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Harzers Alpentour 2008



Tour 2: "Cayolle-Champs-Allos-Runde" (29.07.2008)

Strecke: Barcelonnette - Col de la Cayolle (2.326m) - Saint Martin d` Entraunes - Col des Champs (2.087m) - Colmars - Col d´Allos (2.240m) - Barcelonnette
Gesamt-km: 121 km
Gesamt-hm: 3.329 hm


Profil und Landkarte



1=Col de la Cayolle, 3=Col des Champs, 5=Col d´Allos





Für beide Grafiken gilt: © NAVTEQ B.V, Best, (NL); PTV AG; DDS Digital Data Services GmbH, Karlsruhe, (D), 2008



Die 3-Pass-Runde in den Alpes-Maritimes...



Lang aber nicht steil: Der Anstieg zum Col de la Cayolle von Barcelonnette aus...

Auf diese Runde hatte ich mich besonders gefreut. Mit dem Col de la Cayolle, Col des Champs und dem Col d´Allos warteten drei Zweitausender und deutlich über 3.000 Höhenmeter auf mich. Soviel bin ich bislang noch nie gefahren aber ich hatte ja immerhin den ganzen Tag Zeit… Zudem wurde diese 3-Pass-Runde in verschiedenen Quellen als eine landschaftlich sehr reizvolle angepriesen, so dass ich die Tour wagen wollte.

 

Den Anstieg am Vortag auf den Bonette hatten meine Beine ganz gut verkraftet, einer Ladung Spaghetti sei Dank. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mir als letzte Investition in Deutschland einen Reisewasserkocher bei Aldi geleistet hatte. Etwas ungewöhnlich vielleicht, sich Nudeln auf dem Hotelzimmer auf diese Weise zu kochen aber es funktionierte hervorragend . In jedem Fall eine deutlich günstigere Alternative zum Essen gehen, bei der die Portionen außerdem wohl nur halb so groß gewesen wären.

 

Aber zurück zum Radsport. Um der zu dieser Zeit herrschenden Hitzewelle in Südfrankreich einigermaßen aus dem Weg zu gehen, bin ich schon recht früh nach einem ausgiebigen Frühstück aufgebrochen. Zumindest den ersten Anstieg sollte ich bei angenehm kühlen Temperaturen schaffen können.



Einrollen am Col de la Cayolle...



Anstiegsprofil ab Barcelonnette - Quelle: www.salite.ch

Wie von Peter Leissl in seiner Bibel „Die legendären Anstiege der TdF“ empfohlen, fuhr ich die Runde im Uhrzeigersinn, den Col de la Cayolle also zu Beginn. Dies macht Sinn, weil der Cayolle im Gegensatz zum Col d´Allos anfangs recht geringe Steigungsprozente aufweist und man sich ganz gut einrollen kann.

Von den zwei Holländern war nichts zu sehen allerdings war ich auch etwas zu spät am Treffpunkt. Und so fuhr ich erstmal alleine los.

 




Entlang eines kleinen Flusses zieht sich die recht schmale Straße anfangs durch bewaldetes Gebiet. Die Steigung ist recht gering und von Autoverkehr kann man kaum sprechen. So macht es Spaß! Neben den Tannenwäldern ragen natürlich auch immer wieder hohe Felswände direkt neben der Straße empor.








Nach einiger Zeit führt die Straße dann auf eine größere Ebene, so dass man eine gute Fernsicht hat. Die Steigung bleibt weiter sehr moderat und man kann mit niedrigem Puls in Ruhe die Landschaft genießen.






 

Rund 5 km vor der Passhöhe wird es dann doch ein wenig steiler, ohne dass man sich überanstrengen muß.

Inzwischen war auf dem Anstieg auch etwas mehr los. Einige recht gemächlich fahrende Fahrer wurden eingeholt und ein paar Sportskanonen flogen an mir vorbei. Und, zwei bekannte Gesichter kamen mir entgegen: Die beiden Holländer vom Col de la Bonette! Wir hielten kurz an und sie berichteten, dass sie nur den Cayolle und anschließend von Barcelonette aus den Allos fahren wollten. Die Runde war ihnen heute zuviel.

„Warum auch nicht…“ dachte ich mir und überlegte, ob ich mir nicht zuviel vorgenommen hatte. Andererseits hatte ich für den nächsten Tag einen Ruhetag eingeplant. Wird schon werden...









 

Nach weiteren Kilometern kündigte sich langsam die Passhöhe an. Die Vegetation entsprach nun dem typischen Bild, was sich einem über 2000 Meter in den Alpen bietet. Geschafft!

Anders als bei anderen Pässen gibt es auf dem Cayolle kein großes Schild sondern einen kleineren Paßstein, der nicht unbedingt gleich auffällt.








Auf dem kleinen Parkplatz war nicht allzu viel los, so dass ich mich recht zügig in die Abfahrt stürzte. Landschaftlich auch hier wieder sehr lohnenswert, zwei bis drei Stopps, um Fotos zu machen und die Arme auszuschütteln mußten sein.



