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Fragebogen eines anonymen Fahrers...und seine ehrlichen Antworten

1. Ihr Motto, professionell und persönlich.

Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß!

 

2. Was ist das Beste daran Radsportprofi zu sein und was ist das Schlechteste?

Das Beste: Ich kann mit dem, was ich liebe, mein Leben bestreiten. Ich reise viel und verdiene mehr Geld, als in einem anderen „normalen“ Job.

 

Das Schlechteste: Ich bin immer unterwegs und niemals daheim, was teuflisch schlecht für die familiäre Situation ist. Und dann die ständige Sorge um einen neuen Vertrag. Und die Verletzungen.

 

3. Was planen Sie nach Ihrer Radprofi-Karriere?

Wie zum Teufel soll ich das wissen? Ich habe keine Ausbildung und keine höhere Schulbildung. Ich habe keine Ahnung, was für einen Job ich finden könnte. Ich kann nur hoffen, daß ich einen Job im Radsport finde, oder daß mich jemand aufgrund der Zugkraft meines Namens einstellt.

 

4. Der sportliche Leiter ist........

Mein Boss. Er sagt mir, was ich zu tun habe und dann muß ich es tun. Wenn er sagt, ich muß fahren, dann muß ich fahren, selbst wenn ich es nicht will oder mich nicht gut fühle oder Ärger zu Hause habe. Er versucht verständnisvoll zu sein, aber er leitet ein Geschäft – unser Team – um das er sich kümmern muß.

 

5. Fans sind.....

einer der Gründe weiterzumachen. Ihre Unterstützung und Anfeuerung sind manchmal die einzigen Dinge, die mich zum Weiterfahren anspornen. Auf einigen dieser Bergetappen mit tausenden Fans am Straßenrand... es ist ein unglaubliches Gefühl, ich kann’s gar nicht beschreiben.

 

6. Was ist die schlechteste, verrückteste oder interessanteste Erfahrung, die Sie je mit einem Fan gemacht haben?

Oh Mann, es gibt alle Arten von Fans. Die Meisten wollen nicht wirklich mehr als ein Foto oder Autogramm, aber du kannst von einigen nahezu alles bekommen, was du willst – alles, von Sex bis Drogen.

 

7. Was ist Ihr Lieblingsrennen, und warum?

Jedes, bei dem ich siegen konnte – das sind nicht allzuviele.

 

8. Welches Rennen mögen Sie am wenigsten?

Jedes kalte, regnerische Rennen im frühen Teil der Saison, wo ich weiß, daß ich sowieso keine Chance habe gut zu fahren, bei dem alles wehtut, weil ich noch nicht in Topform bin, ganz zu Schweigen von dem Erkältungsrisiko bei diesem Mistwetter, oder der Gefahr im Regen zu stürzen und mich zu verletzen.

 

9. Welches ist der schwierigste Anstieg?

Alpe d'Huez, Mortirolo, Angliru, eigentlich alle berühmten Anstiege, besonders wenn sie am Ende einer Etappe sind. 99% von uns haben nicht die geringste Chance auf den Sieg einer solchen Etappe und nach 200km ist es schiere Quälerei sich auf solch einen Berg zu zwingen. Manchmal denkst du, das einzige, was du tun solltest, ist vom Rad zu steigen und dich ins Teamauto zu setzen, aber das kannst du nicht tun – du hast immer davor Angst, daß genau das in der Ansicht deines sportlichen Leiters das Ende deiner Karriere bedeutet.

 

10. Vor welchen Ihrer Rennfahrerkollegen haben Sie den meisten Respekt?

Allen, denen es gelungen ist, eine lange Karriere zu haben, die immer noch gesund sind, wenn sie aufhören, die sich Karrieren nach dem Radsport aufbauen... so viele gibt es davon auch nicht.

 

11. Wie stehen Sie zum Thema Doping?

Ich wünschte ich könnte sagen es ist ein Problem, das nicht existiert, aber das kann ich nicht. Ihr könnt euch nicht vorstellen, mit welcher Angst die Meisten von uns leben – Angst vor Verletzungen, ja, aber größer noch ist die Angst zu versagen, keinen neuen Vertrag zu bekommen, arbeitslos zu sein – und wir tun einfach, was wir tun müssen, um damit klarkommen, um uns zu helfen das Beste aus uns rauszuholen. Wenn Doping uns hilft, nehmen wir es. Wir können höchstens hoffen, daß wir nicht geschnappt werden.

 

12. Haben Sie eine Familie? Wenn ja, wie kommt sie damit zurecht, daß Sie Radsportprofi sind?

Klar, eine Frau und zwei Kinder. Ich habe beide Geburten verpaßt, weil ich Rennen fuhr. Mein Sohn ist sieben und ich war an seinem Geburtstag noch nie zuhause! Meine Frau dachte mal, daß es ein „Traum“ wäre mit einem Radprofi verheiratet zu sein – jetzt redet sie von Scheidung.......

 

13. Wie haben Sie mit dem Radsport angefangen?

Wie alle Kinder in der Nachbarschaft hatte ich ein Fahrrad um beweglich zu sein. Dann bestanden meine Eltern darauf, daß ich einen Sport wähle, und Radsport lag da auf der Hand. Ich merkte, daß ich darin ganz gut war und widmete mich mehr dem Radsport als der Schule. Ich schnappte mir einen Profivertrag, sobald ich konnte.

 

14. Wer sind Ihre Vorbilder?

Als Kind möchtest du wie Indurain oder Merckx oder wer auch immer fahren. Wenn du älter wirst, wird dir bewußt, daß sie durch die selbe Scheiße gegangen sind, den du durchmachst und du versuchst bloß noch durch jedes Rennen so gut durchzukommen, wie du kannst.

 

15. Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Freizeit? Schlafen, trainieren, Fitneß. Ich versuche wirklich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen, aber.....

 

16. Was sind Ihre besten und schlechtesten Eigenschaften?

besten: Ich schufte hart und versuche immer das Richtige zu tun, selbst wenn es nicht immer klappt.

 

schlechtesten: Ich weiß, daß eine Menge Dinge, die ich tue, falsch sind, wie meine Frau zu betrügen oder Doping zu nehmen, um meine Fähigkeiten zu steigern, aber ich tue es trotzdem.

 

 

von tick, übersetzt von badorties, Dezember 2003


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