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Jean-Pierre Monseré

 

 


Portrait

Ende 1969, die Herrschaft des Eddy Merckx hatte begonnen, ließ ein anderer Belgier aufhorchen: Der zwanzigjährige Jean-Pierre Monseré wurde zum Sieger der Lombardei-Rundfahrt 1969 erklärt nach der Disqualifikation des Holländers Gerben Karstens wegen Dopings. Ein sensationeller Erfolg. Und im nächsten Jahr ging es glänzend weiter. Durch einen dritten Platz bei der belgischen Meisterschaft sicherte sich ‚Jempi' die WM-Teilnahme im englischen Leicaster. Während des Rennen schickte Eddy Merckx höchstselbst den jungen Fahrer mit nach vorn um die Spitzengruppe mit Gimondi und Vasseur abzufangen, doch das gelang nicht wie geplant und letztendlich erwies sich Monseré als der Stärkste von allen. Gimondi versuchte noch ihn gegen ein fürstliches Honorar für sich zu gewinnen, Jean-Pierre sollte den Sprint für ihn anziehen, doch der WM-Titel wog mehr - Monseré attackierte einen Kilometer vor dem Ziel und gewann im Alleingang. Damit entfachte er eine Riesenbegeisterung in Belgien. "Es war unglaublich" erinnerte sich seine Witwe, "wir konnten uns vor lauter Geschenken kaum mehr retten. Sogar goldene Uhren sowie ein Mercedes vom Teamchef waren darunter." (Rottiers)

 

Es schien als wachse da ein ernsthafter Gegner für den Überflieger Merckx heran, der zu diesem Zeitpunkt 25jährig bereits die Tour de France, den Giro und eine Profi-WM gewonnen hatte.

 

Nicht nur Monserés Professional-Debut war einzigartig, auch in seiner Junior- und Amateurzeit, die mit 13 Jahren begann, fiel er mit seinen 20 - 30 Siegen pro Jahr aus dem Rahmen. Aber erst spät konnte er seine Eltern davon überzeugen, dass der Radsport seine Berufung sei, dazu musste er sich dem Wunsch seines Vaters beugen, der meinte, ernsthaft Radsport könne er nur betreiben, "wenn er sich in feste Hände begäbe." So heiratete er denn sieben Wochen vor seinem 19. Geburtstag seine 2 Jahre jüngere Freundin Anne.

 

Jean-Pierre galt als ungemein positive Erscheinung, als Sonny-Boy, auch als Playboy sah man ihn, mit vielen Freunden und Gönnern, mit exzentrischen Anwandlungen. Auffallend sein starkes Durchsetzungsvermögen gepaart mit großem Optimismus. Er war ein vielseitiger Fahrer, dessen Stärke vor allem die großen Eintagesklassiker waren, ein Mann mit angeborenem Renninstinkt - ein absoluter Siegertyp. Sein Freund und Teamkollege Roger de Vlaeminck, mit dem zusammen er schon heftig Pläne schmiedete, wie die Herrschaft von Merckx gebrochen werden könne, beschreibt ihn als atypisch, teuflisch extrovertiert, schlau, gerissen, und als gelegentlichen Komiker.

 

Andere verglichen ihn später mit dem jungen Franck Vandenbrouke, frech, Ansprüche stellend, ausgestattet mit übersteigertem Egoismus, doch von großer Klasse.

 

Sein außerordentliches Talent brachte es mit sich, dass er weniger zu trainieren brauchte als beispielsweise sein Freund Freddy Maertens, der nach Aussagen von Jempis Frau doppelt so viele Kilometer schrubben musste um in Form zu bleiben als der begnadete Jean-Pierre, doch hielt es diesen nicht davon ab, entgegen manchen Unterstellungen, seine Rennvorbereitungen äußerst ernsthaft zu betreiben.

 

Nach dem furiosen Profi-Einstand sollte jetzt der Sieg von Mailand-SanRemo her. Als zweiter Fahrer nach Alfredo Binda (1931) wollte er diesen Frühjahrsklassiker im Weltmeistertrikot gewinnen. Er trainierte hart im Winter, gewann auch die Sechstage von Gent gemeinsam mit Patrick Sercu. Dabei folgte er den Trainingsvorschlägen seines Managers Brik Schotte, selbst zweimaliger Weltmeister, der ihm riet, lieber verregnete Kilometer in Flandern zu bolzen als im Süden weitere Rennen zu bestreiten. Somit verzichtete er auf Paris-Nizza nach der Andalusien-Rundfahrt, die er gewann einschließlich zweier Etappen, es blieben allein noch einige unbedeutende Eintagesrennen in der heimatlichen Region zu absolvieren.

 

Er fuhr am 15. März eher unwillig nach Retié nördlich von Antwerpen, lange hatte er überlegt, ob er überhaupt an diesem Kirmesrennen teilnehmen sollte. Doch da er hier seinen ersten Sieg im Weltmeistertrikot im letzten Herbst errungen hatte, entschloss er sich zum Start. Bald fand er sich in einer Spitzengruppe wieder, die mit hohem Tempo auf einer langen Geraden in Staffelformation fuhr. Er hielt sich gerade am Ende auf als ein Autofahrer an einer Kreuzung direkt auf sie zufuhr. Es geschah blitzartig und völlig unerwartet, da die Straßen eigentlich für andere Fahrzeuge gesperrt waren. Raf Hooyberghs konnte gerade noch ausweichen aber Jean-Pierre raste frontal in den Mercedes.

Er war auf der Stelle tot.

 

Fünf Jahre später, am 17. Juli 1976, radelte sein Sohn Giovanni mit Freunden in der Wohnsiedlung, da wurde auch er von einem Auto erfasst, durch die Luft geschleudert und erlag wenig später seinen Verletzungen.

 

Quellen:

Die großen Radsportstars, Walter Rottiers, München 1991

Cycle Sport, March 2002

cyclopedie.com

 

von Maki

für Werner


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