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Dreiländergiro 2006

von Niggel, Juli 2006



Die Anfahrt

Es war Freitag Morgen. Ich machte mich auf den Weg nach Nauders /Österreich.

Nach 8,5 Std. Fahrt bei schönstem Wetter kam ich an, und nachdem das Quartier bezogen und das Rad zusammengebaut war, rief ich einen Bekannten an, der eigentlich schon vor Ort sein sollte, aber erst eine Stunde später eintraf.

Beim Treffen am Abend lernte ich auch eine Gruppe aus Koblenz kennen (Freunde meiner Bekannten).

Für den Samstag wurde dabei mal eine gemütliche Runde geplant.

 



Der Samstag

Wir fuhren dann am Samstag wirklich locker zum Reschenpass, der nur wenige Kilometer und ca. 100 Hm über Nauders liegt. Nach einer Runde um den Reschensee genossen wir Kaffee und das herrliche Sommerwetter.

Auf der Rückfahrt bekamen wir dann tatsächlich ein paar Tropfen ab, die sich später am Abend zu einem heftigen Gewitter zusammen rauften.

Zunächst fuhr ich aber noch zur Norberthöhe, dem Schlussanstieg des Marathons.

'Hoppla, da geht's aber auf der anderen Seite doch noch gewaltig nach unten', dachte ich nur. Auf dem Profil sah das aus wie eine Schippe Sand.

Ich rollte ein Stück nach unten, aber aus Zeitgründen fuhr ich wieder hoch und ins Hotel.

Die Nudelparty war schliesslich angesagt.

Na ja - gut, dass es im Hotel ein gutes Abendessen gab. Wenigstens satt war ich ulle (duckundwech)

Aber ich frage mich sowieso, wozu es diese Nudelpartys gibt. Die Portion wäre schon beim Warmfahren am Morgen verbrannt gewesen.

 

Jetzt kam das Gewitter runter, das uns einige Zeit im Festzelt verweilen ließ ojojojoj

Fast die ganze Nacht hindurch regnete es, wobei der Wetterbericht im Hotel für den Sonntag schönstes Wetter voraussagte, mit Gewittern erst am Abend.

Ich zweifelte wirklich am Verstand des Hoteliers Du spinnst ja!

 



Vor dem Start

Nun, der Chef des Hauses sollte Recht behalten, obwohl es noch um 4:30 Uhr beim Aufstehen leicht tröpfelte. Pünktlich zum Start um 6:30 Uhr riss der Himmel auf und ein schöner Sommertag kündigte sich an.

Zunächst fing der Tag aber schon mal schlecht an. Kurz vor dem Losfahren fiel mir der HAC zu Boden und wollte anschließend nur noch wirre Zeichen anzeigen. Zum Aufschrauben zwecks Reset hatte ich weder die Zeit noch das nötige Werkzeug dabei mit dem Kopf an die Wand

Mist! Ausgerechnet heute muss mir das passieren. Aber was soll's, fahren kann man schliesslich auch ohne das Ding. Ich hätte aber unterwegs schon ganz gerne gewusst, wo ich dran bin. Das betrifft Puls, Hm, Fahrzeit und Streckenlänge.

 



Der Start

Dann ging's endlich los. Recht gemütlich fuhren die ersten los, was im noch stehenden Feld für Verwirrung sorgte. Man hatte damit gerechnet, dass sofort ein Rennen gestartet wird.

In noch gemütlichem Tempo ging's hinauf zum Reschenpass, wie schon gesagt, ein kurzes Stück aufwärts, dann am Rechensee vorbei. Nach ca. 10 km wurde dann das Tempo angezogen und jetzt bildeten sich einige schnelle Gruppen. So ging's in die Abfahrt Richtung Prad.

 



Der lange Anstieg

Waren die ersten Körner jetzt bereits verbraten, ging's in den Anstieg. Ich fühlte mich nicht richtig wohl. Es war noch kühl und meine Beine waren noch nicht richtig wach. Erst kurz vor der ersten Labestation in Trafoi hielt ich an und zog endlich meine Windweste aus. Ich war durch und durch geschwitzt. Endlich in kurz / kurz fuhr ich weiter und jetzt fühlte ich mich gleich viel besser. An der Labestation fasste ich einen gelben Öko-Riegel und fuhr gleich weiter.

