Vergessen waren da möglicherweise seine Außerungen zu Rio Ferdinand 2003, der einen Dopingtest verweigerte und daraufhin für 8 Monate gesperrt wurde. Sepp Blatter zeigte sich aufgebracht: "FIFA president Sepp Blatter exploded in anger at a news conference on Thursday, admitting for the first time that soccer does have a doping problem and that the sport needed to re-define its image if it was to maintain its global popularity. ... In a wide-ranging attack, he said that soccer had a problem with doping and was especially critical of the English Football Association for the way they have handled the Rio Ferdinand doping case. Blatter admitted that when he said at the FIFA Extraordinary Congress in Doha in October that football did not have a drugs problem he had made a mistake. "The situation has changed on doping. I was wrong saying there was no problem with doping. "I thought our game was clean. It is not clean. There is now a suspicion surrounding football. I have never seen, in a doping control someone not declare their innocence. Gentlemen, let's get serious."" (rediff.com, 5.12.2003)
Dem Fußball, national und international, ist es jahrzehntelang gelungen aus den Dopingschlagzeilen zu bleiben und den Eindruck zu erwecken, Doping im Fußball gäbe es zwar vereinzelt, aber das sei vernachlässigbar. Schließlich bringe Doping in dieser komplexen Sportart nichts, daher sind die Spieler, Trainer, Ärzte und Funktionäre gefeit gegen Versuchungen.
Warum wurde das immer wieder und so lange geglaubt oder hingenommen, obwohl die Kontrolldichte gering war, es lange Zeit keine Trainingskontrollen gab, das Arsenal an Mitteln ständig wuchs und z. B. ein und dasselbe medizinische Personal, bekannte und weniger bekannte Ärzte und Betreuer europaweit über Jahrzehnte hinweg Sportler aus den unterschiedlichsten Sparten, auch Fußballer, betreute? Ärzte, die bekanntermaßen experimentiert und gedopt haben wie beispw. Michele Ferrari, sollen dabei Fußballer immer ausgespart haben? Fragen, die sich in Deutschland z. B. ehemalige Freiburger Sportmediziner und von ihnen betreute Sportler und Teams gefallen lassen müssen. (Der Freitag, 9.6.2010, C4F-Dossier: Historie westdeutscher Sportätzte)
Der einschlägig bekannt gewordene >>> Professor Francesco Conconi sieht Anfang 1996 in seiner Funktion als Vorsitzender der Ärztekommission im Internationalen Olympischen Komitee Doping im Fußball durchaus für gegeben. "Drogen wie Anabolika und natürliche Hormone wie Testosteron werden in allen Sportarten verwendet, auch im Fußball. Wenn im Fußball die Kontrollen so streng durchgeführt werden würden wie im Radsport, wären die Resultate gleichwertig", sagte Conconi ebenfalls in der "L'Equipe". Da es keine Trainingskontrollen gebe, könne man bei größeren Kadern, wie sie Europas Spitzenmannschaften hätten, einen Teil der Spieler gezielt aufbauen, während andere den Wettbewerb bestreiten." Damit gab er Professor Lafarge recht, der die Einnahme von leistungsfördernden Substanzen in der französischen ersten Liga angeprangert hatte: "Ich kenne Mannschaften, bei denen systematisch gedopt wurde". (dpa, 17.1.1996, s. a unter Frankreich)
Längst gibt es ausreichende Hinweise, dass im Fußball ebenso experimentiert und nachgeholfen wurde, wie in anderen Sportarten.
Es gibt auch keinen Anlass zu der Annahme, dass sich in den letzten Jahren etwas zum Besseren gewandelt habe, auch wenn fast nur positive Fälle mit Cannabis und Kokain nachgewiesen wurden. Warum auch? Die Bedingungen, in denen dieser Sport sich abspielt, haben sich verschärft, Leistungs- und Konkurrenzdruck, Kommerz mit riesiegen Geldmengen im Umlauf, mediale Aufmerksamkeit, Fanerwartungen, ärztliche Betreuung und Zugang zu einem kaum mehr überschaubaren Arsenal an Substanzen erleichtern, begünstigen und erzwingen den Griff nach Medikamenten und leistungssteigernden Methoden.
