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Der große Chicken-Jahresbericht 2004 von Niniel

...dedicated to meinem Lieblingschick LinaM und meinem Lieblingsbruder crn.



Einleitung

Winter, tiefster Winter. Weihnachten steht vor der Tür, um mich herum blinkender Weihnachtsmann-Fensterschmuck, kitschige Christkindl-Dekorationen, Weihnachtsmarkt-Waffel-Geruch, aufdringliche Blechblasmusik, die billige Weihnachtstimmung vermitteln will. Ich Chick habe dafür keinen Sinn... Während Omas Früchtebrot backen, Mütter dem Geschenke-Wahn verfallen und Kinder mit großen, glänzenden Augen vor Schaufenstern stehen, befinde ich mich auf dem Gipfel der Agonie.

Winter. Tiefster Winter. Ich Chick habe Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Frühjahr. Sehnsucht nach Radrennen.

Die anfängliche Entschlossenheit, das Ende der Saison und die Winterpause als Erholung für Körper, Nerven und Geldbeutel gutzuheißen, wird zunehmend von eindeutigen Entzugserscheinungen abgelöst: wiederkehrenden Träumen von Radrennen, zwanghaftes Fotos-angucken, allabendliche Andachten am Altar für den Lieblingsfahrer bis hin zu Heulkrämpfen beim Anblick von so vordergründig belanglosen Dingen wie Haribo-Goldbären, Kago-Kachelöfen-Prospekten oder Gerolsteiner-Apfelschorle-Flaschen... Und irgendwann, wenn kein Verdrängungsmodus und Selbstschutzmechanismus es mehr aufhalten kann, kramt chick in den Erinnerungen an die vergangene Saison...

Einen Teil dieser Selbstfolterung präsentiere ich euch hiermit: einen Jahresrückblick, der für sich in Anspruch nimmt, so subjektiv, unkritisch und ‚shaved legs’-verherrlichend zu sein, wie chick nun mal ist...

 



Am Anfang war das Wort...

...und das Wort würgte sich durch unendliche Weiten des deutschen Telefonnetzes. Und das Wort war: „Hast“.

Und was darauf folgte, waren weitere Worte: „du schon die Starterliste von Paris-Nizza gesehen?“ Und das Wort, das sich daraufhin in umgekehrter Richtung durch das deutsche Telefonnetz quälte, war: „Nein.“. Was darauf folgte, war eine Aufzählung von Namen von Personen, die alle Söhne ihrer Mütter waren, irgendwann irgendwo geboren, um sich nun auf einer begrenzten Fläche in der Vorstadt von Paris zu treffen und sich und ihre rasierten Waden zu präsentieren... Und das Wort, was jetzt folgte, war: „Komm“. Und: „zu mir nach Versailles....“. Und irgendwo tief im Inneren des Wesens am einen Ende der Leitung erwachte etwas, wie aus einem tiefen, langen Winterschlaf, wenn die Frühlingssonne die Schneeglöckchen unter der Schneedecke weckt...

2 Wochen später saß ich im Zug von Frankfurt nach Paris. Und hier passieren Sachen, die Chicks in den Augen normaler Radsportfans oder generell normaler Menschen suspekt und vielleicht auch lächerlich machen: Ihr glaubt ja nicht, zu welchen Dingen Chicks fähig sind... Dazu gehört zum Beispiel, in der Nacht vom 6. zum 7. März, also die Nacht vorm Prolog von Paris-Nice, in Paris herumzuschleichen, dort, wo sich am nächsten Morgen Käsebrötchen tummeln würden, und sich tierisch über die vereinsamten Absperrgitter zu freuen, um irgendwann, ausgehungert und mit schmerzenden Füßen, nach Versailles zurückzukommen... Dazu gehört, am nächsten Morgen vor Aufregung wahnsinnige Bauchschmerzen zu haben, und verpeilt genug zu sein, seine Bahn zu verpassen und vor Ungeduld leicht grünlich angelaufen auf die nächste zu warten. Dazu gehört, an einem Morgen hunderte Kilometer durchs Fahrerlager zu laufen, um möglichst nichts zu verpassen. Dazu gehört, im Kolumbienkleid mit Kolumbienflagge über dem Kopf im Regen vor dem Timo-Bus auf Santi zu warten. Dazu gehört, beim Anblick von Jose Azevedo einen „Junge, iss doch mal was! Hier, haste nen Schokoriegel“-Anfall zu bekommen... Dazu gehört, sich noch Monate über Santis Antwort auf die Frage, wie er denn Tomas Konecny findet, lustig zu machen... Dazu gehört, 10 Sekunden Blickkontakt mit Christophe le Mevel zu den besten 10 Sekunden der letzten 5 Monate zu ernennen. Dazu gehört, am Abend nach dem Prolog in Hotelfoyers rumzuhängen, in deren Sesseln sich zufällig auch Karpets, Menchov und Co lümmeln. Dazu gehört, am nächsten Morgen bei der Teampräsentation 9 Filme vollzuknipsen, weil man direkt vor der Einschreibebühne steht, und danach schnell zum Start zu rennen und sich mit Santi bei der DeutschlandTour zu verabreden. Dazu gehört, sich wie selbstverständlich irgendwo in Paris mit Karsten Migels über Lina zu unterhalten... ;) So also war der Einstieg in die neue Saison geschaffen, neue Lieblinge gefunden, neue Ziele gesetzt...

