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Willy Arend


Name:  
Willy Arend 
Geburtsdatum:  
2. Mai 1876 
Geburtsort:  
Hannover 
Todesdatum: 
25. März 1964, Berlin 
Wohnort:  
Hannover 
Nationalität:  
Deutscher 
Familienstand:  
 
Fahrertyp:  
Sprinter 
 
1894-96 Amateur 
 
1896-1926 Berufsfahrer 





Portrait


Willy Arend war im Begriff einen Beruf im Baugewerbe zu ergreifen, als er auf der Radrennbahn Hannover Weltmeister August Lehr beim Training erlebte. Schnell wußte er, solch ein Fahrer wollte er auch werden. Er musste allerdings das gewünschte Hochrad regelrecht von seinem Vater erbetteln, denn dieser war strikt gegen die neue Leidenschaft seines Sohnes.

 

Willy Arend setzte sich durch - er wurde ein ganz Großer. Bereits in seinen ersten Jahren begeistete er die Radsportwelt. "... Das Auftauchen Arends hatte im ganzen deutschen Radsport eine wahre Revolution hervorgerufen, denn außer Lehr hatte in Deutschland noch kein Fahrer eine so eklatante Überlegenheit gezeigt. Die deutschen Sportfreunde  bekamen Mut, denn sie besaßen in Arend einen Fahrer, den sie den Ausländern aussichtsreich entgegenstellen konnten. ... Zu all diesem kam ein nicht zu unterschätzendes Moment: Arend war als junger Mann eine Erscheinung von bezwingender Schönheit, und der Anblick seines Fahrens mußte selbst den ärgsten Feind des Radrennens zu einem Ausruf der Bewunderung veranlassen." (frühe Arend-Biographie)(1)

 



Er konnte bereits während seiner ersten aktiven Jahre bedeutende Siege erringen, seine mangelnde Erfahrung machte sich aber häufig bemerkbar. Besonders das Jahr 1896 wird als sein wichtigstes Lehrjahr beschrieben, in dem er bei seinem Aufenthalt in Frankreich die ganze Klasse der französischen Fahrer erleben durfte bzw. musste.




Das Match Morin - Arend in Halensee 1896
Der am Anfang seiner ruhmreichen Rennfahrerlaufbahn stehende Hannoveraner schlug den dreimaligen Grand Prix-Sieger sicher und stellte sich damit in die erste Reihe der deutschen Rennfahrer.
Interessant ist das Bild auch dadurch, dass Arend von Alex Verheyen, der am 20. Mai 1902 bei einem Automobilunfall ums Leben kam, gestartet wird.




Er lernte schnell und konnte dies bereits im darauffolgenden Winter beweisen. Besonders zäh und gewissenhaft bereitete er sich daraufhin auf die kommende Saison vor und errang in Glasgow nur drei Jahre nach seinem Idol August Lehr den Weltmeistertitel. Unbeschreiblicher Jubel begleitete ihn wo immer er auftauchte. Ehrungen über Ehrungen musste er über sich ergehen lassen. Vielleicht lag es daran, dass er bei einigen folgenden Rennen nicht immer seinen eigenen Erwartungen entsprechen konnte. Besonders schwer machte es ihm in diesen Jahren der überaus gewiefte Taktiker Paul Bourrillon, der sich allerdings auch als schlechter Verlierer zeigen konnte. 

Ein guter Freund wurde ihm Thorwald Ellegaard, gegen den er nach 1900 unzählige Male antrat, mit wechselndem Erfolg, mit dem zusammen auf dem Tandem er aber auch viele gemeinsame Siege einfuhr. 

 

Willy Arend war eine Ausnahmeerscheinung, auch wenn der Chronist von 1903 sich etwas schwer tat mit seiner Würdigung, zu häufig standen seiner Meinung nach Misserfolge neben glänzenden Leistungen. Am Pech oder an Schikanen der Konkurrenten allein konnte dies nicht liegen. Die Ursachen lagen wohl auch in der Person Arends begründet,  der "ein unberechenbar nervöser Fahrer" war, "der zu sehr von Augenblicksstimmungen abhängt, auch hat er es öfter an dem nötigen Ernst im Training fehlen lassen, er war zu sehr mit Nebendingen beschäftigt und das lenkte ihn ab. Wenn Arendt zum Start antritt, so hat man immer das Gefühl: er kann siegen, aber wird er das erreichen?" (3) Er wurde auch als Primadonna des Radsports bezeichnet, die es bestens verstand mit der "Bestie Publikum" umzugehen. Ein "verbindliches Kopfnicken auf der Ehrenrunde" wußte "die Zuschauer wieder zu versöhnen, die ihn vorher ausgepriffen hatten, als er, seiner Gewohnheit gemäß, zu spät am Start erschienen war." (2)