Und die Dopingpraxis hat sich im Hochleistungssport, aber nicht nur hier, auch unter medizinischer Betreuung gewandelt, es wird wesentlich intelligenter und weniger auffällig betrogen. Der Nachweis wird immer schwieriger. schweigen, leugnen, zögern... und mehr
Die FIFA und ihre Untergliederungen waren, wenn es um Antidopingmaßnahmen ging, immer schon langsamer als andere Verbände. Auch diese reagierten gerne erst auf Druck, auf Leidensdruck, wiegelten ab, leugneten, verschleierten, logen, doch der Fußball scheint darin immer noch ein wenig besser gewesen zu sein. Nicht selten liest man, dass daran dessen vielfältige Verflechtungen mit Politik und Wirtschaft nicht unschuldig seien. Wettkampfkontrollen wurden z. B. sehr spät eingeführt, Trainingskontrollen auch sehr zögerlich, Bluttests sind überaus selten. Am besten zeigt sich diese Verweigerungs- und Verzögerungshaltung an der jahrelangen Weigerung der FIFA, den WADA-Code anzuerkennen und an den immer neuen Bemühungen Regelungen aufzuweichen oder zu umgehen (Beispiel Whereabout-Regelung (die Zeit, 25.3.2009)). Diese WADA-FIFA-Geschichte wäre eine eigene Aufarbeitung wert.
Neben der weit- und weiterhin vorgebrachten Begründung, Doping brächte im Fußballsport keine Vorteile, kommt aus Fußballkreisen immer nachdrücklicher das Argument, Kontrollen brächten nichts, nicht nur aufgrund der neuen ausgeklügelten Anwendungen, sondern auch weil damit in Anbetracht der geringen Dopingneigung im Fußball umsonst Geld ausgegeben werde. Dass diese Argumentation nicht unbedingt in allen Punkten in sich schlüssig bzw. logisch ist, bleibt oft unkommentiert. Auch zu diesem Komplex wäre eine genauere Zusammenstellung und Analyse der Dopingkontrollpraxis über Jahre und Länder hinweg sinnvoll und wünchenswert.
Jiri Dvorak, Chefmediziner der FIFA, erklärte am 10. Mai 2009 in einer WADA-Sitzung: "30 000 Proben und damit wiederum 10% mehr als im Vorjahr. Und dennoch ist die Anzahl positiver Fälle konstant geblieben: etwa 90, die meisten wegen Marihuana und Kokain. Nur ungefähr 10 gehen auf die Einnahme von anabolen Steroiden zurück, das sind gerade einmal 0,03%. Jede Analyse kostet durchschnittlich USD 1000. Das macht USD 30 Millionen bei 30 000 Kontrollen und gerade einmal zehn Steroid-Betrügern. Da die Realtionen auch bei anderen internationalen Verbänden und der WADA ähnlich sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Strategie." Dvorak spricht sich in der Folge für den Biologischen Pass aus, ergänzt werden solle mit Bluttests bei Wettbewerben, "wobei hier noch viel Arbeit auf die Wissenschaft wartet". (Jiri Dvorak)
Nicht gesagt wird, das im Fußball bislang nur sehr zögerlich, höchstens bei einigen wichtigen Ereignissen Blutkontrollen durchgeführt werden. Martial Saugy vom Lausanner Antidoping-Labor meint dazu, dass die meisten Kontrollen durch nationale Organisationen erfolgen und die Analysen nicht vergleichbar seien. Mit diesen statistischen Zahlen könne nichts bewiesen werden. (le point.fr, 2.6.2010) Zudem stelle sich die Frage nach der Unabhängigkeit der Kontrolleure und der Qualität der Tests. "Auf die Frage, warum er nicht mit nationalen Anti-Doping-Agenturen zusammengearbeitet habe, antwortete Dvorak, diese funktionierten nur in rund 30 Ländern, die Fifa habe es aber mit 208 nationalen Verbänden zu tun." (NZZ, 14.6.2010) Mit der Folge, dass Fußballer einiger Nationen aufgrund der fehlenden nationalen Antidopingstrukturen wenig bis kaum kontrolliert werden. alte Geschichten1937 Drüsenextrakte und VitamineDie Behandlung von Profifußballern der Teams aus Portsmouth und Wolverhampton mit Spritzen eines Extraktes aus tierischen Drüsen (Hormone) und Vitamin B1 löste 1937 in London heftige Debatten darüber aus, ob das denn Doping sei. Die Londoner Football Association sowie der britische Gesundheitsminister sahen jedoch keine Probleme. Vorteile sollten eine bessere Vitalität, eine schnellere Koordination von Muskeln und Gehirn, eine Stimulation des Zentralnervensystems sein. Die Behandlung