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Henninger Turm 2006

von Donishäusle



Erinnert sich noch jemand an Pedro Delgado 1989 beim Prolog der TdF in Luxemburg? Da hat sich vielleicht manch einer gefragt, „wie kann man nur so blöd sein?“. Nun, seit gestern habe ich ein gewisses Verständnis für ihn zahnlos

aber der Reihe nach...

 



Der Tag davor...

30. April:

Streckenbesichtigung: Nach ein paar Schauern am Morgen sah das Wetter gar nicht so schlecht aus, kaum war ich in Heftrich aufs Rad gestiegen, um die Bergetappe durch den Taunus zu erkunden, da sorgten heftige Schneeregen-Schauer für nicht eben warme Gedanken...

 

Die Beine waren aber sehr gut und so erkundete ich mit einem tschechischen Jedermann die Anstiege bis Ruppertshain, wobei die Schauer seit Kröftel in einen Dauer-Schneeregen übergegangen waren. arrrghhhh

Damit hätt ich’s eigentlich auch belassen können, aber der Schulberg stand noch an und irgendwie muß man ja wieder zum Auto kommen. Bei den zum Teil äußerst fiesen Abfahrten hat sich die Besichtigung auch gelohnt. Am Ende waren es allerdings 39 km mit 780 hm sowie komplett eingefrorenen Füßen - ob das nun die optimale Vorbereitung war?

 

Nun denn, eine heiße Dusche hat mich wiederbelebt und so konnte ich guten Mutes zum Startnummernabholen und Usertreffen aufbrechen...

Das mit der Nummer hat gut geklappt, und sogar die Pasta-Party im Dorint-Hotel (neben dem MTZ) war annehmbar, all you can eat mit und ohne Fleisch Gut gemacht

Die User-Party bei Blaho, herzlichen Dank dafür noch mal Kam Po Wong , brachte auch einige Überraschungen großes Grinsen ! Checker mit Ulle-Gedächtnismatte... ja großer meister...

Um viertel nach neun bin ich dann aber zu meinem Quartier aufgebrochen, am nächsten Tag wollte ich ja auf keinen Fall zu spät sein...



Der Tag des Rennens...



Wild entschlossen und zu allem bereit: Donishäusle

1. Mai: Raceday, Wetter heiter, Temperatur 4,5 Grad. Na ja, wenigstens kein Schnee...

 

8:15 war ich am MTZ, erstes Problem: Was anziehen? Ärmlinge, Knielinge und Weste müßte reichen, für die Bodybuilder unter den Usern sind Beinlinge für die Arme auch eine Alternative! zahnlos

Nach und nach finden sich alle erkennbaren User ein: Niggel, Cerebellum, und Checker und wir wenden uns dem Problem Startaufstellung zu.

 

Problem? Als um 9:20 die Aufstellung eröffnet scheint keiner so recht Lust zu haben, sich ganz vorne hinzustellen! Der Grund ist nach einigem Überlegen offensichtlich: Für die Wertung zählt - bekloppterweise - die Nettozeit und wenn man weiter hinten startet, kann man, nachdem man sich durchs Feld nach vorne arbeitet, gleich mal ein paar Bonussekunden sammeln.

 

Wir entscheiden uns aber dafür, uns vorne etwa an Position 20 aufzustellen zumal die Teams auch in der Region rumstehen. Mein Kumpel Clemens taucht auch noch auf und wir habe jede Menge Zeit, uns über die anstehenden Strapazen Gedanken zu machen ohje...! Start soll um 9:58 sein und ich hab 9:40 (?) noch mal ein dringendes Bedürfnis... Kein Problem! Zum rettenden Häuschen sind nur 100m und so jogge ich, so schnell es eben mit Klickies geht, dahin, nur um ca. 45sec später einigermaßen konsterniert festzustellen, dass die Startaufstellung schon Richtung Ziel in Bewegung ist...Das glaub ich ja nicht!

Ich schnapp mein Rad und finde mich im hinteren Viertel der Aufstellung wieder, Checker und Clemens sind zum Glück vorgefahren... Äääähm, ich werd dann wohl die Taktik mit der hinteren Aufstellung testen. Problem könnte höchstens sein: Man kommt gar nicht nach vorne... arrrghhhh

 

Die Berichte über das mörderische Anfangstempo im Hinterkopf geht es zur Startlinie, ein Paar Straßackertypen um mich herum geben mir etwas Hoffung und es geht los, endlich!



