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Etappe 7 (Eaux-Bonnes - Ainsa) / 134 km

Mit diesem Teilstück verlassen wir nach fünf Tagen die wilde Gebirgswelt der französischen Pyrenäen und „kehren zurück“ auf spanischen Boden. Zum letzten Mal original französisches Frühstück – hach, wie sehr ich das überhaupt nicht bedaure… Augenzwinkern

 

Zum Einrollen, wenn auch nicht unbedingt zum Warmwerden, bewältigen wir zu Beginn die letzten 4 km der Abfahrt vom Aubisque. Unten an der Kreuzung biegen wir links ab, wir wollen schließlich nach Spanien! Es beginnt nun der fast 30 km lange und knapp 1300 Höhenmeter überwindende Anstieg zum Col du Pourtalet. Die ersten Kilometer fahren wir auf kaum ansteigender Strasse durch ein klammartiges Tal, wo wahrscheinlich nie die Sonne scheint. Gerade einmal 5 km sind gefahren, da tastet sich Urs, heute wieder ein „Hai“, an die Spitze der Gruppe, redet kurz mit Beat und sprintet dann auf und davon. Fahr du nur! Bald neigt sich die Strasse stärker, wird überwinden einige Serpentinen. Noch immer hält dichter Wald die Sonne ab, jedoch zeigen sich bereits die schönen Gipfel z.B. des Pic des Tourettes. Etwa 15 km vor dem Pass verabschiedet sich auch Werner nach vorn, die beiden Schweizer ziehen wieder ihr eigenes Ding durch.

 

Bald erreichen wir die Staumauer des Lac de Fabreges. Ich gebe mal ein bisschen mehr Gas, und prompt ist nur noch Beat an meiner Seite. Auf dem flachen Teilstück am See entlang füllt sich die Gruppe wieder auf 6-7 Leute auf. Vor uns liegt nun ein atemberaubend schönes Hochtal in der morgendlichen Sonne, links hinten schmiegen sich die letzten Kilometer der Passstrasse an den Hang. Ich selbst nehme die 6-Kilometer-Marke zum Anlass für eine kleine „Attacke“. Die Strasse fügt sich wunderbar in das Gelände ein, und es macht Spaß, hier so richtig hochzubrettern.

Die Passhöhe selbst ist leider nicht so schön wie der Aufstieg (ich hätte doch mal anhalten und ein paar Fotos machen sollen…), von der grandiosen Bergkulisse sieht man nicht mehr viel, und der Pass ist stark frequentiert. Zudem erleben wir im ersten Teil der Abfahrt eine böse Überraschung – etwa 5 km lang müssen wir uns entlang einer Großbaustelle über Kies- und Schotterstrecken nach unten tasten. Welch ein Kontrast zum Anstieg! Weiter unten können wir unsere Räder dank des Rückenwindes und breiter, kurvenarmer Strassen endlich einmal richtig laufen lassen – es dürfte das erste Mal während der gesamten Rundfahrt sein, dass ich über 60 km/h erreiche. Augenzwinkern

 

Unten in Biescas legen wir in einer schönen Taverne eine ziemlich lange Mittagspause ein, ehe es direkt in den zweiten Anstieg des Tages, den Puerto de Cotefablo, hineingeht. Mittlerweile ist es sehr warm geworden, und das recht verhaltene Tempo, dass ich zusammen mit Beat vorgebe, erscheint mir daher ganz angemessen. Dummerweise schiebt sich Urs bald wieder nach vorn, und dieses Mal gebe ich nach. Augenzwinkern Mal wieder fahren wir Seite an Seite deutlich vor den anderen den Berg hinauf. Kleine Psychospielchen inbegriffen. Bald wird es ganz schön schwer, ich muss doch kämpfen, halte aber weiterhin dagegen, denn Urs keucht auch ziemlich laut. Wie weit noch? Ich suche den Hang nach Zeichen der Passhöhe ab, als Urs plötzlich sagt: „O.k., jetzt muss ich abreißen lassen; es wird zu steil für mich“. Ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll und fahre erst mal ganz normal weiter. Schnell hat Urs jedoch 30 Meter Rückstand – der kann wirklich nicht mehr! Ich beschleunige noch einmal ein bisschen, durchfahre eine Rechtskurve und – bin oben. Also bitte, Urs, die 300 Meter hättest du auch noch geschafft! Augenzwinkern

 