 



Traditionen soll man pflegen...

...und so gehört das erste Rennen meiner Chick-Karriere, Rund um Köln, sozusagen zum festen Rennplan. Außerdem hat es als erstes deutsches Rennen der Saison das Privileg, diejenigen Chicks, die sich vorab keinen Ausflug ins Ausland leisten konnten, von ihren Qualen zu erlösen... Also machten wir, crn und ich, uns (genau wie voriges Jahr) auf den Weg, um in Leverkusen die Lina-Kian-alon&Co-Horde zu treffen... Genau wie voriges Jahr wanderten wir zum Ramada-Hotel (dieses Mal jedoch auf dem kürzeren Wege...), um unseren Morgen hier zu verbringen... Leider hatten wir in diesem Jahr, im Vergleich zum Vorjahr, nicht die Gelegenheit, Tom Steels trotz belgischem Meistertrikot nicht zu erkennen. Dafür durfte ich das erste Treffen von Lina und Karsten miterleben, sozusagen ein historischer Moment, der mit interessanten Erkenntnissen gekoppelt war (zum Beispiel, dass Karsten das Foto von Lina, dass ich ihm in Nürnberg zukommen lassen habe, an neben seinem Compi stehen hat... ). Genau wie im Vorjahr durfte sich Dennis Kraft kräftigen Bechickt-Werdens freuen, und wir hatten die Gelegenheit, seinem neuen Team gleich mal zu zeigen, welche Bedeutung Dennis für den deutschen Radsport hat... Nach der chick-typischen Süßigkeiten-Verteil-Aktion (Hasi-Kekse an Hasi usw.) bewegten wir uns in Richtung Start, um den anderen Teams zu huldigen und uns weiterzubilden in Sachen ‚besonders bemerkenswerte Käsebrötchen’. Außerdem muss ich gestehen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt trotz rasierter Waden und Massageölduft doch etwas schmerzlich vermisste, und dieses etwas war hellblau und kommunizierte in einer für westeuropäisch sozialisierte Wesen unverständlichen Sprache...oder, alternativ, magenta-farben und mit einem ungewöhnlich knubbeligem Exemplar des menschlichen Riechorgans ausgestattet... Was ich sagen will: mir fehlten meine Tschechen. Sowohl die Zettis (zu deutsch: Angehörige des lustigen kleinen Zvvz-Teams) als auch Tomas Konecny, die ich genau vor einem Jahr bei eben diesem Rennen kennen und lieben gelernt hatte. Ebendiese traf ich dann auch. Es wurde mir wieder einmal bewusst, dass man sich auf Starterlisten nicht verlassen konnte (weder dieses, noch voriges Jahr), und so wurde ich unvorbereitet mit einem meiner Lieblingskobolde, Pavel Zerzan, konfrontiert. Ihr, die ihr dabeigewesen seid, wisst, wie das ablief...ich schweige lieber... ;) (Genau wie im Vorjahr wurde ich jedoch mit dem üblichen breiten Grinsen begrüßt... ). Der Lord of the Knubbelnasen (eine Nase, mich zu knechten, nur selten zu finden, in den Wahnsinn zu treiben, und ewig zu binden....) schien nicht bemerkt zu haben, dass er von blau zu magenta gewechselt war, und tummelte sich als kleiner, knubbeliger, magenta-farbener Punkt zwischen kleinen, hellblauen Punkten...

Ein Verhalten, dass ich im Folgenden noch oft beobachten durfte... Wie im Vorjahr begaben wir uns nach dem Start nach Köln, um irgendwo zwischen den Massen herumzuliegen, zu essen und der Dinge zu harren, die da kommen sollten... Leider war das Rennen, im Vergleich zum Vorjahr, ein ganz klein wenig besser organisiert, wodurch wir nicht mehr in den Genuss kamen, zwischen aussteigenden Radprofis und herumirrenden U23-lern zu campieren, sondern uns nach dem Rennen selbst auf die Suche nach unseren Hasis machen mussten. Da ich Pavel (wenn er schon mal da war) unbedingt noch seine erste Portion Gummibärchen für diese Saison geben wollte, besuchte ich nun (wie im Vorjahr crn...) die Duschen und joggte dazu dem Zetti-Betreuer Jan hinterher, der Michal Precechtel 100 Meter vor mir her joggend zu den Duschen begleitete. Ende gut, alles gut: Ich aß zusammen mit Pavel die ersten Gummibärchen der Saison, und kam noch rechtzeitig zum Bahnhof, um mich von Lina und dem Rest zu verabschieden...bis zum nächsten Jahr...

 



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