Los geht´s...

1km: Erster Eindruck sehr flott aber noch nicht tödlich und auch nur ganz kurz mal über 60 ….also weiter

 

3km: eine lange Gerade eröffnet den Blick auf die Führenden die vielleicht 200m vor sind. Da geht noch was vengavenga

 

8km: Sturz im Feld, sieht nicht gut aus aber ich komme drum herum... Mittlerweile sind wir in Hattersheim und die Strasse ist verdammt kurvig. Wenn mir bis jetzt noch nicht völlig klar war, was ein Ziehharmonikaeffekt ist, werde ich hier nachdrücklich aufgeklärt volltrottel

 

10km: Im Feld vor mir sehe ich zwei große Gestalten ein davon um unverkennbaren schwarz-weiss und mit wallendem Haar unter dem Helm verliebt bald ist es geschafft...

 

12km: geschafft *schwitz* (mein Schnitt bis dahin 45,7) ich melde mich zurück bei den beiden und versuche mich irgendwie zu erholen, der Schulberg ist ja auch nicht mehr weit...

 

21km: Eppstein! Von meiner gestrigen Tour weiß ich, was mich erwartet. Ich fahre aber dennoch ein bißchen zu weit hinten erst ins Kopfsteinpflaster und dann in den Anstieg...

 

22km: Schulberg - etwa 20 Meter vor mir sehe ich Clemens - und Checker noch mal 10 Meter davor. Sehen beide noch sehr stark aus, wenigstens verlier ich nicht weiter und etwa 2:20 später ist der steilste Anstieg (max. wohl 19%, gesamt 67m, Durchschnittssteigung 9,8%, sagt mein Polar) und mein max. Puls für den Tag im Kasten volltrottel  Auf der ultrasteilen Abfahrt fahr ich erst zu Clemens auf und seh dann nur noch, wie Checker an den Rand fährt und abwinkt verwirrt. Hilft nix, wir müssen weiter! Nach der krassen Rechtskurve geht’s wieder runter ins Tal, wo ich gleich mal versuche, den Savoldelli zu machen um die 50 Meter Rückstand zur Spitze aufzuholen...

 

25km: Die Spitzengruppe ist zusammengerollt und das Tempo in dem flachen Tal nach Ehlhalden zum ersten Mal relativ entspannt, offensichtlich hat der Schulberg doch den meisten weh getan! Clemens ist da, von Checker keine Spur...schmollend

 

35km: Anstieg nach Heftrich, die Jungs vorne haben offensichtlich vor, das Rennen an den Bergen schwer zu machen, meine Beine wollen nicht ganz so wie ich, Clemens ist auch kurz vorm Platzen aber irgendwie schaffen wirs noch bis Kröftel dranzubleiben.

 

40km: Anstieg nach Glashütten, im Schnitt 4,5% also pille-palle wie Tourmi sagen würde, konsequenterweise fahren wir da auch mit Schnitt 25km/h hoch und ich bin voll am Anschlag! volltrottel

Ich hab eine 20-Meter-Lücke bekommen und es wird einfach nicht weniger. Was sind schon 20 Meter? Ich sags Euch, 20 Meter können sooooooo lang sein.

...langsam wird mir schwarz vor Augen, mein Bewußtsein macht sich auf in höhere Sphären als ich plötzlich Udo Bölts vor mir sehe, er scheint mir etwas zuzurufen, aber ich verstehe nicht. Doch, ganz deutlich, formen seine Lippen die Worte...

 

43km: Abzweig nach Schloßborn. Rettung! Mit letzter Kraft rolle ich ans Ende der Gruppe, die mit 83 km/h den Berg hinunterfegt. Die Abfahrt ist leider nicht sehr lang und dann kommt auch schon der Ruppertshainer... arrrghhhh

Die scharfe Linkskurve in Schloßborn mit dem kleinen Gegenanstieg nehme ich noch mit dem großen Blatt, nachdem ich ein paar Gänge hochgeschaltet hatte - geht ganz gut!

 






Am Ruppertshainer...





Die Bergwertung im Blick...