der Fußballer erstreckte sich über sechs Wochen mit jeweils zwei Spritzen pro Woche, anschließend genügte eine Spritze in 7 Tagen. Die Behandlung fand offenbar großen Anklang, noch Jahre später soll sie auch in anderen Clubs von Ärzten angewandt worden sein. (De Mondenard, Dictionnaire, S. 347) (Das Experimentieren mit tierischen Zellen im Sport, insbesondere Hormonen, hat insgesamt eine lange Tradition und ist auch heute noch nicht abgeschlossen (Niehans-Therapie, Kälberblutextrakte usw.), s. John Hobermann, Sterbliche Maschinen). Amphetamine und Co.Dr. André Noret, belgischer Sportarzt, schreibt 1990:
Christoph Biermann, Autor des Buches 'Fast alles über Fußball', sagte im Mai 2010:
Prof. Dr. Ludwig Prokop, Wien, sagte 1968 (Selecta 10,43, 2803):
Carlo Petrini, italienischer Fußballer in den 60, 70er und 80er Jahren, beschreibt seine Erfahrungen (ARDradio, Juni 2010):
EphedrinIm 'Paris Match' vom 3.6.1977 meinte ein französischer Fußballtrainer zu Gebräuchen bei den Profis: "Drei Tage vor einem Spiel wird erklärt, der Start des Mittelstürmers - der Star des Teams - sei aufgrund eines grippalen Infekts ungewiss. Am Tag des Spiels ist er aber da. Uns erzählt man, die Grippe sei überwunden, er spielt auf eigenen Wunsch! Blödsinn! Der Junge war nie krank. Aber am Tag vor dem Spiel hat er sich die Brust mit Ephedrin frei gemacht. Damit hat er seine Atmung verbessert und damit auch seine Regenerationsfähigkeit. Sollte er während des Spiels Pech haben, ein Unfall geschehen, und er würde im Krankenhaus kontrolliert, hätte er eine Verschreibung dabei für antigrippale Medikamente. Sollte man also Ephedrin bei ihm finden, wäre alles normal. Das gehöre zur Behandlung." (de Mondenard, Dictionnaire, S. 450)
Ephedrin war auch Grund des Bebens, dass die Fußballwelt während der WM 1994 erschütterte, als Diego Maradonna positiv getestet wurde. Laut "Gazzetta dello Sport" war Doping zu der Zeit im argentinischen Fußball jedoch nichts Besonderes, "63 Prozent von 209 Profis der Ersten Liga hätten in einer Umfrage in Argentinien diese Annahme bestätigt. 22 Prozent kennen demzufolge mindestens einen Spieler der Ersten Liga, der unter Einfluß von Dopingmitteln im Einsatz war." (FAZ, 8.7.1994) Machtspiele: WM 1998 in Frankreich
In den 90er Jahren trat EPO seine Siegeszug an. Das Dopingproblem eskalierte und fand im Festina-Skandal 1998 während der Tour de France einen Höhepunkt. Alles schaute auf den Radsport, Doping in anderen Sportarten wurde kaum mehr thematisiert. Verdachtsmomente gab es jedoch auch im Fußball. 1998 fand in Frankreich die Weltmeisterschaft statt. Im Vorfeld gab es heftige Auseinandersetzungen um unangekündigte Trainingskontrollen, die am 26.12.1997 bei der französischen Mannschaft im Trainingslager in Tignes durchgeführt wurden. Unangekündigt? Während der Ferien? Selbst Ministerin Buffet sah sich genötigt sich zu rechtfertigen und entschuldigte sich offiziell bei der Mannschaft für das gewählte Datum. Von diesem Zeitpunkt an bis zu der WM im Juni/Juli wurden die 'Blauen' nicht mehr im Training kontrolliert. Durchgeführt wurden wohl Kontrollen während eines Freundschaftspiels im Januar gegen Spanien, doch nicht bei den Spaniern. Diese weigerten sich, Frankreich sei nicht zuständig, auch FIFA-Präsident Blatter soll dieser Meinung gewesen sein. Der Spanische Sportminister erklärte dazu auf Anfrage, "bei uns läuft das nicht so wie in Frankreich, ... Fußballer sind unantastbare Helden" (mehr siehe ......>>> hier).
Glaubt man Éric Maitrot, Autor des Buches 'Les scandales du sport contaminé', versuchte die FIFA ihre eigenen Vorstellungen der Dopingbekämpfung während der WM durchzusetzen. Die Ministerin wollte Trainingskontrollen, Havelange weigerte sich. Es soll lautstarke Auseinandersetzungen gegeben haben. Havelange argumentierte z. B. damit, dass die FIFA einen höheren Haushalt habe als Frankreich, "hören Sie, Madame, wir haben Ihnen die WM gegeben, also nerven Sie uns nicht länger mit Ihren Kontrollen und Ihren Ärzten....".
