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Kleine Geschichte des deutschen Radsports

 

 

1946 - 1969



Reorganisation

Berlin lag in Trümmern, die Not für uns heute kaum vorstellbar, doch bereits am 1. Juli 1945 kam es auf geräumten Straßen zu einem ersten Straßenrennen, das sogar im Rundfunk übertragen wurde, die Besatzungsmächte verboten allerdings weitere Rennen. Erst mussten neue Sportstrukturen für die sowjetische Besatzungszone geschaffen werden, bevor ein weiterer Sportbetrieb erlaubt wurde. Etwas schneller ging es in Süddeutschland, in München wurde 1946 die Berufssport-Vereinigung gegründet, die bereits kurz danach die ersten Deutschen Meisterschaften ausrichtete. Die Straßenmeisterschaft fand in Schweinfurt statt, die auf der Bahn in Frankfurt am Main.

 

1947 bildete sich die Interessengemeinschaft Radsport in Nürnberg, Wegbereiter für die Neugründung des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) am 21. November 1948 in Frankfurt am Main. Der 1946 gegründete Deutsche Sportausschuss der Ostzone spielte jedoch nicht mit. Die Arbeiter-Vereine bemühten sich ebenfalls um eine Neugründung und schon 1946 wurde der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund "Solidarität", dem bei weitem mitgliederstärksten Verband der damaligen Zeit, als Nachfolger der früheren Solidarität geschaffen. Der BDR bekämpfte den Konkurrenzverband heftigst und erst 1977, nach einem Bundesgerichtsurteil, konnte der "Solidarität" die Mitgliedschaft im deutschen Sportbund nicht mehr verwehrt werden, allerdings nahm der Bund diese Option nicht wahr.

 



die ersten Rennen

Bis 1949 durften in Deutschland keine ausländischen Fahrer starten. Das verhinderte aber nicht die Entstehung eines sehr regen Bahn-Rennbetriebes, wobei das Publikum begeistert mitzog. Das erste Nachkriegs-Sechstagerennen wurde in München 1949 ausgerichtet dem alsbald wegen des großen Erfolges Dortmund, Berlin und Hannover folgten.

 

Als die Fahrradindustrie wieder Licht am Geschäfts-Horizont vermutete, begann sie sich an den guten Werbeeffekt der Etappenfahrten zu erinnern und investierte erneut in den Straßenradsport. Als erstes wurde "das Grüne Band vom Rhein" 1947 wiederbelebt, ein Städterundstreckenrennen über sechs Etappen in Solingen, Bonn, Aachen, Mönchengladbach, Düsseldorf und Köln. Sieger wurde Erich Bautz vor Fritz Diederichs und Rudolf Voigt. Dieses Rennen wurde auch nach der Währungsreform 1948 neu aufgelegt, allerdings als Kombination von sechs Rundstrecken-Etappen und fünf Straßenrennen.

"Quer durch Deutschland" nannte sich dann das erste Streckenrennen nach dem Krieg, welches von Hamburg nach München führte und das Harry Saager vor Erich Bautz und Reinhold Steinhilb gewann.

 



die DDR



Unterdessen verabschiedete sich der Berufsradsport in der DDR. Viele Fahrer fuhren im Westen, andere hatten sich reamateurisieren lassen. Immer weniger Lizenzen wurden vergeben und 1958 löste sich die zuständige Kommission Berufsradsport auf. 1946 bis 1957 hatte die Sektion Radsport des Deutschen Sportausschusses die Leitung des Radsports, seit dem 18. 5. 1958 oblag diese dem neugegründeten Deutschen Radsport-Verband der DDR (DRSV) bis zu dessen Auflösung 1990.

 

Lange blieb er aus den internationalen Verbänden ausgeschlossen aber schließlich einigte man sich 1961 für internationale Titelkämpfe auf ein gesamtdeutsches Team. Dies betraf aber nur Amateure, da es in der DDR keinen Profistatus gab, auch wenn man sich selbst später ironisch Staatsamateure nannte. Wie schwierig die Verständigung oder das Verständnis untereinander war, zeigt folgendes Beispiel: 1966 brauchte man für die Weltmeisterschaften auf der Bahn in Frankfurt am Main drei verschiedene Szenarien für die Siegerehrung: Im Falle des Sieges eines Fahrers aus der DDR sollte die Fahne des ostdeutschen Sportbundes gehisst werden (die Fahne der DDR war in der BRD undenkbar) verbunden mit einem Fanfarenstoss, gelänge einem Amateur aus der BRD der Sprung auf das Treppchen war die Olympiafahne angesagt mit der Hymne an die Freude von Beethoven, und ein erfolgreicher westdeutscher Profi hätte sich über eine gehisste schwarz-rot-goldene Fahne und das Deutschlandlied freuen können. Leider war die Einigung für diese WM umsonst, kein Deutscher wurde Weltmeister.

