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Erdgas Race Day 2007

von diamant, August 2007
Fotos von diamant



Am 29.8.2007 stehe ich irgendwann nachmittags unter der heißen Dusche, schrubbe eine dicke Dreckkruste von mir ab und überlege mir, wieviel ein gebrauchtes Versender-Rennrad denn so an Geld einbringt. Ich ziehe in Erwägung, vom Radsport zum Golf, Schach (gegen den Aldi-Computer sehe ich meist recht gut aus ) oder Dart zu wechseln...



Rückblende

Das Abschlusstraining für den Erdgas Race Day in Dresden am 29. Juli verlief eigentlich recht zufriedenstellend und gab Anlass zur Hoffnung, daß ich das Ergebnis vom Vorjahr einigermaßen bestätigen könnte.

Allerdings verhieß die Wettervorhersage nix Gutes (Temperaturen weit unter +20°C, Sturmböen und heftigen Regen - globale Erwärmung heißt eben nicht, daß es hier immer warmes Wetter gibt).

So mache ich mich denn am Morgen des Renntages mit dem langen Wintertrikot und langer Hose, aber leider ohne Überschuhe (in Ermangelung ebensolcher) auf zum Start. Dort treffe ich peso und Barus (Checker ist nicht in Sicht); eine kurze Debatte über die Kapitäns-Frage verläuft ergebnislos. In der Startaufstellung Platz genommen habend, erspähe ich Checker in C4F-Trikot dann drei Meter rechts neben mir; er steht relativ weit hinten und ist anscheinend optimistisch, was das Wetter angeht (kurz-kurz).






Tolle Kulisse, aber...



Im großen Feld bis (fast) nach Köttewitz

Dann geht es auch schon los; mein Plan sieht trotz der miesen Wetteraussichten vor, bis Köttewitz (dort wartet der erste richtige Berg) mit der Spitze mitzufahren und ab dort versuchen, nicht allzuviel Zeit zu verlieren. Im Gegensatz zum letzten Jahr gibt es keine neutralisierte Phase, sondern direkt ab dem Start geht es gleich voll los. Oder auch nicht, denn wenige 100 Meter nach dem Start steht plötzlich ein PKW auf der linken Straßenseite rum ; Flüche und Mordio aller Fahrer sind die Folge. Die ersten Kilometer durch Dresden verlaufen dann dank einiger Straßenbahnschienen und Verkehrshindernisse nicht so entspannt wie erwartet; bereits hier merke ich, daß ich heute keine guten Beine habe , obwohl das Tempo im Flachen selten über 50 km/h geht. Irgendwann zieht Checker links an mir vorbei noch weiter nach vorne innerhalb der Spitzengruppe; ich hingegen schaffe es irgendwie nicht, mich weiter vorzuarbeiten. Es gibt einige unerklärliche, hektische Bremsmanöver im Feld, und die darauffolgenden jeweiligen nötigen Beschleunigungsvorgänge rauben mir bereits jetzt einige Körner . Kurz vor Erreichen der ersten Bergwertung bei Köttewitz gibt es dann direkt vor mir einen Massen(?)sturz .






... bescheidenes Wetter



Die Spitze fährt davon...

Mein erster Gedanke ist "das war's dann für heute", als es nach endlos erscheinender Wartezeit weiter geht - naja, ich hätte die erste Gruppe wohl sowieso nicht lange halten könnten in meiner heutigern Verfassung. Den Berg in Köttewitz kann ich noch einigermaßen mithalten mit den Verfolgern der enteilten Spitzengruppe, doch bei der darauffolgenden welligen (meist bergauf) Passage an der A17 (Richtung Nentmannsdorf?) entlang macht sich erstmals Resignation, gepaart mit Kraftlosigkeit, bei mir breit . Dann kommt Barus an mir vorbeigeschossen und fragt mich, ob ich denn keine Lust (oder hat er "Luft" gemeint ?) mehr hätte. So ganz kann ich das in dem Moment nicht abstreiten, doch von nun an ich beiße mich an seinem Hinterrad fest. Oh man, im Training war das hier alles viel einfacher...