Zu der Zeit bestand vor allem Gefahr Sportler mit Nandrolon zu überführen. In Frankreich waren sechs Fußballer damit aufgeflogen, auch in anderen Ländern war es ein beliebtes Mittel. Über die Nachweismöglichkeiten gab es zunehmend Auseinandersetzungen, gerne wurde den Laboratorien Fehler unterstellt. In diesem Sinne versuchte die FIFA auch dem Pariser Analyselabor die Kompetenz abzusprechen und drohte mit den Proben nach Lausanne zu gehen. Es blieb bei Paris, doch mit gewissen Auflagen: u.a. keinerlei Trainingskontrollen, Ergebnisse mussten erst an die FIFA (Blatter) übergeben werden, die sie dann anonym an das Ministerium weiter gab, ein FIFA-Beobachter war ständig im Labor anwesend. Zwischen Ministerium und Labor wurde allerdings telefoniert und penibel darauf geachtet, dass kein Ergebnis unterwegs verloren ging.
Fünf Tage vor WM-Eröffnung wurden die für die Kontrollen zuständigen Ärzte von Michel D'Hooghe, dem Vorsitzenden dem medizinischen Kommission der FIFA, eingewiesen. D'Hooghe sprach sich für ein genaues und rigoroses Vorgehen aus, demonstrierte aber den Ablauf fehlerhaft - damit wäre jeder positive Fall wegen Verfahrensfehlers abgeschmettert worden. Zufall oder Absicht? Die Franzosen wurden misstrauisch und setzen für die Kontrollen das Beisein französischer Ärzte durch. Geholfen hat es wenig. Nach Dr. Alain Garnier, französischer Anti-Doping-Chefmediziner, wurden diese Ärzte ausgetrickst und es häuften sich die Verfahrensfehler, die nicht korrigiert wurden. So verschlossen die FIFA-Kontrolleure selbst die Urinproben anstelle der Sportler. Proteste halfen nicht. Am 16. Juli 1998 verkündete die FIFA: All the doping tests carried at the 1998 World Cup proved to be negative. ... The names of 256 players were drawn by lots at the 64 matches and these players subjected to tests. This represents 35% of the 704 footballers in the 32 World Cup teams. Taking only the finalists into account (France, Brazil, Croatia and the Netherlands), 64% of the players from these four teams had undergone tests for prohibited substances at least once...." (FIFA)
Am 31. Januar 2002 veröffentlicht Damien Ressiot in der l'Équipe eine Liste mit Medikamenten, die von ausländischen Teams bei der Einreise nach Frankreich angeben werden mussten. Trinitrin hatten Italiener, Spanier, Holländer dabei, Actovegin die Österreicher und Belgier, Esafosfina die Italiener und Belgier. Die Holländer hatten insgesamt 128 verschiedene Mittel deklariert, mit dabei Nandrolon-Ampullen. (Innerhalb des folgenden Jahres wurden aus diesem Team Edgar Davids (Juventus Turin), Franck De Boer (FC Barcelona) und Jaap Stam (Lazio Rom) positiv auf Nandrolon getestet.). Angeblich habe man in Frankreich die Information zu Nandrolon weitergereicht, doch eine gesetzliche Handhabe dagegen hätte es nicht gegeben.
