Vergessen waren da möglicherweise frühere Außerungen aus den Jahren 1998 und 2003. Im Oktober 1998 erklärte er in einem Interview mit RTL, Doping mit Anabolika und EPO sei sehr wohl sinnvoll im Fußball und man werde zukünftig verstärkt kontrollieren und auch Blutkontrollen vornehmen. Zuvor hatte Blatter ausführlich mit Jean-Pierre de Mondenard telefoniert und viel Einsicht in die Poblematik gezeigt (de Mondenard in Les Dopés du Foot, 2012, S. 284f). Es war das Jahr des Festina-Skandals, die Fußball-WM jenes Jahres war von Dopinggerüchten begleitet und Raffaele Guariniello eröffnete in Turin Ermittlungen über mögliches Doping bei Juventus Turin. Blatters Einsicht währte nur kurz, doch 2003, nach dem Fall Rio Ferdinand, der einen Dopingtest verweigerte und daraufhin für 8 Monate gesperrt wurde, zeigte er sich erneut aufgewühlt: "FIFA president Sepp Blatter exploded in anger at a news conference on Thursday, admitting for the first time that soccer does have a doping problem and that the sport needed to re-define its image if it was to maintain its global popularity. ... In a wide-ranging attack, he said that soccer had a problem with doping and was especially critical of the English Football Association for the way they have handled the Rio Ferdinand doping case. Blatter admitted that when he said at the FIFA Extraordinary Congress in Doha in October that football did not have a drugs problem he had made a mistake. "The situation has changed on doping. I was wrong saying there was no problem with doping. "I thought our game was clean. It is not clean. There is now a suspicion surrounding football. I have never seen, in a doping control someone not declare their innocence. Gentlemen, let's get serious."" (rediff.com, 5.12.2003)
Dem Fußball, national und international, ist es jahrzehntelang überwiegend gelungen aus den Dopingschlagzeilen zu bleiben und den Eindruck zu erwecken, Doping im Fußball gäbe es zwar vereinzelt, aber das sei vernachlässigbar. Schließlich bringe Doping in dieser komplexen Sportart nichts, daher sind die Spieler, Trainer, Ärzte und Funktionäre gefeit gegen Versuchungen.
Warum wurde das immer wieder und so lange geglaubt oder hingenommen, obwohl die Kontrolldichte gering war, es lange Zeit keine Trainingskontrollen gab, das Arsenal an Mitteln ständig wuchs und z. B. ein und dasselbe medizinische Personal, bekannte und weniger bekannte Ärzte und Betreuer europaweit über Jahrzehnte hinweg Sportler aus den unterschiedlichsten Sparten, auch Fußballer, betreute? Ärzte, die bekanntermaßen experimentiert und gedopt haben wie beispw. Eufemiano Fuentes, Michele Ferrari und Luis Garcia del Moral, die letzten beide 2012 von der USADA lebenslang gesperrt, sollen dabei Fußballer immer ausgespart haben? (fusßballdoping.de, 8.1.2013, SZ, 12.7.2012) Fragen, die sich in Deutschland z. B. ehemalige Freiburger Sportmediziner und von ihnen betreute Sportler und Teams gefallen lassen müssen. (Der Freitag, 9.6.2010, C4F-Dossier: Historie westdeutscher Sportätzte) Der französische Arzt >>> Dr. François Bellocq, berühmt für sein Eintreten für das 'homonelle Gleichgewicht', erklärte 1982, dass Fußballer ebenso wie Radsportler dopten. Viele kämen heimlich in seine Praxis und so müsse er Beunruhigendes feststellen. Neben Profis kämen auch Amateure sowie auch internationale Spieler. (L'Equipe, 22.1.1982, nach de Mondenard, in Les Dopés du Foot, 2012, S. 210/218) Einer seiner Patienten war José Touré, französischer Nationalspieler von 1983 bis 1989.
Der einschlägig bekannt gewordene >>> Professor Francesco Conconi sieht Anfang 1996 in seiner Funktion als Vorsitzender der Ärztekommission im Internationalen Olympischen Komitee Doping im Fußball durchaus für gegeben. "Drogen wie Anabolika und natürliche Hormone wie Testosteron werden in allen Sportarten verwendet, auch im Fußball. Wenn im Fußball die Kontrollen so streng durchgeführt werden würden wie im Radsport, wären die Resultate gleichwertig", sagte Conconi ebenfalls in der "L'Equipe". Da es keine Trainingskontrollen gebe, könne man bei größeren Kadern, wie sie Europas Spitzenmannschaften hätten, einen Teil der Spieler gezielt aufbauen, während andere den Wettbewerb bestreiten." Damit gab er Professor Lafarge recht, der die Einnahme von leistungsfördernden Substanzen in der französischen ersten Liga angeprangert hatte: "Ich kenne Mannschaften, bei denen systematisch gedopt wurde". (dpa, 17.1.1996, s. a unter Frankreich)
Dr. Alfonso Del Corral, ehemaliger Mediziner von Real Madrid und der spanischen Nationalmannschaft, hielt 2004 Doping im Fußball ebenfalls für wahrscheinlich.
Längst gibt es ausreichende Hinweise, dass im Fußball ebenso experimentiert und nachgeholfen wurde, wie in anderen Sportarten.
Es gibt auch keinen Anlass zu der Annahme, dass sich in den letzten Jahren etwas zum Besseren gewandelt habe, auch wenn fast nur positive Fälle mit Cannabis und Kokain nachgewiesen wurden. Warum auch? Die Bedingungen, in denen dieser Sport sich abspielt, haben sich verschärft, Leistungs- und Konkurrenzdruck, Kommerz mit riesigen Geldmengen im Umlauf, mediale Aufmerksamkeit, Fanerwartungen, ärztliche Betreuung und Zugang zu einem kaum mehr überschaubaren Arsenal an Substanzen erleichtern, begünstigen und erzwingen den Griff nach Medikamenten und leistungssteigernden Methoden.
Und die Dopingpraxis hat sich im Hochleistungssport, aber nicht nur hier, auch unter medizinischer Betreuung gewandelt, es wird wesentlich intelligenter und weniger auffällig betrogen. Der Nachweis wird immer schwieriger.
Jean-Pierre de Mondenard erklärt:
Sportmediziner Perikles Simon erklärte in einem Interview mit Daniel Drepper u.a.:
Prof. Michel Rieu, Berater der Französischen Antidopingagentur AFLD und der WADA, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt. was nützt alle Technik, wenn die Kondition fehlt. (Clément Guillou, 18.7.2011) schweigen, leugnen, zögern... und mehr
Die FIFA und ihre Untergliederungen waren, wenn es um Antidopingmaßnahmen ging, immer schon langsamer als andere Verbände. Auch diese reagierten gerne erst auf Druck, auf Leidensdruck, wigelten ab, leugneten, verschleierten, logen, doch der Fußball scheint darin immer noch ein wenig besser gewesen zu sein. Nicht selten liest man, dass daran dessen vielfältige Verflechtungen mit Politik und Wirtschaft nicht unschuldig seien. Wettkampfkontrollen wurden z. B. sehr spät eingeführt, Trainingskontrollen auch sehr zögerlich, Bluttests sind überaus selten. Am besten zeigt sich diese Verweigerungs- und Verzögerungshaltung an der jahrelangen Weigerung der FIFA, den WADA-Code anzuerkennen und an den immer neuen Bemühungen Regelungen aufzuweichen oder zu umgehen (Beispiel Whereabout-Regelung (die Zeit, 25.3.2009)). Diese WADA-FIFA-Geschichte wäre eine eigene Aufarbeitung wert. Kontrollen ja, aber...
Neben der alten und weiterhin vorgebrachten Begründung, Doping brächte im Fußballsport keine Vorteile, kommt aus Fußballkreisen immer nachdrücklicher das Argument, Kontrollen brächten nichts, nicht nur aufgrund der neuen ausgeklügelten Anwendungen, sondern auch weil damit in Anbetracht der geringen Dopingneigung im Fußball umsonst Geld ausgegeben werde. Dass diese Argumentation nicht unbedingt in allen Punkten in sich schlüssig bzw. logisch ist, bleibt oft unkommentiert. Nach de Mondenard ist der Antidopingkampf dann erfolgreich, wenn 10 % der Sportler kontrolliert werden, im Fußball sind es aber nur 0.05 %. Auch zu diesem Komplex wäre eine genauere Zusammenstellung und Analyse der Dopingkontrollpraxis über Jahre und Länder hinweg sinnvoll und wünchenswert.