Bis zum nächsten Anstieg in Berggießhübel hat sich dann sowas wie eine kleine Gruppe herausgebildet, in der Barus und ich uns halbwegs behaupten können. Keine Ahnung, wie weit die ersten mit peso und Checker jetzt bereits vorneweg sind. Dann kommt die erste Verpflegungskontrolle in Bad Gottleuba - ich lehne dankend ab, hab' noch mehr als genug bzw. bin bisher, sowieso kaum dazu gekommen, irgendwas zu trinken. Im darauffolgenden längeren Anstieg nach Oelsen geht mir dann Barus irgendwie verloren; schade, der wäre für die lange Passage nach der Bobbahn ein guter Mitfahrer gewesen . Mehr schlecht als recht kämpfe ich mich da hoch; anders als im Training finde ich auch hier keinen rechten Rhythmus.



Die Wasserschlacht beginnt

Irgendwann fängt es dann an zu regnen (was nahezu den ganzen Tag so bleiben sollte ) ; im Gegensatz zu Barus' aufmunternden Worten zuvor nicht gerade motivations-fördernd. Entgegen meiner Befürchtung fliege ich am Anstieg nach Breitenau noch nicht komplett aus der Gruppe raus, obwohl mein Tritt dort hoch erneut als alles andere als rund bezeichnet werden muss. Wieder tue ich mich subjektiv schwerer als im Training .... . Oben angekommen hat sich die Gruppe anscheinend weiter zergliedert; ich schnappe mir die 30 Meter vor mir fahrenden 5-6 Mann (bzw. Frau) mit einem verzweifelten Zwischen-Antritt (sowas kostet jedesmal einige Reserven), um nicht das folgende Windkantenstück allein fahren zu müssen. Dann kommt irgendwann die Serpentinen-Abfahrt Richtung Bärenstein, bei Nässe leider kein Genuß , ich fahre den Umständen entsprechend lieber etwas vorsichtiger. Ein Blick auf die Uhr im kurzen Anstieg in Bärenstein offenbart, daß in wenigen Minuten die Fahrer der Kinderstrecke auf die Piste gehen - also schnell durch (sofern es die Kräfte noch zulassen; auf dem Bild sehe ich bereits mehr als mitgenommen aus).



Ich fliege alsbald aus meiner Gruppe raus...

Die Abfahrt von Bärenstein nehme ich mit einigen Metern Vorsprung in Angriff, doch im folgenden "Anstieg" Richtung Geising merke ich, wie bei ca. 31 veranschlagten km/h meiner Gruppe meine Kräfte endgültig schwinden. Als es steiler wird und nach Altenberg hochgeht, lasse ich nach wenigen Metern abreißen (wie einige wenige andere auch) - vor mir in der Gruppe weiterhin eine der guten Frauen . Ich stelle (erneut) fest, daß "meine" Gruppe an diesem Anstieg eigentlich langsamer unterwegs ist als peso und ich im Training . Das kann doch nicht bloß am Wetter liegen? Vielleicht haben auch die nun plötzlich aufkommenden Rückenschmerzen (!) einen Anteil an meiner bescheidenen Vorstellung, sowas ist mir in der Form neu.

Nach endloser Zeit erreiche ich endlich den Gipfel; die erste Gruppe hat nun bestimmt schon mehrere Stunden Vorsprung .

Dann die gefährliche Abfahrt Richtung Hirschsprung, die ich fast übervorsichtig angehe; die kleine Gegensteigung gehe ich fast wie einen Alpenpaß an, wo ich im Training noch mit 35 km/h drübergebügelt bin ... . Prompt werde ich auch standesgemäß von einigen wagemutigen Fahrern überholt. Als sogleich die Bobbahn kommt, bin ich froh, dass wir nur die Umgehungsstraße mit 10 % fahren. Oben angekommen, sollten die letzten 50 Kilometer eigentlich einfacher werden - doch im Gegensatz zum letzten Jahr finde ich irgendwie keinen passende Gruppe. Ständig werde ich von kleinen Gruppen oder auch vereinzelten Fahrern überholt (auch schon von der Kinderstrecke), kann mich eine Weile anhängen, verliere aufgrund meiner zaghaften Fahrweise in den Kurven- / Abfahrts-Stücken und nicht vorhandener Antrittschnelligkeit wieder den Anschluß, die / der nächste Gruppe / Einzelfahrer kommt, wieder dasselbe...