Vom Cotefablo bis zum Etappenziel nach Ainsa sind es zwar noch knapp 60 Kilometer, außer ein paar kurzen, knackigen Rampen stellen sich uns aber keine Hindernisse mehr in den Weg. Die Gegend, durch die wir fahren, ist sehr dünn besiedelt, und etwa 30 Kilometer vor Ainsa lassen wir sogar die kleinsten Dörfer - und leider auch fast alle Vegetation – hinter uns. Auf breiter Strasse geht es am Südrand der Pyrenäen durch wenig attraktives Niemandsland voran. Die Gegend gleicht einer Steppe. Perfektes Vuelta-Terrain, denke ich mir. Augenzwinkern

 

Nach Besichtigung der durchaus sehenswerten Altstadt von Ainsa erreichen wir unser etwas außerhalb gelegenes Hotel nach 137 km. Ich bin eigentlich kaum erschöpft und teste sofort mit den anderen den hoteleigenen Pool. Unsere Bleibe ist dieses Mal ausnehmend gut: riesige Zimmer mit Terrasse oder Balkon, Pool, und das Buffet am Abend – unschlagbar! Völlig überfressen falle ich abends ins Bett.



Etappe 8 (Ainsa - Tremp) / 143 km

Schwer fiel in Ainsa der Abschied vom besten Hotel der gesamten Rundfahrt. Aber warum soll man bei diesem schönen Wetter nicht noch einmal mehr 140 Kilometer durch die spanischen Pyrenäen fahren? Die heutige Etappe weist immerhin 5 Pässe auf, von denen jedoch nicht alle wirklich erwähnenswert sind. Dazu jedoch später mehr.

 

Von Ainsa aus fahren wir zunächst in westlicher Richtung auf einer höchst autobahnähnlichen Strasse (Vuelta lässt mal wieder grüßen) dem Coll de Foradada entgegen. Der Anstieg stellt kein Problem dar, und auf dem nahezu flachen Schlussstück gibt es mal wieder einen netten kleinen Prestigekampf, den, aus meinem Windschatten heraussprintend, Kurt gewinnt. Die Passhöhe ist wenig ansehnlich, weswegen wir gar nicht erst anhalten und uns stattdessen sofort in die Abfahrt stürzen. Der einzige Pass, den ich nicht fotografisch dokumentiert habe… Augenzwinkern

 

Nach der Abfahrt biegen wir rechts ab in das schluchtartige Tal des Rio Esera. Auf schmaler, kurvenreicher und welliger Strasse kommen uns ständig LKWs entgegen oder überholen uns – „mit sicherem Gefühl Rad“ fahren geht anders. Glücklicherweise kommen wir alle unverletzt bis Castejon de Sos, wo wir auf die wenig befahrene Passstrasse zum Coll de Fadas abbiegen. Nach dem unspektakulären Foradada stellt sich uns jetzt also der erste richtige Anstieg in den Weg. Vorn fahren – dreimal darf geraten werden – Urs und ich. Obwohl wir gefühlsmäßig nicht allzu schnell sind, reduziert sich die Gruppe ruckzuck auf vier Leute. Bald muss auch noch Didi abreißen lassen, so dass nur noch Kurt dabei ist. Ha, zahlenmäßiger Vorteil für Deutschland! Augenzwinkern

 

Gleichmäßig spulen wir Kehre um Kehre nach oben, es macht Spaß. Kurt fährt zwar ständig hinter Urs und mir und scheint ziemlich am Limit zu sein, aber von wegen! Die Geschehnisse auf dem letzten Kilometer des Anstieges könnten Virenque, Freddy Gonzales und Felix Cardenas zusammen nicht besser inszenieren, und von unserer deutschen Mannschaftsarbeit könnten sich sogar die Spanier noch eine Scheibe abschneiden! großes Grinsen

Der Reihe nach: Kurt, der Simulant, nutzt einen langsam überholenden PKW, um in dessen Windschatten eine Attacke zu reiten – nicht ohne natürlich grinsend zurückzuschauen Augenzwinkern . Urs erhöht daraufhin langsam, aber stetig das Tempo, ich platziere mich schräg hinter ihm – einem Teamkollegen fahre ich ja nicht hinterher Augenzwinkern . Kurt hat sich etwas übernommen und kommt uns wieder entgegen, da kommt die Passhöhe in Sicht. Vielleicht noch 200 Meter. Folgerichtig bin ich jetzt dran mit Attackieren, also schalte ich zwei Gänge hoch und überrumple Urs. Das saß! Urs ist Zweiter auf dem Fadas, Kurt Dritter. Schöner Kampf, gerne wieder Augenzwinkern .