Für die Jahre 1966 bis 2003 hat Jean-Pierre de Mondenard 2003 eine Statistik erstellt über Dopingkontrollen und -fälle bei Weltmeisterschaften. Insgesamt fanden 2112 Kontrollen statt die 3 positive Fälle erbrachten. De Mondenard hält fest, dass der Fußball hierbei den geringsten Anteil positiver Fälle aufweist. (de Mondenard in Les Dopés du Foot, 2012, S. 279)
Jiri Dvorak, Chefmediziner der FIFA, erklärte am 10. Mai 2009 in einer WADA-Sitzung: "30 000 Proben und damit wiederum 10% mehr als im Vorjahr. Und dennoch ist die Anzahl positiver Fälle konstant geblieben: etwa 90, die meisten wegen Marihuana und Kokain. Nur ungefähr 10 gehen auf die Einnahme von anabolen Steroiden zurück, das sind gerade einmal 0,03%. Jede Analyse kostet durchschnittlich USD 1000. Das macht USD 30 Millionen bei 30 000 Kontrollen und gerade einmal zehn Steroid-Betrügern. Da die Realtionen auch bei anderen internationalen Verbänden und der WADA ähnlich sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Strategie." Dvorak spricht sich in der Folge für den Biologischen Pass aus, ergänzt werden solle mit Bluttests bei Wettbewerben, "wobei hier noch viel Arbeit auf die Wissenschaft wartet". (Jiri Dvorak)
Nicht gesagt wird, das im Fußball bislang nur sehr zögerlich, höchstens bei einigen wichtigen Ereignissen Blutkontrollen durchgeführt werden, so z. B. laut Angaben der UEFA vor der EM 2012. Martial Saugy vom Lausanner Antidoping-Labor meint über die Kontrollpraxis, dass die meisten Kontrollen durch nationale Organisationen erfolgen und die Analysen nicht vergleichbar seien. Mit diesen statistischen Zahlen könne nichts bewiesen werden. (le point.fr, 2.6.2010) Zudem stelle sich die Frage nach der Unabhängigkeit der Kontrolleure und der Qualität der Tests. "Auf die Frage, warum er nicht mit nationalen Anti-Doping-Agenturen zusammengearbeitet habe, antwortete Dvorak, diese funktionierten nur in rund 30 Ländern, die Fifa habe es aber mit 208 nationalen Verbänden zu tun." (NZZ, 14.6.2010) Mit der Folge, dass Fußballer einiger Nationen aufgrund der fehlenden nationalen Antidopingstrukturen wenig bis kaum kontrolliert werden. Dieses Argument wurde auch zur Frauen-WM 2011 herangezogen um die geringen bis überhaupt nicht stattfindenden Dopingkontrollen weltweit zu rechtfertigen: Außerhalb der WM-Vorbereitung ist in den meisten Ländern von Dopingkontrollen nicht die Rede. Denn, so Fifa-Chefarzt Jiri Dvorak, es gebe in maximal 40 Ländern weltweit funktionierende Nationale Anti-Doping-Agenturen. mit denen der Weltverband zusammenarbeiten könne. Aber die Fifa habe 208 Mitglieder. Und Professor Toni-Graf-Baumann meint zum Thema Dopingkontrollen in Afrika und Asien: "Ich würde aber sagen, dass dort die logistischen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Das heißt, sie haben keine Nationalen Anti-Doping-Agentur, sie haben auch in der Regel nicht genügend personelle und finanzielle Resourcen um ein flächendeckendes Netz von Dopingkontrollen aufzubauen und aufrechtzuerhalten." Doch auch während der WM finden nur wenige Kontrollen stattt, denn es gäbe keine Anhaltspunkte, dass gedopt werde: "In der Vergangenheit, wenn die Spiele im Abstand von zwei bis drei Tagen sind, dann machen wir eigentlich Kontrollen nicht. Weil wir keinen Anhaltspunkt haben, das so etwas gemacht wird. Und da sieht man die wirklich gefährlichen Substanzen auch im Urin, die gehen dann aus dem Körper nicht so schnell weg." (dradio, 25.6.2011). Eine gewagte These angesichts der aktuellen Dopingmethoden.
Im März 2012 verkündete die FIFA, dass sie nun auf Steroidprofile setze und ein entsprechendes Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der WADA starte (FIFA, 6.3.2012). FIFA-Chefarzt Prof. Jiri Dvorak meinte nun: ""Steroid- und Blutprofile sind derzeit vielleicht das wirksamste Mittel gegen Doping". "Größter Vorteil ist, dass die Profile auf der Konsistenz der Spielerphysiologie basieren. Ständig kommen neue Substanzen auf den Markt, wobei es Jahre dauern kann, bis wirksame Kontrollverfahren vorliegen. Die menschliche Physiologie wird hingegen vererbt und verändert sich selbst über Generationen hinweg kaum." Blutprofile, die von anderen Verbänden favorisiert werden und aufgrund dessen bereits Sportler des Dopings überführt wurden, seien für den Fußball allerdings nicht sinnvoll, denn "Grundlage für die Entscheidung zugunsten von Steroidprofilen waren die Ergebnisse umfassender Bluttests bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2002™ und der UEFA EURO 2008. Da keinerlei Blutmanipulationen festgestellt wurden, sind Blutprofile für den internationalen Fußball nicht zweckmäßig." Warum nun auf aber auf Steroidprofile gesetzt werde obwohl Dvorak weiterhin sagt, dass Doping im Fußball zum Glück relativ selten sei und die allermeisten positiven Befunde auf Gesellschaftsdrogen wie Marihuana zurückzuführen seien und erst weit dahinter Stimulanzien, anabole Steroide und Glukokortikosteroide folgen, bleibt in diesem Artikel unklar. Erwähnt wird aber die abschreckende Wirkung und die Möglichkeit damit Krankheiten und Anomalien zu entdecken. Der FIFA-Chefarzt hebt zudem hervor: "Es rückt unser bestehendes Programm zur Dopingbekämpfung in den Blickpunkt." In Bezug auf seine Behauptung, der Fußball würde als erster das Steroidprofil erproben wollen, irrt er. Die UCI spricht seit 2008 in Zusammenhang mit ihrem Gesundheitspass von Blut- und Steroidprofilen, dafür werden auch Urinkontrollen regelmäßig durchgeführt. (UCI Antidoping-Programm, UCI Biologischer Pass) Auch NADAs arbeiten an entsprechenden Programmen und Pässen. Die WADA plant für den WADA-Code 2015, dass das Steroidprofil neben dem Blutprofil fester, verbindlicher Teil des Gesundheitspasses wird (sport transparency, 20.1.2010).
Prof. Mario Thevis vom Kölner Antidopinglabor weist zudem darauf hin, dass Steroidprofile seid über 20 Jahren zum Einsatz kommen und deren Weiterentwicklung in den letzten Jahren Bestandteil des modernen Antidopingkampfes war. (dradio, 1.4.2012). Bezogen auf die Relevanz von Blutprofilen im Fußball gibt Thevis zu bedenken:
Im Mai 2012 scheint es auf Seiten der FIFA zu einer neuen Bewertung gekommen zu sein. Nun spricht man von der Einführung Biologischer Profile, zu denen Blutwerte genommen werden.