Dass einiges bei der WM 1998 zu verbergen gewesen war, legt auch eine Bemerkung von Patrick Keil, Richter im Festina Prozess, nahe. Keil sagt, alle vernommenen Fahrer hätten ausgesagt, dass auch Sportler anderer Sportarten, insbesondere Fußballer dieselbe medikamentöse Behandlung genossen hätten wie sie selbst. Schließlich hätten sie alle dieselben Ärzte und Präparatoren gehabt. Insbesondere die Fußballnationalteams Frankreichs und Italiens seien betroffen gewesen. Keil meinte, mit diesen Informationen hätte er eine Untersuchung einleiten können. (l'Humanité, 23.11.2009) (s.a. Machtspiele, WM 1998) D'Hooghe, darauf angesprochen, gab an nichts gewusst zu haben. Er hatte allerdings 1999 mit ungewohnt offenen Aussagen für Aufregung gesorgt. AFP zitiert in nach einem Interview in De Morgen am 4.2.1999 wie folgt: "Michel D'Hooghe ... ist überzeugt, dass "einige während der Fußball-WM 98 EPO genommen haben".... Alle Proben während der WM waren anabole Steroide betreffend negativ. Aber das bedeutet nicht, dass gewisse Spieler keinen Zugriff auf nicht nachweisbare Substanzen wie EPO hatten. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass EPO bei dieser WM eine Rolle spielte. da ich keinerlei Beweise habe, kann ich auch niemanden beschuldigen. Aber wenn ich die Schwierigkeiten sehe, die die belgische Nationalmannschaft dabei hatte sich zu erholen und das mit der Frische vergleiche, die einige der Gegner an den Tag legten, stelle ich mir Fragen." (zitiert nach De Mondenard, Dictionnaire, S. 473) Im September meinte er, ""was in anderen Disziplinen zehn bis fünfzehn Prozent der Athleten betrifft, tangiert im Fußball ein bis drei Prozent." Seinen Glaubenssatz ergänzt D'Hooghe allerdings mit einer Bemerkung, die auf Skepsis gegenüber der Zukunft schließen lässt: "Das Risiko ist beträchtlich, dass Doping auch im Fußball zu einem schweren Problem wird. Die Versuchung hierzu ist angesichts von immer mehr Spielen und immer mehr Geld größer geworden." Erforderte mehr Kontrollen, schärfere Strafen und eine Aufklärungs- und Informationskampagne. "Er ist davon überzeugt, ohne es beweisen zu können, dass es auch in seinem Sport genügend Epo-Konsumenten gebe; der Belgier hätte auch nichts gegen die mancherorts umstrittenen Blutkontrollen. "Natürlich gibt es eine Doping-Mentalität auch im Fußball", sagt D'Hooghe. Sie zu bekämpfen, sei eine lohnende Aufgabe. Was er damit konkret meint, hat er in Genf gesagt und angekündigt. Trainingskontrollen sollen dabei helfen - gerade vor den größten Festen des Fußballs." (FAZ, 25.9.1999)
Vier Jahre später 2002 klang alles moderater, jetzt meinte er, EPO im Fußball sei wie andere Mittel auch nur ein Randproblem, schließlich wäre Fußball eine zu komplexe Sportart für diese Art des Dopings.
Untermauert sah er seine Ansicht, durch Blutanalysen bei der WM 2002. 256 Proben wurden auf auffällige Parameter hin untersucht (Hämatokrit, Hämoglobin, Reticulozyten (australischer EPO-Test?). Da es diesbezüglich nichts zu beanstanden gab, wurden keine Urinproben mit dem neuen EPO-Test analysiert. Im Januar 2002 hatte d'Hooghe noch angekündigt, EPO mit dem Urintest suchen zu lassen. Nach einem internationalen FIFA-Mediziner-Workshop im Februar hatte es dann geheißen, man wolle beide Tests, Blut- wie Urintests durchführen. D'Hooghe begründete den Entschluss mit juristischen Notwendigkeiten. Bekanntermaßen würden Spieler mit den teuersten Anwälten aufwarten, man müsse daher sicher gehen. 2003 war man wieder beim alleinigen Urintest angelangt. Dieses Schwanken zwischen den Methoden ist aber nicht allein bei er FIFA festzustellen, sondern findet auch in anderen Verbänden und dem IOC statt. (S. hierzu auch der EPO-Test) 2002 Cédric Lécluse: 'chinesische Vitamine'Der ehemalige Verteidiger von Nancy Cédric Lécluse hatte im Sommer 2002 einen gut dodierten Vertrag in China bei Cosco Shanghai unterschrieben. Recht bald wunderte er sich über medizinische Praktiken, die er während der chinesischen Meisterschaften beobachtete. Einem Freund berichtete er per Email, dass die Spieler wie Zitronen ausgepresst und gedopt würden. Zurück in Frankreich erzählte er in Le Parisien von eigenen Erfahrungen: "Ja, ich dachte, dass sie dopten. Einmal hatte ich fast fünf Tage lang 40Grad Fieber. Es sah nicht so aus, als könne ich das kommende Spiel bestreiten. Man gab mir eine intravenöse Spritze. Niemals habe ich erfahren, was darin war. Ich konnte danach spielen auch wenn ich am Ende der Begegnung fertig war. Zweifel sind erlaubt .... Kein Arzt hat mich untersucht. Man erzählte mir etwas von 'chinesischen Vitaminen', denselben, die der chinesischen Nationalmannschaft während der ersten Runde der WM 2002 verabreicht worden seien..." (Maitrot, Les Scandales..., S. 226) Dopingmentalität im Fußball ? !Die Einnahme verbotener Mittel zur Leistungssteigerung hat meist eine Vorgeschichte. Sportler finden sich häufig in einer Kultur wieder, in der sie langsam herangeführt werden. Nahrungsergänzungsmittel gehören zur Normalität und Pillen für alle möglichen ungeliebten Symptome oder gegen angebliche Defizite werden gerne empfohlen und genommen, sie sind selbstverständlich und häufig bilden sich Abhängigkeiten. Hinzu kommt der Anspruch, dass Verletzungen im Rekordtempo heilen sollen und der Körper sich generell möglichst schnell zu Regenerieren hat. Solch eine Medikamentenkultur begünstigt nach allen Erkenntnissen den Griff zu stärkeren, auch verbotenen Mitteln. Im Hochleistungssport hat sich schon seit Jahrzehnten solch eine Kultur herausgebildet, nicht zuletzt mit tatkräftiger Unterstützung der Trainer und des gesamten therapeutischen Umfeldes.