Leiden am Col des Champs...



Anstiegsprofil ab St. Martin d´Entraunes - Quelle: www.salite.ch

In St. Martin angekommen füllte ich erstmal den Inhalt meiner Wasserflasche aus dem Rucksack in die Trinkflaschen am Rad. Es war inzwischen sehr warm geworden, die Mittagssonne lachte hoch oben am Himmel.

Um es vorweg zu nehmen, so wie an diesem Anstieg sollte ich kein zweites Mal während des gesamten Radurlaubs leiden! Schon nach einigen hundert Metern im Anstieg merkte ich, dass die lange Abfahrt nicht gut war. Etwas schwerfällig war jetzt der Tritt, ich aß recht kurz hintereinander zwei Energieriegel. Gerade mal der zweite Anstieg und schon Schwäche, das durfte nicht sein. „Quäl dich, Du Harzer“!

 





Panorama im unteren noch bewaldeten Teil des Col des Champs...




Aber so richtig wollte sich die zweite Luft nicht einstellen. Dies lag aber speziell an dem sehr unrhythmischen Anstieg. Einer kurzen Flachpassage oder sogar Gefälle folgte ein knackiger Gegenanstieg mit 10% oder mehr. Eklig! Im salite.ch Profil wird dies mit harmlosen 0% Steigung und einem lieblich grünen Farbton dokumentiert. Auf den Kilometer gesehen rechnerisch zwar richtig, meine Beine konnten hier aber nicht zustimmen…

Ich war froh, dass ich mit der kleinstmöglichen Übersetzung einigermaßen voran kam. Zum Glück fuhr ich ohne Tacho, die angezeigten Zahlen wären nicht stimmungserhellend gewesen. Eine entgegenkommende Autofahrerin jubelte mir zu – immerhin etwas…

Kurz darauf eröffnete sich mir ein sehr schöner Blick auf die noch zu fahrenen Kilometer, die Passhöhe ließ sich auch erahnen!




Blick auf die letzten Kilometer des Col des Champs...




Einige km vor der Passhöhe überholte mich ein großgewachsener Leidensgenosse. Er war nur ein wenig schneller, so dass ich mich gut an ihm orientieren konnte. Das tat gut! Rund drei km vor dem Pass wurde es dann noch einmal richtig steil mit über 10% Rampen. Ich schreibe es ungern aber ich musste anhalten und eine kurze Pause machen (auch dies sollte während des Urlaubs kein zweites Mal vorkommen).

Ein weiterer Energieriegel gab mir Kraft für die letzten Meter und schon bald tauchte das erlösende Passschild verschwommen vor meinen müden Augen auf.

Wie ich den Col d´Allos noch hinauffahren sollte, war mir jetzt egal! Erstmal Pause machen mit selbstgekauftem Schokoladenkuchen. Der „Lange“ war schon da, ebenfalls ein Hobbyradler aus den Niederlanden, wie sich herausstelle. Sein Kumpel folgte ca. 5 Minuten nach mir, so dass ich erneut mit zwei Vertretern aus Oggis Wahlheimat Kohlenhydrate zu mir nehmen durfte.

 





Blick zurück auf die letzten km vor der Passhöhe



Gequältes Lächeln auf der Passhöhe...




Der Col des Champs ist vom Profil her sicherlich nicht furcheinflößend aber man findet nie seinen Tritt, ständig Rhythmuswechsel. Er wird mir nach diesem Radurlaub als der unangenehmste Anstieg in Erinnerung bleiben.

Irgendwann war die Mahlzeit beendet und ich machte mich noch vor den beiden Radlern auf in Richtung Colmars. Der Straßenbelag auf dieser Seite des Col des Champs ist im Gegensatz zur Nordseite ätzend! Zahlreiche Schlaglöcher und Regenablaufrinnen sorgen dafür, dass man erstens kein echtes Tempo aufnehmen kann und man eigentlich kein einziges Mal zur Seite auf die Landschaft blicken darf. Nach der Hälfte der Abfahrt taucht man in stark bewaldetes Gebiet ein, der Straßenbelag wird sogar noch schlechter. Zu allem Überfluß fing es nun leicht an zu tröpfeln.

 

Zum Glück war ich nun in Colmars und ich beschloss, erstmal eine richtige Gastwirtschaft aufzusuchen. Bevor ich dies tat, machte ich aber noch einen Rundgang durch die sehr schöne Altstadt, die noch komplett von einer Stadtmauer umschlossen ist. Warum ich hiervon keine Fotos gemacht habe, bleibt mir bis heute selbst ein Rätsel. Nach 20 Minuten Kulturprogramm wollte ich nun meinem Magen eine wohlverdiente Kleinigkeit zuführen und ich setzte mich in ein kleines Bistro. Keine zwei Minuten später trafen auch die zwei Holländer ein und wiederum wenige Minuten darauf gab es einen kräftigen Regenschauer, der glücklicherweise nur kurz andauerte.