Schön gleichmässig kurbelte ich nach oben. Es lief aber immer besser, je höher wir kamen. Durch die Nummerierung der Kurven, wusste man in etwa, wo man war. Oder besser gesagt, man wusste, dass man noch lange nicht oben war. Noch nie bin ich auch nur annähernd so lange bergauf gefahren, aber die Beine spielten mit. Beim Verlassen der Baumgrenze bekam ich ein seltsames Gefühl. Leider war in dieser Höhe eine dichte Wolkenwand, so konnte man nicht richtig ins Tal sehen. Aber der Ausblick war jetzt schon toll. Unaufhörlich ging's weiter nach oben. Dabei war die berühmte Wand mit den letzten 20 Kehren noch nicht in Sicht. Ab diesem Zeitpunkt überholte ich öfter Radfahrer.

Unbegreiflich war mir, dass fast jeder die Kurven ganz außen fuhr. Ich hatte jedenfalls schnell den Dreh raus und zog innen in die Kurven und - Zack! - Lenker rum und weiter. Die Kurven sind richtig eng und dadurch nicht so steil. Jedenfalls überholte ich in den Kurven so etliche Radler, was bei manchem zu seltsamen Blicken führte.

Hatte ich den meisten Bammel vor der dünnen Luft bei über 2000 m Höhe, fühlte ich mich immer besser, je höher wir kamen.

Entweder bauten die meisten dort stark ab, oder ich wurde immer schneller. Jedenfalls zog ich jetzt kraftvoll nach oben und in der Steilwand überholte ich einen nach dem anderen. Der Anblick dieser Wand mit dem Gebäude auf dem Pass ist schon ein Hammer. Und da rauf zu fahren ist schlicht ein Traum. Wie in Trance fährt man rechts rum, links rum und so weiter. Oben auf dem Pass warteten schon Zuschauer, meist Chicks, die einen anfeuerten. Ich sah verschwommen einen "Niggel" und "Checker" auf dem Asphalt, was aber sicher nur an der dünnen Luft gelegen hatte.

Kurz vor dem Pass war wieder eine Labestation, an der ich wieder eine Banane ergriff und einen "Powerbar"-Riegel. Ich hätte es wissen müssen: Diese Riegel bei 6 Grad Außentemperatur sind mit Hammer und Meißel nicht klein zu kriegen. Den ersten Bissen kaute ich noch klein, dann flog der Riegel an die Felswand, wobei ich schwören könnte, ein Stück Felsen wegfliegen gesehen zu haben.

 



Die Abfahrt

Auf dem Pass hielt ich kurz an, zog mir die Windweste für die Abfahrt an, und genoss einen Moment die gigantische Aussicht. Dabei verspeiste ich einen der eigenen "Xenofit"-Riegel. Die sind wenigstens auch pässetauglich.

Dabei hörte ich einem Gespräch zweier Radfahrer zu. Einer meinte, auf dem Anstieg alle seine Riegel, es sollen fünf gewesen sein, bereits aufgebracht zu haben und bei den Labestationen kräftig zugelangt zu haben. Wozu soll es gut sein, so viel am Anstieg zu essen?

Jedenfalls ging's jetzt erstmal bergab. Ich habe mir gedacht, beim Abfahren sei ein Kompromiss aus Savoldelli und Frau Flax vielleicht das Richtige.

Ich beschloss aber zunächst, den Savoldelli zu mimen, was auch einige Kurven lang gut ging. Schliesslich fahre ich, wie auch er, ein Rad des amerikanischen Herstellers, mit dem auch Falken zielsicher ins Tal schießen.

Den Umbrailpass merkt man eigentlich gar nicht, es geht ganz kurz bergauf, was aber mit der Scheibe locker geht.

Dann geht's weiter bergab. Inzwischen hatte ich einmal beim Anbremsen die komplette Fahrbahnbreite einer Kurve gebraucht, was den Adrenalinspiegel kräftig ansteigen ließ.

