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Die Geschichte der Tour de France

von radsportfan, Juli 2006



Geschichte, Teil 1

Geschichte, Teil 2: Entwicklungen Gestern - Heute

Die Franzosen und ihre Tour

 



Die Erfindung




Die Geschichte der Tour de France beginnt im November 1902. In Paris gibt es zwei große Sportzeitungen, „Le Velo“ und „L’Auto“. Pierre Giffard, Chef der Zeitung „Le Velo, organisiert schon einige Radrennen wie Paris-Brest oder Paris-Roubaix. Aufgrund dieser Sportereignisse kann Giffard mehr Zeitungen verkaufen als Henri Desgrange, Chef der „L’Auto“. Um etwas gegen die sinkenden Auflagen seiner Zeitung zu unternehmen, hat Desgrange die Idee, ebenfalls ein Radrennen zu veranstalten, welches allerdings größer als das der Konkurrenz sein sollte. Schließlich macht der junge Redakteur Géo Lefèvre (26) den entscheidenden Vorschlag, ein Etappenrennen, welches über mehrere Wochen durch ganz Frankreich führt, zu organisieren. Er schafft es, seinen Vorgesetzten, der zu Beginn stark daran zweifelte, dass es überhaupt möglich sei einen so großen Wettkampf durchzuführen, von der Idee zu überzeugen. So wird am 19. Januar 1903 die Tour de France in der „L’Auto“ ausgeschrieben: „Die Tour de France, das größte Radrennen der ganzen Welt. Ein Rennen über einen Monat. 2428 km in sechs Etappen: Paris-Lyon, Lyon-Marseille, Marseille-Toulouse, Toulouse-Bordeaux, Bordeaux-Nantes, Nantes-Paris. 20.000 Francs Prämien“.

 



Die ersten Jahre




60 Fahrer gehen am 1. Juni 1903 in Villeneuve-St.-Georges, einem Vorort von Paris, an den Start. Bloß 21 erreichen das Ziel in Ville d’Avary - Maurice Garin, ein Schornsteinfeger, ist der Schnellste und geht als erster Toursieger in die Geschichte ein. Eine beeindruckende Leistung, denn jede Etappe ist ungefähr 450 Kilometer lang, die Strecke führt über unasphaltierte Wege, die Fahrer müssen mitten in der Nacht starten um mittags anzukommen, die Fahrräder wiegen oft mehr als 20 kg und wenn man eine Panne hat, ist es unmöglich das Rad zu wechseln.

 

Einige Fahrer versuchen die Strapazen zu umgehen, indem sie die Strecke per Zug oder Auto abkürzen - sie werden disqualifiziert. Außerdem wird im Peloton viel sabotiert: Neben zerschnittenen Bremszügen sowie angesägten Rahmen gibt es auch vergiftetes Essen. 1905 streuen sogar Zuschauer Nägel auf eine Straße. Die Konsequenzen daraus sind einerseits viele Stürze, aber andererseits ist die „L’Auto“ jetzt oft ausverkauft, da diese Schlagzeilen die Franzosen auf die Tour de France aufmerksam machen. Diese Tendenz setzt sich in den nächsten Jahren weiter fort. 1907 berichten schon alle französischen Tageszeitungen von der „großen Schleife, la Grande Boucle“, wie die Leute das Rennen nennen, und sogar einige ausländische Zeitungen fangen an, sich für dieses außergewöhnliche Ereignis zu interessieren.

 







Die Neuerungen

Als Desgrange sich 1910 entscheidet, die Strecke durch die Pyrenäen zu führen, sorgt er für Empörung im Volk, denn diese Gegend ist nicht ganz ungefährlich für die Fahrer: Es gibt in den Wäldern immer noch Bären, die Wege sind voll von Schlaglöchern und die Gipfel sind häufig schneebedeckt.

 





1912 Schnee am Galibier
Garrigou muss schieben

Aber trotzdem setzt er seinen Plan in die Tat um und am 21. Juni 1910 ist Octave Lapize der erste Fahrer, der den Col du Tourmalet erklimmt. Andere Berge wie der Col du Galibier und der Col d’Aubisque folgen in den nächsten Jahren. Die Strecke führt auch heute noch über diese mystischen Gipfel, die viele Teilnehmer zwingen aufzugeben, aber die auch viele sportliche Helden geschaffen haben.

 

Das wichtigste Wahrzeichen der Tour de France wird 1919 erfunden: Um den führenden Fahrer erkenntlich zu machen, hat Henri Desgrange die Idee, ihm ein gelbes Trikot zu geben. Der erste Fahrer, der die Ehre hat, dieses Trikot zu tragen, ist der Franzose Eugène Christophe. Noch heute ist es das größte Ziel fast jedes Radrennfahrers mindestens einmal in seiner Karriere das gelbe Trikot der Tour de France zu tragen.