 

Den nächsten „Berg“, den Coll d’Espina, können wir getrost in den Skat drücken. In der Abfahrt vom Fadas geht es einmal 500 Meter leicht bergan, dann wird die Strasse wieder flach, und plötzlich taucht das Passschild auf. Geschenkt. Wir halten dennoch an, um uns zu versorgen und die durchaus sehenswerte Landschaft zu genießen. Danach stürzen wir uns in die kurvenreiche Abfahrt und steuern geradewegs auf unsere Mittagspausen-Kneipe in Pobla de Segur zu.

 

Nach Bocadillo für die einen und Spaghetti für die anderen brechen wir mit vollem Magen wieder auf, um die restlichen gut 50 Kilometer des Tages in Angriff zu nehmen. Heiß ist es geworden, was den nächsten Anstieg zum Coll de Viu nicht unbedingt erleichtern wird. Die Steigung beginnt moderat, doch Schatten sucht man hier vergeblich, die Sonne knallt mit voller Kraft auf uns herab. Nach etwa 4 km ist die „Aufwärmphase“ beendet, und die steilen letzten 5 km hinauf zum Pass beginnen. Jetzt ist Schluss mit lustig! Am letzten bedeutenden Anstieg der gesamten Rundfahrt heißt es noch einmal: lieber tot als Zweiter Augenzwinkern .

Schnell kristallisiert sich das bekannte Duell heraus, auch Kurt kann nach 500 Metern nicht mehr folgen. Mit konstanter Steigung von 8-9% geht es den Berg hinauf, Urs und ich fahren im Gleichschritt (vom Tempo her, Pedalumdrehungen mache ich etwa doppelt so viele…). Rechts am Hang zieht sich die Strasse nach oben. Ich schaue ein paar Mal nach rechts und denke: der Kerl pfeift doch aus dem letzten Loch! Etwa 2 Kilometer sind noch zu fahren, da entscheide ich mich zu einem Test: langsam erhöhe ich die Schlagzahl, ein bisschen schneller geht’s noch. Urs weicht von meiner Seite, das Knacken seines Tretlagers wird leiser und leiser – weg ist er. Als ich mich umdrehe, liegt er schon 50 Meter zurück. Volle Lotte fahre ich jetzt den Berg hinauf, hoffentlich habe ich mich mit der Distanz nicht verschätzt! Urs ist bald nicht mehr zu sehen. Noch eine Rechtskurve, eine etwas steilere Rampe, und dann ist die unscheinbare Passhöhe erreicht. Gewonnen! - aber jetzt muss ich erst mal ordentlich Luft holen. Wie viele Bergpunkte habe ich jetzt Augenzwinkern ?

 

Nach dem Viu folgt eine kleine Abfahrt und danach sofort der relativ kurze Anstieg zum Port de Perves, dem letzten Pass des Tages. Die Gruppe fährt geschlossen hoch, aber kurz vor dem Kulminationspunkt will es Beat noch einmal wissen und bricht links aus. Urs geht mit, ich schalte zwei Gänge hoch und bin gleich am Hinterrad. Nun ja, jetzt gibt es auch hier noch ein Prestigeduell, was mit einem fairen Unentschieden endet Augenzwinkern .

 

In wunderbarer, serpentinenreicher Abfahrt sausen wir vom Perves hinunter, ehe die kleine Bergstrasse in eine wenig einladende Mini-Autobahn mündet. Mit Tempo 45 trotzen wir dem Gegenwind, nur durch gelegentliche Schotterstücke und kleine Anstiege wird die wilde Fahrt gebremst. Kurz vor dem Tagesziel tickt Beat noch einmal ein bisschen aus und versucht, die Gruppe zu sprengen – schafft er aber nicht Augenzwinkern . Nach 142 Kilometern erreichen wir Tremp. Es ist heiß, daher suchen wir gleich die nächstbeste Kneipe auf und laben uns an Wasser, Radler, Eis etc. , ehe wir unser Hotel stürmen. Tja, nun ist die Tour leider schon fast zu Ende, und in Tremp können wir sagen: wir haben die Pyrenäen gemeistert! Ein kleines Dessert folgt noch.