Huber - Arend - Otto Meyer
Der Start zum Grossen Bavaria-Preis
Ludwigshafen, 12. Juni 1904


Auf der Bahn allerdings war er geradlinig, direkt, "taktische Mätzchen" waren ihm fremd, "er übernahm resolut die Spitze und fuhr mit hinreißenden 400 m-Spurts die Meisterfahrer aus allen Ländern in Grund und Boden." (3)

 

Arend wurde mit 45 Jahren noch Deutscher Profi-Meister im Sprint. Er blieb bis 1926 aktiver Rennfahrer. Danach wurde er Sportlehrer und schrieb ein viel beachtetes Trainingsbuch.

 





1930
Arend vertreibt einen neuen Vibrationsmassage-Apparat, der an jeder Wasserleitung angeschlossen werden kann. Hier führt er ihn an dem Deutschen Stehermeister Walter Sawall vor.





WM 1954 in Köln
Willy Arend dreht mit 78 Jahren eine Ehrenrunde

1954 wird er folgendermaßen zitiert: "Der Abschied von der Rennbahn fiel mir wirklich sehr schwer. Erst nachdem ich 30 lange Jahre den harten Rennsattel gedrückt hatte, gab ich den Weg für die stürmisch nachrückende Jugend frei und zog mich mit 50 Jahren - ich glaube, ich bin damals der älteste Rennfahrer der Welt gewesen - vom aktiven Radrennsport zurück. Meine Liebe aber zum Radsport, die habe ich mir auch weiterhin bewahrt."

"Bruder Lustig", der er bis an sein Lebensende gewesen sein soll (2), ergänzt:

"Eine Erfahrung aber, die ich öfter machen mußte, möchte ich nicht unerwähnt lassen; sie mag der heutigen Rennfahrergeneration als Warnung dienen. In Hannover verlor ich (...) ein Rennen, weil ich zu stark und zu oft gefeiert worden war. Das birgt nicht nur die Gefahr in sich, daß ein junger Mensch überheblich werden kann, sondern auch, dass seine gute Form sprunghaft zurückgehen kann."(1)

 

Quellen:

(1) A. Klimanschewsky, Der entfesselte Weltmeister, 1957

(2) W. Gronen/W. Lemke. Geschichte des Radsports, 1987

(3) Sport-Album der Radwelt, 2.,3., 4., 10., 11. Jahrgang

(4) Allgemeine Sport Zeitung aus Wien 23.8/11.10.1896  

 



Ergebnisse:

1894

als Amateur die Nummer eins ?

1895

1. Platz G.P. von Köln

als Amateur die Nummer eins ?

1896 Professional

1. Platz Deutsche Meisterschaft, Leipzig

2. Platz Europameisterschaft 8. 8. über 10 000 m (1. Carl Jörns, 3. Habrick) - doch Arend legte Protest ein, die Meisterschaft wurde wiederholt: 1. Platz EM 4. 10. für Arend, Jörns gab auf (4)

1897

1. Platz Weltmeisterschaft Glasgow

1. Platz Europameisterschaft

1. Platz Deutsche Meisterschaft

1. Platz Goldene Armbinde von Friedenau

1. Platz Grosser Platz der heiligen Stadt

1898

1. Platz Europameisterschaft, Köln

1. Platz G.P. von Deutschland

1. Platz G.P. von Aachen

1. Platz G.P. von Mainz

1899

1. Platz G.P. von Hamburg

1. Platz G.P. Mülhausen

1900

1. Platz G.P. von Odessa

1901

1. Platz Europameisterschaft

1. Platz G.P. der Republik

3. Platz WM Paris, Sprint

 

plus ein Sieg über Major Taylor, 5 Siege über Ellegaard

1902

1. Platz G.P. von Deutschland

1. Platz G.P. der Republik

2. Platz WM Rom, Sprint

1903

1. Platz Westdeutsches Derby

1. Platz Grosses Match von Aachen

1. Platz G.P. von Hannover

1. Platz Grosser Jubelpreis von Aachen

1. Platz Goldenes Wappen von Hessen, Mainz

2. Platz WM Kopenhagen, Sprint

 

Auf inländischen Bahnen errang er mit dem Einsitzer 12 erste, 9 zweite, 3 dritte Plätze; auf dem Tandem waren es 5 erste, 2 zweite, 3 dritte Plätze.