Sepp Blatter gibt hierzu nun eine ehrliche Begründung:
Wie weit sind diese Pläne voran geschritten? Sind sie eingeschlafen? John Fahey, WADA, äußerte im Februar 2013 Unverständnis darüber, dass im Fußball keine Blutprofile eingeführt würden.
alte Geschichten1937 Drüsenextrakte und VitamineDie Behandlung von Profifußballern der Teams aus Portsmouth und Wolverhampton mit Spritzen eines Extraktes aus tierischen Drüsen (Hormone) und Vitamin B1 löste 1937 in London heftige Debatten darüber aus, ob das denn Doping sei. Die Londoner Football Association sowie der britische Gesundheitsminister sahen jedoch keine Probleme. Vorteile sollten eine bessere Vitalität, eine schnellere Koordination von Muskeln und Gehirn, eine Stimulation des Zentralnervensystems sein. Die Behandlung der Fußballer erstreckte sich über sechs Wochen mit jeweils zwei Spritzen pro Woche, anschließend genügte eine Spritze in 7 Tagen. Die Behandlung fand offenbar großen Anklang, noch Jahre später soll sie auch in anderen Clubs von Ärzten angewandt worden sein. (De Mondenard, Dictionnaire, S. 347) (Das Experimentieren mit tierischen Zellen im Sport, insbesondere Hormonen, hat insgesamt eine lange Tradition und ist auch heute noch nicht abgeschlossen (Niehans-Therapie, Kälberblutextrakte usw.), s. John Hobermann, Sterbliche Maschinen). Amphetamine und Co.
Dr. André Noret, belgischer Sportarzt, schreibt 1981:
Christoph Biermann, Autor des Buches 'Fast alles über Fußball', sagte im Mai 2010:
Michael Gabbert, britischer Journalist, der durch Recherchen mithalf verbreitetes Doping im englischenTeam Everton offen zu legen:
Dr. Louis Delezenne, Mitglied der medizinischen Kommission des franz. Fußballverbandes 1963:
le Figaro, 25.11.1968:
Prof. Dr. Ludwig Prokop, Wien, sagte 1959 und 1968:
Professor Arnold Beckett, 1965 verantwortlich für die ersten Dopingkontrollen bei einem großen Wettkampf auf der Britischen Insel, der Tour of Britain (Radsport), und Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC, erklärte 1967:
Juan Gomez Juanito, spanischer Fußballer 1979:
Carlo Petrini, italienischer Fußballer in den 60, 70er und 80er Jahren, beschreibt seine Erfahrungen (ARDradio, Juni 2010):
Dr. Michel D'Hooghe, Präsident der Medizinischen Kommission der FIFA seit 1988:
Gomez Juanito, 1974-1977 bei Burgos, danach Flügelstürmer von Real Madrid, erzählte 1979:
William Johnston war der zweite offizielle Dopingfall im internationalen Fußball: Im Juni 1978 wurde der Schotte wegen Dopings von seinem Verband von der weiteren Teilnahme an der WM und auf Lebenszeit aus der Schottischen Nationalelf ausgeschlossen. Ihm wurde das Mittel Fencamfamin, ein Amphetamin, nachgewiesen. Zu Johnston schreibt die SZ:
Weitere Fälle mit und Diskussionen um Amphetamine bzw. Amphetaminderivate wie Captagon im Fußball siehe unter Fußball und Doping: Deutschland (BRD)
Kontrollen1969 wurden im brasilianischen Bundesland Parana die erste Fußball-Dopingkontrollen in Brasilien durchgeführt. Dabei wurde deutlich, dass zwölf der dreizehn Mannschaften, die in der Serie A spielten, regelmäßig Stimulanzien einnahmen, wobei bis zu 60% der kontrollierten Spieler positiv waren. (E.A. De Rose, 1969, nach de Mondenard in Les Dopés du Foot, 2012, S. 184)
Anlässlich des Europacup-Spiels Anderlecht-Barcelona am 18. Oktober 1978 taucht plötzlich das Team einer belgischen Polizei-Sondereinheit auf und möchte von jedem Team drei Spieler kontrollieren. Alle sechs weigern sich. Die Spanier sahen sich nicht an Gesetze fremder Länder gebunden (in Spanien gab es laut Noret ein ähnliches Antidopinggesetz wie in Belgien). Am 23.Januar 1979 wurde verkündet, es gäbe keine juristischen Sanktionen wegen der Verweigerungen. Diese Ankündigung stieß allerdings auf heftige Kritik all derjenigen, die sich ähnlichen Kontrollen unterworfen hatten. Offen wurde der Einfluss des europäischen Verbandes angesprochen, der die Angelegenheit so gut wie möglich geregelt haben wollte, was wiederum umgehend dementiert wurde, die Justiz sei unabhängig. (Noret, le Dopage, S. 133) Ephedrin1966 wurden zum ersten Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft Dopingkontrollen durchgeführt. Nach jedem Spiel mussten zwei ausgeloste Spieler zur Dopingkontrolle. 2011 fanden Historiker der Berliner Humboldt-Universität, die an dem Forschungsprojekt 'Doping in der BRD... arbeiteten, einen Brief von 1966 von Mihailo Andrejevic, Vorsitzender des Medizinischen Komitees der Fifa, an Max Danz, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Darin informierte er seinen deutschen Arztkollegen darüber, dass es lediglich drei positive Proben von deutschen Spielern mit Ephedrin-Spuren gab. "Wir hatten nur zum Schluss bei der deutschen Mannschaft bei drei Spielern sehr feine Zeichen von der Einnahme eines gewissen Ephedrinmittels gegen Schnupfen entdeckt.". Sanktionen gab es nicht (der Spiegel, 1.10.2011). Siehe auch der Spiegel, 18.7.1966: Giftig ohne Gift. Arnold Beckett, Direktor des Drogenkontrollcenters des Chelsea-Colleges schrieb 1980 über diese Dopingkontrollen und Beobachtungen während der Weltmeisterschaften 1966:
Im 'Paris Match' vom 3.6.1977 meinte ein französischer Fußballtrainer zu Gebräuchen bei den Profis: "Drei Tage vor einem Spiel wird erklärt, der Start des Mittelstürmers - der Star des Teams - sei aufgrund eines grippalen Infekts ungewiss. Am Tag des Spiels ist er aber da. Uns erzählt man, die Grippe sei überwunden, er spielt auf eigenen Wunsch! Blödsinn! Der Junge war nie krank. Aber am Tag vor dem Spiel hat er sich die Brust mit Ephedrin frei gemacht. Damit hat er seine Atmung verbessert und damit auch seine Regenerationsfähigkeit. Sollte er während des Spiels Pech haben, ein Unfall geschehen, und er würde im Krankenhaus kontrolliert, hätte er eine Verschreibung dabei für antigrippale Medikamente. Sollte man also Ephedrin bei ihm finden, wäre alles normal. Das gehöre zur Behandlung." (de Mondenard, Dictionnaire, S. 450)
Ephedrin war auch Grund des Bebens, dass die Fußballwelt während der WM 1994 erschütterte, als Diego Maradona positiv getestet wurde. Auch hier wurde breit diskutiert, ob es sich bei diesem Mittel um Doping handelte oder eher um eine eine gesundheitsfördernde Maßnahme. Dagegen sprach allerdings, dass bei dem Star ein Cocktail fünf verschiedener Substanzen, die nach Dr. Michel D'Hooghe, Präsident der Medizinischen Kommission der FIFA als sehr gefährlich einzustufen waren (Ephedrin, Phenylpropanolamin, Pseudiephedrin, Norephedrin, Metephendrin) gefunden wurden. (de Mondenard, 2010, S. 172) Laut "Gazzetta dello Sport" war Doping zu der Zeit im argentinischen Fußball auch nichts Besonderes, "63 Prozent von 209 Profis der Ersten Liga hätten in einer Umfrage in Argentinien diese Annahme bestätigt. 22 Prozent kennen demzufolge mindestens einen Spieler der Ersten Liga, der unter Einfluß von Dopingmitteln im Einsatz war." (FAZ, 8.7.1994) 1992 Olympische Spiele BarcelonaBei den Olympischen Spielen gewann die polnische Mannschaft die Silbermedaille 2:3 gegen Spanien. Anfang März 1994 meldete die polnische Sportzeitschrift "Tempo" dass drei Spieler der polnischen Mannschaft wenige Wochen, am 3. Juni 1992 vor der Reise nach Barcelona positiv getestet worden waren: Piotr Swierczewski, Piotr Klak und Dariusz Kosela. Drei Professoren der polnischen Dopingkommission hatten jetzt zugegeben, dass die A- und die B-Proben der Sportler damals große Mengen unerlaubter Substanzen aufwiesen. Das Sportministerium hätte versucht, die Affaire zu vertuschen. (kicker, 10.3.1994) 1980er Jahre Wurde die Nationalmannschaft Algeriens gedopt?Wurden Spieler der algerischen Nationalmannschaft in den 1980er Jahren ohne ihr Wissen gedopt? Wenn ja mit welchen Mitteln? Im November 2011 gingen 3 ehemalige Nationalspieler an die Öffentlichkeit und stellten einen Zusammenhang zwischen möglichem Doping und Schäden bei Kindern der Spieler her. (El Watan, 13.11.2011, DNA algérie, 17.11.2011) Bereist 2010 hatten Mohamed Chaïb et Kaci Said versucht mit diesem Thema Öffentlichkeit zu erhalten, allerdings ohne Erfolg. Alles was sie unternommen hatten, blieb ohne Resonanz, sie seien gegen eine Mauer des Schweigens angerannt. Schnell hätten sie begriffen, dass es um ein Tabu ging.