In dieser Phase habe ich das Gefühl, daß mich ganze Heerscharen von Fahrern überholen und ich inzwischen bestimmt "ganz weit hinten" liege (bzw. schwimme...). Teilweise bin ich auch längere Abschnitte komplett alleine unterwegs. Hat immerhin den Vorteil, daß ich die steile Abfahrt nach Possendorf ungestört fahren kann (allerdings aufgrund der starken Nässe nur mit ca. 73,6km/h) .

Direkt danach enschließen sich nach ca. 101 Kilometern die Kontakte meines Tachos und dessen Halterung, die Zusammenarbeit zu beenden - damit kurve ich den Rest des Rennens mit exakt 0 km / h durch die Gegend .

Kurz vor Freital taucht plötzlich von irgendwoher ein grün-gelber Fahrer auf (der ist auch auf einem der Bilder zu sehen; wo wir gerade Altenberg hochfahren), der halbwegs meinen Rhythmus fährt. Ich hänge mich hinten an und hoffe, daß er mich nicht zur Führung verdonnert . Dann sehe ich plötzlich am Straßenrand eine Gestalt im Italia-Trikot rumlaufen, die mich anscheinend anfeuert und denke mir noch "der sieht ja fast aus wie peso". Aber was zum Geier sollte der hier machen ? Später sollte sich herausstellen, daß er es tatsächlich und für ihn das Rennen leider beendet war .

Dann der (mir bis dahin unbekannte) letzte Anstieg des Tages nach Pesterwitz; ich bedanke mich artig bei meinem grün-gelben Windschattenspender und sage ihm "nun kannst du abhauen, wenn du willst". Doch anscheinend ist er kaum weniger breit als ich; obwohl ich nach wenigen Metern 30/27 auflege (wieviel Prozent sind das hier; 18?), kann ich ihn halten. Möchte allerdings nicht wissen, was für peinliche Geschwindigkeiten mein Tacho denn angezeigt hätte... Hier in Pesterwitz ist der Zuschauerandrang groß; das gibt nochmal etwas Auftrieb. Auf der linken Straßenseite steht an irgendeinem Hauseingang geschrieben "hier gibt's EPO" - das würde mir jetzt glaubich auch nicht mehr helfen ... Immerhin können wir - auch ohne dieses Mittel - einen Fahrer überholen, der von einem Zuschauer einen großen Teil des Berges hochgeschoben wird. Oben angekommen kommt zunächst eine Baustelle; ich weiß zunächst nicht so recht, wo es langgeht, und irgendwie finde ich mich dann in einer Gruppe von ca. 5-6 Fahrern wieder (von vorn und hinten kamen wohl noch einige dazu). Auf breiter Haupstraße geht es mit 52/12 (das war mir manchmal fast zu wenig; mich hätte mal interessiert, ob das Tempo wirklich hoch war oder ich einfach die Drehzahl nicht mehr brachte) leicht bergab durch Dresden.



Zieleinfahrt

Ca. 2 Kilometer vor dem Ziel nochmal eine Schrecksekunde: In der Linkskurve Magdeburger- / Weißeritz-Straße steht mitten auf der Fahrbahn ein PKW rum ; während ich sofort Innenkurve fahre, versuchen einige, außen vorbeizugehen, und mindestens ein Mann legt sich dabei wohl auf die Nase. Auf diese Weise schrumpft die Gruppe auf nur noch ca. drei Mann; am Schluß kann ich noch einem meiner Mitfahrer auf dem letzten Kilometer davonziehen (wirklich schnell kam ich mir aber nicht vor) und erreiche nach 3:45:06 (laut Urkunde) bzw. 3:45:40 (laut Internet) und ca. 123km relativ verkrampft auf dem Rad hockend (immer noch Rückenschmerzen) allein das Ziel. Spontaner Kommentar zum nächstbesten eintreffenden Fahrer: "Oh man, waren wir schlecht". Im Ziel halte ich nach diversen Bekannten Ausschau; bis auf peso und Checker kann ich früher oder später alle vorfinden .

