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Giuseppe Fischetto, IAAF, FIDAL - Komplotte und mehr



Der Prozess um Dr. Giuseppe Fischetto und das mögliche Komplott gegen Alex Schwazer

Die beiden italienischen Verbands-Sportärzte Pierluigi Fiorella und Giuseppe Fischetto wurden im Januar 2018 zu je zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung einschließlich Berufsverbot und einer Geldstrafe verurteilt. Leichtathletikverbandsfunktionärin Rita Bottiglieri erhielt ein 9monatige Haftstrafe. Der Vorwurf lautet, von einem Dopingverdacht gewusst ihn aber nicht gemeldet zu haben, damit hätten sie Doping begünstigt - man kann dies ein historisches Urteil nennen.

Die Anklagen beruhten u.a. auf Aussagen Alex Schwazers, der nach seiner Überführung mit den Anti-Doping-Behörden zusammen gearbeitet hat. Das aktuell laufende Verfahren gegen Schwazer könnte ein Versuch sein, Schwazer zu diskriminieren.

Eine Zusammenfassung der Affaire ist hier zu finden:

spe15.fr: Dr Fischetto, spécialiste anti-dopage de l’IAAF, condamné à 2 ans de prison pour le dopage d’Alex Schwazer

 

Die wichtigsten Hintergründe in lockerer Übersetzung mit Ergänzungen:

 

Fischetto zählt zu den renommiertesten Personen des Anti-Doping-Kampfes der italienischen und internationalen Leichtathletik. Biolog. Pass, Anti-Doping-Beauftragter der IAAF bei zahlreichen Wettkämpfen, so z.B. letztes Jahr bei der WM in London. Und dies trotz vorhandener deutlicher Hinweise darauf, dass er ein doppeltes Spiel spielen könnte.

 

Geher Alex Schwazer hatte den italienischen Untersuchungsbehörden berichtet, dass Fischetto als Verbandsmediziner des italienischen Leichtathletikverbandes FIDAL über sein Doping Bescheid gewusst, aber nichts dagegen unternommen hatte.

 

Insbesondere Journalist Hajo Seppelt half Fischettos Verhalten zu hinterfragen. Im August 2017 beschuldigte Seppelt den Arzt, auf Betreiben Lamine Diacks das Doping von Russen und Türken gedeckt zu haben.

 

Seppelt und Journalisten des Telegraph hatten durch einen Whistleblower 2015 Zugriff auf Daten einer IAAF-Datenbank erhalten. Unter Tausenden Blutwerten wiesen eine beträchtliche Anzahl deutliche Hinweise auf Doping auf. Diese Daten halfen bei der Aufdeckung der Korruption innerhalb des IAAF. Die Daten waren Teil von Fischettos Festplatte.

 

Seppelt veröffentlichte auch Telefongespräche Fischettos, die von der italienischen Justiz abgehört worden waren. Fischetto äußerte darin Befürchtungen, das Bekanntwerden solcher Informationen könne zu einer großen Explosion führen. Er spielte offenbar eine ähnlich dubiose Rolle wie der ehemalige Leiter der medizinischen und Anti-Doping-Abteilung der IAAF Gabriel Dollé, gegen den in Frankreich in Verbindung mit dem Verfahren gegen Lamine Diack ermittelt wird.

 

Fischetto ist möglicherweise auch an einem Komplott gegen Alex Schwazer beteiligt.

Der Geher wollte nach Ablauf seiner Dopingsperre beweisen, dass er auch ohne Doping gute Leistungen erbringen kann und bereitete sich zusammen mit Sandro Donati auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor. Im Juni 2016 wurde jedoch bekannt, dass er erneut positiv getestet worden war. Er erhielt eine Sperre über 8 Jahre, die vom CAS bestätigt wurde. Schwazer und Donati wehrten sich umgehend und sprachen von einer Verschwörung. Schwazer habe keinesfalls gedopt. Es sei aber sehr seltsam, dass die IAAF ihr Ersuchen auf die zweite Analyse einer Probe kurze Zeit nach Schwazers Aussagen gegen den Verband und Fischetto vor dem Untersuchungsrichter in Bozen gestellt habe. Die entsprechende Probe war beim ersten Test als negativ klassifiziert worden.

 

Unterstützt wurde die Annahme eines Komplottes 2017 durch Veröffentlichungen der Hackergruppe Fancy Bears, die Verbindungen zwischen Fischetto und Thomas Capdevielle, IAAF-Anti-Doping-Beauftragter, aufzeigten. Der italienische Journalist Christoph Franceschini veröffentlichte am 7. Juli 2017 Details, die nahe legten, dass Thomas Capdevieille versuchte zu verhindern, dass auf Ersuchen der italienischen Justiz ein Gen-Test durchgeführt wurde, mit dem der Nachweis einer Manipulation erbracht werden könnte. Es gab ein intensives juristisches Gezerre um die Überlassung von Urinproben an das Carabinieri-Labor in Parma. IAAF und wohl auch die WADA versuchten eine Nachuntersuchung zu verhindern.

La Répubblica veröffentlichte in diesem Zusammenhang ein Zitat Fischettos, wonach er davon sprach, Alex Schwazer, "dieser Deutsch-Italiener muss eliminiert werden".

 

Nach langem Hin und Her gingen endlich versiegelte Proben nach Bozen. Ende Juli 2018 wurde bekannt, dass Vieles dafür spricht, dass Manipulationen statt gefunden haben, auch wenn die IAAF jetzt versucht, das Gegenteil zu beweisen. Ursprünglich sollte Anfang September 2018 der endgültige Untersuchungsbericht der Bozener Justiz vorliegen, es wurde jedoch bislang nichts daraus bekannt.

 

Am 10.11.2018 veröffentlichte salto Auszüge aus Emails, die der Zeitung von den Hackern Fancy Bears übergeben wurden. Aus ihnen wird deutlich, wie die IAAF im Zusammenspiel mit der WADA gegen Schwazer und Donati arbeiteten.

 

salto.bz: Komplott gegen Schwazer, 10.11.2018

 

ilsussidiario.net: CASO SCHWAZER/ L'esame del Dna rivela la manipolazione delle urine (esclusiva)

unsertirol24: Alex Schwazer wurde offenbar tatsächlich reingelegt

stol.it: Schwazer: Unregelmäßigkeiten bei den Urinproben

salto.biz: Die Manipulation

 

Play the Game: New information revealed in Alex Schwazer's case, 8.6.2018

 

ilgazzettino.it: «I medici Fidal sapevano del doping di Schwazer», condannati, 13.4.2018

 

insidethegames.biz: Italian doctors and official who ignored Olympic champion taking drugs are sent to prison, 28.1.2018

 

tageszeitung.it: Die abgehörten Telefonate, 28.8.2017

 

sportschau.de: Telefonmitschnitte: IAAF-Anti-Doping-Beauftragter belastet, 11.8.2017

 

telegraph.co.uk: Revealed: how Olympic champions, three Britons and 39 countries have been dragged into doping scandal, 10.12.2014

 

>>> Interview mit Gabriel Dollé, 24.6.2016

 


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