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Harzers Alpentour 2008




Tour 1: Col de la Bonette (28.08.2008)

Strecke: Barcelonnette - Jausiers - Col de la Bonette (2.802 m) - Jausiers - Barcelonnette
Gesamt-km: 61 km
Gesamt-hm: 1.597 hm


Profil und Landkarte



Landkarte



Höhenprofil der Tour




Für beide Grafiken gilt: © NAVTEQ B.V, Best, (NL); PTV AG; DDS Digital Data Services GmbH, Karlsruhe, (D), 2008



Aller Anfang ist schwer...


Da lag er nun vor mir, der nächste Alpenurlaub! 7 Tagestouren waren angedacht, gespickt mit den Klassikern des Radsports wie Galibier, Izoard oder Iseran. Zu ehrgeizig geplant? Ich war mehr als skeptisch, da meine Vorbereitung bestenfalls als OK durchgehen kann. Eine Woche vor dem Urlaub eine knackige Harztour mit 2000 hm, das war es eigentlich schon. Ansonsten nur hügelige Touren durch das beschauliche Weserbergland. Also das Ulle-Prinzip: Sich während der eigentlichen Tour den Feinschliff holen…

 

Meine nicht perfekt durchdachte Planung ermöglichte mir am Sonntag eine rund 13-stündige Autofahrt von Darmstadt aus nach Barcelonnette. Den südlichsten von insgesamt vier Stationen gleich an den Anfang zu legen war nicht wirklich clever aber irgendwann war ich dann doch im Hotel. Klein und nicht unbedingt fein die Unterkunft in dem südfranzösischen Basislager aber Hauptsache Dach über dem Kopf und ein Bett. Nach 13 Stunden im Auto ist einiges egal! Am nächsten Morgen entschädigte das durchaus schmackhafte Frühstücksbuffet für den stressigen Vortag. Eine sechsköpfige italienische Damenrunde jüngeren bis mittleren Alters am Nachbartisch in Radhosen und -trikots bekleidet rundete den harmonischen Tagesbeginn ab. Der Urlaub konnte beginnen!

Geplant war nun eigentlich die für den ersten Tag recht knackige Alpes-Maritimes-Runde über den Cayolle, den Col de Champs und den Allos. Aber nach den Strapazen am Vortag entschied ich mich dann doch für den an Höhenmetern ärmeren Anstieg auf den Col de la Bonette! Nicht übertreiben am Anfang!

 



Col de la Bonette - auf das Dach der Alpen...



Anstiegsprofil ab Jausiers - Quelle: www.salite.ch

Der Rucksack wurde mit zahlreichen Energieriegeln, Bananen, Winter-Radjacke für die Abfahrt und Getränken gefüllt. Vielleicht von der Menge etwas übertrieben aber es galt schließlich einen etwas höheren Berg als den Brocken zu bezwingen... Das Wetter war super, Sonne satt und nur ein paar Schönwetterwolken am Himmel.




Auf der Landstraße hieß es erstmal rund 8 km einrollen bis Jausiers, dem Ausgangspunkt für den Anstieg. Dort erwartete den ambitionierten Hobbyradler ein Hinweis in Form eines Straßenschildes, dass nun die höchste Straße der Alpen und runde 23 km bergauf bevorstehen… Und dann ging es auch schon los mit den ersten Serpentinen. Die Steigungsprozente lagen aber vorerst noch bei rund 5-7%, genau richtig also, um seinen Tritt zu finden! Zu mir gesellten sich dann neben einem Schwarm Fliegen noch zwei Holländer und ein französisches Päärchen, wobei die junge Dame schon nach 3 km etwas leidend aussah. Könnte anstrengend für sie werden…

 

In gemäßigtem Tempo ging es die ersten Kilometer also bergauf, landschaftlich in jedem Fall jetzt schon beeindruckend. Mir wurde es dann doch etwas zu langsam und ich zog ein wenig an. Die beiden Holländer folgten dann unauffällig mit etwas Abstand. Der Franzose dagegen schien vor Kraft nur so zu strotzen: Er sprintete von seiner schwächelnden Partnerin an den Holländern vorbei zu mir nach vorne, wir hielten so weit es mein französisch zuließ bisschen Small-Talk, um dann wieder zurück zu seiner Herzdame zu fahren. Dieses Schauspiel wiederholte sich ein halbes Dutzend Mal – vermutlich wollte er so noch zusätzliche Höhenmeter schinden…

 





Die ersten Serpentinen - noch geht es durch bewaldetes Gebiet.