 

In den Köpfen der Politiker, Funktionäre und auch Bürger war zu dieser Zeit die sportliche Auseinandersetzung schon längst zu einem Kampf der politischen Systeme mutiert. Die entgültige Trennung in zwei deutsche Mannschaften mit eigenen Hymnen und Fahnen wurde dann 1972 zu den Olympischen Spielen in München perfekt.

 

Den Fahrern war durch die politischen Realitäten und dem Amateurstatus die Teilnahme an vielen großen sportlichen Radsportereignissen im Westen verwehrt, für die Straßenfahrer war daher die Friedensfahrt, ein Etappen-Rennen für Amateure, die wichtigste, für den Osten auch identitätsstiftende Rundfahrt.

 



schwieriger Aufbau






Aufatmen beim Bund Deutscher Radfahrer, als die UCI 1950 den westdeutschen Verband wieder in seine Reihen aufnahm und sie 1951 zu Weltmeisterschaften zuließ. Bei der 1950 ausgetragenen Deutschland-Rundfahrt über 3 768km und 17 Etappen starteten zum ersten Male wieder Ausländer: Der Belgier Roger Gyselinck triumphierte vor Matthias Pfannenmüller und Otto Schenk. 1951 siegte der Italiener Guido de Santi vor dem Schweizer Fritz Schaer und dem Belgier Raymond Impanis.

Es fehlte an allem, die Geschäftsstelle suchte z.B. per Zeitungsanzeige für die WM 1951 ein Tandem, da war es nicht überraschend, dass es für die Deutschen keine erfolgreiche Teilnahme war. Anders 1952, was für eine Freude, als Heinz Müller gänzlich unerwartet mit einem fulminanten Spurt das Weltmeistertrikot eroberte vor dem Schweizer Gottfried Weilenmann und dem Deutschen Meister Ludwig Hörmann.



Die Zeiten für den (west-) deutschen Straßenradrennsport wurden 1953 noch schlechter, als sich die Fahrradindustrie aus dem Sportsponsoring wieder zurückzog, das war das Aus für Deutschland-Rundfahrten 1953 und 1954. Der damalige BDR-Präsident Kühn schimpfte: "Die Fahrrad-Industrie verschuldet die schwierige Lage des Profi-Radsports, weil sie uns zu wenig unterstützt." Die UCI versuchte gegen zu steuern und übertrug den Deutschen die WM 1954. Das hatte Erfolg, denn 1955 konnte die populäre Rundfahrt wieder starten. Es siegte über 1 574 km und 8 Etappen von Kassel nach Frankfurt Rudi Theisen vor Franz Reitz und Hennes Junkermann.

Eine Reihe von Fahrrad- und Zubehörfirmen entschlossen sich Mitte der fünfziger Jahre zu weiterem Sponsoring, Torpedo und Ruberg kamen Anfang der Sechziger hinzu, allerdings stellten sie dieses bereits 1967 wieder ein, da sie sich angeblich von den Medien "im Stich gelassen fühlten".

 

1956 wird das Saarland als 15. Landesverband in den BDR aufgenommen, obwohl die politische Eingliederung in die Bundesrepublik noch nicht vollzogen war. Und ein wenig vom Zeitgeist verrät folgende Amtliche Bekanntmachung aus jenem Jahr: "Aus gegebener Veranlassung wird darauf hingewiesen, dass es verboten ist, bei der Begleitung von Straßenrennen in offiziellen Begleitfahrzeugen Damen Platz nehmen zu lassen, gez. Denzer, Sportausschussvorsitzender." Obwohl sich 1958 die Oberen des BDR dafür aussprachen, in Zukunft Frauenrennen und Amateur-Steherrennen zu veranstalten, ist der Rest des Verbandes noch nicht so weit, der Antrag wird abgeschmettert, erst ab 1967 dürfen westdeutsche Frauen sich offiziell um Siege auf dem Rad quälen, international werden Straßen-Weltmeisterschaften für Frauen schon seit 1958 ausgetragen, 1965 siegte z.B. Elisabeth Eichholz aus der DDR, da war man im Osten des Landes ein wenig weiter. Hier wurde bereits 1956 die erste Straßen-Radmeisterschaft für Frauen ausgetragen. Auch in China wurden 1957 schon Frauenrennen veranstaltet.