Mindestens 7 Spieler, Djamel Menad, Kaci Saïd, Tej Bensaloua, Mehdi Cerbah, Mohamed Chaïb, Abdelkader Tlemçani und Salah Larbès, haben behinderte Kinder. Der ehemalige Verteidiger Mohamed Chaib hat sogar drei behinderte Töchter. Die Spieler erinnern sich, dass sie von einem russischen Betreuer gelbe Pillen erhalten hätten, die angeblich Vitamine gewesen seien. Von offizieller Seite wurde schnell dementiert, es habe keine ausländischen Mediziner in en 1980er Jahren gegeben. Doch der Arzt Dr. Rachid Hanifi erinnerte sich daran, dass der russische Auswahltrainer Guenaddi Rogov einen Mediziner dabei hatte, der bald den Ton angab. Er selbst habe damals keinen Zugang mehr zu den medizinischen Protokollen bekommen und habe daher seinen Abschied genommen: "je n'ai plus eu accès aux dossiers médicaux. Je pensais qu'ils faisaient des tests d'évaluation qu'ils ne voulaient pas divulguer. J'ai envoyé un rapport au directeur général du Centre national de médecine du sport et au ministère. On m'a répondu qu'il fallait laisser Rogov travailler avec son médecin. Alors, j'ai démissionné", explique le Dr Hanifi. "Le lien (avec les produits dopants) n'est pas évident mais il est possible". (le Monde, 17.11.2011). Rogov, 2006 verstorben, war von 1980 bis zur WM 1982 anwesend. Der Jugoslave Zdravko Rajkov war von 1981 bis zur WM 1982 sowie erneut von Oktober 1986 bis März 1988 Mitglied des Betreuerstabs der Nationalmannschaft (europe1, 17.11.2011).
Auch wenn der Beweis eines Zusammenhanges wohl kaum ohne Geständnisse und entsprechende Nachweise möglich sein wird, gibt die hohe Zahl der behinderten Kinder zu denken. (SZ, 21.11.2011, mideastsoccer.blogspot.com, 18.11.2011) Die betroffenen Väter fordern nun offizielle Untersuchung, ob sie gehört werden, ist noch nicht bekannt. Machtspiele: WM 1998 in Frankreich
In den 90er Jahren trat EPO seine Siegeszug an. Das Dopingproblem eskalierte und fand im Festina-Skandal 1998 während der Tour de France einen Höhepunkt. Alles schaute auf den Radsport, Doping in anderen Sportarten wurde kaum mehr thematisiert. Verdachtsmomente gab es jedoch auch im Fußball. 1998 fand in Frankreich die Weltmeisterschaft statt. Im Vorfeld gab es heftige Auseinandersetzungen um unangekündigte Trainingskontrollen, die am 26.12.1997 bei der französischen Mannschaft im Trainingslager in Tignes durchgeführt wurden. Unangekündigt? Während der Ferien? Selbst Ministerin Buffet sah sich genötigt sich zu rechtfertigen und entschuldigte sich offiziell bei der Mannschaft für das gewählte Datum. Von diesem Zeitpunkt an bis zu der WM im Juni/Juli wurden die 'Blauen' nicht mehr im Training kontrolliert. Durchgeführt wurden wohl Kontrollen während eines Freundschaftsspiels im Januar gegen Spanien, doch nicht bei den Spaniern. Diese weigerten sich, Frankreich sei nicht zuständig, auch FIFA-Präsident Blatter soll dieser Meinung gewesen sein. Der Spanische Sportminister erklärte dazu auf Anfrage, "bei uns läuft das nicht so wie in Frankreich, ... Fußballer sind unantastbare Helden" (mehr siehe >>> hier).
Glaubt man Éric Maitrot, Autor des Buches 'Les scandales du sport contaminé', versuchte die FIFA ihre eigenen Vorstellungen der Dopingbekämpfung während der WM durchzusetzen. Die Ministerin wollte Trainingskontrollen, Havelange weigerte sich. Es soll lautstarke Auseinandersetzungen gegeben haben. Havelange argumentierte z. B. damit, dass die FIFA einen höheren Haushalt habe als Frankreich, "hören Sie, Madame, wir haben Ihnen die WM gegeben, also nerven Sie uns nicht länger mit Ihren Kontrollen und Ihren Ärzten....".
Zu der Zeit bestand vor allem Gefahr Sportler mit Nandrolon zu überführen. In Frankreich waren sechs Fußballer damit aufgeflogen, auch in anderen Ländern war es ein beliebtes Mittel. Über die Nachweismöglichkeiten gab es zunehmend Auseinandersetzungen, gerne wurde den Laboratorien Fehler unterstellt. In diesem Sinne versuchte die FIFA auch dem Pariser Analyselabor die Kompetenz abzusprechen und drohte mit den Proben nach Lausanne zu gehen. Es blieb bei Paris, doch mit gewissen Auflagen: u.a. keinerlei Trainingskontrollen, Ergebnisse mussten erst an die FIFA (Blatter) übergeben werden, die sie dann anonym an das Ministerium weiter gab, ein FIFA-Beobachter war ständig im Labor anwesend. Zwischen Ministerium und Labor wurde allerdings telefoniert und penibel darauf geachtet, dass kein Ergebnis unterwegs verloren ging.
Fünf Tage vor WM-Eröffnung wurden die für die Kontrollen zuständigen Ärzte von Michel D'Hooghe, dem Vorsitzenden dem medizinischen Kommission der FIFA, eingewiesen. D'Hooghe sprach sich für ein genaues und rigoroses Vorgehen aus, demonstrierte aber den Ablauf fehlerhaft - damit wäre jeder positive Fall wegen Verfahrensfehlers abgeschmettert worden. Zufall oder Absicht? Die Franzosen wurden misstrauisch und setzen für die Kontrollen das Beisein französischer Ärzte durch. Geholfen hat es wenig. Nach Dr. Alain Garnier, französischer Anti-Doping-Chefmediziner, wurden diese Ärzte ausgetrickst und es häuften sich die Verfahrensfehler, die nicht korrigiert wurden. So verschlossen die FIFA-Kontrolleure selbst die Urinproben anstelle der Sportler. Proteste halfen nicht. Am 16. Juli 1998 verkündete die FIFA: All the doping tests carried at the 1998 World Cup proved to be negative. ... The names of 256 players were drawn by lots at the 64 matches and these players subjected to tests. This represents 35% of the 704 footballers in the 32 World Cup teams. Taking only the finalists into account (France, Brazil, Croatia and the Netherlands), 64% of the players from these four teams had undergone tests for prohibited substances at least once...." (FIFA)
Am 31. Januar 2002 veröffentlicht Damien Ressiot in der l'Équipe eine Liste mit Medikamenten, die von ausländischen Teams bei der Einreise nach Frankreich angeben werden mussten. Trinitrin hatten Italiener, Spanier, Holländer dabei, Actovegin die Österreicher und Belgier, Esafosfina die Italiener und Belgier. Die Holländer hatten insgesamt 128 verschiedene Mittel deklariert, mit dabei Nandrolon-Ampullen. (Innerhalb des folgenden Jahres wurden aus diesem Team Edgar Davids (Juventus Turin), Franck De Boer (FC Barcelona) und Jaap Stam (Lazio Rom) positiv auf Nandrolon getestet.). Angeblich habe man in Frankreich die Information zu Nandrolon weitergereicht, doch eine gesetzliche Handhabe dagegen hätte es nicht gegeben.