Es wird langsam steiler...




Nach einiger Zeit merkte ich, dass die Steigung nun konstant etwas steiler wurde. Ich schaltete einen Gang zurück, schließlich war gerade mal die Hälfte zurückgelegt. Einer der Holländer überholte mich. Kein Problem, wir fahren schließlich kein Rennen. Obwohl, den zweiten werde ich nicht ziehen lassen…

Während ich dann so nach oben kurbelte, ging der Blick eigentlich permanent auf die umliegenden Berggipfel und Wiesenlandschaften. Nach drei Jahren Alpen-Abstinenz einfach grandios und dazu noch bei bestem Wetter und klasse Fernblick!








Nach einer kurzen Abfahrt ging es weiter bergauf. Jetzt begann der schwierigste Teil, wenn man dem Profil glauben schenken darf. So langsam merkte ich es auch in den Beinen, der Anstieg zieht sich doch ganz schön und dazu kamen nun auch noch einige knackige Rampen… Der zweite Holländer überholte mich nun auch. Ich folgte aber nicht, da am Horizont von dem schwarzen Gipfelkegel immer noch nichts zu sehen war und der Schlussspurt somit noch lange nicht eingeläutet werden konnte. „Puh, ist ja unendlich wie am Stilfser Joch…“ dachte ich so vor mich hin, während ich mein letztes Kettenblatt bereits aufgelegt hatte.

 

Die Landschaft wurde der Höhenlage entsprechend nun auch etwas felsiger und schroffer, weit konnte es also nicht mehr sein!









Irgendwann war er dann doch zu sehen: Der schwarze Kegel, Cime de la Bonette! Das Dach der Alpen, Ziel aller Träume – zumindest für den heutigen Tag… Das Kurbeln fiel nun wieder leichter, was auch an den abnehmenden Steigungsprozenten lag. Ein Fotograf tauchte plötzlich neben mir auf und knipste was das Zeug hielt. Nachdem er mich auch wirklich aus jedem erdenklichen Winkel aufgenommen hatte, drückte er mir noch eine Visitenkarte in die Hand, damit ich in Barcelonnette seinen Fotoladen nicht verfehlen konnte. Geschäftstüchtig!





Diese Idee sollten während des Urlaubs aber noch mehrere Fotografen an den verschiedenen Anstiegen haben.










Den Cime de la Bonette immer im Blick...

 

Von nun an konnte man die letzten 2 km genießen. Den Gipfel immer im Blick war die Straße bis zum Pass nur noch schwach ansteigend. Pass erreicht, Ziel erreicht! Aber eigentlich noch nicht ganz… Die Extraschleife auf den Kegel durfte natürlich nicht fehlen. Hier musste man noch mal ein wenig beißen, die Steigung beträgt teilweise über 10%. Auf 2.802 m war dann aber endgültig Schluß mit bergauf fahren. Geschafft!

Die zwei Holländer waren auch da und aßen bereits ihren wohlverdienten Energieriegel, was ich dann auch recht schnell tat. Wir verabreden uns für den nächsten Tag, da beide auch die Cayolle-Champs-Allos Runde fahren wollten. Irgendwann wurde es dann doch merklich kühl dort oben und so zogen wir recht schnell unsere Jacken an, um uns in die Abfahrt zu stürzen. Ich zog es vor, einige Male anzuhalten, um Fotos zu machen.

 





Am Gipfelstein... Das ist übrigens kein Bauch, das Trikot sitzt nur etwas unglücklich...

Fazit: Ein klasse Urlaubsbeginn mit einem tollen Anstieg. Die erste Hälfte ist recht locker zu fahren, in der zweiten Hälfte warten dann aber einige knackige Rampen, so dass ich auch aufgrund der Länge und der Höhenlage doch recht ordentlich ins schwitzen gekommen bin. Insgesamt aber nicht am Limit gefahren, was bei noch sechs anstehenden Touren unsinnig gewesen wäre. Wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel und nicht irgendeine Bestzeit für die jeweiligen Anstiege...





Ein Blick vom Kegel zurück auf den eigentlichen Pass...



Die Extraschleife auf dem
Kegel...



Ein Blick zurück
ins Tal
Richtung Jausiers



Felsen prägen das Landschaftsbild auf den letzten km...






Auch der Südanstieg hat seine Reize! Hier ein schönes Foto während des Sommerurlaubs 2006 von Mrs. Flax...




für alle Fotos gilt: © www.cycling4fans.de (fotografiert von Harzer Radfahrer)


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