bekannte Namen trotz schlechter Zeiten



Sportlich brachte der Radsport in Gesamt-Deutschland bekannte Namen hervor. Gustav Adolf "Täve" Schur gewinnt die erste Amateur-Weltmeisterschaft im Straßenfahren in einer gesamtdeutschen Mannschaft, Rolf Wolfshohl zeigt sich als hervorragender Querfeldeinfahrer, Rudi Altig beginnt seine Karriere mit einem WM-Titel im Verfolgungsrennen und Hennes Junkermann lässt bei den Deutschen Meisterschaften aufhorchen. Die letzten drei verdienten ihr Geld bei französischen Teams, durften allerdings bei Rennen in Deutschland zu einem deutschen überwechseln, die Bestimmung der "doppelten Markenzugehörigkeit" ließ dies zu, was vor allem im Winter bei den Sechs-Tage-Rennen zum Tragen kam.

 

1962 riefen die Frankfurter das Rennen Rund um den Henninger Turm ins Leben, Rudi Altig gewinnt die Flandern-Rundfahrt und erobert das Grüne Trikot der Tour de France und der deutsche Bahnvierer gewinnt die zum ersten Mal ausgetragene Weltmeisterschaft.

 

1966 erfreut Rudi Altig die deutschen Herzen mit dem Gewinn der Straßen-Weltmeisterschaft. 1968 siegt Rolf Wolfshohl bei Paris-Nizza, gewinnt die Deutsche Meisterschaft und fährt zwei Tag in Gelb bei der Tour de France, Rudi Altig gewinnt Mailand-San Remo.

 

Die Zahl der deutschen Teilnehmer bei der Tour de France spiegelt die Situation gut wieder: Deutsch - luxemburgische Mannschaften gab es 1954 und 1955 mit jeweils nur zwei Deutschen, 1956 nahm keiner teil, 1957 nur einer. In den Jahren 1958 und 59 fuhren 6 bzw. 5 Deutsche mit Schweizern, erst 1961 und 1962 konnten komplette deutsche Nationalmannschaften aufgestellt werden, bevor ab 1962 wieder Firmenteams an den Start gingen (Ausnahme 1967 und 1968).

 



1961 gelang es eine internationale Deutschland-Rundfahrt zu organisieren, bei der zum ersten Male Hubschrauber für die Fernsehübertragung eingesetzt wurden. Aber das täuschte nicht darüber hinweg, dass es dem deutschen Profi-Straßenradsport wieder einmal bzw. immer noch schlecht ging: 1966 hatten gerade einmal 18 Fahrer eine Lizenz beantragt, zu schlecht waren die Verdienstaussichten

 

Erfolgreich war man im Radball und Kunstradfahren.

 




Kunstradfahren beim RV Bürstadt



Ein altbekanntes Thema sorgte im Westen erneut für jahrelange heftige Auseinandersetzungen, die "Werbung am Mann" bei den Amateuren - die Mehrheit im Verband wollte keine "radelnden Litfaßsäulen", Amateure und Jugendfahrer drohte der Lizenzentzug, wenn irgendwo an der Kleidung eine Reklameaufschrift gefunden werden sollte, 1977 wurde das zwar geändert, allerdings galt dies immer noch nicht für Siegerehrungen. Und erst 1973 erhielten die Radsportvereine die Möglichkeit in den Vereinsnamen Firmen-, aber keinesfalls Produktwerbung, aufzunehmen, ein Beschluss, der auf die UCI zurückging. Ein nur kurz dauernder Beschluss, 1975 wurde alles rückgängig gemacht, nur Vereine , die bereits vor 1945 Firmen aufgenommen hatte, durften ihren Namen beibehalten (7 insgesamt).

 

1964 freut man sich beim BDR über die langersehnte internationale Anerkennung durch die Berufung eines BDR-Funktionärs in das UCI-Direktionskomitee. Die UCI gründet 1965, vor allem auf Betreiben der Ostblockländer, einen internationalen Amateurverband (FIAC) und eine Profiorganisation die FICP.

 

Die Berufsrennfahrer-Vereinigung nennt sich 1968 um in Berufs-Radrennfahrer-Verband und wird ab sofort nicht mehr vom BDR bei der UCI vertreten.

 

>>> die Jahre 1971 -2002

 


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