Im August 2011 veröffentlichte der ehemalige britische Nationalspieler Gary Neville sein Buch 'Red'. Darin spricht er zwar nicht von Doping schildert aber wie Spieler des Nationalteams vor dem Spiel gegen Argentinien Spritzen erhielten, die erstaunliche Wirkungen entfalteten. When the 1998 World Cup started, some of the players started taking injections from Glenn’s favourite medic, a Frenchman called Dr Rougier. It was different from anything we’d done at United, but all above board, I’m sure. After some of the lads said they’d felt a real burst of energy. (mail online, 21.8.2011).
Dass einiges bei der WM 1998 zu verbergen gewesen war, legt auch eine Bemerkung von Patrick Keil, Richter im Festina Prozess, nahe. Keil sagt, alle vernommenen Fahrer hätten ausgesagt, dass auch Sportler anderer Sportarten, insbesondere Fußballer dieselbe medikamentöse Behandlung genossen hätten wie sie selbst. Schließlich hätten sie alle dieselben Ärzte und Präparatoren gehabt. Insbesondere die Fußballnationalteams Frankreichs und Italiens seien betroffen gewesen. Keil meinte, mit diesen Informationen hätte er eine Untersuchung einleiten können. (l'Humanité, 23.11.2009, o-f: 5.11.2009) (s.a. Machtspiele, WM 1998) D'Hooghe, darauf angesprochen, gab an nichts gewusst zu haben. Er hatte allerdings 1999 mit ungewohnt offenen Aussagen für Aufregung gesorgt. AFP zitiert in nach einem Interview in De Morgen am 4.2.1999 wie folgt: "Michel D'Hooghe ... ist überzeugt, dass "einige während der Fußball-WM 98 EPO genommen haben".... Alle Proben während der WM waren anabole Steroide betreffend negativ. Aber das bedeutet nicht, dass gewisse Spieler keinen Zugriff auf nicht nachweisbare Substanzen wie EPO hatten. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass EPO bei dieser WM eine Rolle spielte. da ich keinerlei Beweise habe, kann ich auch niemanden beschuldigen. Aber wenn ich die Schwierigkeiten sehe, die die belgische Nationalmannschaft dabei hatte sich zu erholen und das mit der Frische vergleiche, die einige der Gegner an den Tag legten, stelle ich mir Fragen." (zitiert nach De Mondenard, Dictionnaire, S. 473) Im September meinte er, ""was in anderen Disziplinen zehn bis fünfzehn Prozent der Athleten betrifft, tangiert im Fußball ein bis drei Prozent." Seinen Glaubenssatz ergänzt D'Hooghe allerdings mit einer Bemerkung, die auf Skepsis gegenüber der Zukunft schließen lässt: "Das Risiko ist beträchtlich, dass Doping auch im Fußball zu einem schweren Problem wird. Die Versuchung hierzu ist angesichts von immer mehr Spielen und immer mehr Geld größer geworden." Erforderte mehr Kontrollen, schärfere Strafen und eine Aufklärungs- und Informationskampagne. "Er ist davon überzeugt, ohne es beweisen zu können, dass es auch in seinem Sport genügend Epo-Konsumenten gebe; der Belgier hätte auch nichts gegen die mancherorts umstrittenen Blutkontrollen. "Natürlich gibt es eine Doping-Mentalität auch im Fußball", sagt D'Hooghe. Sie zu bekämpfen, sei eine lohnende Aufgabe. Was er damit konkret meint, hat er in Genf gesagt und angekündigt. Trainingskontrollen sollen dabei helfen - gerade vor den größten Festen des Fußballs." (FAZ, 25.9.1999)
Vier Jahre später 2002 klang alles moderater, jetzt meinte er, EPO im Fußball sei wie andere Mittel auch nur ein Randproblem, schließlich wäre Fußball eine zu komplexe Sportart für diese Art des Dopings.
Untermauert sah er seine Ansicht, durch Blutanalysen bei der WM 2002. 256 Proben wurden auf auffällige Parameter hin untersucht (Hämatokrit, Hämoglobin, Reticulozyten (australischer EPO-Test?). Da es diesbezüglich nichts zu beanstanden gab, wurden keine Urinproben mit dem neuen EPO-Test analysiert. Im Januar 2002 hatte d'Hooghe noch angekündigt, EPO mit dem Urintest suchen zu lassen. Nach einem internationalen FIFA-Mediziner-Workshop im Februar hatte es dann geheißen, man wolle beide Tests, Blut- wie Urintests durchführen. D'Hooghe begründete den Entschluss mit juristischen Notwendigkeiten. Bekanntermaßen würden Spieler mit den teuersten Anwälten aufwarten, man müsse daher sicher gehen. 2003 war man wieder beim alleinigen Urintest angelangt. Dieses Schwanken zwischen den Methoden ist aber nicht allein bei er FIFA festzustellen, sondern findet auch in anderen Verbänden und dem IOC statt. (S. hierzu auch der EPO-Test) 2002 Cédric Lécluse: 'chinesische Vitamine'Der ehemalige Verteidiger von Nancy Cédric Lécluse hatte im Sommer 2002 einen gut dodierten Vertrag in China bei Cosco Shanghai unterschrieben. Recht bald wunderte er sich über medizinische Praktiken, die er während der chinesischen Meisterschaften beobachtete. Einem Freund berichtete er per Email, dass die Spieler wie Zitronen ausgepresst und gedopt würden. Zurück in Frankreich erzählte er in Le Parisien von eigenen Erfahrungen: "Ja, ich dachte, dass sie dopten. Einmal hatte ich fast fünf Tage lang 40Grad Fieber. Es sah nicht so aus, als könne ich das kommende Spiel bestreiten. Man gab mir eine intravenöse Spritze. Niemals habe ich erfahren, was darin war. Ich konnte danach spielen auch wenn ich am Ende der Begegnung fertig war. Zweifel sind erlaubt .... Kein Arzt hat mich untersucht. Man erzählte mir etwas von 'chinesischen Vitaminen', denselben, die der chinesischen Nationalmannschaft während der ersten Runde der WM 2002 verabreicht worden seien..." (Maitrot, Les Scandales..., S. 226) 2003 systematische Doping bei Spartak Moskau?Im November 2003 wurde Yegor Titov anlässlich des Spiels Russland gegen Wales positiv auf Bromantan, ein Stimulanz und maskierendes Mittel, getestet. Daraufhin wurde in russischen Medien der Vorwurf laut, bei Spartak Moskau werde systematisch gedopt. Argumentiert wurde mit dem plötzliche Rückzug einiger Spieler dieses Clubs aus dem Nationalteam am Vorabend des Spiels Russland gegen Irland im September 2003. Unterstützt wurde dieser Verdacht durch Aussagen der beiden ehemaligen Spartak-Spieler Vladislav Vashchyuk und Maxim Demenko, die angaben an solch einem Dopingprogramm teilgenommen zu haben. Demenko sprach von 'kleinen weißen Pillen', die vor jedem Spiel den wichtigsten Spielern gegeben wurden. Vashchyuk erwähnte Infusionen, mit denen Ärzte Dopingmittel verabreicht hätten. (Mosnews, 3. 5.2005, zitiert nach Malcolm in Waddington/Smith, S. 163, ergogenics, 8.5.2005) NandrolonNandrolon, ein körpereigenes Steroid, wurde bereits 1950 synthetisiert. Als Nandrolondecanoat (Esther) ist es in Deutschland unter dem Namen Deca-Durabolin im Handel. Es wirkt als Depotpräparat, das den Blutspiegel über längere Zeit aufrecht erhält, ist aber sehr lange nachweisbar. Im Fitnessbereich kommt es heute noch sehr häufig in höheren Dosen zum Einsatz, im kontrollierten Leistungssport wurden sie durch verwandte Prohormone ersetzt, vielleicht kommen auch Mikrodosen zur Anwendung. Prohormone werden in einigen Ländern als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, sind in Deutschland aber nicht zugelassen. Nandrolon und dessen Prohormone sind grundsätzlich verboten. Nachgewiesen wird Nandrolon über dessen Hauptmetaboliten Norandrosteron, der allerdings im Körper auch natürlicherweise vorkommt. Daher muss mit Grenzwerten gearbeitet werden. Für Sportler gefährlich wird es, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel erwerben, die mit Anabolen Steroiden, auch Nandrolon und Prohormonen verunreinigt sind. (dopinginfo.de) Aufgrund des körpereigenen Vorkommens und verunreinigter Nahrungsergänzungsmittel sorgten die auch dank feinerer Analysemethoden gehäuft auftretenden positiven Befunde im internationalen Hochleistungssport in den Jahren um die Jahrtausendwende zu heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen insbesondere um die Höhe des gültigen Grenzwertes. (NZZ, 20.8.1999, FIFA, 6.10.03) Das Argument der verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel wurde 2011 von >>> Stefan Matschiner um eine andere Variante ergänzt. Der ehemalige österreichische Leichtathlet und Sportlermanager berichtete von positiven Nandrolonfällen, die auf verunreinigtes Testosteron zurückgingen. Ein Grund warum er Apothekenware bevorzugte.