Beim zweiten Mal in dieser Situation, beschloss ich dann, für den Rest der Abfahrt doch etwas früher zu bremsen.

Jetzt kam die Naturpiste, die sich für meine Begriffe in einem fürchterlichen Zustand befand. Jedenfalls würde ich normalerweise so einen Weg nicht mit dem Renner fahren.

Aber ich musste da durch. Auf diesem Stück machte ich schließlich den Abfahrkünsten von Frau Flax alle Ehre (noch nie gesehen, aber inzwischen legendär).

Prompt wurde ich von ein paar Unerschütterlichen überholt.

Mir egal, ich wollte ohne Panne und Sturz ankommen. Mit endlich wieder Asphalt unter den Rädern kamen dann noch ein paar Baustellen, wo es auch wieder durch Schotter ging.

Dann war es endlich geschafft. In St. Maria fuhr man links ab, wo es leicht bergauf in Richtung Ofenpass ging. Hier war die Fahrweise eigentlich erstmal ruhig. Alle waren noch geschafft vom Stelvio.

 



Der Ofenpass

Als es schließlich in die Steigung ging, taten sich einige doch ziemlich schwer. Ich war durch Bekannte gewarnt, der Ofenpass soll ziemlich hart zu fahren sein.

Laut Profil ist er flacher als der Stelvio, aber er ist unrythmisch, mal steiler, mal flacher, und tatsächlich kommt einem dieser Anstieg richtig schwer vor.

Eine Stelle bleibt einem dabei im Kopf. Man fährt eine sehr lang gezogene Linkskurve und schaut flüchtig über die linke Schulter nach oben, um sofort zu erschrecken: Da soll man hoch! Das sieht ja mächtig steil aus. Letztendlich ist das aber auch nur eines von etlichen steileren Stücken an diesem Anstieg.

Aber schließlich sind auch diese knapp 1000 Hm geschafft. Auch hier warteten einige Zuschauer, die einen begeistert anfeuerten.

Für die Abfahrt zog ich mir unnötigerweise wieder meine Windweste an. Nur recht kurz ging's schnell bergab, die Temperatur war angenehm und im Tal im Bereich von 25 Grad. Zu zweit fuhren wir den steilen Teil runter, wo ich wieder einen eigenen Riegel verspeiste.

Dann kam noch ein kurzer Gegenanstieg, an dem sich langsam eine Gruppe sammelte. Jetzt wurde es öfters flach, wobei aber ein leichter Abwärtstrend vorhanden war.

Als schliesslich zwei Vereinsfahrer auftauchten, zog die Geschwindigkeit beachtlich an.

Jetzt ging die Post ab. Und ich hatte mal wieder meine Windweste an, in der ich vor mich hin garte. Es half nix, ich hielt an und verstaute das Ding in der Trikotasche. Die Gruppe war natürlich ein paar hundert Meter voraus. Ich dachte mir, wenn ich es nicht schaffe, da wieder ran zu kommen, wird's hart.

Ich gab Gas und kam langsam wieder näher. Als ich nach etlichen Kilometern wieder dran war, klopfte einer auf meine Schulter und meinte: "Gut gefahren!" und bedankte sich noch fürs Mitziehen. Mir hing die Zunge überm Umwerfer.

Kurz fragte ich bei dieser Gelegenheit, wie schnell wir fahren, als wir wieder in der Gruppe waren und etwas Luft bekamen, und bekam als Antwort "45". Na toll! Und wie schnell waren wir bei der Aufholjagd? Das konnte er mir nicht beantworten. Er musste schauen, dass er dran blieb.

Jedenfalls lag das Tempo ab jetzt, fast immer im Bereich von 45 und 50 auf dem Flachen und entsprechend höher in den Bergab-Passagen.

 

Nun kamen uns ein paar Baustellen in die Quere, wo wir wieder Schotterpassagen zu überwinden hatten. Die Ampeln machten uns dabei den Schnitt kaputt. Wir schluckten vorne immer wieder kleinere Gruppen auf, die wir meist hinten wieder ausspuckten.