Ich gönnte mir ein großes Glas Cola und ein noch größeres Käse-Schinken-Baguette und stärkte mich somit für den Schlußanstieg!



Col d´Allos - der Schlußanstieg...



Anstiegsprofil ab Colmars - Quelle: www.salite.ch

Der Col d´Allos! Wie schreibt Peter Leissl: Ein vergessener Berg… Zwischen 1911 und 1939 stand er permanent auf dem Etappenplan der TdF, mit 33 Überquerungen immerhin in den Top10 aller gefahrenen Pässe. Allerdings ist die recht südliche Lage wohl für die Tourplaner ein Problem, da der Pass in den letzten Jahren so gut wie kaum mehr berücksichtigt wird. Speziell die Nordseite ist landschaftlich ein Traum, doch dazu später mehr…

 

Wie häufig er bei der TdF dabei war, sollte für mich heute aber vorerst egal sein. In jedem Fall machte das Höhenprofil Hoffnung, keinen zweiten Kraftakt wie am Col de Champs absolvieren zu müssen. Und tatsächlich konnte man die ersten Kilometer recht gemütlich dahinrollen, bei minimaler Steigung. Kraft hatte ich auch eh nicht mehr für fiesere Rampen.

Irgendwann passiert man dann die „auf Touristen ausgelegten Wintersportorte“ (um es geschönt zu formulieren) Allos und nach einiger Zeit La Foux-d´Allos. Und ab hier wird dann auch der eigentliche Schlußanstieg eingeläutet.





Blick auf den Schlußanstieg...

Bis zum letzten Ort verlief die Straße eigentlich recht gerade, es wollte kein echtes Bergfahr-Feeling aufkommen. Ab La Foux-d´Allos verläuft der Anstieg aber wieder in Serpentinen und es geht erstmal wieder in leicht bewaldetes Gebiet hinein. Nach kurzer Zeit kann man dann den gesamten Schlußanstieg mit den letzten Serpentinen erkennen, ähnlich wie beim Stilfser Joch. Wenn die Beine schon etwas müde sind, ist der Anblick im ersten Moment ein kleiner Schlag ins Kontor. Aber nicht lange nachdenken, einfach weiterkurbeln. Zum Glück hielt sich die Steigung weiterhin im moderaten Bereich, zudem auch keine unangenehmen Rhythmuswechsel. So gewann ich einigermaßen schnell an Höhe und der erste Schock war schnell verdaut.

 



Landschaftlich war es nun erstmals seit Colmars auch wieder sehr sehenswert. Die Regenwolken hatten sich verzogen und man hatte einen sehr schönen Blick ins Tal.




Blick zurück auf die bereits gefahrenen Serpentinen...





die letzten Meter bergauf waren geschafft...

Es dauerte dann auch nicht mehr lange und ich erreichte dann endlich die Passhöhe. Die letzten Meter bergauf für heute, was für ein Gefühl… Auf dem Col d´Allos war es dann aber insgesamt eher trostlos. Es waren nur ein paar Wanderer unterwegs, die häufig auf den Pässen übliche Gastwirtschaft gab es ebenfalls nicht. Deswegen beließ ich es dabei, dass routinemäßige Passfoto zu machen und noch schnell eine Banane zu essen. Die Abfahrt konnte beginnen!

 



Und diese sollte sich dann landschaftlich zu einem der Höhepunkte dieses Urlaubs entwickeln.

Tiefe Schluchten, hohe Bergwände – man konnte eigentlich alle paar hundert Meter anhalten, um ein postkartentaugliches Foto zu machen. Habe ich dann auch getan… Hier eine kleine Auswahl an Fotos, die einen recht guten Eindruck der Allos-Nordseite vermittelt.





















Nach rund 120 km und etwas mehr als 3.300 hm war ich dann irgendwann wieder in Barcelonnette - ziemlich kaputt aber hochzufrieden, diese Runde geschafft zu haben.

Die Planung für den nächsten Tag war erstmal: Ausruhen, bisschen Barcelonnette anschauen und Weiterfahrt nach Guillestre ins nächste Hotel. Von dort sollte dann als nächster TdF-Bergriese der Col d´Izoard bezwungen werden - aber von dem wollte ich heute erstmal nichts wissen…

 

Fazit: Eine super Runde, die man auf jeden Fall fahren sollte, wenn man sich im Raum Barcelonnette aufhält und das Wetter mitspielt!

Ob man nun mit oder gegen den Uhrzeigersinn fährt, muß jeder für sich selbst entscheiden, je nachdem, ob man es auch gerne etwas steiler mag... Gegen den Uhrzeigersinn sind der Col des Champs und speziell der Col de la Cayolle sicherlich steiler, insofern erscheint die Runde, so wie ich sie gefahren bin, etwas leichter. In jedem Fall war es für mich ideal, den recht leichten Südanstieg des Col d´Allos als letzten Anstieg gefahren zu sein.



 

für alle Fotos gilt: © www.cycling4fans.de (fotografiert von Harzer Radfahrer)


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