Ab 1993 war Nandrolon von allen internationalen Organisationen verboten. 1993 wurde der erste positive Fall im Fußball öffentlich, 1994 folgte der zweite, 1996 der dritte. 1997 sorgten vier französische Fußballer sowie ein Handballer und ein Judoka für helle Aufregung und heizten die Diskussion darüber an, ob das Steroid als exogen zugeführt nachgewiesen werden kann. Im Durchschnitt wurden diese vier Spieler für 6 Monate gesperrt. 1998 und 1999 fielen drei Fußballer auf, einer wurde sanktioniert. Ab dem Jahr 2000 nahm die Kontrolldichte zu und auch die positiven Fälle. 2000 und 2001 waren es 14 Spieler außerhalb Portugals (u.a. 6 Italiener, 3 Niederländer), in Portugal sollen innerhalb von 5 Monaten 31 Spieler innerhalb von 5 Monaten positiv getestet worden sein. Von 2004 bis 2010 wurden noch 6 Spieler auffällig. Dopingmentalität im Fußball ? !
Die Einnahme verbotener Mittel zur Leistungssteigerung hat meist eine Vorgeschichte. Sportler finden sich häufig in einer Kultur wieder, in der sie langsam herangeführt werden. Nahrungsergänzungsmittel gehören zur Normalität und Pillen für alle möglichen ungeliebten Symptome oder gegen angebliche Defizite werden gerne empfohlen und genommen, sie sind selbstverständlich und häufig bilden sich Abhängigkeiten. (Der Begriff Dopingmentalität ist daher nicht gleichzusetzen mit einem 'schlechten Charakter'.) Hinzu kommt der Anspruch, dass Verletzungen im Rekordtempo heilen sollen und der Körper sich generell möglichst schnell zu regenerieren hat. Solch eine Medikamentenkultur begünstigt nach allen Erkenntnissen den Griff zu stärkeren, auch verbotenen Mitteln. Im Hochleistungssport hat sich schon seit Jahrzehnten solch eine Kultur herausgebildet, nicht zuletzt mit tatkräftiger Unterstützung der Trainer und des gesamten therapeutischen Umfeldes.
Es deutet wenig darauf hin, dass Doping im Fußball keinen entsprechenden Nährboden findet oder fand. Die verschiedenen Schilderungen und Zitate aus früheren Jahrzehnten lassen vermuten, dass hier ebenso wie in anderen Sportarten die Versuchung groß war, Mittel und Methoden auszuprobieren, die das Leistungsvermögen unterstützten oder erweiterten. So nahm die Diskussion um das Für und Wieder von Sauerstoffgaben schon Ende der 1940er und 50er Jahren breiten Raum ein. International wurde damit experimentiert. Die Wirkungsweise war zwar nicht richtig klar, doch Effekte schienen sich einzustellen, auch wenn einige Experten vor allem die Kraft der Einbildung dafür verantwortlich machten. Einigkeit darüber, ob es sich hier bereits um Doping handelte, herrschte nicht. (der Spiegel, 19.05.1954: Sauerstoff-Stürmer) Ludwig Prokop schreibt 1959:"Unter den Mitteln, die in letzter Zeit sehr oft, vor allem im Fußball, zur Leistungssteigerung herangezogen werden, spielt der Sauerstoff eine große Rolle. Die leistungssteigernde Wirkung von Sauerstoff wurde schon vor 50 Jahren bekannt, und schon zu dieser Zeit haben belgische und englische Fußballmannschaften vor dem Match und in der Halbzeitpause Sauerstoff geatmet." (>>> L. Prokop, 1959)
Dass Versuchungen groß waren nach leistungssteigernden Mitteln und Methoden zu greifen, darauf deutet auch eine Diskussion um Doping im englischen Sport hin, die Anfang der 60er Jahre auf der Insel stattfand und wahrscheinlich mit dem Skandal um den Club von Everton zusammen hing (Beispiel s.o. unter Amphetamine). Die Zeit veröffentlichte 1964 darüber einen Artikel. U. a. ging es auch um den Fußball. "Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele hat Sir Adolphe Abrahams, der Vorsitzende der britischen Vereinigung für Sportmedizin, kategorisch erklärt, daß es im englischen Sport kein Doping-Problem gäbe und daß „daher nicht der geringste Anlaß zu irgendeinem Vorgehen bestehe". Im Gegensatz zu dieser optimistischen Erklärung steht die Ansicht von Dr. John Williams, der englischer Vertreter im Doping-Ausschuß des Europarates ist. Er hatte vor Weihnachten auf einer Pressekonferenz in Spanien erklärt, daß Doping im englischen Fußball nicht unbekannt sei. Später informierte er die „Football Association", daß „ihm eine qualitativ bedeutsame Anzahl von Spielern mitgeteilt hätte, daß sie Doping-Mittel nehmen". Dr. Williams versteht unter „Doping" jene Definition, die der Europarat inzwischen angenommen hat, die sich freilich etwas vage liest, aber doch ziemlich deutlich ausgelegt werden kann. Die „Football Association" antwortete, daß es tatsächlich Doping gäbe, wenn man diese Definition akzeptieren würde. Sie wäre aber unannehmbar, da sie die Verwendung von Sauerstoff, Glukose und Koffein-Tabletten einschließe. (die Zeit, 3.4.1964)
Es wurde wohl immer experimentiert, mit Amphetaminen, anabolen Substanzen, Bluttransfusionen (Beckenbauer, Kapellmann, Zidane) und vielem mehr. (Weitere Beispiele sind Zelltherapien, Injektionen von Kälberblutextrakten (Actovegin), Blood Spinning. Wobei Actovegin als Verschleierungsmittel von Dopingmitteln, vor allem EPO, benutzt werden kann. ) Zudem zeigen sich Überschneidungen verschiedener Sportarten in der ärztlichen Betreuung (u.a. Dr. Liesen und Freiburger Sportmediziner). Die Diskussion um das 'hormonelle Gleichgewicht', um die Substitution von Substanzen, die durch intensiven Sport verbraucht würden, die der Körper aber dringend brauche, wurde in Bezug auf die medizinische Betreuung von Fußballern ebenso geführt wie von anderen Sportarten (Substitutionstheorie).
Da waren und sind Grenzen schnell überschritten, auch im Fußball. Aus der deutschen Dopingdiskussion der 1970er und 80er Jahre liegen Äußerungen vor, die zeigen, dass im Fußball anabole Steroide bei Verletzungen eingesetzt wurden und glaubt man Stefan Matschiner, dann ist das heute immer noch so.
In seinem Buch Grenzwertig spricht er zudem von einem bayrischen Top-Fußballclub, bei dem Testosteron in geringen Dosen Teil des berühmten Fitspritzens gewesen sein soll.