Es deutet wenig darauf hin, dass Doping im Fußball keinen entsprechenden Nährboden findet oder fand. Die verschiedenen Schilderungen und Zitate aus früheren Jahrzehnten lassen vermuten, dass hier ebenso wie in anderen Sportarten die Versuchung groß war, Mittel und Methoden auszuprobieren, die das Leistungsvermögen unterstützten oder erweiterten. Darauf deutet auch die Diskussion um Doping im englischen Sport hin, die Anfang der 60er Jahre auf der Insel stattfand. Die Zeit veröffentlichte 1964 darüber einen Artikel. U. a. ging es auch um den Fußball. "Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele hat Sir Adolphe Abrahams, der Vorsitzende der britischen Vereinigung für Sportmedizin, kategorisch erklärt, daß es im englischen Sport kein Doping-Problem gäbe und daß „daher nicht der geringste Anlaß zu irgendeinem Vorgehen bestehe". Im Gegensatz zu dieser optimistischen Erklärung steht die Ansicht von Dr. John Williams, der englischer Vertreter im Doping-Ausschuß des Europarates ist. Er hatte vor Weihnachten auf einer Pressekonferenz in Spanien erklärt, daß Doping im englischen Fußball nicht unbekannt sei. Später informierte er die „Football Association", daß „ihm eine qualitativ bedeutsame Anzahl von Spielern mitgeteilt hätte, daß sie Doping-Mittel nehmen". Dr. Williams versteht unter „Doping" jene Definition, die der Europarat inzwischen angenommen hat, die sich freilich etwas vage liest, aber doch ziemlich deutlich ausgelegt werden kann. Die „Football Association" antwortete, daß es tatsächlich Doping gäbe, wenn man diese Definition akzeptieren würde. Sie wäre aber unannehmbar, da sie die Verwendung von Sauerstoff, Glukose und Koffein-Tabletten einschließe. (die Zeit, 3.4.1964)
Es wurde wohl immer experimentiert, mit Amphetaminen, anabolen Substanzen, Bluttransfusionen (Beckenbauer, Kapellmann, Zidane) und vielem mehr. (Weitere Beispiele sind Zelltherapien, Injektionen von Kälberblutextrakten, Blood Spinning.) Zudem zeigen sich Überschneidungen verschiedener Sportarten in der ärztlichen Betreuung (u.a. Dr. Liesen und Freiburger Sportmediziner). Die Diskussion um das 'hormonelle Gleichgewicht', um die Substitution von Substanzen, die durch intensiven Sport verbraucht würden, die der Körper aber dringend brauche, wurde in Bezug auf die medizinische Betreuung von Fußballern ebenso geführt wie in Bezug auf andere Sportarten (Substitutionstheorie). Behauptungen, Doping im Fußball bringe nichts, dürfen heute getrost als unzutreffend gewertet werden. Zudem fanden im Fußball weltweit bis Ende der 80er Jahre keine Kontrollen statt, weder nach Spielen noch im Training. Wodurch sicherlich die Hemmschwelle nicht heraufgesetzt wurde.