Etappe 9 (Tremp - Manresa) / 140 km

Das letzte Teilstück der Pyrenäenrundfahrt war zwar mit 140 Kilometern nicht gerade ein gemütliches Ausrollen, aber die topographischen Schwierigkeiten hielten sich nach der Pässjagd der vergangenen Woche ausnahmsweise einmal in Grenzen. Genau genommen gab es tatsächlich nur einen einzigen nennenswerten Anstieg zu bewältigen, und das gleich zu Beginn. Der Col de Cormiols stand nach etwa 30 Kilometern auf dem Programm, und Beat probierte mit uns eine zur Hauptstrasse alternative Auffahrt aus (die er selbst nicht kannte...). Diese Strasse war zwar wunderbar ruhig und gewährte noch einmal einige schöne Ausblicke, aber die Schotterabschnitte machten dann doch nicht übermäßig Spaß. Zu allem Überfluss waren die hinter uns gestarteten Roller via Hauptstrasse sogar noch vor uns am Pass Augenzwinkern . Naja, das konnten wir uns natürlich nicht bieten lassen und heizten gleich ohne Pause an denen vorbei großes Grinsen . Ein kurzer Fotostopp meinerseits an der Passhöhe artete somit fast in Stress aus...

 

Die Abfahrt war vergleichsweise sensationell: 65 km/h, so schnell wie während der gesamten Rundfahrt nicht großes Grinsen ! Wir ließen Beat einfach mal zurück und unsere Räder richtig laufen. Unser Guide war darüber gleich wieder beleidigt und revanchierte sich umgehend: als die Gruppe 150 Meter hinter einer Einmündung in Unkenntnis des weiteren Verlaufs wartete, bog er, als letzter kommend, an besagtem Abzweig kommentarlos ab und zog allein davon. Wir benötigten mehrere Kilometer, um ihn wieder einzuholen... Augenzwinkern

 

Weiter ging die Fahrt durch hügeliges Vor- (oder Nach-)Pyrenäen-Gelände, welches nicht ganz einfach zu fahren war. In Ponts nach etwa 60 Kilometern gab es die letzte Mittagspause der Tour, danach fuhren wir auf breiter, fast ebener Strasse Richtung Südosten. Das Tempo der Gruppe war recht zügig, obwohl eigentlich nur 4 Leute Führungsarbeit verrichteten. Hinter Castelfollit stellten sich uns noch einige Rampen in den Weg, die vor allem durch den Gegenwind auf fast autobahnähnlicher Strasse eher unangenehm waren. Hinter Calaf fuhren wir ein Stück durch ziemlich verlassenes Hinterland, Beat lotste uns trotz einiger Unsicherheiten auf den richtigen Weg und damit auch über den letzten kleinen Berg der Rundfahrt, Fonollosa (500 Meter vor oben meinte er "noch drei Kilometer!", um dann hinterrücks die Bergwertung zu gewinnen großes Grinsen ).

Die Kletterei hatte nun endgültig am Ende, und auf dem abfallenden Schlussstück nach Manresa wurde noch einmal richtig Dampf gemacht, um dem drohenden Gewitter zu entgehen. Trotz der vielen Tages- und Gesamtkilometer ein ziemlicher Spaß...

 

Manresa war erreicht, am Ortseingangsschild waren einige Jubelschreie zu vernehmen. Vom Regen so gut wie verschont geblieben, erreichten wir schließlich das Hotel, an dem vor acht Tagen alles anfing. Es wurden Hände geschüttelt, Schultern geklopft, sich gegenseitig Respekt bekundet. 1120 Kilometer und 21000 Höhenmeter liegen hinter uns, 9 Tage mit Hitze und Kälte, Sonne und Regen, Leiden und Glück, Spaß und kleineren Auseinandersetzungen, tollen Landschaften und vor allem: Bergen, Bergen, Bergen. Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht, aber wieviel Kraft diese Tour tatsächlich gekostet hat, merkte ich erst, als ich einige Tage später erstmalig wieder zuhause Rad fuhr - und GAR NICHTS ging zahnlos .

 

Nichtsdesdotrotz: Pyrenäen und ich, das war quasi Liebe auf den ersten Blick Augenzwinkern . Kein Wunder, dass es im Jahr darauf schon wieder dorthin gehen sollte - aber das ist eine andere Geschichte...



 

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