Dann wird es mir schnell zu kalt; ich verdrücke noch die im Preis inbegriffene Kartoffelsuppe und mache mich mit dem Zug auf in mein Hauptquartier in Königstein. Stelle mich sogleich unter die heiße Dusche und bin ratlos, wie dieses aus meiner Sicht doch eher mäßige Rennen zu erklären ist...



Organisation des Rennens

Diesmal "scharfer Start" statt neutralisierter Phase zu Beginn; OK, das ist nicht weiter tragisch. Insgesamt verlief der Start (trotz der Tatsache, daß sich 250 Leute auf Anweisung vordrängeln durften) geordneter als bei den Neuseen-Classics. Startnummern-Ausgabe, Transponder-Rückgabe etc. verliefen wie im letzten Jahr gewohnt professionell; erneut gab es die Urkunden nur wenige Minuten nach dem Rennen (!). Ebenfalls wurde erneut vor den gefährlichen Stellen gewarnt (Verkehrsinseln, enge Kurven etc.). Allerdings hatte ich das Gefühl, daß wohl die Streckenabsperrung diesmal nicht 100%ig geklappt hat (siehe die beiden Autos jeweils am Start und kurz vorm Ziel mitten auf der Strecke, das darf nicht sein ). Und ebenfalls darf nicht sein, daß ausgeschiedene Fahrer von allen Begleitfahrzeugen ignoriert werden und 12 Kilometer zum Ziel zu Fuß (!) zurücklegen müssen. Also anscheinend konnte das hohe Niveau vom Vorjahr nicht ganz gehalten werden.



Analyse des eigenen Rennverlaufs

Für sich allein betrachtet ist ein 112. Platz von 530 sicher nicht dramatisch schlecht, sogar (noch) knapp vor Barus. Allerdings ist im Vergleich zum Vorjahr (59. Platz und deutlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeit) doch eine unerklärliche Abwärtstendenz zu erkennen. Woran hat's gelegen?

- falsches Doping?

Eigentlich hatte ich vorher sehr viel gegessen (Brötchen, Brot, Bananen, Riegel in Unmengen; dazu Isostar-Imitat getrunken); vielleicht sollte ich mal die Ernährungsvariante "spartanisch" wie im Training probieren.

- zu wenig trainiert?

Rein objektiv sicher richtig; allerdings hätte ich das schon bei den letzten Trainingseinheiten zuvor (insbesondere der Streckenbefahrung zwei Wochen zuvor) bemerken müssen, wo es deutlich besser lief. Nunja, allerdings hatten wir dort auch lange "Bummelpausen" dabei. Vielleicht nächstes Jahr wieder mehr GA1 oder GA2 Training machen ?

- Rückenschmerzen?

Waren ab ca. Bärenstein vorhanden, doch das erklärt meiner Meinung nach nicht die allgemeine Kraftlosigkeit.

- Wetter?

Es war sicher alles andere als "mein" Wetter; dennoch kann das keine Ausrede sein - normalerweise muß man sich dann eben einfach durchbeißen.

- falsche Sitzposition?

Wenn ich mir so meine Bilder angucke, könnte man fast dieser Ansicht sein; allerdings bin ich so jetzt monatelang gut gefahren .

 

Wenn der Trend so weitergeht und meine Leistung weiterhin exponentiell abfällt (jedes Jahr doppelt ca. so schlecht wie im Vorjahr ), bin ich nächstes Jahr 224., übernächstes Jahr folgt dann schon der Kampf gegen den Besenwagen mit Position 448


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