46km: In Schußfahrt geht’s zum Ruppi. Unten Schwung mitnehmen was geht, den steilen Mittelteil mit kleinem Gang und treten, treten. Die Spitzengruppe bleibt in Reichweite und nicht zuletzt seh ich meinen Namen über die ganze Straßenbreite auftauchen!

Rakta, Flax, Blaho ja großer meister... ja großer meister... ja großer meister...

Am Rande erkenn ich dann auch noch ein C4F-Trikot und Blaho ruft mir ein paar aufmunternde Worte zu. Der erste C4fler (ohne Trikot) war übrigens Clemens, der etwa 30Meter vor mir über den Ruppi kommt. Kam Po Wong

 

In der Abfahrt kann ich in der Haarnadelkurve in Rupertshain (abartiges Teil, siehe auch Beitrag im Forum über den "Zauberberg") Das glaub ich ja nicht!  einen Abflug mal wieder gerade vermeiden und mache mich auf, die Spitze zu verfolgen! Zum Glück kommen von hinten noch ein paar Fahrer und zu sechst schaffen wir bis Fischbach wieder den Anschluß.

 

60km: In Fischbach sind die 35/75km Velotourer noch dazugekommen. In dem allgemeinen Durcheinander bildet sich eine ca. 30 Mann starke Kopfgruppe, in der die 100er Spitze und noch ein paar andere Hansel vertreten sein dürften.

 

70km: Die Meute jagt mit 45 Sachen dahin und ich versuche eigentlich nur nicht hinten rauszufallen. Glücklicherweise kommen nach der Kelkheimer Kopfsteinpflasterpassage (Tip: links ist es glatt) fast nur noch kurze Wellen die ich ganz gut überstehe...

 

75km: Damit die Sache nicht zu einfach wird fange ich an, Krämpfe zu bekommen. Spätestens jetzt reduzieren sich meine Ambitionen auf irgendwelche Späße, die Ziehharmonika wird endgültig zu meinem Feind, aber es geht.

 

81km: Darmstädter Strasse: Das Profi-Ziel! Hier geht’s ja wirklich hoch! Das glaub ich ja nicht!

 

85km: Überraschung! Kleiner Ausflug übers Kopfsteinpflaster auf einem Mainradweg. Die Veranstalter wollen wohl verhindern, dass man am Ende Langeweile bekommt...

 

90km: Von jetzt an bis ins Ziel gibt nur noch Attacken: Clemens geht’s offenbar zu gut und er fängt an, alle Konter zu fahren, einmal hat er keine Lust mehr und die zwei Jungs vorne kommen auf etwa 50m weg... Das könnte ja ne Gruppe geben also düse ich mit den letzten Körnern auf der rechten Seite raus zu den zweien, nur um festzustellen (als ich mich umblicke), die ganze Spitzengruppe an meinem Hinterrad zu finden.

 

100km: Meine Beine melden höchste Krampfbereitschaft, die Gruppe ist immer noch zusammen. An einen Sprint meinerseits ist nicht zu denken, also: dranbleiben!

 

102km: Ziel... An etwa 20. Stelle bin ich reingerollt. Clemens etwa fünf Positionen vor mir...

Meine Beine tun weh…verletzt sein



Nach dem Rennen...



Fachsimpeln nach dem Rennen: Donishäusle und Niggel... (Fotos: Rakta und Flax)

Clemens hatte am Ende noch ganz gut Druck auf dem Pedal, kam aber auch nicht in den Sprint. Transponder abgeben, wir bekommen eine gaaaaanz tolle Medaille.

Checker taucht im Zielgelände auch noch auf, wir hören von seinem Mißgeschick (scheiß Karbonvorbauten zeter und mordio ). Wirklich schade!

 

Ein Meeting aller Teilnehmer rundet die Sache ab und natürlich werden auch schon Pläne fürs nächste Jahr geschmiedet!



Fazit...

Rückblickend kann man sagen, dass es sicher nicht sehr lustig war die letzten 25 km mit Krampfansätzen zu fahren, aber geil wars trotzdem!!! Jetzt muß ich nur noch Clemens vollends konvertieren, Checker muß seine Black-Beauty flott kriegen, dann geht da nächstes Jahr noch was Gut gemacht

 

Und: nächstes Jahr stell ich mich auch (wieder) ganz vorne hin. Wenn man eine gute Plazierung im Internet stehen hat, mag das gut zum Posen sein, aber ich will lieber versuchen richtig Radrennen zu fahren.


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