 

1930 erfährt die Tour de France eine weitere entscheidende Veränderung: Die ersten Nationalmannschaften gehen an den Start. Es gibt Teams aus Deutschland, Belgien, Italien, Spanien und natürlich Frankreich. Aufgrund der internationalen Bedeutung, die die Tour de France inzwischen erlangt hat, ist es Henri Desgrange möglich, viele Firmen, die nichts mit Radsport zu tun haben, zu überzeugen, das Rennen finanziell zu unterstützen. Von diesem Moment an gibt es eine Werbekarawane, die den Fahrern vorausfährt und die 10 bis 15 Millionen Zuschauer an der Strecke mit originellen Fahrzeugen begeistert.

 





1930 das erste französische Nationalteam bei der Tour de France
P.Magne-Mauclair-M. Bidot-A. Magne-Merviel-Ch. Pélissier-Fontan-Leducq


Während der folgenden Jahre führen die neuen Direktoren der Tour de France, wie Jacques Goddet (1936-1962) und Félix Lévitan (1962-1987), das Werk von Henri Desgrange fort und machen das Rennen mit der Zeit immer interessanter für Zuschauer und Fahrer:

Andere mystische Berge wie der Mont Ventoux (1951) und l’Alpe d’Huez (1952) werden in die Strecke, die jetzt auch öfters durch Nachbarländer Frankreichs führt, aufgenommen. Außerdem führt man weitere Wertungen für den besten Bergfahrer (1933), den besten Sprinter (1953) und den besten Nachwuchsfahrer (1970), sowie Einzelzeitfahren (1933) ein. Seit 1975 endet die Tour de France jedes Jahr auf den Champs Èlysées in Paris.



Die Mythen:

Die Geschichte des größten Radrennens der Welt ist voll von Mythen. Neben den steilen und harten Anstiegen in den Alpen und Pyrenäen sind auch viele Fahrer mit ihren außergewöhnlichen Auftritten oder durch kleine Anekdoten, die man sich noch heute erzählt, als Legenden in die Geschichte eingegangen. Zum Beispiel die Anekdote der gebrochenen Gabel des Eugène Christophe 1913: Er musste mit seinem Fahrrad auf der Schulter zu Fuß die 14 Kilometer bis zur nächsten Schmiede zurücklegen, wo er sein Rad ganz allein reparierte, da es verboten war, Hilfe anzunehmen im Falle eines Defektes. Er überquerte die Ziellinie vier Stunden nach dem Etappensieger.

 

Fast jeder Franzose kennt außerdem die Fahrer, die die Tour de France fünfmal gewonnen haben: Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain und natürlich den Rekordhalter Lance Armstrong, der in den letzten sieben Jahren triumphierte.

 

Das Rennen ist außerdem sehr berühmt für seine großen und spannenden Duelle zwischen den Fahrern. Ein Beispiel ist das Duell zwischen dem Amerikaner Greg LeMond und dem Franzosen Laurent Fignon im Jahr 1989: Auf den Bergetappen wechselte das Führungstrikot oft zwischen den beiden hin und her und vor der letzten Etappe, einem Einzelzeitfahren über 24,5 Kilometer, führte Fignon mit 50 Sekunden Vorsprung. Aber LeMond konnte aufholen und gewann schließlich die Tour de France mit acht Sekunden vor Fignon.

 

Allerdings verbindet man die „große Schleife“ nicht nur mit diesen beeindruckenden Ereignissen, sondern auch mit einer Vielzahl an schweren Stürzen und sogar Todesfällen. Der Mont Ventoux wurde berühmt durch den tragischen Tod des Briten Tom Simpson 1967, der vier Kilometer vor dem Gipfel zusammenbrach und verstarb. Verantwortlich für dieses Drama war nicht nur die unglaubliche Hitze mit mehr als 40 Grad, sondern vielmehr die Tatsache, dass Simpson mit Amphetaminen und Alkohol gedopt war.

 




der Mont Ventoux
© califax



der Tom Simpson Gedenkstein



In der Geschichte der Tour de France, die nun schon 103 Jahre umfasst, findet man eine Vielzahl an beeindruckenden, faszinierenden und interessanten Momenten, Personen und Orten, die die Tour de France einzigartig gemacht haben und die Gründe sind, weshalb es das Rennen verdient, als das größte und schwierigste Radrennen der Welt bezeichnet zu werden.


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