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07/01 2005

Dilemma

von Blaho



"In der Alltagssprache bezeichnet ein Dilemma (griech.: zweigliedrige Annahme) eine schwierige oder ausweglose Situation, in der man sich befindet. Es gibt zwei Wahlmöglichkeiten, von denen eine ergriffen werden muss, beide aber zu einem unerwünschten Resultat führen. Dilemmata werden daher oft als paradox empfunden."

 

Soviel sagt das Lexikon zu meiner derzeitigen Lage. Mit den zwei Wahlmöglichkeiten wird es meiner Situation allerdings nicht wirklich gerecht. Tatsächlich wären da folgende mehr oder weniger wichtige Dinge, die getan werden müssten.

 

1. Lernen für die anstehenden Klausuren

2. Radfahren, immerhin ist am 1. Mai das Rennen um den Henninger Turm und ich will wenigstens ankommen

3. Arbeiten. Leider nimmt das immer noch einen grossen Teil meines täglichen Lebens ein.

4. Familie! Obwohl an Punkt 4 genannt, steht die in der Rangliste eigentlich ganz oben.

 

So, da sind sie also, meine 4 Wahlmöglichkeiten. Und trotz vieler Überlegungen ist es mir bisher nur sehr begrenzt gelungen, allem gerecht zu werden.

 

Das Neujahrswochenende erschien mir recht vielversprechend für Experimente in dieser Richtung. Als erstes habe ich mein Rad auf die Rolle gespannt. Voraussetzung war natürlich der Wechsel des Hinterrads, da ich meine guten Michelins ja nicht auf der Rolle wegradieren wollte. Also den alten Conti auf eine herumliegende Felge gezogen und das ganze dann aufgebockt und eingespannt.

 

Als nächstes hole ich das literarische Meisterwerk "Grundlagen der Volkswirtschaftslehre" von meinem hochgeschätzten Dozenten Professor Graf aus dem Arbeitszimmer in den Keller. Ich frage mich immer wieder, ob der Mann auch benutzt wird, um in Krankenhäusern bei der Anästhesie zu helfen oder vielleicht ist er mehr der Typ Veterinär, der hin und wieder mal hinzugezogen wird, wenn Medikamente beim einschläfern versagen.

 

Nun muss ich nur noch in die Radhose springen, ins Trikot schlüpfen und dann kann’s losgehen. HAC gestartet, Beine langsam in Bewegung gesetzt und das Buch aufgeschlagen.

 

Hat schon mal einer der Leser versucht, ein Buch auf einem Rennlenker zu lesen? Ich will nicht behaupten, dass es nicht geht. Noch weniger kann ich sagen, dass es irgendeinen Sinn macht. Aber als Heimwerkerkönig hat man immer eine Lösung parat. Ich säge mir eine Holzlatte auf ca. einen Meter Länge und lege sie über die Bremsgriffe, was mir eine wunderbare Auflagefläche für Prof’s Ergüsse bietet. Und weiter geht’s: Rauf auf’s Rad und die Beine locker kreisen lassen.

 

Warum quietscht denn dieses blöde Hinterrad? Dabei kann sich doch kein Mensch konzentrieren. Runter vom Rad, und die Rolle ein wenig lockerer gestellt. Das ging schnell. Rauf auf’s Rad und weiter geht’s.

Nachein paar Minuten stelle ich fest, dass es eigentlich immer noch zu laut ist, um sich wirklich wirtschaftswissenschaftlichen Problemen zu widmen. Also muss ein CD-Player her. Runter vom Rad, hoch in den ersten Stock und den Discman von meinem Sohn ausleihen. Schnell eine CD aussuchen, die ruhig genug ist, um sich dabei noch auf’s lesen zu konzentrieren. Die alte Garth Brooks muss herhalten. Zurück in den Keller und rauf auf’s Rad und Beine kreisen lassen.

 

Jetzt habe ich es tatsächlich geschafft und kann meine 50 Minuten durchrollen. Der Puls bleibt bei 120 Schlägen, auch VWL putscht mich nicht weiter auf und Garth Brooks sorgt auch nicht für Herzrasen.

 

Als ich dann endlich fertig bin, stelle ich fest, dass ich über 2 Stunden beschäftigt war und im Endeffekt doch weniger erreicht habe als geplant. Aber dafür werde ich den Rest des Tages Punkt 4 auf meiner Liste "abarbeiten" und hoffe, dass beim nächstenmal etwas mehr Nettotrainingszeit überbleibt.


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