Das Beispiel der Schmerzmittel zeigt, dass im Fußballsport die Neigungen zu Medikamenten und aufbauenden Mitteln zu greifen, weit verbreitet sind. Der Unterschied zu anderen dopinggefährdeten Sportarten dürfte damit gering sein. Auch die dopingbegünstigenden Rahmenbedingungen, in denen der Sport stattfindet, sind vergleichbar, wenn nicht sogar gravierender: Kommerzialisierung, finanzielle Umsätze, Leistungsdruck, mediale Aufmerksamkeit, Konkurrenz usw. sind ausgeprägter als in anderen Sportbereichen. Die geschlossene Fußballwelt, mächtig und diskret, dürfte einiges mehr begünstigen. Dass wenig bekannt ist über Dopingpraktiken im Fußball heißt nicht, dass Doping kaum existiert - diese Meinung wird heute immer häufiger öffentlich vertreten. So spricht der französische Dopingexperte Prof. Michel Rieu 2011 von der totalen, absoluten, kompletten Omerta im Fußball, die es den Fahndern unmöglich macht, zu erfahren was wirklich läuft. medikamentöse Unterstützung, Medikamentenmissbrauch
Toni Schumacher hat in seinem Buch 'Der Anpfiff' geschildert, wie er und sein Team in den 80er Jahren mit Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten traktiert wurden. Im Sinne der Substitution wurde den Spielern von Dr. Heinz Liesen große Mengen, einschließlich Schlafmittel, eingeredet. Doping war dies nicht, sofern keine verbotenen Mittel zum Einsatz kamen. (>>> mehr Infos) Pierre Poty, in den 70er Jahren Arzt von AS St-Etienne, erzählte Ähnliches. Vor wichtigen Spielen gab den Spielern abends Beruhigungsmittel. Nach Bedarf arbeitete er auch mit Kuren von Antidepressiva. (Zitiert nach De Mondenard, Dictionnaire, S. 1104) Bernard Lama, französischer Spieler, 1996 positv auf Cannabis getestet und für zwei Monate gesperrt, meinte zur damaligen Situation: "Hört auf mit der Heuchelei. Man sagt mit Cannabis könne man sich entspannen, aber ist Frankreich nicht weltweit der größte Konsument an Beruhigungsmitteln und Antidepressiva? Wieviele Sportler, insbesondere Männer, verschlingen vor den Wettkämpfen Neuroleptica? Oft kommen sogar noch am Vorabend die Ärzte in den Zimmern vorbei. Aber da diese Produkte legal sind, beginnt man keine Diskussion darüber, spricht man nicht von Moral, das ökonomische Gewicht dieser Produkte ist zu beträchtlich." (De Mondenard, Dictionnaire, S. 221)
Glaubt man vielen Schilderungen, ist diese Situation im Fußball wie in vielen anderen Sportarten nicht besser geworden. Sport ohne Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente scheint für die meisten Athleten, auch im Hobbybereich, und ihr Umfeld nicht mehr möglich.
Zu den Medikamenten, die besonders zur Anwendung kommen, gehören Schmerzmittel. Deren Anwendung, international und national, hat in den letzten Jahren vor allem auch im Fußball, beängstigende Ausmaße angenommen, damit einhergehende Gesundheitsgefahren werden nicht mehr geleugnet. Auch in der FIFA machte man sich darüber Gedanken und reagierte erschreckt über die Vebreitung.
Mediziner Toni Graf-Baumann, Vorsitzender der Fifa-Anti-Doping-Kommission, im Interview, FAZ 22.8.2008: "Graf-Baumann: Es ist erschreckend, wie unkritisch im Fußball mit Schmerzmitteln umgegangen wird. Voltaren, Ibuprofen oder auch Aspirin werden mit einer Selbstverständlichkeit geschluckt, als würde man einen Kaffee trinken - früh, mittags und abends. ... Bei der WM 2002 nahm beispielsweise jeder zehnte Spieler Schmerzmittel vor jedem Match, 20 Prozent bei zwei von drei WM-Spielen und die Hälfte mindestens einmal während des Turniers. ... Aber Sie können davon ausgehen, dass auch hier [normaler Ligaalltag] ohne eine ordentlich geführte Diagnostik und eine medizinische Indikation Schmerzmittel regelmäßig eingenommen werden. Teilweise sogar prophylaktisch, um angesichts der Überbelastung Muskelschmerzen vorzubeugen. Dabei sind die Folgen gravierend, wie der Fall Klasnic zeigt."
Tim Meyer, der Internist der deutschen Nationalelf: "Schon bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 hat mehr als die Hälfte aller Spieler mindestens ein Mal während des Turniers mit Schmerzmitteln gespielt. Das ist das Ergebnis einer anderen Fifa-Studie. „Wir verteilen auf keinen Fall vorbeugend Schmerzmittel. Aber natürlich gibt es auch bei uns kleinere Verletzungen, bei denen wir Spieler schmerzhemmend behandeln“. (FAZ, 13.5.2010)
Hans Geyer spricht von 33 Prozent der Fußballer (Datenauswertung von 2000 - 2005), die im Wettkampf Schmerzmittel nehmen, im Training liege die Quote in etwa bei 20 % (fußballdoping.de, 7.6.2012). Die Zahlen sind wahrscheinlich nur auf den DFB bezogen.
Anfang Oktober 2010 veröffentlichte der ehemalige Arzt des Niederländischen Fußballverbandes (KNVB) Han Inklaar ein Studie, wonach 27% der Spieler regelmäßig nach Schmerzmitteln griffen, ohne über die damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren informiert zu sein. "Edwin Goedhart, Teamarzt des Rekordmeisters Ajax Amsterdam, bestätigte im niederländischen Fernsehen den hohen Medikamentengebrauch und gab einen erschreckenden Einblick: Je wichtiger das Spiel, desto mehr Tabletten werden genommen. "Die Medikamentierung wird ausschließlich aus medizinischen Gründen angeordnet. Gesundheitliche und sportliche Interessen werden abgewogen. So kann es vorkommen, dass ein Spieler für ein Champions-League-Spiel eine höhere Dosis entzündungshemmende und schmerzstillende Medizin erhält als für ein normales Meisterschaftsspiel", sagte Goedhart." (sid, 5.10.2010, nos.nl, 4.10.2010) Siehe hierzu auch den Leidensweg von Ronaldo wie ihn Jean-Pierre de Mondenard beschreibt: >>> Wer hat Ronaldo getötet?
Auch bei der WM 2010 in Südafrika wurde der Schmerzmittelkonsum untersucht. 30 Prozent der Spieler haben danach vor Spielen nach schmerzstillenden Medikamenten gegriffen. Mehr Medikamente als je zuvor sollen bei diesem Turnier verabreicht worden sein.
Chefmediziner Michel D'Hooghe beklagte 2013 ebenfalls den hohen Konsum unter jugendlichen Spielern.