Das Beispiel der Schmerzmittel zeigt, dass im Fußballsport die Neigungen zu Medikamenten und aufbauenden Mitteln zu greifen, weit verbreitet sind. Der Unterschied zu anderen dopinggefährdeten Sportarten dürfte damit gering sein. Auch die dopingbegünstigenden Rahmenbedingungen, in denen der Sport stattfindet, sind vergleichbar, wenn nicht sogar gravierender: Kommerzialisierung, finanzielle Umsätze, Leistungsdruck, mediale Aufmerksamkeit, Konkurrenz usw. sind ausgeprägter als in anderen Sportbereichen. Die geschlossene Fußballwelt, mächtig und diskret, dürfte einiges mehr begünstigen. Dass wenig bekannt ist über Dopingpraktiken im Fußball heißt nicht, dass Doping kaum existiert - diese Meinung wird heute immer häufiger öffentlich vertreten. Vieles spricht dafür, dass es so ist. medikamentöse Unterstützung, Medikamentenmissbrauch
Toni Schumacher hat in seinem Buch 'Der Anpfiff' geschildert, wie er und sein Team in den 80er Jahren mit Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten traktiert wurden. Im Sinne der Substitution wurde den Spielern von Dr. Heinz Liesen große Mengen, einschließlich Schlafmittel, eingeredet. Doping war dies nicht, sofern keine verbotenen Mittel zum Einsatz kamen. (>>> mehr Infos) Pierre Poty, in den 70er Jahren Arzt von AS St-Etienne, erzählte Ähnliches. Vor wichtigen Spielen gab den Spielern abends Beruhigungsmittel. Nach Bedarf arbeitete er auch mit Kuren von Antidepressiva. (Zitiert nach De Mondenard, Dictionnaire, S. 1104) Bernard Lama, französischer Spieler, 1996 positv auf Cannabis getestet und für zwei Monate gesperrt, meinte zur damaligen Situation: "Hört auf mit der Heuchelei. Man sagt mit Cannabis könne man sich entspannen, aber ist Frankreich nicht weltweit der größte Konsument an Beruhigungsmitteln und Antidepressiva? Wieviele Sportler, insbesondere Männer, verschlingen vor den Wettkämpfen Neuroleptica? Oft kommen sogar noch am Vorabend die Ärzte in den Zimmern vorbei. Aber da diese Produkte legal sind, beginnt man keine Diskussion darüber, spricht man nicht von Moral, das ökonomische Gewicht dieser Produkte ist zu beträchtlich." (De Mondenard, Dictionnaire, S. 221)
Glaubt man vielen Schilderungen, ist diese Situation im Fußball wie in vielen anderen Sportarten nicht besser geworden. Sport ohne Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente scheint für die meisten Athleten, auch im Hobbybereich, und ihr Umfeld nicht mehr möglich.
Zu den Medikamenten, die besonders zur Anwendung kommen, gehören Schmerzmittel. Deren Anwendung, international und national, hat in den letzten Jahren vor allem auch im Fußball, beängstigende Ausmaße angenommen, damit einhergehende Gesundheitsgefahren werden nicht mehr geleugnet. Auch in der FIFA machte man sich darüber Gedanken und reagierte erschreckt über das Ausmaß. Ein Forschungsprojekt an der Sporthochschule Köln, mitfinanziert von der FIFA, soll weitere Erkenntnisse bringen.
Mediziner Toni Graf-Baumann, Vorsitzender der Fifa-Anti-Doping-Kommission, im Interview, FAZ 22.8.2008: "Graf-Baumann: Es ist erschreckend, wie unkritisch im Fußball mit Schmerzmitteln umgegangen wird. Voltaren, Ibuprofen oder auch Aspirin werden mit einer Selbstverständlichkeit geschluckt, als würde man einen Kaffee trinken - früh, mittags und abends. ... Bei der WM 2002 nahm beispielsweise jeder zehnte Spieler Schmerzmittel vor jedem Match, 20 Prozent bei zwei von drei WM-Spielen und die Hälfte mindestens einmal während des Turniers. ... Aber Sie können davon ausgehen, dass auch hier [normaler Ligaalltag] ohne eine ordentlich geführte Diagnostik und eine medizinische Indikation Schmerzmittel regelmäßig eingenommen werden. Teilweise sogar prophylaktisch, um angesichts der Überbelastung Muskelschmerzen vorzubeugen. Dabei sind die Folgen gravierend, wie der Fall Klasnic zeigt."