Aber ein paar Radler blieben immer wieder hängen. Zeitweise waren wir schätzungsweise eine Gruppe von fünfzig Mann. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als die vorne wieder kräftig anzogen. Sofort flog die ganze Gruppe auseinander und nach einer halben Stunde waren gerade mal 15 Mann übrig. Ich war inzwischen am Verdursten, weil wir eine Labestation überfahren hatten, und hetzte lieber mit der Gruppe Richtung Ziel als wieder so eine Aufholjagd starten zu müssen.

Schliesslich fragte ich einen ortskundigen Mitfahrer, wie weit es noch bis zum Schlussanstieg sei. Mein Tacho zeigte ja nichts an. Ich wusste nicht, wo ich dran war, und das andauernde Fragen bei den Mitfahrern nach Fahrstrecke, Tempo usw. nervte einige sichtbar.

Jedenfalls bekam ich als Antwort, dass es nur noch ein paar Kilometer bis zum Schlussanstieg zur Norbertshöhe sei. Zum Glück war unten noch eine Labestation. Ich wollte durchfahren, aber der Durst war stärker. Ich schüttete ein paar Becher eines rötlichen Getränks in den Hals, das entfernt nach "Redbull" schmeckte. Schien auch so was zu sein. Jedenfalls verlieh es mir am Anstieg Flügel. Ich hatte noch richtig Reserven und fuhr zügig den Berg hinauf. Dabei fuhr ich unter anderem an fast allen der ehemaligen Gruppe vorbei, die natürlich am Berg komplett zerlegt wurde.

Nur zwei Fahrer schaffte ich nicht mehr, aber ich kam dicht ran. Das waren die beiden Lokomotiven, die im Wesentlichen das mörderische Tempo auf der Ebene gefahren waren.

Das waren Vereinsfahrer, junge Burschen, die richtig Power hatten.

Im oberen Viertel des Anstiegs war ich aber auch platt, und die letzten Kurven fuhr ich nur noch so hoch.

Ich wusste ja, da kommt noch eine kurze Abfahrt und wir sind im Ziel.

 



Fazit

Eine tolle Sache! Das hatte richtig Spass gemacht. Der Stelvio ist, um es mit einem Wort zu sagen, sensationell, Wahnsinn, geil usw.

Die Veranstaltung war - für meine Begriffe - gut organisiert. Die Verpflegung an den Labestationen war in Ordnung. Ich weiß nicht, ob manch einer dort ein Rumpsteak oder sogar ein Mehr-Gänge-Menü erwartete.

Es waren an allen Stationen, an denen ich anhielt - ich glaube es waren derer zwei - Riegel verschiedener Sorten und Bananen vorhanden. Verschiedene Getränke wurden angereicht. An einer Labestation hatte ich Kuchen gesehen. Was braucht man mehr? Das Personal war freundlich und sehr fleißig.

Die Polizei-Präsenz an den Kreuzungen war sehr gut. Praktisch immer wurden die Radler mit Vorrang behandelt.

 

Ich werde wieder kommen!!!!

 



Nebenbei:

Meine Übersetzung war 52/39 und 12/27.

Vom 27er Ritzel machte ich an den langen Anstiegen Gebrauch um eine möglichst hohe Trittfrequenz halten zu können. 39-25 wäre aber auch gegangen.

 

Kurz / kurz war auf der gesamten Strecke angesagt. Die Windweste benötigte ich nur auf der langen Abfahrt und direkt beim Start auf den ersten 20 Kilometern. Oft hatte ich Sie unnötig an.

Selbst Armlinge hatte ich nicht benötigt.

Es war mittags ca. 27 Grad warm und richtig schwül.

Auf dem Stelvio waren es 6 Grad. Schneereste waren noch zu Hauf zu sehen.

 

Pannensichere Reifen waren auf der Naturstrecke und im Bereich der Baustellen empfohlen. Ansonsten waren die Straßen in gutem Zustand.

 

Meine Zeit lag bei 6:52 h, der schnellste fuhr in 5:20 h und das Gros lag bei gut 8 Stunden.

 

Für meine erste Hochgebirgs-Pässe-Fahrt war ich schneller, als ich je gedacht hätte. Speziell am langen Anstieg wäre etwas mehr dringewesen, aber das konnte ich da noch nicht abschätzen.


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