Doping ist das, legt man die Verbotsliste der WADA zugrunde, nicht. Schmerzmittel fehlen darauf. Warum? Angeblich gab es Initiativen, das zu ändern, doch der Widerstand aus verschiedenen Verbänden heraus war zu groß. Verständlich, legt man die Häufigkeit und Selbstverständlichkeit der Anwendung zugrunde. Doch Schmerzmittel erfüllen die Ansprüche, die normalerweise angelegt werden um Mittel und Methoden zu verbieten. Hans Geyer, Köln: "Geyer: Das ist Doping! Schmerzmittel gehören auf die Liste. Die Athleten verbessern ihre Leistungsfähigkeit und schädigen sich, möglicherweise sogar irreversibel, weil sie den Schutzmechanismus des Körpers unterdrücken." (RPO, 4.6.2007, die Zeit, 6.9.2011, BBC, Interview mit Geyer, 5.6.2012)
Prof. Dr. med. Tim Meyer sieht das allerdings anders: "Ich bin dennoch entschieden dagegen, dass Schmerzmittel auf die Dopingliste gehören. Wenn das geschieht, muss es im Umkehrschluss die Möglichkeit geben, diese in medizinisch gerechtfertigten Situationen doch zu verordnen. Dann können wir das Personal der Nationalen Antidoping-Agentur (NADA) verfünffachen, weil allein Anträge auf Schmerzmittelgebrauch deren Tag fünfmal füllen würden. Das ist nicht praktikabel. Schmerzmittel sind kein Doping. Schmerzmittel steigern nicht die Leistungsfähigkeit, sie stellen bestenfalls die schmerzbedingt reduzierte normale Leistungsfähigkeit her. Das darf man nicht in einen Topf schmeißen mit EPO. Wenn Sie sich perfekt gesund fühlen und nehmen EPO, werden Sie besser. Wenn Sie sich perfekt gesund fühlen und nehmen ein Schmerzmittel, sind Sie so leistungsfähig wie zuvor. Das ist ein entscheidender Unterschied." (der Stern, 23.5.2008)
Meyer kann man antworten, die Leistungssteigerung ist nicht alleiniges Kriterium für die Aufnahme in die Verbotsliste. Die gesundheitlichen Risiken, die von Mitteln ausgehen sind ebenfalls zu berücksichtigen. Da in den vorliegenden Studien festgehalten ist, dass der Konsum, verordnet oder freiwillig, besorgniserregend ist und gesundheitliche Folgen haben kann, müsste hier eine andere Gewichtung statt finden. Dvorak, Chefmediziner der FIFA, wird 2012 wie folgt zitiert: "Ärzte und Spieler werden durch ihre Manager und Trainer aus wirtschaftlichen oder sportlichen Überlegungen heraus unter Druck gesetzt. Doch alle sollten sich bewusst sein, dass jeder Mensch unterschiedlich lang braucht, um sich zu erholen. Über allem steht natürlich die Überlegung, dass sich der Fussball als gesundheitsfördernder Sport präsentieren sollte. Daher sollte die Gesundheit der Spieler im Mittelpunkt des Interesses stehen." Er sagt nicht, dass es wahrscheinlich zu kurz gegriffen ist, wenn nur Managern, Trainern, Ärzten und Spielern die Verantwortung zugeschrieben wird. Es ist das gesamte System mit den hohen Anforderungen, das hinterfragt werden muss. Es ist zudem ein altes Problem. Es ist aber wohl auch ein generelles Problem unserer Gesellschaft. Kokain
Kokain gehörte schon immer zu den Dopingmitteln, insbesondere im Radsport war es bekannt und verbreitet. Es ist fester Bestandteil des >>> Pot belge und wurde bzw. wird zur Leistungssteigerung und im Freizeitbereich angewandt. Gelegentlich wird dem Kokain Dopingpotential abgesprochen, dem widersprechen jedoch einige Experten. Kokain hat Eigenschaften, die den Wettkampf erleichtern und in präziser bewältigen helfen (>>> Kokain und Doping). Besonders wirksam ist es, wenn noch keine Abhängigkeit vorhanden ist. Aufgrund seines Suchtpotentials verschwimmen jedoch bei einigen Sportlern gelegentlich die Grenzen zwischen reinem Dopingmittel und Drogenabhängigkeit, ähnlich wie es auch bei Amphetaminen der Fall war. Paul Merson, englischer Nationalspieler zwischen 1991 und 1998: "Zu Beginn [1994] war ich nur neugierig und wollte auf em Spielfeld meine Probleme vergessen. Dann fand ich Gefallen daran, da das Kokain mir mehr Selbstvertrauen gab." (de Mondenard, 2010, S. 149)
Seit 2004 ist diese Droge durch den WADA-Code im Wettkampf verboten, im Training erlaubt. Aufgrund der kurzen Nachweiszeit sollte es daher im Allgemeinen den Sportlern möglich sein, im Wettkampf clean zu sein. Dennoch wurden einige Fußballer überführt. Der erste positive Fall im Fußball war 1988 der Portugiese Hernanini von Benfica Lissabon, er wurde für 3 Monate gesperrt. Eva Russo, italienischer Nationalspieler musste 1989 für sechs Monate pausieren. 1991 folgten der italienische D2-Spieler Bortolotti und unter großem Aufsehen Diego Maradona, der für 15 Monate aussetzen musste. 1993 gab es 3 Fälle im Fußball, 1995 / 1996 je einen, 1997 / 1998 je sechs, einschließlich Diego Maradona, der wiederholt auffiel, 1999 gab es einen positiven Fall. In den Jahren 2000 - 2010 wurden 29 Spieler mit Kokain positiv getestet, wobei insbesondere das Jahr 2004 heraussticht. Maradona gab später in seiner 2001 erschienenen Biografie zu, dass Kokain in der argentinischen Mannschaft zur Leistungssteigerung eingesetzt wurde. Nach seine Worten breitete sich die Droge im argentinischen Fußball aus um die physische Kondition zu verbessern. Um auf der Höhe der Deutschen zu sein. Um den Weltcup und den Copa Libertadores zu gewinnen. (zitiert nach de Mondenard, 2010, S. 148)
"Höchstens eine Stunde hält die Wirkung an, dann muß aufgefrischt werden. Im Fußball wie auch in anderen Sportarten dient dazu die Halbzeitpause. Und während des Wettkampfs gibt es auch verschiedene Methoden, für Nachschub zu sorgen. Kokain unter den Schweißbändern an den Handgelenken hat sich nicht durchgesetzt, weil das weiße Pulver feucht wird und verklumpt. Ausgetüftelter sind da schon kleine, im Hemdsaum eingenähte Täschchen außen am Oberarm, in denen es in flachen Plastiktütchen deponiert wird. Mit einer Hand aufgedrückt, dann scheinbar den Schweiß von der Stirn gewischt, schon kann die Droge geschnüffelt werden." (E. Klein, 1994, S. 300) Todesfälle im Fußball
Doping und Tod sind kein unbekanntes Paar. Die Liste von Sportlern, deren früher Tod mit Medikamenten und Drogen in Verbindung gebracht werden kann, ist lang. Wesentlich länger ist die Liste von Todesfällen, die Zweifel wecken, aber bei denen kein Nachweis auf einen Zusammenhang gegeben ist. Der Fußball blieb nicht verschont. Neben den vielen rätselhaften Erkrankungen an amyotrophe Lateralsklerose (ALS) (>> mehr Infos) erschreckt der Plötzliche Herztod. Und solange nicht ausgeschlossen werden kann, dass Medikamentenmissbrauch beteiligt war, muss darüber gesprochen werden. Doch gerne wird von eine Verbindung zu Doping sofort abgestritten oder verschwiegen, im Fußball und anderswo. (FIFA: Getting to the heart of cardiac problems)
Verbürgt ist ein Todesfall, der in Verbindung mit einer Bluttransfusion steht. 1993 wurde in Belgien der Arzt Dr. Michel Van Deun zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe über 20 000 FB verurteilt. Der Arzt hatte einen 25jährigen Fuballspieler des Clubs von Tournhout (2. Liga) in seiner Praxis Blut entnommen und mit Sauerstoff angereichert rückinjiziert. Luc De Rijck starb im April 1991 nach der Anwendung. (Zitiert nach De Mondenard, Dictionnaire, S. 1119)
>>> C4F-Dossier 'Doping und Tod'
In dem ARD-Radiofeature: Außer Kontrolle. Doping im Fußball vom 30 5.2010 wird folgend Liste von Sportlern aufgeführt, die einem Plötzlichen Herztod erlegen sind:
Chat mit Gérard Dine, französischer Antidopingexperte: Frage: Kann man eine Verbindung zwischen dem Plötzlichen Herztod bei Fußballern, wie bei Marc-Vivien Foe 2001 während des Confederations Cups und Doping herstellen? Mit anderen Worten, kann Doping bei Fußballern ebenso zu Tode führen, wie es im Radsport geschehen ist? Gérard Dine: Man kann nicht ausschließen, dass bei einigen Fällen des Plötzlichen Herztodes eine Verbindung zu Dopingpraktiken besteht. Dabei handelt es sich nicht um Doping während des Spiels, während dessen der Tod eintrat, sondern es handelt sich Doping im Verlauf der Karriere des Spielers, das sich negativ auf das Herz auswirken kann, wie z. B. durch eine Hypertrophie des Herzmuskels, die patologisch werden kann. Die Hypothese kann angesichts der verwendeten Mittel nicht ausgeschlossen werden. In dem zitierten Fall gibt es keinen Beweis, dass zum Zeitpunkt des Todes Dpingmittel eingenommen worden waren. Doch das genügt nicht um zu behaupten, es gibt keine Verbindung zwischen bestimmtem Dopen und dem Plötzlichen Herztod. Dossier Inhalt /Themenseiten:
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