Tim Meyer, der Internist der deutschen Nationalelf:"Schon bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 hat mehr als die Hälfte aller Spieler mindestens ein Mal während des Turniers mit Schmerzmitteln gespielt. Das ist das Ergebnis einer anderen Fifa-Studie. „Wir verteilen auf keinen Fall vorbeugend Schmerzmittel. Aber natürlich gibt es auch bei uns kleinere Verletzungen, bei denen wir Spieler schmerzhemmend behandeln“. (FAZ, 13.5.2010)
Doping ist das, legt man die Verbotsliste der WADA zugrunde, nicht. Schmerzmittel fehlen darauf. Warum? Angeblich gab es Initiativen, das zu ändern, doch der Widerstand aus verschiedenen Verbänden heraus war zu groß. Verständlich, legt man die Häufigkeit und Selbstverständlichkeit der Anwendung zugrunde. Doch Schmerzmittel erfüllen die Ansprüche, die normalerweise angelegt werden um Mittel und Methoden zu verbieten. Hans Geyer, Köln: "Geyer: Das ist Doping! Schmerzmittel gehören auf die Liste. Die Athleten verbessern ihre Leistungsfähigkeit und schädigen sich, möglicherweise sogar irreversibel, weil sie den Schutzmechanismus des Körpers unterdrücken." (RPO, 4.6.2007)
Prof. Dr. med. Tim Meyer sieht das allerdings anders: "Ich bin dennoch entschieden dagegen, dass Schmerzmittel auf die Dopingliste gehören. Wenn das geschieht, muss es im Umkehrschluss die Möglichkeit geben, diese in medizinisch gerechtfertigten Situationen doch zu verordnen. Dann können wir das Personal der Nationalen Antidoping-Agentur (NADA) verfünffachen, weil allein Anträge auf Schmerzmittelgebrauch deren Tag fünfmal füllen würden. Das ist nicht praktikabel. Schmerzmittel sind kein Doping. Schmerzmittel steigern nicht die Leistungsfähigkeit, sie stellen bestenfalls die schmerzbedingt reduzierte normale Leistungsfähigkeit her. Das darf man nicht in einen Topf schmeißen mit EPO. Wenn Sie sich perfekt gesund fühlen und nehmen EPO, werden Sie besser. Wenn Sie sich perfekt gesund fühlen und nehmen ein Schmerzmittel, sind Sie so leistungsfähig wie zuvor. Das ist ein entscheidender Unterschied." (der Stern, 23.5.2008) Todesfälle im Fußball
Doping und Tod sind kein unbekanntes Paar. Die Liste von Sportlern, deren früher Tod mit Medikamenten und Drogen in Verbindung gebracht werden kann, ist lang. Wesentlich länger ist die Liste von Todesfällen, die Zweifel wecken, aber bei denen kein Nachweis auf einen Zusammenhang gegeben ist. Der Fußball blieb nicht verschont. Neben den vielen rätselhaften Erkrankungen an amyotrophe Lateralsklerose (ALS) (>> mehr Infos) erschreckt der Plötzliche Herztod. Und solange nicht ausgeschlossen werden kann, dass Medikamentenmissbrauch beteiligt war, muss darüber gesprochen werden. Doch gerne wird von eine Verbindung zu Doping sofort abgestritten oder verschwiegen, im Fußball und anderswo. (FIFA: Getting to the heart of cardiac problems)
Verbürgt ist ein Todesfall, der in Verbindung mit einer Bluttransfusion steht. 1993 wurde in Belgien der Arzt Dr. Michel Van Deun zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe über 20 000 FB verurteilt. Der Arzt hatte einen 25jährigen Fuballspieler des Clubs von Tournhout (2. Liga) in seiner Praxis Blut entnommen und mit Sauerstoff angereichert rückinjiziert. Luc De Rijck starb im April 1991 nach der Anwendung. (Zitiert nach De Mondenard, Dictionnaire, S. 1119)
>>> C4F-Dossier 'Doping und Tod'
In dem ARD-Radiofeature: Außer Kontrolle. Doping im Fußball vom 30 5.2010 wird folgend Liste von Sportlern aufgeführt, die einem Plötzlichen Herztod erlegen sind:
Chat mit Gérad Dine, französischer Antidopingexperte: Frage: Kann man eine Verbindung zwischen dem Plötzlichen Herztod bei Fußballern, wie bei Marc-Vivien Foe 2001 während des Confederations Cups und Doping herstellen? Mit anderen Worten, kann Doping bei Fußballern ebenso zu Tode führen, wie es im Radsport geschehen ist? Gérard Dine: Man kann nicht ausschließen, dass bei einigen Fällen des Plötzlichen Herztodes eine Verbindung zu Dopingpraktiken besteht. Dabei handelt es sich nicht um Doping während des Spiels, während dessen der Tod eintrat, sondern es handelt sich Doping im Verlauf der Karriere des Spielers, das sich negativ auf das Herz auswirken kann, wie z. B. durch eine Hypertrophie des Herzmuskels, die patologisch werden kann. Die Hypothese kann angesichts der verwendeten Mittel nicht ausgeschlossen werden. In dem zitierten Fall gibt es keinen Beweis, dass zum Zeitpunkt des Todes Dpingmittel eingenommen worden waren. Doch das genügt nicht um zu behaupten, es gibt keine Verbindung zwischen bestimmtem Dopen und dem Plötzlichen Herztod. Dossier Inhalt /Themenseiten:
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