Auf ausländischen Bahnen errang er insgesamt 4 erste, 6 zweite Plätze und einen dritten Platz.

 

Arend verdiente 1903 von allen Fliegern auf deutschen Bahnen das meiste Geld.

 

- In den Jahren 1896 -1903 errang er auf ausländischen Bahnen 33 erste, 17, zweite, 10 dritte Preise; auf inländischen Bahnen waren es 137 erste, 61 zweite und 29 dritte Plätze, damit führt Arend die Liste an. -

1904

1. Platz Grosser Osterpreis, Berlin-Friedenau

1. Platz Nürnberger Goldpokal 

 

Auf inländischen Bahnen gewann er, einschließlich Tandem, 8 erste, 3 zweite, 8 dritte Preise

 

- Nach der Einkommens-Rangliste der Berufsflieger verdiente Arend auf deutschen Bahnen in den Jahren 1895 -1904 bei weitem das meiste, mehr als doppelt so viel wie der an zweiter Stelle aufgeführte Ellegaard -

1905

1. Platz Hauptfahren, Breslau

1. Platz Grosses Match, Frankfurt a.M.

Auf inländischen Bahnen errang er , einschließlich Tandem, 7 erste, 8 zweite, 4 dritte Plätze. Auf ausländischen bahnen waren es 3 erste, 2 dritte Plätze und 1 zweiten Platz. 

1906

1. Platz Eröffnungspreis, Hamburg

 

Auf inländischen Bahnen errang er 14 erste, 7 zweite, 3 dritte und 6 vierte Plätze.

1907

Er errang 5 erste und je 3 dritte und vierte Plätze auf inländischen Bahnen, im Ausland waren es 5 erste und 5 zweite Plätze.

1908

1. Preis Hauptfahren, Magdeburg

1. Platz Hauptfahren, Münster

1. Platz Eröffnungsrennen, Forst i.L.

1. Platz Hauptfahren, Weissenfels

1. Platz Preis von Zorndorf, Küstrin

1. Platz Hauptfahren, Hannover

1. Platz Hauptfahren, Celle

2. Platz Weltmeistermatch, Treptow

2. Platz Goldene Armbinde von Hessen, Darmstadt

1909

1. Platz Eröffnungspreis, München

1. Platz Hauptfahren, Zehlendorf, Mai

1. Platz Hauptfahren, München, Juni

1. Platz Grosser Einweihungspreis, Berlin-Botanischer Garten

1. Platz Pries von Steglitz

 

Insgesamt errang er auf deutschen Bahnen 14 erste, 9 zweite und 8 dritte Plätze.

1911

Auf deutschen Bahnen errang er insgesamt 25 erste, 16 zweite, 3 dritte Plätze auf Einsitzer; 6 erste, 3 zweite, 2 dritte Plätze mit dem Tandem.

 

In den Jahren 1907-1911 liegt er gemessen am Einkommen unter den deutschen Fliegern an 7. Stelle.

1912

auf deutschen Bahnen errang er einen ersten und 3 dritte Plätze, auf ausländischen war es ein Sieg.

 

- In den Jahren 1908-1912 liegt Arend in der Verdienstrangliste aller in- und ausländischen Flieger an 5. Stelle. -

1913

3. Platz Sechstage-Rennen Hannover

1914

Auf deutschen Bahnen errang er 3 erste, 4 zweite, 3 dritte und 2 vierte Plätze auf Einsitzer, sowie je einen ersten und zweiten Platz auf Zweisitzer. Im Ausland waren es 2 erste, 2 zweite und ein dritter Platz.

 

(...)

1917

1917 hatte Arend insgesamt in seiner Karriere 344 erste, 157 zweite und 104 dritte Plätze auf deutschen Bahnen errungen.

1918

Insgesamt errang er 3 erste, 3 zweite, 3 dritte und 4 vierte Plätze

 

(...)

1921

1. Platz Deutsche Meisterschaft, Nürnberg

 

(...)

1924

Er errang auf deutschen Bahnen 9 erste, 6 zweite, 6 dritte und 7 vierte Plätze.

1925

Auf deutschen Bahnen kam er auf auf 17 erste, 15 zweite, 10 dritte und 4 vierte Plätze auf Ein- und Zweisitzer.

1926

Er errang auf deutschen Bahnen 3 erste und 3 zweite Plätze.  

 

 

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Januar 2005



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