vermote; ein Mock List Festschmaus.

Wieder eine Woche später stand die Ronde van Drenthe (1.1) auf dem Programm. Im mit Profis gespicktem Feld schien Bol einer der Stärksten zu sein, aber seine viel zu früh angesetzte Attacke machte eine gute Platzierung unmöglich. Ganze zwei Wochen später nahm der damals noch 20 Jährige an der Tour de Bretagne (2.2) teil. Seinen vierten Saisonsieg feierte er gleich auf der ersten Etappe; im Sprint einer Neunergruppe war er schneller als der Russe Arguelyes. Der etwas enttäuschende sechste Platz im Zeitfahren und der hinter Degenkolb und Molmy dritte Platz im Massensprint der vierten Etappe sorgten dafür, dass Bol das Trikot bis zur sechsten Etappe verteidigte. Dort allerdings fuhr eine große Gruppe weg und Rabobank hatte den Zug verpasst. Das Trikot und die Rundfahrt waren verloren. Genauso wie die Form des Jetse Bol. Denn ab diesem Moment musste er mit deutlich schlechteren Beinen durch Europa radeln. Bei der Olympia’s Tour (2.2) konnte er seinen Titel mit Platz 17 nicht verteidigen, zu allem Überfluss durchbrach Taylor Phinney auch noch die Rabobank Siegesserie. Platz 14 bei Paris – Roubaix (1.2U) konnte er bereits im ersten U23 Jahr besser. Ein wenig Hoffnung auf einen guten herbst gab lediglich der sechste Platz beim Prolog der Portugal – Rundfahrt (2.1).

 

Jetse Bol hat noch ein Jahr Zeit um einen Profivertrag zu bekommen, dies wird er höchstwahrscheinlich auch noch nehmen. Mit den Beinen des Frühjahrs ist er aber jetzt bereits mehr als profiwürdig. Erst im September bekam Bol einen Stagiaire Vertrag von Rabobank, seitdem fährt er im gleichen Trikot, aber mit anderen Teamkollegen, die etwas größeren Rennen. Bei Paris – Brüssel (1.H) konnte er sich schon einmal gut in Szene setzen, als er im Finale am Bruineput mit einer starken Gruppe mitspringen konnte. Bei der Kampioenschap van Vlaanderen (1.1) konnte er sich gar im Massensprint zwischen den echten Profis auf Platz sechs schieben.

Nur seine relativ schwache zweite Hälfte der Saison vor der Mock List Deadline sorgt für den recht enttäuschenden zwölften Platz der Mock List. Trotz seiner Zeitfahrsiege gehört er bei der WM wohl nicht zu den ganz großen Favoriten. Seine Zeitfahrstärke sollte sich mehr auf die kurzen Strecken fokussieren. Bei entsprechender Form ist der Niederländer im Straßenrennens sicher zu beachten. Im reinen Sprint allerdings sollte Vermeltfoort der Teamkapitän sein, wenn vorher eine Selektion stattgefunden hat, ist Bol aber brandgefährlich.

 

Nominiert von ogkempf, wagenge, virtualprofit, ocana & Offi, geschrieben von ogkempf



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